Cædmon der Hymnograph, Mönch in Whitby

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Gedächtnis: 11. Februar

Der heilige Cædmon (auch Cedmon) war Mönch im Kloster Whitby und einer der frühesten bekannten christlichen Hymnographen der Angelsachsen.

Er lebte im 7. Jahrhundert zur Zeit der heiligen Äbtissin Hilda von Whitby. Die ausführlichste frühe Nachricht über sein Leben verdanken wir dem ehrwürdigen Beda, der Cædmons außergewöhnliche dichterische Gabe als ein Geschenk der Gnade Gottes beschreibt.

Cædmon war zunächst kein Mönch, sondern ein einfacher Mann, der im Dienst des Klosters von Whitby für das Vieh verantwortlich war. Er war bereits in fortgeschrittenem Alter und hatte weder eine gelehrte Bildung erhalten noch die Kunst des Dichtens oder Singens erlernt. Wenn bei gemeinschaftlichen Mahlzeiten die Harfe herumgereicht wurde und die Anwesenden der Reihe nach singen sollten, zog sich Cædmon gewöhnlich zurück, sobald er bemerkte, dass die Reihe bald an ihn kommen würde, da er nicht zu singen vermochte.

Bei einer solchen Gelegenheit verließ er die Gemeinschaft und begab sich zu den Tieren, deren Bewachung ihm in jener Nacht anvertraut war. Nachdem er sich schlafen gelegt hatte, erschien ihm im Traum eine Gestalt, die ihn mit seinem Namen ansprach und aufforderte zu singen. Cædmon antwortete, dass er nicht singen könne und gerade deshalb die Gemeinschaft verlassen habe. Als ihm jedoch aufgetragen wurde, vom Anfang der Schöpfung zu singen, begann er unvermittelt Verse zum Lob Gottes, des Schöpfers des Himmels und der Erde, zu singen, obwohl er zuvor niemals gedichtet hatte.

Als Cædmon am folgenden Morgen erwachte, erinnerte er sich an alles, was er im Traum gesungen hatte, und fügte weitere Verse zum Lob Gottes hinzu. Er berichtete seinem Vorgesetzten von dem Geschehen und wurde daraufhin zur heiligen Hilda gebracht. Die Äbtissin ließ ihn in Gegenwart gelehrter Männer von seinem Traum und seinem Gesang berichten. Nachdem sie seine Verse gehört hatten, erkannten sie darin eine von Gott geschenkte Gabe.

Um Cædmons Gabe zu prüfen, trugen sie ihm einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift beziehungsweise der christlichen Lehre vor und baten ihn, diesen in dichterischer Form wiederzugeben. Am folgenden Morgen kehrte er zurück und hatte das Gehörte in wohlgeordnete Verse übertragen. Hilda und die bei ihr versammelten geistlichen Männer sahen darin eine besondere Gnade Gottes und ermunterten Cædmon, das weltliche Leben zu verlassen und sich ganz dem monastischen Leben zu widmen.

Cædmon trat daraufhin in die Klostergemeinschaft von Whitby ein und wurde unter die Brüder aufgenommen. Die gelehrten Mitglieder des Klosters unterrichteten ihn in der Heiligen Schrift und der kirchlichen Lehre. Was er durch Hören aufnahm und im Gedächtnis bewahrte, verwandelte er nach eingehender Betrachtung in geistliche Dichtung in seiner angelsächsischen Muttersprache. Auf diese Weise konnten auch Menschen, die keinen Zugang zu den lateinischen kirchlichen Texten besaßen, die großen Taten Gottes in einer ihnen verständlichen Sprache hören.

Seine Dichtungen behandelten nach dem Zeugnis Bedas die Erschaffung der Welt und des Menschen, die gesamte Geschichte der Genesis, den Auszug Israels aus Ägypten und weitere Begebenheiten der Heiligen Schrift. Ebenso besang Cædmon die Menschwerdung, das Leiden, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi, das Kommen des Heiligen Geistes, die Lehre der Apostel sowie das Jüngste Gericht, die Schrecken der Hölle und die Freuden des Himmelreiches. Auch über die göttlichen Wohltaten und Gerichte verfasste er zahlreiche geistliche Gesänge.

Seine Dichtung war dabei nicht bloß Ausdruck dichterischer Begabung. Beda berichtet, dass seine Gesänge bei vielen Menschen die Abkehr von der Liebe zur Welt und das Verlangen nach dem himmlischen Leben weckten. Cædmon dichtete niemals eitle oder weltliche Lieder. Da er seine Gabe nicht durch menschliche Unterweisung erworben hatte, sondern sie als Geschenk Gottes verstand, stellte er sie ganz in den Dienst des Glaubens und der Verkündigung.

Auch sein persönliches Leben entsprach nach Bedas Zeugnis dem Inhalt seiner Gesänge. Cædmon führte ein demütiges und frommes monastisches Leben, unterwarf sich gehorsam der klösterlichen Ordnung und begegnete jenen, die anders leben wollten, mit großem Eifer für ein christliches Leben. Besonders bemerkenswert ist die ausführliche Überlieferung über sein friedliches Entschlafen.

Als Cædmon von einer körperlichen Krankheit befallen wurde, die ihn etwa zwei Wochen lang bedrängte, schien zunächst keine unmittelbare Todesgefahr zu bestehen. In der Nacht, in der er aus dieser Welt scheiden sollte, bat er jedoch darum, in das Gebäude gebracht zu werden, in dem die todkranken Brüder gepflegt wurden. Seine Begleiter wunderten sich darüber, erfüllten aber seinen Wunsch.

Dort unterhielt er sich noch heiter und friedlich mit den anwesenden Brüdern. Gegen Mitternacht fragte er, ob sie die Eucharistie bei sich hätten. Als die Brüder verwundert erwiderten, dass er doch offenbar noch nicht dem Tode nahe sei, bat Cædmon dennoch um die heiligen Mysterien. Bevor er sie empfing, fragte er die Brüder, ob jemand gegen ihn einen Streit oder Groll hege. Als sie antworteten, dass alle in Frieden mit ihm lebten, erklärte auch Cædmon, dass er mit allen Dienern Gottes Frieden halte.

Nachdem er sich so auf seinen Heimgang vorbereitet hatte, empfing Cædmon die heilige Eucharistie als Wegzehrung. Anschließend fragte er, wie lange es noch dauere, bis die Brüder zur nächtlichen Gebetszeit geweckt würden. Als ihm gesagt wurde, dass es nicht mehr lange sei, antwortete er, man solle diese Stunde abwarten. Dann bezeichnete er sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, legte sein Haupt nieder und entschlief ruhig im Herrn, noch bevor die Brüder zum nächtlichen Gottesdienst gerufen wurden.

Der ehrwürdige Beda sieht auch in Cædmons Tod die Vollendung seines Lebens: Wie er Gott mit reiner und schlichter Hingabe gedient hatte, so ging er friedlich zu Ihm hinüber, nachdem er sich mit seinen Brüdern versöhnt und die heiligen Mysterien empfangen hatte.

Der heilige Cædmon wird als Mönch und Hymnograph von Whitby verehrt. Seine Bedeutung liegt nicht allein darin, dass er zu den frühesten namentlich bekannten Dichtern in angelsächsischer Sprache gehört. Sein Leben bezeugt vielmehr, wie eine einem einfachen und ungelehrten Menschen geschenkte Gabe durch Demut, Gehorsam und das geistliche Leben der Kirche zum Werkzeug der Verkündigung werden kann.

Quellen: Ehrwürdiger Beda, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch IV, Kapitel 24; Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, Saint Cedmon of Whitby, England; Saints of the Isles, Caedmon, Monk and Hymnographer.

Gebete

Troparion (2. Ton)

Vor dir verneigen wir uns, o heiliger Mönchsvater Cædmon, denn durch Gottinspirierte Gesänge verkündetest du die Wunder der Schöpfung. Von göttlicher Gnade erleuchtet, verherrlichtest du den Schöpfer in heiligen Hymnen. Bitte Christus, unseren Gott, dass unsere Seelen errettet werden.

Kondakion (2. Ton)

Nach dem Himmlischen verlangend, wandtest du dich von der Eitelkeit der Welt ab, o ehrwürdiger Vater. Die Herrlichkeit des Schöpfers besingend, lehrtest du die Gläubigen, ihren Sinn zum Himmel zu erheben. Darum bitte Christus, unseren Gott, für alle, die dein heiliges Gedächtnis ehren.

aus dem Englischen übersetzt