Theodor von Tarsus, Erzbischof von Canterbury

Gedächtnis: 19. September
Der heilige Theodor wurde um das Jahr 602 in Tarsus in Kilikien, der Heimatstadt des heiligen Apostels Paulus, geboren. Er war griechischer Herkunft und erwarb eine für seine Zeit außergewöhnliche Bildung. Beda Venerabilis beschreibt ihn als einen Mann, der sowohl in der weltlichen als auch in der geistlichen Literatur gründlich unterrichtet war und die griechische wie auch die lateinische Sprache beherrschte. Über die ersten Jahrzehnte seines langen Lebens ist nur wenig zuverlässig überliefert. Später lebte er als Mönch in Rom.
Nachdem Deusdedit, der Erzbischof von Canterbury, im Jahre 664 entschlafen war, wurde zunächst Wighard als dessen Nachfolger nach Rom gesandt. Dieser starb jedoch dort noch vor seiner Bischofsweihe. Daraufhin suchte Papst Vitalian nach einem geeigneten Nachfolger. Der gelehrte Abt Hadrian, ein aus Afrika stammender Mönch, wurde zunächst selbst für das Amt in Betracht gezogen, lehnte es jedoch ab und empfahl schließlich Theodor. Dieser wurde am 26. März 668 in Rom zum Bischof geweiht. Hadrian sollte ihn nach England begleiten und später zu einem seiner wichtigsten Mitarbeiter werden.
Die Reise nach England nahm längere Zeit in Anspruch. Theodor gelangte schließlich am 27. Mai 669 nach Canterbury und trat dort sein Amt als Erzbischof an. Obwohl er bereits ein hohes Alter erreicht hatte, entfaltete er eine außerordentliche Tätigkeit. Er bereiste die verschiedenen Gebiete der angelsächsischen Königreiche, besuchte die dortigen Kirchen und sorgte für die Besetzung verwaister Bischofssitze. Beda berichtet, dass Theodor der erste Erzbischof von Canterbury war, dem die gesamte Kirche der Engländer ihre Anerkennung entgegenbrachte.
Zu den Bischöfen, deren Stellung Theodor ordnete, gehörte auch der heilige Ceadda. Dieser war während der Abwesenheit des heiligen Wilfrid zum Bischof geweiht worden. Als Theodor Zweifel an der kanonischen Ordnung seiner Weihe äußerte, erklärte Ceadda demütig, er sei bereit, sein Amt niederzulegen. Von dieser Haltung beeindruckt, bestätigte Theodor seine Bischofsweihe. Später setzte er ihn als Bischof der Mercier ein. Beda schildert außerdem, wie Theodor den heiligen Ceadda, der aus Demut seine weiten Missionsreisen gewöhnlich zu Fuß unternahm, dazu anhielt, entsprechend der kirchlichen Gewohnheit zu Pferd zu reisen.
Eine besondere Bedeutung gewann unter Theodor auch die Schule von Canterbury. Gemeinsam mit dem heiligen Hadrian förderte er dort das Studium der Heiligen Schrift und der kirchlichen Wissenschaften. Die Schüler wurden auch in der griechischen und lateinischen Sprache unterrichtet. Beda berichtet, dass einige von ihnen beide Sprachen ebenso sicher beherrschten wie ihre Muttersprache. Ebenso wurden Kirchengesang, die Berechnung des Ostertermins und weitere kirchliche Wissenschaften gelehrt. Von Canterbury ging dadurch ein bedeutender geistlicher und kultureller Aufschwung aus, der die Kirche in England nachhaltig prägte.
Im Jahre 673 berief Theodor die Synode von Hertford ein, auf der Bischöfe aus verschiedenen angelsächsischen Gebieten zusammenkamen. Die Synode diente der Festigung einer gemeinsamen kirchlichen Ordnung. Unter anderem wurden die Wahrung der Grenzen der einzelnen Bistümer, die regelmäßige Abhaltung von Synoden, Fragen des monastischen Lebens sowie kirchliche Bestimmungen über die Ehe behandelt. Dadurch trug Theodor wesentlich dazu bei, die zuvor vielfach voneinander getrennten kirchlichen Gebiete der angelsächsischen Königreiche enger miteinander zu verbinden.
Schwieriger gestaltete sich Theodors Verhältnis zum heiligen Wilfrid von York. Dessen großes Bistum wurde unter Theodor aufgeteilt und mehrere neue Bischöfe wurden eingesetzt. Wilfrid widersetzte sich dieser Entscheidung und wandte sich schließlich nach Rom. Der daraus entstandene Konflikt dauerte viele Jahre. Gegen Ende seines Lebens bemühte sich Theodor jedoch um eine Aussöhnung mit Wilfrid und setzte sich dafür ein, dass dieser wieder mit der Kirche Northumbriens versöhnt wurde.
Auch als Friedensstifter trat der greise Erzbischof hervor. Nach einer Schlacht zwischen Northumbria und Mercia im Jahre 679, in der Ælfwine, der Bruder König Ecgfriths von Northumbria, gefallen war, drohte ein neuer schwerer Krieg. Theodor vermittelte zwischen den beiden Königreichen und erreichte eine friedliche Beilegung des Konfliktes.
Von besonderer Bedeutung für die Bewahrung des orthodoxen Glaubens war die von Theodor im Jahre 680 geleitete Synode von Hatfield. Dort bekannten die versammelten Bischöfe gemeinsam den überlieferten Glauben der Kirche und verwarfen die monotheletische Irrlehre, nach der in Christus nur ein Wille anzunehmen sei. Damit bekannte sich die Kirche in England ausdrücklich zum Glauben an den einen Herrn Jesus Christus in zwei Naturen mit dem göttlichen und dem menschlichen Willen, wie er wenig später auf dem Sechsten Ökumenischen Konzil in Konstantinopel feierlich bestätigt wurde.
Er leitete die Kirche von Canterbury mehr als zwei Jahrzehnte lang. In dieser Zeit wurden die kirchlichen Strukturen gefestigt, neue Bischöfe eingesetzt, Synoden abgehalten und die theologische Bildung des Klerus erheblich gefördert. Durch seine griechische Herkunft und Bildung brachte er zugleich die geistige Überlieferung des christlichen Ostens unmittelbar in die junge Kirche der Angelsachsen ein.
Theodor entschlief am 19. September 690 im hohen Alter von achtundachtzig Jahren, nachdem er zweiundzwanzig Jahre das Amt des Erzbischofs von Canterbury ausgeübt hatte. Er wurde in der Kirche der heiligen Apostel Petrus und Paulus in Canterbury, der späteren Abtei des heiligen Augustinus, beigesetzt. Beda berichtet, dass Theodor schon lange zuvor seinen Freunden gesagt habe, er werde das Alter von achtundachtzig Jahren erreichen, nachdem ihm dies in einem Traum offenbart worden sei. Über die Bedeutung seines Wirkens fällt Beda ein außergewöhnlich hohes Urteil: Während Theodors Amtszeit habe die Kirche der Engländer größeren geistlichen Fortschritt erfahren als jemals zuvor.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, besonders Buch IV, Kapitel 1–3, 5, 17 und 18, sowie Buch V, Kapitel 8; Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, Saint Theodor, Archbishop of Canterbury; Griechisch-Orthodoxe Erzdiözese von Thyateira und Großbritannien, Theodore of Tarsus; Orthodox Church in America, Saint Theodore of Tarsus, Archbishop of Canterbury.
Gebete
Troparion (8. Ton)
Als Landsmann des herausragenden Paulus und Spross aus Tarsus wardst du, o Theodor, dem Westen geschenkt und reistest weit, das unvergleichliche Evangelium Christi unter den Angeln und Sachsen verkündend. Als göttliches und großes Geschenk haben wir dich erhalten, darum rufen wir in Dankbarkeit laut zu Gott in der Höhe: Wahrlich wunderbar bist du, o Erlöser, in deinem heiligen Bischof und in allen Heiligen!
Kondakion (1. Ton)
Als Primas der englischen Kirche sorgtest du gut für deine geistliche Herde, du wehrtest ab die Angriffe des geistlichen Wolfs mit der Schlinge des orthodoxen Glaubens und dem Hirtenstab der gesunden Lehre. Deshalb rufen wir beständig zu dir, o Theodor, Geschenk Gottes: Ehre sei Ihm, der dir Stärke verlieh! Ehre sei Ihm, der dich krönte! Ehre sei Ihm, der durch dich Heilung bewirkt für alle!
die englischen Originaltexte finden sie hier