Cuthbert von Lindisfarne



Gedächtnis: 20. März und 4. September (Übertragung der Gebeine)
Der heilige Cuthbert von Lindisfarne, einer der bedeutendsten Heiligen und Wundertäter der alten Kirche Britanniens, wurde um das Jahr 634 oder 635 im angelsächsischen Königreich Northumbria geboren.
Über seine Herkunft ist nichts Sicheres bekannt. Spätere Überlieferungen schreiben ihm eine vornehme Herkunft zu und nennen unterschiedliche Orte als seine Heimat, doch die frühen Lebensbeschreibungen geben darüber keine zuverlässige Auskunft.
Beda Venerabilis berichtet mehrere Begebenheiten aus Cuthberts Jugend, die bereits auf seine spätere Berufung vorauswiesen. Als er etwa acht Jahre alt war und mit anderen Kindern spielte, wurde er von einem jüngeren Knaben wegen seines ausgelassenen Verhaltens zurechtgewiesen. Der Knabe erklärte ihm schließlich unter Tränen, es zieme sich nicht für jemanden, der einst Priester und Bischof sein werde, sich derart zu verhalten. Cuthbert nahm diese Worte ernst und wurde von da an nachdenklicher. Einige Zeit später litt er an einer schmerzhaften Erkrankung seines Knies. Ein geheimnisvoller Fremder erschien ihm und zeigte ihm, wie die Verletzung behandelt werden sollte. Nachdem Cuthbert geheilt worden war, erkannte er in seinem Besucher einen Engel.
Als junger Mann hütete Cuthbert Schafe in der Gegend von Melrose. In der Nacht des 31. August 651 sah er plötzlich ein helles Licht am Himmel und Engel, welche die Seele eines heiligen Mannes emportrugen. Wenig später erfuhr er, dass in eben jener Nacht der heilige Aidan, Bischof von Lindisfarne und großer Erleuchter Northumbrias, entschlafen war. Dieses Erlebnis prägte Cuthbert tief und bestärkte ihn in seinem Entschluss, sein Leben ganz Gott zu weihen. Obwohl er Aidan nicht mehr persönlich kennenlernte, sollte er später durch seine asketische Lebensweise und seine unermüdliche Verkündigung des Evangeliums zu einem geistlichen Erben von dessen missionarischem Werk werden.
Die frühe Überlieferung deutet außerdem darauf hin, dass Cuthbert vor seinem endgültigen Eintritt ins Kloster zeitweise Kriegsdienst leistete. Über diese Lebensphase ist nur wenig bekannt. Schließlich begab er sich zum Kloster Melrose. Obwohl das berühmte Kloster Lindisfarne näher mit dem Andenken Aidans verbunden war, zog es Cuthbert nach Melrose, weil dort der heilige Boisil als Prior wirkte.
Als Cuthbert das Kloster erreichte, erkannte Boisil nach der Überlieferung bereits beim ersten Anblick seine geistliche Berufung und sagte den Brüdern voraus, dass ein Diener des Herrn zu ihnen gekommen sei. Abt Eata nahm Cuthbert in die Gemeinschaft auf, während Boisil sein geistlicher Lehrer wurde. Unter seiner Führung widmete sich Cuthbert mit großem Eifer dem Gebet, dem Studium der Heiligen Schrift, der körperlichen Arbeit, dem Fasten und den Nachtwachen. Schon damals zeichnete er sich durch ungewöhnliche Ausdauer in der Askese aus, ohne dabei die brüderliche Liebe zu vernachlässigen.
Als König Alhfrith Abt Eata Land in Ripon zur Gründung eines Klosters überließ, gehörte Cuthbert zu den Mönchen, die Eata dorthin entsandte. Dort wurde Cuthbert mit der Betreuung der Gäste und Fremden beauftragt. Aus dieser Zeit stammt eine der bekanntesten frühen Erzählungen über ihn. Eines Wintertages nahm er einen unbekannten jungen Mann als Gast auf, wusch ihm Hände und Füße und wärmte dessen vom Frost erstarrte Glieder. Während Cuthbert Speise für ihn vorbereitete, verschwand der Fremde. Im Schnee waren keine Spuren zu finden; stattdessen entdeckte Cuthbert drei außergewöhnlich weiße und noch warme Brote. Er erkannte darin ein Zeichen dafür, dass er einen Engel beherbergt hatte.
Nachdem die Gemeinschaft Eatas Ripon verlassen musste und das Kloster unter die Leitung des heiligen Wilfrid gelangte, kehrte Cuthbert nach Melrose zurück. Die kirchlichen Verhältnisse Northumbrias waren damals von unterschiedlichen liturgischen und monastischen Gebräuchen geprägt.
Während einer schweren Seuche erkrankte auch Cuthbert und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Die Brüder verbrachten die Nacht im Gebet für ihn, worauf sich sein Zustand besserte. Die Krankheit scheint jedoch seine Gesundheit nachhaltig geschwächt zu haben. Einige Zeit später erkrankte sein geistlicher Vater Boisil. Dieser wusste seinen Tod voraus und verbrachte seine letzten sieben Tage gemeinsam mit Cuthbert mit der Lesung und Betrachtung des Johannesevangeliums. Nach Boisils Tod übernahm Cuthbert dessen Aufgabe als Prior von Melrose.
Nun begann eine der bedeutendsten Phasen seines Wirkens. Cuthbert verließ das Kloster häufig für ausgedehnte Missionsreisen durch Northumbria. Er suchte dabei bevorzugt abgelegene Dörfer und Berggegenden auf, die von Priestern nur selten erreicht wurden. Manchmal blieb er mehrere Wochen unterwegs. Er predigte den Menschen das Evangelium, besuchte die Kranken, tröstete die Trauernden und richtete jene auf, die in ihrem geistlichen Leben gefallen waren. Besonders in Zeiten von Krankheit und Not hatten manche Menschen wieder Zuflucht zu Amuletten, Beschwörungen und anderen vorchristlichen Bräuchen gesucht. Cuthbert führte sie mit Geduld zur christlichen Lebensweise zurück und rief sie zur Umkehr.
Seine Verkündigung gewann ihre besondere Kraft durch sein eigenes Beispiel. Was er anderen lehrte, versuchte er zuerst selbst zu leben. Die Menschen fassten deshalb großes Vertrauen zu ihm und bekannten ihm offen ihre Sünden. Cuthbert begegnete den Reuigen nicht mit Härte. Beda berichtet vielmehr, dass er mit den Weinenden weinte und bisweilen sogar selbst die ihnen auferlegte Buße auf sich nahm, um sie durch sein Beispiel zur Umkehr zu führen. Seine Strenge richtete sich in erster Linie gegen sich selbst. Auch seine Tränengabe wurde zu einem charakteristischen Zug seines geistlichen Lebens; die Überlieferung berichtet, dass er selbst während der Feier der Göttlichen Liturgie häufig Tränen vergoss.
Mit Cuthberts asketischem Leben verband sich eine außergewöhnliche Nähe zur Schöpfung. Die frühen Viten berichten wiederholt von Tieren, die ihm dienten oder auf seine Worte reagierten. Auf einer Reise fand sein Pferd auf wunderbare Weise Nahrung, die Cuthbert dankbar mit dem Tier teilte. Besonders bekannt wurde die Begebenheit, dass Cuthbert eines Nachts bis zum Hals im kalten Meer stehend betete. Nachdem er das Wasser verlassen hatte, kamen zwei Meerestiere zu ihm, wärmten seine Füße mit ihrem Atem und trockneten sie mit ihrem Fell. In der späteren geistlichen Überlieferung wurden solche Ereignisse als Zeichen jener durch die Heiligkeit wiederhergestellten Harmonie zwischen Mensch und Schöpfung verstanden, die an das Paradies erinnert.
Nach mehreren Jahren als Prior von Melrose wurde Cuthbert von Abt Eata nach Lindisfarne entsandt und dort mit der Leitung der Mönchsgemeinschaft betraut. Dies geschah in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen innerhalb der Kirche Northumbrias. Auf der Synode von Whitby im Jahre 664 hatte König Oswiu entschieden, dass künftig die in Rom gebräuchliche Osterberechnung befolgt werden sollte. Bischof Colman verließ daraufhin mit einem Teil der Mönche Lindisfarne und zog zunächst nach Iona und später nach Irland.
Cuthbert war durch Eata und Boisil tief in jener monastischen und missionarischen Überlieferung verwurzelt, die über Lindisfarne auf den heiligen Aidan zurückging. Zugleich akzeptierte er die in Northumbria angenommene Osterordnung und stellte unterschiedliche örtliche Gebräuche nicht über die Einheit der Kirche. Gerade dadurch konnte er in Lindisfarne eine wichtige vermittelnde Aufgabe übernehmen.
Diese Aufgabe war keineswegs einfach. Einige Mönche widersetzten sich der von Cuthbert vertretenen klösterlichen Ordnung und begegneten seinen Ermahnungen bisweilen mit heftigen Worten. Cuthbert ließ sich davon nicht entmutigen. Mit großer Geduld begann er immer wieder von Neuem, die Brüder zu unterweisen, bis er sie schließlich mehr durch sein Beispiel und seine Sanftmut als durch Strenge gewann. Auch von Lindisfarne aus setzte er seine Missionsreisen fort und suchte die Bevölkerung der umliegenden Gebiete auf.
Doch Cuthberts Sehnsucht nach einem Leben völliger Hingabe an Gott wurde immer stärker. Um das Jahr 676 legte er sein Amt als Prior nieder und zog sich zunächst auf eine kleine, Lindisfarne unmittelbar vorgelagerte Insel zurück, die später seinen Namen erhielt. Bald suchte er jedoch noch größere Einsamkeit und begab sich auf Inner Farne, eine der Farne-Inseln vor der Küste Northumbrias.
Dort errichtete er mit eigenen Händen eine kleine Einsiedelei mit Oratorium und Behausung. Die Umfassungsmauern waren so hoch, dass Cuthbert aus ihrem Inneren nur den Himmel sehen konnte. In der Nähe der Anlegestelle ließ er ein Haus für die Brüder und andere Besucher errichten. Er lebte in strengem Fasten, Gebet und Nachtwachen und versuchte, soweit möglich, von seiner eigenen Arbeit zu leben. Als Weizen auf der kargen Insel nicht gedeihen wollte, säte er Gerste, die wider Erwarten eine Ernte hervorbrachte.
Auch auf Farne berichten die Viten von seiner besonderen Beziehung zur Tierwelt. Vögel, die seine Aussaat beschädigten, gehorchten seiner Ermahnung und ließen das Feld fortan unberührt. Als Raben Material vom Dach eines Gästehauses forttrugen, befahl Cuthbert ihnen, die Insel zu verlassen. Bald kehrte einer der Vögel zurück, als bitte er um Vergebung, und später brachten die Raben ein Stück Schweineschmalz als Gabe. Cuthbert erlaubte ihnen daraufhin, wieder auf der Insel zu leben.
Seine Liebe zur Einsamkeit bedeutete jedoch niemals Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen. Wer nach Farne kam, um Trost, Rat oder Hilfe zu suchen, wurde von ihm aufgenommen. Anfangs empfing Cuthbert seine Besucher persönlich; später sprach er aus größerer Zurückgezogenheit durch ein Fenster mit ihnen. Menschen aller Stände suchten seinen Rat. Zahlreiche Heilungen und prophetische Gaben wurden ihm zugeschrieben, und sein Ruf als heiliger Mann verbreitete sich weit über Northumbria hinaus.
Nach ungefähr acht Jahren des Einsiedlerlebens wurde Cuthbert im Jahre 684 auf einer Synode unter dem Vorsitz des heiligen Theodor von Canterbury zum Bischof gewählt. Er wollte seine Einsiedelei jedoch nicht verlassen und lehnte die Würde zunächst ab. Schließlich kamen König Ecgfrith, Bischof Trumwine und zahlreiche Geistliche und Würdenträger persönlich nach Farne und baten ihn unter Tränen, die Wahl anzunehmen. Cuthbert gab erst nach langem Widerstand nach. Er suchte das Bischofsamt nicht aus eigenem Willen, sondern nahm es als Dienst an der Kirche an. Nach Bedas Kirchengeschichte war Cuthbert zunächst für den Bischofssitz Hexham vorgesehen. Im Einvernehmen mit dem heiligen Eata wurde jedoch vereinbart, dass Cuthbert Lindisfarne übernehmen und Eata nach Hexham gehen sollte. Am Ostersonntag des Jahres 685 wurde Cuthbert in York von Erzbischof Theodor von Canterbury und sechs weiteren Bischöfen zum Bischof geweiht.
Auch als Bischof blieb Cuthbert im Herzen Mönch und Asket. Seine Kleidung und Lebensweise blieben einfach. Er bereiste seine Diözese, predigte, spendete geistlichen Trost, heilte Kranke und sorgte besonders für Arme und Bedürftige, denen er als seinen Brüdern in Christus begegnete. Die asketische Strenge gegen sich selbst verband er mit großer Sanftmut gegenüber anderen. Wo Streit herrschte, bemühte er sich um Frieden und Versöhnung. So verband sich in ihm das kontemplative Leben des Einsiedlers mit dem tätigen Hirtendienst des Bischofs.
Während eines Aufenthaltes in Carlisle im Jahre 685 erkannte Cuthbert nach Bedas Bericht auf übernatürliche Weise den Tod König Ecgfriths. Der König war am 20. Mai gegen Cuthberts Rat zu einem Feldzug gegen die Pikten aufgebrochen und fiel in der Schlacht von Nechtansmere. Cuthbert wusste von seinem Tod, noch bevor die Nachricht Carlisle erreicht hatte.
Cuthbert erkannte zunehmend, dass ihm nur kurze Zeit im Bischofsamt beschieden sein würde. Nach etwa zwei Jahren legte er sein Amt nieder und kehrte auf die geliebte Insel Farne zurück. Kurz nach Weihnachten 686 zog er sich endgültig in seine Einsiedelei zurück, um sich in Gebet auf sein Lebensende vorzubereiten. Bald erkrankte er schwer.
Abt Herefrid von Lindisfarne, der Cuthbert während seiner letzten Krankheit besuchte, überlieferte Beda einen ausführlichen Bericht über dessen letzte Tage. Anfangs wollte der Heilige trotz seiner Schwäche allein bleiben. Als sein Zustand sich verschlechterte, ließ er die Brüder wieder zu sich. In seinen letzten Unterweisungen mahnte er sie besonders, Frieden und Eintracht zu bewahren, gastfreundlich gegenüber anderen Dienern Christi zu sein und treu an dem Glauben und dem monastischen Leben festzuhalten, die ihnen überliefert worden waren. Die Einheit der Kirche lag ihm bis zuletzt am Herzen.
In der Nacht seines Todes empfing Cuthbert die heiligen Mysterien des Leibes und Blutes Christi. Danach verbrachte er seine letzten Stunden im Gebet. Mit zum Himmel erhobenen Augen und Händen entschlief der heilige Cuthbert in den frühen Morgenstunden des 20. März 687 auf Inner Farne.
Sein Leib wurde nach Lindisfarne gebracht und in der Klosterkirche beigesetzt. Im Jahre 698 öffneten die Brüder sein Grab, um seine Gebeine zu erheben und an einem ehrenvolleren Ort niederzulegen. Zu ihrer großen Verwunderung fanden sie nach dem Zeugnis der frühen Viten seinen Leib unversehrt vor. Die Glieder waren noch beweglich und selbst die Gewänder erschienen unversehrt. Der Leib wurde neu bekleidet und in einem Reliquienschrein im Heiligtum der Kirche aufgestellt. Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich rasch, und zahlreiche Wunder wurden an seinem Grab berichtet.
Schon kurz darauf entstand auf Lindisfarne die erste anonyme Vita des Heiligen. Beda verfasste später sowohl eine metrische als auch eine ausführliche Prosavita und berichtete zudem in seiner Kirchengeschichte über Cuthbert. Dadurch gehört Cuthbert zu den am besten dokumentierten Heiligen des frühmittelalterlichen Britanniens.
Die Ruhe seiner Reliquien auf Lindisfarne endete infolge der Wikingerüberfälle. Nachdem Lindisfarne seit dem Ende des 8. Jahrhunderts wiederholt angegriffen worden war, verließ die Gemeinschaft im Jahre 875 die Insel endgültig und nahm den Reliquienschrein Cuthberts mit. Die Mönche bewahrten dabei nicht nur seine Reliquien, sondern verstanden sich selbst weiterhin als Gemeinschaft des heiligen Cuthbert.
Nach Jahren der Wanderschaft fand die Gemeinschaft eine längerfristige Heimat in Chester-le-Street, wo der Reliquienschrein ungefähr ein Jahrhundert lang aufbewahrt wurde. Im Jahre 995 zwang eine erneute Bedrohung die Gemeinschaft zum Aufbruch. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Ripon gelangten die Mönche schließlich nach Durham. Dort entstand um Cuthberts Reliquien ein neues geistliches Zentrum. Sein Schrein wurde zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Englands.
Mit dem Bau der großen normannischen Kathedrale von Durham erhielt der Heilige eine neue Ruhestätte. Im Jahre 1104 wurde sein Schrein geöffnet und seine Reliquien feierlich in die neue Kathedrale übertragen. Auch bei dieser Öffnung wurde nach der mittelalterlichen Überlieferung berichtet, dass sein Leib noch unversehrt gewesen sei; außerdem wurde ein Wohlgeruch wahrgenommen. Gemeinsam mit Cuthbert wurden weitere Reliquien bewahrt, darunter das Haupt des heiligen Königs und Märtyrers Oswald von Northumbria. Diese Verbindung erklärt die spätere ikonographische Darstellung Cuthberts mit dem Haupt des heiligen Oswald.
Während des Mittelalters gehörte Durham zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Englands. Könige, Bischöfe, Mönche und unzählige Pilger kamen zum Schrein des Heiligen. Die Vielzahl der ihm zugeschriebenen Wunder begründete seine weit verbreitete Bezeichnung als Wundertäter Britanniens.
Bei der Auflösung der englischen Klöster unter König Heinrich VIII. wurde auch der Schrein Cuthberts zerstört. Die spätere Überlieferung berichtet, dass sein Leib dabei erneut unversehrt vorgefunden worden sei. Seine sterblichen Überreste wurden anschließend unter dem ehemaligen Standort des Schreins in der Kathedrale von Durham beigesetzt. Bei einer Öffnung des Grabes im 19. Jahrhundert wurden dort Gebeine sowie verschiedene Gegenstände aus dem früheren Reliquienschrein gefunden. Um einzelne Einzelheiten der Ereignisse während der Reformationszeit und die Identität sämtlicher später aufgefundener Reliquien entstanden unterschiedliche Überlieferungen, weshalb diese mit größerer Vorsicht zu beurteilen sind als die früh bezeugte Erhebung von 698.
Mit Cuthberts Verehrung ist auch eines der bedeutendsten Werke der frühmittelalterlichen Buchkunst verbunden: die Lindisfarne-Evangeliarien. Sie wurden wahrscheinlich unter Bischof Eadfrith von Lindisfarne zu Beginn des 8. Jahrhunderts geschaffen, in jener Gemeinschaft also, die Cuthberts Andenken und seinen Reliquienschrein bewahrte. Seine Verehrung wurde damit zu einem wichtigen Bestandteil des geistlichen und kulturellen Erbes Lindisfarnes.
Der heilige Cuthbert vereinigt in außergewöhnlicher Weise mehrere Formen christlicher Heiligkeit. Er war Mönch und Missionar, geistlicher Vater und Einsiedler, Wundertäter und schließlich Bischof. Seine geistlichen Wurzeln lagen in der von den heiligen Aidan, Eata und Boisil geprägten monastischen Tradition Northumbrias. Zugleich lebte er in einer Zeit, in der sich die kirchlichen Verhältnisse des Landes neu ordneten. Ohne das geistliche Erbe seiner Lehrer preiszugeben, stellte er unterschiedliche örtliche Gebräuche nicht über die Einheit der Kirche.
Kennzeichnend für Cuthbert war die Verbindung scheinbarer Gegensätze: Er suchte die Einsamkeit und ging doch zu den Menschen; er übte gegen sich selbst große Strenge und begegnete den Sündern mit Tränen und Barmherzigkeit; er wollte als Einsiedler verborgen bleiben und nahm dennoch aus Gehorsam gegenüber der Kirche das Bischofsamt an. Seine Liebe erstreckte sich auf Arme und Kranke ebenso wie auf die gesamte Schöpfung. Die zahlreichen Tiererzählungen seiner frühen Viten wurden deshalb in der christlichen Überlieferung nicht lediglich als Wunderberichte verstanden, sondern als Zeichen eines durch die Heiligkeit erneuerten Verhältnisses zwischen Mensch und Schöpfung.
Seine Verehrung setzte unmittelbar nach seinem Tod ein und verbreitete sich weit über Northumbria hinaus. Bereits die Entstehung mehrerer Lebensbeschreibungen innerhalb weniger Jahrzehnte zeigt die außergewöhnliche Bedeutung, die ihm schon seine unmittelbaren Nachfolger beimaßen. Bis heute wird Cuthbert in der Orthodoxen Kirche als heiliger Bischof, großer Asket, Erleuchter Northumbrias und Wundertäter Britanniens verehrt.
Quellen: Beda Venerabilis, Vita Sancti Cuthberti; Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch IV; Vita Sancti Cuthberti auctore anonymo; Romanian Orthodox Archdiocese of Great Britain and Northern Ireland, Saint Cuthbert the Wonderworker, Bishop of Lindisfarne, England; Greek Orthodox Archdiocese of Thyateira and Great Britain, Saint Cuthbert; Orthodox Church in America, Saint Cuthbert, Wonderworker of Britain; Orthodox Christianity (Pravoslavie.ru), Dmitry Lapa, Saint Cuthbert of Lindisfarne, Wonderworker; St. Cuthbert Orthodox Church, The Life of St. Cuthbert; Ancient Faith Ministries, St. Cuthbert the Wonderworker, Bishop of Lindisfarne.
Gebete
Troparion (1. Ton)
O Nachfolger der göttlichen Apostel Christi, standhafte Säule des orthodoxen Glaubens, Lehrer und Verteidiger der wahren Frömmigkeit, heiliger Hierarch Cuthbert! Wie ein guter Hirt hütetest du wachsam deine Herde und erlangtest darob große Gnade bei Christus, dem Obersten Hírten, und stehest nun mit den Schafen zu Seiner rechten Hand in Herrlichkeit. Darum bitte du für uns alle, die wir dein heiliges Gedächtnis ehren, wie es sich ziemt.
Kondakion (5. Ton)
O Cuthbert, Ruhm des Mönchtums und wahres Vorbild der Diener Gottes, durch dein Ringen und deine reine Lebensweise wurdest du gleich der strahlenden Sonne, aufleuchtend über den Gläubigen; denn Christus beschenkte dich mit der Gabe, Wunder zu wirken. Darum, o ehrwürdiger Hierarch, schreien wir aufs flehentlichste zu dir: gedenke in Deinem Beten stets jener, welche mit Glauben und Liebe dein vortreffliches Gedächtnis ehren!