Hilda von Whitby

Gedächtnis: 17. November
Die heilige Hilda von Whitby wurde um das Jahr 614 in Northumbrien geboren und entstammte dem dortigen Königshaus. Ihr Vater Hereric war ein Neffe König Edwins von Northumbrien. Nach dem Zeugnis des Beda Venerabilis empfing Hilda gemeinsam mit König Edwin durch die Verkündigung des heiligen Paulinus von York den christlichen Glauben und die heilige Taufe. Sie bewahrte diesen Glauben während ihres ganzen Lebens und wurde zu einer der bedeutendsten geistlichen Frauen der angelsächsischen Kirche des 7. Jahrhunderts.
Die ersten dreiunddreißig Jahre ihres Lebens verbrachte Hilda in der Welt. Im Alter von etwa dreiunddreißig Jahren entschloss sie sich, ihr weiteres Leben ganz Christus zu weihen. Sie begab sich zunächst nach Ostanglien und beabsichtigte, von dort in das Frankenreich überzusetzen, um im Kloster von Chelles, wo bereits ihre Schwester Hereswith das monastische Leben führte, selbst Nonne zu werden. Doch der heilige Aidan von Lindisfarne rief Hilda nach Northumbrien zurück. Unter seiner geistlichen Führung begann sie mit wenigen Gefährtinnen auf einem kleinen Stück Land nördlich des Flusses Wear ihr monastisches Leben.
Bald darauf wurde Hilda zur Äbtissin des Klosters Heruteu, des heutigen Hartlepool, bestellt. Dieses Kloster war zuvor von der heiligen Heiu gegründet worden. Hilda ordnete dort das Gemeinschaftsleben nach den monastischen Grundsätzen, in denen sie von Aidan und anderen erfahrenen geistlichen Vätern unterwiesen worden war. Beda berichtet, dass der heilige Aidan und andere fromme Männer sie häufig besuchten, sie unterwiesen und wegen ihrer Weisheit und ihrer Liebe zum Dienste Gottes hochschätzten.
Nach einigen Jahren übernahm Hilda die Leitung des Klosters Streaneshalch, des heutigen Whitby. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Kloster zu einem der bedeutendsten geistlichen und kirchlichen Zentren Northumbriens. Hilda legte besonderen Wert auf Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Keuschheit, Frieden und gegenseitige Liebe. Nach dem Vorbild der ersten christlichen Gemeinde sollte niemand persönlichen Reichtum besitzen, sondern alles den Mitgliedern der Gemeinschaft gemeinsam sein.
Ihre geistliche Autorität reichte weit über die Grenzen ihres Klosters hinaus. Diejenigen, die sie kannten, nannten sie nach dem Zeugnis Bedas wegen ihrer Frömmigkeit und geistlichen Gnade schlicht „Mutter“. Könige, Fürsten und andere hochgestellte Männer suchten ihren Rat. Zugleich wurde Whitby unter ihrer Leitung zu einer bedeutenden Schule des kirchlichen Lebens und der Heiligen Schrift. Mehrere Männer, die dort ihre geistliche und theologische Bildung empfingen, wurden später zu Bischöfen berufen, darunter Bosa von York, Ætla, Oftfor, Johannes von Beverley und Wilfrid II. von York. Beda hebt hervor, dass diese Männer durch ihre Tugend und ihren kirchlichen Dienst Zeugnis für die geistliche Ordnung ablegten, die Hilda in ihrem Kloster gepflegt hatte.
Mit Hildas Kloster ist auch der heilige Cædmon verbunden, einer der frühesten namentlich bekannten christlichen Dichter in altenglischer Sprache. Nachdem sich seine außergewöhnliche Gabe geistlicher Dichtung gezeigt hatte, wurde Hilda davon berichtet. Sie ließ ihn und seine Gabe prüfen und erkannte darin ein Geschenk Gottes. Auf ihre Veranlassung trat Cædmon in die klösterliche Gemeinschaft ein. Dort wurde er in der Heiligen Schrift und der christlichen Lehre unterwiesen und setzte das Gehörte in geistliche Dichtungen in seiner eigenen Sprache um.
Im Jahre 664 fand im Kloster von Whitby die später als Synode von Whitby bezeichnete kirchliche Versammlung statt. Anlass waren insbesondere die unterschiedlichen Berechnungen des Ostertermins und weitere kirchliche Gebräuche, die sich zwischen der iro-schottischen Tradition, wie sie auf Lindisfarne gepflegt wurde, und der in Kent und anderen Teilen der Kirche befolgten römischen Tradition entwickelt hatten. König Oswiu von Northumbrien berief die Versammlung ein, an der Vertreter beider Überlieferungen teilnahmen. Für die Tradition von Iona trat besonders der heilige Colmán, Bischof von Lindisfarne ein, während der heilige Wilfrid von York die römische Osterberechnung verteidigte. König Oswiu entschied schließlich, künftig der römischen Osterberechnung zu folgen. Die Auseinandersetzung fand innerhalb der damals noch ungeteilten Kirche statt und betraf kirchliche Bräuche und Berechnungsweisen, nicht einen Gegensatz zwischen verschiedenen Glaubensbekenntnissen.
In den letzten sechs Jahren ihres Lebens wurde Hilda von einer schweren und langwierigen Krankheit heimgesucht. Dennoch gab sie weder ihre Danksagung an Gott noch ihre Sorge um die ihr anvertraute Gemeinschaft auf. Selbst während ihrer Krankheit unterwies sie die Schwestern öffentlich und persönlich und lehrte sie durch ihr eigenes Beispiel, Gott sowohl in Gesundheit als auch in Krankheit treu zu dienen und Ihm in allen Lebenslagen Dank zu sagen.
Als ihre letzte Stunde nahte, empfing Hilda die Wegzehrung und rief die Schwestern ihres Klosters zu sich. Sie ermahnte sie, untereinander und mit allen Menschen den Frieden des Evangeliums zu bewahren. Noch während sie zu ihnen sprach, entschlief sie friedlich im Herrn. Es war der 17. November des Jahres 680; Hilda war sechsundsechzig Jahre alt und hatte die Hälfte ihres Lebens im monastischen Stand verbracht.
Zur selben Stunde wurde ihr Hinscheiden nach Bedas Bericht auf wunderbare Weise auch in einem anderen, etwa dreizehn Meilen entfernten Kloster wahrgenommen. Eine Schwester namens Begu hörte im Schlaf den Klang einer Glocke, wie sie gewöhnlich erklang, wenn eine Schwester aus dieser Welt schied. In einer Vision sah sie Hildas Seele von Engeln begleitet und von himmlischem Licht umgeben emporsteigen. Noch bevor am folgenden Morgen die Nachricht aus Whitby eintraf, hatten die Schwestern bereits für ihre entschlafene geistliche Mutter gebetet.
Schon ihre Mutter Breguswith soll vor Hildas Geburt in einem Traum ein kostbares Kleinod gesehen haben, dessen Licht ganz Britannien erfüllte. Beda deutete diese Überlieferung als Vorausbild des Lebens Hildas: Durch ihre Weisheit, ihr monastisches Wirken und die zahlreichen Menschen, die sie zum christlichen Leben führte, wurde sie tatsächlich zu einem geistlichen Licht für ihr Land. Die heilige Hilda wird deshalb bis heute als eine der großen Äbtissinnen und geistlichen Mütter der Kirche auf den Britischen Inseln verehrt.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch IV, Kapitel 23 sowie die Abschnitte über die Synode von Whitby; Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, Saint Hilda of Whitby, England.
Gebete
Troparion (1. Ton)
Obwohl du von königlicher Geburt und Abstammung warst, o Hilda, verschmähtest du irdische Reichtümer und die Verlockungen des Fleisches. Mit deinem ganzen Herzen hieltest du fest an Christus und nahmst die Mühen des monastischen Lebens auf dich. Darum stattete Gott dich mit solcher Weisheit und Klugheit aus, dass alle Menschen zu dir eilten um Rat und Hilfe. O Ehrwürdige, tritt unaufhörlich bei Ihm ein, dass Er uns großes Erbarmen gewähren möge.
Kondakion (6. Ton)
Wie die Wogen der Nordsee die Gestade von Whitby umspülen, o ehrwürdige Hilda, so mögen deine Fürbitten unsere Sünden hinwegspülen, die zahlreicher sind als der Sand des Meeres, und sie in den unergründlichen Tiefen der Barmherzigkeit Gottes versenken. Da du mit großem Freimut vor dem Throne Christi, des Königs der Könige, stehst, halte nun Fürbitte für uns, auf dass wir durch deine Fürbitten einen Platz zu Seiner Rechten finden mögen.