Reliquie

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Kreuzreliquie aus dem Limburger Dom

Eine Reliquie (lat. reliquiae "Überbleibsel" oder "Zurückgelassenes") sind Teile der sterblichen Überreste eines Gläubigen, üblicherweise eines Heiligen. Zu den Reliquien kann auch Kleidung oder persönlicher Besitz eines Heiligen gezählt werden oder andere Gegenstände, wie z.B. Teile des Kreuzes Jesu (welches durch Helena aufgefunden wurde, siehe auch "Kreuzerhöhung"). Reliquien werden durch die Gläubigen verehrt.

Geschichte

Die Reliquienverehrung ist eine der ältesten Formen der Heiligenverehrung und bereits seit der Mitte des 2. für das Christentum Jahrhunderts nachweisbar. Dies ist bemerkenswert, da in der heidnischen Antike die Reliquienverehrung nicht erwünscht war und Körperteile von Verstorbenen generell als unrein galten. Der Kirchenvater Johannes von Damaskus meint dazu, der "Tod der Heiligen ist ja viel mehr ein Schlaf als ein Tod. Denn sie haben sich geplagt ihr Leben lang und werden leben ohne Ende."[1]. Sie seine keine Toten, "Denn seitdem er, der selbst das Leben, der Grund des Lebens ist, zu den Toten gezählt ward, nennen wir die, die in der Hoffnung auf Auferstehung und im Glauben an ihn entschlafen sind, nicht Tote. Denn wie kann ein toter Körper Wunder wirken?"[2].
Den erste Beleg für eine Reliquienverehrung findet man in 2. Könige 13,20-12 ELB wo durch die Berührung von Elisas Gebeinen ein Mann von den Toten auferweckt wurde. Im Neuen Testament finden sich weitere Hinweise auf Reliquienverehrung, beispielsweise die Heilung der blutflüssigen Frau in Markus 5,25-34 ELB oder in der Apostelgeschichte, wo die Gläubigen dem hl. Paulus Tücher wegnahmen und diese dann auf die Kranken legten, die geheilt wurden (Apg 19,12 ELB).
Lange Zeit wurde die Tradition gepflegt, über den Gräbern von heiligen Märtyrern Kirchen zu errichten um den inneren Zusammenhang zwischen der Gemeinschaft der Heiligen und der irdischen Kirche zu versinnbildlichen. Üblicherweise werden heutzutage Reliquien bei der Weihe der Kirche in das Altartuch (Antimension) eingenäht. Dabei erhält der Ortspriester das Tuch von seinem Bischof, der es auch unterschreiben muss. Ohne das Antimension ist es nicht erlaubt, eine Göttliche Liturgie zu feiern.
Gott kann durch die Reliquien der Heiligen Wunder wirken, z.B. Myron strömen lassen, vor der Verwesung bewahren oder Gläubige heilen. Die Heiligen selber könne das nicht, es geschieht allein durch Gottes Gnade. Johannes von Damaskus schrieb zu den Wundern der Reliquien: "Als heilbringende Quellen gab uns der Herr Christus die Reliquien der Heiligen, die auf mannigfache Weise die Wohltaten ausströmen, wohlriechendes Öl hervorquellen. Und niemand sei ungläubig! Denn wenn aus hartem, festem Fels in der Wüste Wasser quoll, weil Gott es wollte, und aus einem Eselskinnbacken dem dürstenden Samson, ist es dann unglaublich, daß aus Märtyrerreliquien wohlriechendes Öl quelle? Keineswegs, wenigstens für die, welche die Macht Gottes und die Ehre kennen, die den Heiligen von ihm zuteil wird."[3]
Der Zugang zum Heiligen durch die Reliquien war im frühen Christentum immer mit einer Pilgerreise zum Grab des Heiligen verbunden. Daher begann man, Gebeine zu übertragen (d.h. an einem anderen Ort zu begraben) oder die sterblichen Überreste zu teilen. Theodoret von Kyrrhos erklärte dazu, dass die Gnade vollständig in jedem Teil der Gebeine erhalten bliebe.[4] Die früheste berichtete Übertragung von Gebeinen war die von Babylas von Antiochia: Kaiser Constantinus Gallus ließ in einem Vorort von Antiochia eine Kirche zu Ehren des hl. Babylas errichten und übertrug 352 dessen Reliquien in einer gewaltigen Prozession dorthin.

Verehrung

Die Verehrung der Reliquien ist für die Orthodoxie von großer Wichtigkeit, denn "die Ehre, die man den gutgesinnten Mitknechten erweist, ist ein Beweis der Liebe gegen den gemeinsamen Herrn".[5] Kirchen stellen die Reliquien bekannter Heiliger häufig zur Verehrung durch die Gläubigen aus, in vielen Klöstern werden sämtliche vorhandenen Reliquien abends in der Komplet verehrt. Üblicherweise geschieht die Verehrung durch Bekreuzigen, Prostration und Küssen des Reliquiars oder der Reliquie selbst. Die Orthodoxe Lehre unterscheidet klar zwischen der Verehrung (griech. δουλια) der Reliquien und der Anbetung (griech. λατρεια), d.h. dem Lobpreis, der nur Gott allein zukommt. Es wird davor gewarnt, mit den Reliquien Götzendienst zu betreiben.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens. Von der Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien
  2. Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens. Von der Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien.
  3. Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens. Von der Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien.
  4. Vgl. dazu Wikipedia: Relic
  5. Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens. Von der Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien.