Kirchliche Gewänder

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Orthodoxes Glaubensbuch - Kirchliche Gewänder

Die kirchlichen Gewänder

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum sich die Gewänder der Kleriker der Orthodoxen Kirche so sehr von unseren Alltagsgewändern unterscheiden? Das ist so, weil die Kirche nicht von dieser Welt ist. Sie ist zwar in dieser Welt, kam aber vom Himmel zu uns und ist deshalb wesentlich anders als alles Irdische. Deshalb unterscheiden sich sogar die Gewänder der Kleriker von unserer Kleidung, die den Veränderungen der Mode, des Wetters und der Stimmung unterworfen ist.

Nichtliturgische Gewänder

In der Kirche ist es üblich, die Kleidung als Gewand zu bezeichnen (oblačenie vom Verb oblačat’). Die Gewänder (oblačenija) sind aber streng genommen liturgische Gewänder. Außer ihnen gibt es aber noch eine Kleidung, die außerhalb des Gottesdienstes verwendet wird. Es ist dies der Talar (podrjasnik) und das Rhason (rjasa). Sie ersetzen bei den Klerikern die Alltagskleidung. Dazu kommt noch die Kappe (skufija oder skufejka) als Kopfbedeckung für den Alltag.

Der Talar (podrjasnik) ist das Untergewand der orthodoxen Geistlichen, der Altardiener und der Subdiakone. Es ist ein langes, bis zu den Fersen reichendes Gewand mit einem geschlossenen Kragen und engen Ärmeln. Der Talar der Mönche muss schwarz sein, andere Kleriker können auch dunkelblaue, braune, graue oder im Sommer auch weiße Talare tragen.

Das Rhason (rjasa) ist das Obergewand der orthodoxen Geistlichen. Personen, die keine Weihe haben, tragen es nicht. Das Rhason ist breiter als der Talar, hat weite Ärmel und ist meistens schwarz.

Alle Gottesdienste – außer der Liturgie – zelebriert der Priester in Talar und Rhason, über welchen noch andere Gewänder – die liturgischen Gewänder (rizy) – angelegt werden. Wenn der Priester sich auf die Liturgie vorbereitet, so legt er das Rhason ab und zieht über dem Talar das Untergewand (podriznik, Albe) an, darüber die weiteren liturgischen Gewänder. Der Diakon zelebriert im Talar, über dem er das Stoicharion (stichar’) anzieht. Der Bischof zelebriert alle Gottesdienste im Talar, über dem er besondere bischöfliche Gewänder anlegt. Der Bischof kann übrigens gewisse Bittgottesdienste, die Lite und Gebete in der Mönchszelle im Rhason oder im Rhason mit dem Bischofsmantel (mantija) verrichten, darüber trägt er noch das Epitrachelion (epitrachil’, Stola).

Alle kirchlichen Gewänder haben ihre Geschichte und tiefe Symbolik, deshalb sind sie im Wesentlichen nicht veränderbar. Der Talar und das Rhason erinnern an das Gewand des Erlösers. Das Wort Rhason bedeutet im Griechischen "gebrauchtes, getragenes Gewand". Solch ein Gewand trug unser Herr, und ein solches mussten auch die Mönche in der alten Kirche tragen. Von den Klöstern aus wurde es zur Kleidung aller orthodoxen Geistlichen.

Talar und Rhason bedeuten symbolisch den Verzicht auf alle irdische Eitelkeit und das Streben nach seelischer Ruhe. Als Abbild des Gewandes Christi mahnen diese Gewänder Geistliche und Mönche daran, das Leben des Herrn nachzuahmen.

Das lange Gewand der Geistlichen ist auch ein Zeichen der Gnade Gottes, die den Kleriker zur Gänze umhüllt und alle menschlichen Schwächen bedeckt. Der Talar und der Ledergürtel des Mönches erinnern auch an das Gewand aus Kamelhaaren und den Gürtel Johannes des Täufers und der ihm nacheifernden Wüstenväter.

Die schwarze Farbe entsteht durch das Fehlen von Licht und liegt außerhalb des Farbenspektrums. Die Gewänder der Geistlichen sind deshalb schwarz, weil sie die Buße und die völlige Ruhe bedeuten, die in ihren Seelen herrschen soll, das Fehlen des Aufruhrs der Leidenschaft, den Verzicht auf alle irdische Eitelkeit und die Konzentration auf das innere Leben. Diese Gewänder bezeichnen den Zustand, nach dem wir streben sollen.

Liturgische Gewänder

Die Unterscheidungszeichen der Diakone, Priester und Bischöfe: der Priester trägt ein Brustkreuz, der Bischof eine Panagija (Brustmedaillon). Das liturgische Gewand des Diakons ist das Stoicharion, das der Priester – das Phelonion, das der Bischöfe der Sakkos mit dem Omophorion (Dalmatik mit dem Pallium).

Das Gewand der Diakone

Die Diakone kleiden sich in das Sticharion (stichar’) und Orarion (orar’), an den Händen tragen sie die Epimanikia (poruči, Manipel). Der Diakon kann eine Kopfbedeckung tragen – das Kamilavkion (kamilavka).

Das Gewand der Priester

Das vollständige Gewand des Priesters besteht aus dem Untergewand, dem Epitrachelion (epitrachil', Stola), den Epimanikia, dem Nabedrennik, dem Epigonation, dem Gürtel (pojas) und dem Phelonion (felon').

Das sind die priesterlichen liturgischen Gewänder (rizy). Schon im Alten Testament trugen die Priester gemäß dem Gebot Gottes ähnliche Gewänder.

Diese Gewänder sind nur für den Gottesdienst bestimmt, um die Herrlichkeit und Pracht der göttlichen Welt zu zeigen. Nach dem Gottesdienst werden diese Gewänder abgelegt und bleiben in der Kirche.

Die liturgischen Gewänder sind das Sinnbild der Gerechtigkeit und Reinheit. Jeder Gottesdienst ist eine Begegnung mit Christus, ein spirituelles Festmahl, zu dem man nicht ohne Hochzeitsgewand kommen darf (siehe das Gleichnis im Evangelium nach Matthäus 22, 11-14). Die Gewänder werden nach einem besonderen Ritus geweiht und erhalten in mystischer Weise eine gnadenreiche Kraft.

Das Gewand der Bischöfe, Erzbischöfe, Metropoliten und des Patriarchen

Die Bischöfe der Orthodoxen Kirche tragen während des Gottesdienstes besondere bischöfliche Gewänder.

Das vollständige bischöfliche Gewand entspricht den sieben Sakramenten, die der Bischof spendet. Es besteht aus sieben Teilen: dem Untergewand, dem Epitrachelion, den Epimanikien, dem Gürtel, der Palica, dem Sakkos und dem Omophorion (omofor).

Die Farben der liturgischen Gewänder und ihre Symbolik

Die Hauptfarben der liturgischen Gewänder sind: Weiß, Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Dunkelblau, Violett und Schwarz. Jede dieser Farben drückt die geistige Bedeutung des zu feiernden Ereignisses aus.

An den Festtagen zu Ehren des Herrn Jesus Christus, aber auch an den Gedächtnistagen der Propheten, Apostel und Heiligen ist die liturgische Farbe Golden oder Gelb in allen Schattierungen (Königsfarbe), und zwar weil Christus der König der Herrlichkeit ist und die Zelebranten die Gegenwart des Königs in der Kirche symbolisieren.

An den Festtagen der Gottesmutter und der körperlosen himmlischen Mächte, aber auch an den Gedächtnistagen heiliger Jungfrauen und eheloser Männer ist die Farbe des Ornates Blau oder Weiß, was ihre besondere Reinheit und Makellosigkeit bedeutet.

An den Fest- und Gedächtnistagen des Kreuzes des Herrn ist die Farbe der Ornate Violett oder Dunkelrot, was die überragende Bedeutung der Erlösungstat des Herrn am Kreuz ausdrücken soll. An den Fest- und Gedächtnistagen der Märtyrer ist die Farbe der Ornate Rot als Zeichen ihres für den Glauben an Christus vergossenen Blutes.

An den Fest- und Gedächtnistagen der Mönche, Nonnen, Asketen und Narren um Christi willen ist die liturgische Farbe Grün. In grünen liturgischen Gewändern aller Schattierungen werden auch das Pfingstfest, der Tag des Heiligen Geistes und der Palmsonntag gefeiert, da dies die Farbe des ewigen Lebens bzw. der Lebensspendung ist.

In den Fastenzeiten ist die Farbe der Paramente dunkel: Dunkelblau, Violett, Dunkelgrün, Dunkelrot, Schwarz. In schwarzen Gewändern zelebriert man gewöhnlich in der Großen Fastenzeit.

Bei Begräbnissen werden in der Regel weiße Paramente getragen, da für den Christen der Tod nur ein Übergang in eine andere Welt ist. Dabei wird um die ewige Ruhe in Gemeinschaft mit den Heiligen gebetet, die gleichsam in weiße Gewänder gekleidet sind.

Weiße liturgische Gewänder werden auch zu Weihnachten, Epiphanie, Mariä Verkündigung, Christi Verklärung und Christi Himmelfahrt verwendet, weil die weiße Farbe das ungeschaffene göttliche Licht symbolisiert, das die Schöpfung Gottes erleuchtet und verwandelt.

Die Feier des Festes der Feste – Ostern – wird in weißen Gewändern begonnen, als Zeichen des göttlichen Lichtes, das aus dem Grab des auferstandenen Erlösers erstrahlte. In manchen Kirchen ist es üblich, bei jeder der Oden des Kanon-Hymnus der Ostermatutin die Gewänder zu wechseln, so dass sie jedes Mal eine andere Farbe haben. Das hat folgenden Sinn: das Spiel der Farben des Regenbogens entspricht der Fülle der Freude über das Fest der Feste. Die österliche Hauptfarbe ist Rot mit Gold.

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