Sabas der Gote

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Der heilige Sabas der Gote (auch Sabas der Rumäne) (*um 334 im Buzău-Tal, Rumänien † 12. April 372? ebenda) ist der erste Märtyrer der aus dem Gebiet des heutigen Rumänien stammt. Obwohl er zu den von Bischof Wulfila getauften Goten gehörte, war er kein Arianer. Sein Gedenktag ist der 15. April

Das Leben des Heiligen Sabas des Goten

Schreiben der Kirche von Gotland über den Martertod des Heiligen Sabas

Der Kirche Gottes, welche in Gotland ist, der Kirche Gottes in Kappadokien und allen Christen der katholischen Kirche, wo immer sie wohnen, Barmherzigkeit, Friede und Liebe Gottes des Vaters und unsers Herrn Jesu Christi in Fülle! Der Ausspruch des seligen Petrus, „In jedem Volke ist derjenige, welcher Gott fürchtet und Gerechtigkeit übet, ihm angenehm. (Apostelgeschichte10,35 (ELB) )“, erweist sich auch jetzt als wahr. Denn dieser hat sich an dem seligen Sabas bestättigt, einem Märtyrer Gottes und unsers Heilandes Jesus Christus. Denn obwohl er von Geburt Gote war und in Gotland mitten unter einem gottlosen und verkehrten Geschlechte lebte, ahmte er doch die Heiligen nach und verehrte mit ihnen Christum so sehr, dass er weithin in der Welt durch seine Tugend wie ein Stern glänzte. Schon in seinen Kindesjahren gewann er die Religion unsers Herrn Jesu Christi lieb und suchte die vollkommene Tugend darin, durch die Erkenntnis des Sohnes Gottes ein vollkommener Mensch zu werden. Weil aber denen, welche Gott lieben, alles zum Guten gereicht, kämpfte er voller Mut gegen den Feind, erhob sich über die Übel dieses Lebens, hatte mit Allen Frieden und gelangte so zum Lohne für die von oben erhaltene Berufung. Um also sein Andenken zu erhalten und die Frommen zu erbauen, dürfen wir, nachdem er im Herrn entschlafen ist, keineswegs schweigen und ruhen, sondern sind aufgefordert, seine herrlichen Taten niederzuschreiben. Denn er war rechtgläubig, bereitwillig zum Gehorsam in jeder Hinsicht, sanftmütig, fromm, zwar unerfahren in Worten, nicht aber in Weisheit, gegen Alle friedfertig, ein Verfechter der Wahrheit, den den Götzendienern den Mund stopfte; nicht stolz, sondern, wie es den Demütigen ziemet, untergeben; nicht ausgelassen im Reden, sondern ruhig und stille; und zu jedem guten Werke gerne geneigt. In der Kirche sang er das Lob des Herrn, und war eifrig um dasselbe besorgt; Geld und Besitztümer verschmähte er, ausgenommen das, was die Notwendigkeit erforderte; er war stets nüchtern und in allen Dingen enthaltsam, besonders aber vermied er allen Umgang mit Frauen; täglich widmete er sich dem Gebete und dem Fasten, vermied sorgfältig die eitle Ehre, und suchte Andere zu einem frommen Wandel zu entflammen; er tat nur, was Tugend und Pflicht erforderten, und vermied das Gegenteil. Er bewahrte endlich den unverfälschten Glauben, welcher durch die Liebe wirkt, und hörte niemals auf, mit Feimut im Herrn für denselben zu reden, denn nicht einmal, sondern öfters bewies er sich, bevor er mit dem Martertode für den Gauben gekrönt wurde, in der Tat als eifrigster Verteidiger der wahren Religion.

Denn als die Befehlshaber und die Obrigkeiten Gotlands anfingen, die Christen zu verfolgen, und sie zwangen, von den Götzenopfern zu essen und als einige Heiden auf den Gedanken verfielen, den Christen, die mit ihnen verwandt waren, Fleisch vorzusetzen, welches nicht geopfert worden war, als wäre es geopfert worden, und so ihre Verwandten zu retten, und die Verfolger zu täuschen; weigerte sich der selige Sabas, als er dieses erfuhr, nicht nur selbst von den verbotenen Speisen zu essen; sondern er trat öffentlich hervor und erklärte Allen ausdrücklich: „Wer von diesem Fleische isst, kann kein Christ mehr sein.“ Und hierdurch verhütete er, dass Alle in des Teufels Schlinge fielen. Daher jagten ihn diejenigen, welche diesen Kunstgriff gebrauchten, aus jenem Städtchen, riefen ihn aber nachher wieder zurück. Da aber die Verfolgung aufs Neue begann, opferten einige von den Heiden desselben Städtchens den Dämonen, und erboten sich durch einen Eidschwur zu bekräftigen, dass in ihrem Städtchen kein Christ zu finden sei. Allein Sabas trat abermals voll Mut hervor, nahte sich ihrer Versammlung und sprach: „Niemand schwöre für mich; denn ich bin ein Christ.“ Als nun der Verfolger auf der Eidesforderung bestand, schworen die oben erwähnten Heiden, nachdem sie ihre Verwandten verborgen hatten, dass sich nur ein einziger Christ in ihrem Städtchen befinde. Sobald der gottlose Beamte dieses hörte, befahl er, diesen Einzigen (dieses aber war der heilige Sabas) vorzuführen. Da er nun vorgeführt wurde, fragte jener die Umstehenden, wie viel er an Vermögen hätte. Als aber jene antworteten, dass er nichts weiter als das Kleid am Leibe besäße, verachtete ihn der gottlose Mann mit der Bemerkung, dass ein solcher weder Gutes noch Böses stiften könne. Nach diesen Worten ließ er ihn fortschaffen.

Als nachher in Gotland von den Sündern wieder eine schreckliche Verfolgung angeregt wurde, und das heilige Osterfest nahe war, wollte Sabas in eine andere Stadt reisen, um mit dem Priester Gutthika diesen heiligen Tag zu feiern. Unterwegs aber erschien ihm ein Mann von hoher Gestalt, dessen ehrwürdiges Angesicht glänzte, und welcher sprach : „Kehre zurück und geh zum Priester Sansala.“ Saabas aber entgegnete und sprach: „Sansala ist nicht zu Hause.“ Er war nämlich wegen der Verfolgung geflohen und hielt sich im römischen Gebiete auf, war aber damals wegen des Osterfestes nach Hause zurückgekehrt. Daher gab Sabas, weil er von der Rückkehr desselben nichts wusste, diese Antwort, und wollte zum Priester Gutthika gehen. Da er nun dem Befehle jenes großen Mannes, den er gesehen, nicht gehorchen wollte, fiel plötzlich, obschon es damals heiteres Wetter war, eine solche Schneemasse auf die Oberfläche der Erde, dass ihm der Weg versperrt wurde und Sabas nicht weiter reisen konnte. Er sah nun ein, dass er durch Gottes Willen von der Reise abgehalten werde, und dass Gott ihm befehle, zum Priester Sansala zu gehen. Daher dankte er Gott und kehrte zurück, traf da zu seiner größten Freude den Priester Sansala, und erzählte ihm und mehreren Andern, was er auf der Reise gesehen hatte. Sie feierten also das Osterfest miteinander. In der dritten Nacht nach der Feier aber kam nach einem Beschlusse der Gottlosen Atharid, der Sohn des Schotest, eines Gewaltigen des Landes, mit bewaffneter Mannschaft von gottlosen Räubern in den Flecken, stürmte in die Behausung des Priesters, den er da im Schlafe traf, ließ ihn zugleich mit Sabas, den sie nackt aus seinem Bette gerissen hatten, mit Ketten beladen, und den Priester auf einen Wagen werfen; den Sabas aber schleppten die Soldaten nackt, wie er geboren ward[1] durch Dornengesträuche, welche sie vor kurzem angezündet hatten, und zerfleischten mit unmenschlichen Geißelhieben und Streichen seinen Körper; so grausam und wütend waren sie gegen die Diener Gottes. Allein, die Grausamkeit der Feinde diente nur zur Übung der Geduld und des Glaubens jenes gerechten Mannes. Denn als der Tag anbrach, rühmte er sich im Herrn und redete seine Verfolger auf folgende Weise an: „Habt ihr mich nicht nackt und unbeschuht durch Hecken und Dornen geschleift? Sehet da, ob ihr den mindesten Ritzer an meinen Füßen gewahret, und ob die Streiche, die ihr mir gegeben habt, auf meinem Körper nur eine Beule zurückgelassen haben.“ Da sie nun an seinem Leib keine Spur ihrer Grausamkeit gewahr wurden, nahmen sie ein Achse von einem Wagen, legten sie ihm über die Schultern, und banden an die beiden Enden derselben seine Hände; an eine andere Achse banden sie ihm die Füsse. So nun warfen sie ihn auf zwei Achsen, so dass er mit dem Rücken auf dem Boden lag, und sie hörten nicht eher auf, ihn zu peinigen, als bis der größte Teil der Nacht worüber war. Allein, während die Soldaten schliefen, kam die Frau, bei welcher sie ihr Nachtlager genommen, herbei, und band ihn los. Sie war nämlich Nachts aufgeweckt worden, um für ihre Dienstboten das Essen zu bereiten. Sabas aber blieb, nachdem er losgebunden worden war, unerschrocken an demselben Orte bei der Frau, und half ihr das Essen bereiten. Als aber nach dem Anbruche des Tages der grausame Atharid dieses erfuhr, ließ er ihm die Hände auf den Rücken binden und an einem Balken des Hauses aufhängen.

Kurz darauf kamen Abgeordnete von Atharid, brachten Speisen, welche den Götzen geopfert worden waren, und sprachen zum Priester (Sansala) und zu Sabas so: „Dieses schickt euch der große Atharid, auf dass ihr davon esset und euer Leben vom Tode rettet.“ Der Priester antwortete: „Dieses werden wir nicht essen; denn es ist uns nicht erlaubt. Ersuchet daher den Atharid, dass er uns lieber ans Kreuz schlage oder auf eine andere Art hinrichten lasse.“ Der selige Sabas aber erwiderte: „Wer hat dieses geschickt?“ Sie antworteten: „Unser Herr, Atharid.“ Sabas versetzte: „Es gibt nur Einen Herrn: Gott im Himmel. Diese Speisen des Verderbens sind unrein und unheilig, wie auch Atharid selbst, von welchem sie geschickt wurden.“ Bei diesen Antworten des Sabas geriet einer der Sklaven des Atharid in Zorn und versetzte ihm mit einer Mörserkeule einen so heftigen Schlag auf die Brust, dass die Anwesenden ihn für tot hielten. Allein jener überwand durch seinen frommen Eifer den Schmerz des Schlages und sprach zu dem Täter: „Du meinst wohl, du habest mich durch deinen Schlag getötet? Ich versichere dir aber, dass ich ebensowenig Schmerz verspürt habe, als wenn du mir einen Wollepfropfen auf die Brust geworfen hättest.“ Und der augenscheinliche Beweis dafür war, dass er weder einen Laut von sich gegeben, noch, wie es bei Schmerz zu geschehen pflegt, einen Seufzer ausgestoßen hatte, noch sich an seinem Körper irgend eine Spur des Schlages zeigte.

Atharid erhielt Kunde von allem diesem und befahl dann, dass Sabas getötet werde, Der Priester Sansala wurde freigelassen, und die Diener der Gottlosigkeit schleppten den Sabas zu dem Flusse, welcher Musäus (Massovo in der Wallachei) hieß, um ihn da zu ersäufen. Der gottselige Mann aber, welcher des Gebotes des Herrn eingedenk war und den Nächsten wie sich selbst liebte, sprach: „Worin hat der Priester sich verfehlt, dass er nicht mit mir stirbt?“ Die Diener antworteten: „Dieses darfst du nicht vorschreiben,“ Hierauf rief er im heiligen Geiste frohlockend aus und sprach: „Gepriesen seist du, Herr, und gelobt sei der Namen deines Sohnes in Ewigkeit. Amen. Denn Atharid hat sich selbst zum Tode und ewigen Verderben verdammt, mich aber schickt er zum ewigen Leben. Denn so hat es Dir gefallen an Deinen Dienern, Herr unser Gott!“ Und während er fortgeschleppt wurde, hörte er nicht auf, Gott zu loben, weil er glaubte, dass die Drangsale dieser Zeit nicht zu vergleichen seien mit der Herrlichkeit, welche an den Heiligen offenbart werden wird. Da er aber zum Ufer des Flusses geführt worden war, sprachen die Soldaten untereinander: „Dieser Mensch ist unschuldig, warum geben wir ihn nicht frei? Denn Atharid wird dies niemals erfahren.“ Aber der Heilige sagte zu ihnen: „Warum schwätzet ihr, und tuet nicht vielmehr, was euch befohlen ist? Ich sehe, was ihr nicht sehen könnt. Sehet, am andern Ufer stehen diejenigen, welche mich in die Herrlichkeit aufnehmen werden.“ Hierauf führten sie ihn zum Wasser, während er Gott dankte und ihn pries (denn sein Geist tat dies unablässlich bis zum Ende), warfen ihn in den Fluss und ertränkten ihn in der Tiefe mit jenem Holze, das sie an seinen Hals gebunden hatten. Indem er so durch das Holz und das Wasser starb, wies er auf das wahre Zeichen des Menschenheiles hin. Er war aber achtunddreißig Jahre alt. Die Märtyrerkrone erhielt er am fünften Wochentage nach Ostern, das ist am 12. April, unter der Regierung der Kaiser Valentinian und Valens, und unter dem Konsulat des Modestus und des Aritheus.

Hierauf zogen ihn die Mörder aus dem Wasser und ließen ihn unbeerdigt liegen. Aber weder die wilden Tiere noch die Vögel berührten seine Überreste; sondern diese wurden von den frommen Brüdern erhalten, und der berühmte Befehlshaber Skythiens, Junius Soranus, ein gottesfürchtiger Mann, schickte sie unter der Begleitung glaubwürdiger Männer aus dem Barbarenlande in das römische Gebiet. Und weil er seinem Vaterlande einen Dienst erweisen wollte, sendete er dieses kostbare Geschenk, diese herrliche Glaubensfrucht, nach Kappadokien zu Euerer Gottseligkeit nach dem Willen der Priester und der Fügung des Herrn, welcher seine Gnade denen verleiht, welche dulden und ihn fürchten. Bringet daher an dem Tage, an welchem der Blutzeuge gekrönet ward, das Opfer dar, und berichtet dies Euren anderen Brüdern, damit in der ganzen katholischen und apostolischen Kirche die Christen frohlocken und den Herrn lobpreisen, welcher seine Diener auserwählt hat. Grüsset alle Heiligen. Es grüßen Euch die, welche mit uns Verfolgung leiden. Dem aber, der uns durch seine Gnade und Güte in das Himmelreich führen kann, sei Ruhm und Ehre, das Reich und die Herrlichkeit mit dem eingebornen Sohne und Heil. Geiste in Ewigkeit. Amen!

Textnachweis

Dieser Text stammt aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.26ff. Scan des Kapitels über den Hl. Sabas. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

Weblinks


Anmerkung

  1. Die Alten lagen nackt im Bette; das Gewand breiteten sie Nachts über sich als Decke. Vgl. dazu Stolberg: „Geschichte der Religion Jesu Christi“, Band 12, S. 277