Jesaja der Einsiedler

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Hl. Jesaja der Einsiedler

Gedenktag: 3. Juli

Über das Leben und die Lehre des Hl. Jesaja dem Einsiedler (auch Isaias der Anachoret genannt) ist uns Folgendes durch den Hl. Nikodemos dem Hagioriten überliefert:

“Unser Heiliger Vater Jesaja der Einsiedler lebte um das Jahr 370 und war ein Zeitgenosse von Abba Makarios dem Großen. Er studierte Tag und Nacht die göttlichen Schriften und bezog aus diesen Quellen der Erlösung ganze Ströme spiritueller Weisheit, und so tat er derart zahlreiche und wunderschöne Aussprüche über verschiedene Aspekte zum Wohle der Seele, dass diese ein ganzes Buch füllten. Daraus wollen wir hier für diejenigen einen kleinen Ausschnitt darbieten, die ihren Geist erretten wollen. Darin wird beschrieben, wie wir den Versuchungen böser Gedanken erfolgreich zu widerstehen vermögen, wie wir über göttliche Angelegenheit nachdenken sollen, und wie wir die drei Bestandteile der Seele stets in ausgeglichener Gelassenheit erhalten.“

Der Hl. Nikolai Velimirovich fügte das Folgende hinzu:

“Jesaja lebte im 5. und 6. Jahrhundert in einer ägyptischen Skite ein asketisches Leben. Er wird im Buch der Hll. Barsanuphius und Johannes als Mann erwähnt, der außergewöhnliche Heiligkeit besessen habe. Er schrieb viele Unterweisungen für Mönche und Einsiedler. Von seinen Werken ist nur wenig überliefert; das Meiste wurde von Muslimen zerstört.“

Die Herausgeber der englischsprachigen Ausgabe der Philokalia schreiben, dass er nach Auffassung der meisten modernen Historiker in einer Skite gelebt habe und um das Jahr 431 nach Palästina gegangen sei, und „eventuell in hohem Alter als Einsiedler in der Nähe von Gaza am 11. August 491 (nach anderen Quellen 489) gestorben sei. Welches Datum auch angenommen wird – jedenfalls steht der Autor zweifellos für die Spiritualität der Wüstenväter von Ägypten und Palästina im 4. und 5. Jahrhundert“ (S. 21).

Hier lessen wir einige weise Ratschläge des Hl. Jesaja:

  • Bevor der Geist aus dem Schlaf der Trägheit erwacht, wohnt er gemeinsam mit Dämonen.
  • Die Krönung aller guten Taten besteht darin, all seine Hoffnung in Gott zu setzen; nur in Ihm mit ganzem Herzen und aller Kraft Zuflucht zu finden; von Mitgefühl zu Allem und Jedem erfüllt zu sein; und vor Gott zu weinen und Ihn um Gnade und Hilfe anzuflehen.
  • Das Zeichen dafür, dass eine [[Sünde[[ vergeben wurde, ist, dass sie keine Gemütsbewegung im Herzen mehr auslöst und so weit in Vergessenheit geraten ist, dass Du im Gespräch darüber keinerlei Reiz mehr verspürst, sondern diese Sünde eher als etwas Fremdes ansiehst. Dies ist das Zeichen, dass Dir vollständig verziehen wurde.
  • Achte strengstens darauf, dass Du nicht mit dem Munde etwas anderes aussprichst als das, was Du im Herzen trägst.
  • Der Gipfel aller guten Werke ist die Liebe; der Gipfel aller Leidenschaften aber ist die Rechtfertigung der Sünde.
  • Schließe alle Pforten zu Deiner Seele, also alle Sinne, um nicht vom rechten Weg abgelenkt zu werden. Wenn der Geist erkennt, dass er von nichts mehr beherrscht wird, bereitet er sich auf die Unsterblichkeit vor, fasst seine Sinne zusammen und formt aus ihnen eine Einheit.
  • Wenn Dein Geist von aller Hoffnung auf Sichtbares frei ist, zeigt dies, dass die Sünde in Dir erloschen ist. Wenn Dei Geist frei ist, ist die Kluft zwischen ihm und Gott überwunden.
  • Die erste Tugend ist die Abgeschidenheit bzw. Losgelöstheit, quasi der eigene Tod in Bezug auf jegliche Person und jegliches Ding. Dies erzeugt Sehnsucht nach Gott, und diese wiederum erzeugt einen natürlichen Zorn gegen die Rankünen des Feindes. Dann wird Gottesfurcht sich in uns regen, und in dieser Furcht äußert sich die Liebe.
  • Achte auf Dich selbst, damit nicht irgendetwas Zerstörerisches in Deinem Herzen wächst und Dich von Gottes Liebe entfernt. Und werde nicht träge und sage: „Wie soll ich auf mein Herz achten, wo ich doch ein armer Sünder bin?“ Denn wenn jemand seine Sünden hinter sich lässt und sich Gott zuwendet, wird er durch diese Buße wiedergeboren, und alles in ihm wird erneuert.
  • Die Heilige Schrift lehrt jedermann, auf sein Herz zu achten, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. David sagt in den Psalmen: „Ihr Männersöhne, bis wann soll meine Herrlichkeit zur Schande sein?“ (Ps. 4:3) und „ihr Inneres ist Verderben“ (Ps. 5:10); und über die, die nichtige Gedanken haben: „Er spricht in seinem Herzen: Ich werde nicht wanken“ (Ps. 10:6) und: „Er spricht in seinem Herzen: Gott vergißt“ (Ps. 10:11).
  • Ein Mönch sollte den Zweck jedes Abschnitts der Heiligen Schrift beachten, an wen dieser gerichtet ist und bei welcher Gelegenheit. Er sollte sich stets im asketischen Kampf bewähren und auf der Hut sein vor den Versuchungen des Feindes. Wie ein Steuermann ein Schiff durch die Gezeiten steuert, sollte er stets den Kurs halten, geleitet durch die Gnade. Indem er seine Aufmerksamkeit auf sich selbst richtet, sollte er Gott in der Stille begegnen, seine Gedanken vor Ablenkung und seinen Verstand vor Neugier bewahren.