Colman, Bischof von Lindisfarne

Gedächtnis: 18. Februar
Der heilige Colman von Lindisfarne war ein irischer Mönch und Hierarch des 7. Jahrhunderts, der in der geistlichen Tradition des vom heiligen Columba gegründeten Klosters Iona herangebildet wurde. Über seine Jugend und seine frühen Lebensjahre ist nur wenig Sicheres bekannt. Spätere Überlieferungen bringen seine Herkunft mit Connacht im Westen Irlands in Verbindung. Als Mönch von Iona lebte er in jener asketischen und missionarischen Tradition, aus der bereits die heiligen Bischöfe Aidan und Finan hervorgegangen waren.
Nach dem Entschlafen des heiligen Finan im Jahre 661 wurde Colman dessen Nachfolger als Bischof von Lindisfarne und damit der dritte Bischof der dortigen Gemeinschaft nach Aidan und Finan. Wie seine Vorgänger verband er das bischöfliche Amt mit dem monastischen Leben. Lindisfarne blieb unter seiner Leitung ein bedeutendes geistliches Zentrum Northumbriens, dessen Mönche in großer Einfachheit lebten und sich der Verkündigung des christlichen Glaubens widmeten. Auch Beda Venerabilis, der die von Colman vertretene Osterberechnung nicht teilte, bewahrte ein ehrendes Andenken an ihn und hebt seine Klugheit und seine vorbildliche Lebensweise hervor.
Während Colmans Episkopat trat die schon länger bestehende Frage nach der Berechnung des Osterfestes in Northumbrien immer stärker hervor. Colman hielt an der Berechnung fest, die er von der Gemeinschaft von Iona empfangen hatte und die auch seine Vorgänger Aidan und Finan befolgt hatten. Andere Teile der Kirche in England folgten dagegen bereits der Osterberechnung, die in Rom und weiten Teilen der Kirche üblich geworden war. Besonders am northumbrischen Königshof wurde die Verschiedenheit sichtbar, da König Oswiu der von Iona überlieferten Praxis folgte, während seine Gemahlin Eanflæd das Osterfest nach der anderen Berechnung beging.
Um diese und damit verbundene Fragen zu klären, wurde im Jahre 664 im Kloster der heiligen Hilda in Whitby eine Synode abgehalten. Colman vertrat dort die Überlieferung Ionas und berief sich auf die Tradition des heiligen Columba und der Väter, von denen seine Gemeinschaft ihre kirchlichen Gebräuche empfangen hatte. Die andere Seite wurde vor allem durch den heiligen Wilfrid vertreten, der für die in Rom und anderen Teilen der Kirche gebräuchliche Osterberechnung eintrat. Beide Seiten gehörten der noch ungeteilten Kirche an; die Auseinandersetzung betraf insbesondere die Berechnung des Ostertermins sowie unterschiedliche kirchliche Gebräuche und nicht eine Verschiedenheit des Glaubens.
König Oswiu entschied schließlich, dass in seinem Reich die von Wilfrid vertretene Osterberechnung angenommen werden sollte. Colman sah sich außerstande, die ihm von seinen geistlichen Vätern überlieferte Praxis aufzugeben. Nach drei Jahren als Bischof von Lindisfarne legte er daher sein Amt nieder und verließ Northumbrien mit den irischen Brüdern seiner Gemeinschaft sowie mit einer Anzahl angelsächsischer Mönche, die ihm weiterhin folgen wollten.
Bevor Colman Lindisfarne verließ, sorgte er für die dort zurückbleibenden Brüder. Auf seine Bitte wurde der heilige Eata, Abt von Melrose und einer jener zwölf angelsächsischen Knaben, die einst vom heiligen Aidan im christlichen und monastischen Leben unterrichtet worden waren, mit ihrer Leitung betraut. Beda Venerabilis berichtet in diesem Zusammenhang, dass König Oswiu Colman wegen seiner besonderen Klugheit sehr schätzte. Colman nahm einen Teil der heiligen Gebeine Aidans mit sich, während ein anderer Teil auf Lindisfarne verblieb und dort in der Kirche beigesetzt wurde. Damit blieb auch nach seinem Weggang die geistliche Verbindung zwischen der Gemeinschaft von Lindisfarne und ihren ersten heiligen Vätern erhalten.
Colman zog mit seinen Gefährten zunächst nach Iona zurück, von wo Aidan, Finan und er selbst zur Verkündigung unter den Angelsachsen ausgesandt worden waren. Einige spätere Überlieferungen verbinden ihn in den folgenden Jahren außerdem mit kirchlichen Gründungen im heutigen Schottland. Sicher bezeugt ist dagegen sein anschließender Weg nach Irland. Gemeinsam mit den Mönchen, die ihm aus Lindisfarne gefolgt waren, ließ er sich auf Inishbofin nieder, einer kleinen Insel vor der Westküste Irlands, deren irischer Name „Insel der weißen Kuh“ bedeutet. Dort gründete er ein Kloster, in dem irische und angelsächsische Mönche zunächst gemeinsam lebten.
Das Zusammenleben der beiden Gruppen erwies sich jedoch auf Dauer als schwierig. Beda berichtet, dass die irischen Brüder während des Sommers die Insel verließen und an anderen Orten umherzogen, während die angelsächsischen Mönche auf Inishbofin blieben und die für den gemeinsamen Lebensunterhalt notwendige Erntearbeit verrichteten. Im Winter kehrten die irischen Brüder zurück und wollten die gemeinsam vorhandenen Vorräte nutzen. Daraus entstanden wiederholt Spannungen innerhalb der Gemeinschaft.
Colman suchte nach einer Lösung, welche den Frieden bewahren und beiden Gruppen ein geordnetes monastisches Leben ermöglichen sollte. Er erwarb daher auf dem irischen Festland einen geeigneten Ort für die angelsächsischen Brüder und gründete dort ein eigenes Kloster. Diese Gemeinschaft wurde als Mayo der Sachsen bekannt. Colman sorgte dafür, dass sie mit dem Notwendigen ausgestattet wurde, und übergab sie anschließend einem Abt. Das Kloster entwickelte sich zu einer angesehenen Gemeinschaft, in der angelsächsische Mönche auf irischem Boden das monastische Leben pflegten.
Beda berichtet mit besonderer Anerkennung über diese Gemeinschaft. Zu seiner eigenen Zeit bestand das Kloster von Mayo noch und war für seine gute Ordnung bekannt. Die Brüder hatten die früheren Gewohnheiten abgelegt, lebten nach dem Beispiel der ehrwürdigen Väter unter einer kanonisch gewählten Leitung und führten ein enthaltsames und aufrichtiges monastisches Leben. Auf diese Weise trug das Wirken Colmans auch nach seinem Weggang aus Northumbrien Früchte und verband die monastischen Traditionen Irlands und des angelsächsischen England miteinander.
Colman verbrachte seine letzten Lebensjahre wieder in Irland. Die irische Überlieferung verbindet sein weiteres Wirken besonders mit Inishbofin. Sein Entschlafen wird in das Jahr 676 gesetzt.
Der heilige Colman steht am Ende der ersten, unmittelbar von Iona geprägten Reihe der Bischöfe von Lindisfarne: Aidan, Finan und Colman. Obwohl sein Weggang von der Heiligen Insel mit der Auseinandersetzung um die Osterberechnung verbunden war, blieb sein geistliches Erbe nicht auf diesen Streit beschränkt. Als Mönch, Bischof und Abt bewahrte er die von seinen Vätern empfangene asketische Lebensweise, sorgte auch beim Verlassen Lindisfarnes für die ihm anvertrauten Brüder und begründete schließlich in Irland neue monastische Gemeinschaften. So wird er als heiliger Hierarch und geistlicher Vater verehrt, dessen Leben die enge Verbindung zwischen Iona, Lindisfarne und dem irischen Mönchtum des 7. Jahrhunderts sichtbar macht.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch III, besonders Kapitel 25–26, sowie Buch IV, Kapitel 4; Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, Saint Colman, Bishop of Lindisfarne; Saints of the Isles, Our Father among the Saints Colman, Bishop and Abbot of Lindisfarne; OrthodoxWiki, Colman of Lindisfarne; Heavy Anglophile Orthodox, Holy Hierarchs Finan, Colman and Æthelwold.
Gebete
Troparion (4. Ton)
Als Bewahrer der orthodoxen Lehre hast du in deinem Leben die Vorrangstellung der heiligen Tradition gezeigt, o allgelobter Hierarch Colman. Mit großem persönlichen Opfer bist du deinen Lehrern treu geblieben; deshalb beten wir, dass wir unseren Vätern im Glauben ohne Zögern mit Treue und Hingabe folgen und dort auf den Weg der Erlösung geführt werden.
Kondakion (1. Ton)
O heilige Insel Iona, o heilige Insel Lindisfarne, und du, o Inisbofin! Weit größer als die Wogen der Meere, die euch umgeben, ist der Abgrund der Gnade, der vom Heiligen Colmán wie eine Sintflut hervorquillt; denn er überflutet nicht nur eure felsigen Ufer, sondern er bedeckt alle Länder, in denen diejenigen wohnen, die ihn im Glauben ehren.