Beda der Ehrwürdige

Gedächtnis: 25. Mai
Der heilige Beda Venerabilis wurde um das Jahr 673 in Northumbrien geboren, wahrscheinlich in der Gegend der späteren Doppelklöster Wearmouth und Jarrow. Über seine Familie und seine früheste Kindheit ist nur wenig bekannt. Im Alter von sieben Jahren wurde er dem heiligen Benedikt Biscop zur Erziehung im Kloster des heiligen Petrus in Wearmouth anvertraut. Als Benedikt einige Jahre später das Kloster des heiligen Paulus in Jarrow gründete, kam Beda unter die geistliche Leitung des heiligen Ceolfrith, der sein Lehrer und später sein Abt wurde.
So wuchs Beda von Kindheit an in jener monastischen Gemeinschaft auf, die durch Benedikt Biscop und Ceolfrith zu einem bedeutenden geistlichen und kulturellen Zentrum Northumbriens geworden war. Die von Benedikt auf seinen Reisen zusammengetragene umfangreiche Bibliothek eröffnete dem jungen Mönch den Zugang zu den Heiligen Schriften, den Werken der Kirchenväter und zahlreichen weiteren Schriften. Sein ganzes späteres Leben blieb eng mit Wearmouth und Jarrow verbunden.
Nach seinem eigenen Zeugnis empfing Beda im Alter von neunzehn Jahren die Diakonenweihe und im Alter von dreißig Jahren die Priesterweihe. Beide Weihen empfing er durch den heiligen Johannes von Beverley, der damals Bischof von Hexham war. Trotz seiner großen Gelehrsamkeit erstrebte Beda keine höheren kirchlichen Ämter, sondern blieb Mönch und Priester seiner Gemeinschaft. Sein Leben war vom Gottesdienst, vom Gebet, vom Studium der Heiligen Schriften, vom Unterricht seiner Schüler und von seiner schriftstellerischen Arbeit geprägt.
Beda selbst fasste sein Leben mit bemerkenswerter Schlichtheit zusammen. Er habe seine ganze Lebenszeit im Kloster verbracht, sich ganz dem Studium der Heiligen Schriften gewidmet und es als Freude empfunden, zu lernen, zu lehren und zu schreiben. Diese Verbindung von monastischem Leben und geistiger Arbeit kennzeichnete sein gesamtes Wirken. Für ihn war die Beschäftigung mit den Schriften nicht von Gebet und Gottesdienst getrennt, sondern Teil seines Dienstes an Gott und der Kirche.
Besonders widmete sich Beda der Auslegung der Heiligen Schrift. In seinen Kommentaren griff er auf die Überlieferung der Kirchenväter zurück, insbesondere auf den heiligen Gregor den Großen, den heiligen Augustinus von Hippo und den heiligen Hieronymus. Er verfasste Auslegungen zu Büchern des Alten und Neuen Testaments, Homilien zu den Evangelien sowie weitere theologische Schriften. Daneben schrieb er über Zeitrechnung, Naturkunde, Grammatik und Dichtung und stellte sein Wissen in den Dienst der Ausbildung seiner Schüler.
Von besonderer Bedeutung sind seine historischen und hagiographischen Werke. Beda verfasste Lebensbeschreibungen des heiligen Cuthbert von Lindisfarne sowie der Äbte von Wearmouth und Jarrow und bewahrte dadurch wichtige Zeugnisse über das monastische Leben seiner Heimat. Sein bekanntestes Werk wurde jedoch die Historia ecclesiastica gentis Anglorum, die er im Jahre 731 vollendete. In fünf Büchern schilderte er darin die Ausbreitung des christlichen Glaubens unter den Völkern Britanniens bis in seine eigene Zeit.
Gerade durch dieses Werk bewahrte Beda das Gedächtnis zahlreicher Heiliger der britischen Inseln. Seine Berichte über den heiligen Aidan von Lindisfarne und dessen Nachfolger Finan und Colmán, über die heilige Hilda von Whitby und den Hymnographen Cædmon, über die heiligen Könige Oswald und Oswin, über den heiligen Wilfrid von York und viele andere gehören zu den wichtigsten frühen Zeugnissen über das kirchliche Leben des angelsächsischen Englands. Manche der von ihm beschriebenen Ereignisse lagen nur wenige Jahrzehnte zurück; für andere konnte er auf schriftliche Zeugnisse und die Berichte von Menschen zurückgreifen, die mit den Beteiligten noch persönlich verbunden gewesen waren.
Dabei war Beda selbst keineswegs nur ein später Chronist dieser Heiligenwelt. Durch seine geistlichen Väter Benedikt Biscop und Ceolfrith und durch Johannes von Beverley, von dem er die heiligen Weihen empfangen hatte, war er unmittelbar mit ihr verbunden. In Wearmouth und Jarrow lebte er in einer Gemeinschaft, deren Wurzeln bis in die große monastische und missionarische Erneuerung des 7. Jahrhunderts zurückreichten.
Seine Gelehrsamkeit verschaffte Beda schon zu Lebzeiten großes Ansehen, doch blieb sein Leben von monastischer Einfachheit geprägt. Besonders liebte er die Gottesdienste der Kirche. Seine Arbeit als Lehrer und Schriftsteller hinderte ihn nicht daran, gemeinsam mit den Brüdern die festgesetzten Gebetszeiten zu halten. Lernen, Lehren und Schreiben standen für ihn innerhalb desselben Lebens der Gottesverehrung.
Im Jahre 735 erkrankte Beda schwer. Obwohl seine Kräfte zunehmend schwanden und ihm besonders das Atmen schwerfiel, setzte er seinen Unterricht und seine Arbeit fort. Sein Schüler Cuthbert hinterließ einen bewegenden Bericht über diese letzten Tage. Beda verbrachte seine verbleibende Zeit mit Gebet, Psalmengesang, Dank gegen Gott und der Unterweisung seiner Schüler. Zugleich arbeitete er noch an einer Übersetzung des Evangeliums nach Johannes in die Sprache seines Volkes und an Auszügen aus den Schriften des heiligen Isidor von Sevilla.
Als sich sein Zustand verschlechterte, drängte er seine Schüler, ihre Arbeit fortzusetzen, solange ihm noch Zeit gegeben sei. Schließlich ließ er die wenigen persönlichen Dinge, die er besaß, unter den Priestern des Klosters verteilen und bat die Brüder, seiner im Gebet und bei den Gottesdiensten zu gedenken. Dabei zeigte er keine Furcht vor dem bevorstehenden Tod, sondern brachte seine Sehnsucht zum Ausdruck, Christus, seinen König, zu schauen.
Noch am letzten Tag diktierte Beda weiter. Als sein Schüler ihm schließlich mitteilte, dass der letzte noch ausstehende Satz niedergeschrieben sei, antwortete Beda sinngemäß, dass es nun vollendet sei. Er ließ sich so aufrichten, dass sein Angesicht der Kirche zugewandt war, in der er so viele Jahre gebetet hatte. Während er das „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“ sprach, entschlief Beda friedlich im Herrn im Jahre 735.
Sein Leib wurde zunächst in Jarrow bestattet. Seine heiligen Reliquien gelangten später nach Durham, wo sie schließlich in der Kathedrale ihre Ruhestätte fanden. Schon bald nach seinem Entschlafen wurde Beda als „Venerabilis“, der Ehrwürdige, bezeichnet, und sein Andenken verbreitete sich weit über Northumbrien hinaus.
Das Vermächtnis des heiligen Beda besteht nicht allein in seiner außergewöhnlichen Gelehrsamkeit. In seinen Schriften bewahrte er das Gedächtnis einer ganzen Generation von Heiligen, Missionaren, Mönchen, Hierarchen und christlichen Herrschern, deren Wirken die Kirche auf den britischen Inseln geprägt hatte. Gerade weil er selbst tief im monastischen Leben verwurzelt war, betrachtete er Geschichte nicht lediglich als Abfolge weltlicher Ereignisse, sondern als Zeugnis vom Wirken Gottes unter den Menschen. So wurde Beda Venerabilis zugleich Mönch, Priester, Lehrer, Schriftsteller und einer der bedeutendsten Bewahrer der Überlieferung der alten Kirche Englands.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, besonders Buch V, Kapitel 24; Cuthbert von Jarrow, Bericht über das Entschlafen des Beda Venerabilis; Griechisch-Orthodoxe Erzdiözese von Thyateira und Großbritannien, Bede the Venerable; Orthodox Church in America, Venerable Bede, the Church Historian; OrthodoxWiki, Bede.
Gebete
Troparion (8. Ton)
Durch die jahrelange Dunkelheit deiner Zeit hast du, o Beda, die englischen Lande und den ganzen Westen mit Ausgießungen der Gnade getränkt, und wie ein geschickter Sämann streutest du den Samen göttlichen Wissens weit und breit über die Felder deines Meisters, wo er aufging und hundertfache Frucht trug für Ihn. So erwarbst du vor Ihm Tapferkeit; deshalb, o ehrwürdiger Vater, bete unaufhörlich darum, dass unsere Seelen errettet werden mögen.
Kondakion (8. Ton)
Wie eine strahlende Leuchte warst du, hervorstrahlend aus Northumbrien, o Ehrwürdiger Beda; das Licht göttlichen Wissens warfst du auf die Königreiche der Angelsachsen, und mit deiner göttlichen Weisheit erleuchtetest du alle Länder des Westens. Darum gewährte dir Christus, dein Meister, reichen Lohn im Paradies, wo du in Freude für immer weilst mit den Engeln und Heiligen.