Seraphim (Romantsow)

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Hl.Mönch Seraphim (Romantsow)
Das Glinskaja-Pustyn-Kloster
Das Kloster zu Dranda
Abschasien-Gebirge
Auf der Baustelle Weißmeer-Kanal
Die Mariä-Entschlafungs-Kathedrale zu Taschkent
Hl.Mönch Seraphim (Romantsow)

Gedenktag: 19. Dezember

Der Heilige Mönch Seraphim (Romantsow), Schema-Archimandrit, war einer der bedeutendsten Starzen der Neuesten Zeit. Er wurde am 28. Juni 1885 im Dorf Woronok des Gouvernements Kursk in die Familie eines Bauern namens Roman Romantsow geboren und auf den Namen Ioann getauft. Er absolvierte die kirchliche Gemeindeschule, damals die Hauptform der Schulbildung auf dem Lande. 1910 trat Ioann nach dem Tod seiner Eltern ins Glinskaja-Pustyn-Kloster ein. Dort war er zunächst in der Brotbäckerei, danach in der Böttcherei tätig. Nach dem Anfang des Ersten Weltkriegs wurde er 1914 zum Militär gezogen und 1916 verwundet. Nach seiner Genesung kehrte er in die Einsiedelei zurück. 1919 erhielt Ioann Romantsow die Mönchsweihe auf den Namen Juvenalius. So begann für den Jung-Mönch die geistliche Hochschule, die Zeit der Meisterung der schwierigsten spirituellen Wissenschaft - des monastischen Lebens. Sein geistlicher Lehrer war Priestermönch Aristoklius (Weter), der ihm beibrachte, täglich seine Gedanken zu beichten und bei allen Bewegungen seines Herzens aufmerksam zu sein. Im Weiteren hielt Vater Seraphim dieses innere Tun für sehr wichtig für Wachstum und Heil der Seele.

Die Gnade Gottes eröffnete ihm den Reichtum des geistlichen Lebens, so dass ihn das Irdische nicht mehr anzog. Indem er unter der Leitung der weisen Starzen des Glinskaja-Pustyn-Klosters geduldig den Versuchungen widerstand, schritt er fort in Disziplin und Demut. Außer diesen Tugenden widmete er sich fleißig dem Beten. Die Liebe zum Beten blieb ihm sein ganzes Leben lang, und wie er häufig gestand, schützte ihn das Gebet in allen schwierigen Umständen seines Lebens. 1920 wurde Mönch Juvenalius zum Mönchdiakon geweiht.

Nachdem das Glinskaja-Pustyn-Kloster im Laufe der sowjetischen Kirchenverfolgung geschlossen wurde, siedelte Vater Juvenalius um ins Mariä-Entschlafungs-Kloster zu Dranda (Abchasien, Sukhumi-Diözese). 1926 wurde er dort zum Priestermönch geweiht und empfing das Große Schema auf den Namen Seraphim.

1928 wurde auch das Kloster zu Dranda [[Kirchenverfolgung im sowjetischen Russland|geschlossen]. Bis 1930 lebte Vater Seraphim in der Nähe von Almaty, wo er als Aufseher in der Imkerei arbeitete. 1930 wurde er verhaftet und als Zwangsarbeiter zum Bau des Weißmeer-Kanals verschickt.

Von 1934 bis 1946 lebte Vater Seraphim in Kyrgizien, zuerst in Toktogul (Токтогул), danach in Tasch-Kumyr (Таш-Кумыр). Im Sommer zog er sich hoch ins Gebirge zurück, wo an den Fels eine Strohhütte angebaut worden war. Darin gab es nur einen aus Rute geflochtenen Sitz und eine steinige Ausstülpung anstatt eines Tischs. Unten floss aus dem Stein eine Quelle heraus, und das Essen wurde aus dem nahe liegenden Dorf gebracht. Das Leben von Vater Seraphim war wirklich asketisch, hermetisch. Er widmete sich der Einsamkeit, dem Lesen der Göttlichen Schrift, dem Beten und dem Denken an Gott, er schlief wenig und direkt auf dem Boden. An Sonnabenden und vor den kirchlichen Festen verrichtete er Vigile und blieb bis zum Abend des Festes Im Winter lebte Vater Seraphim in einer frommen Familie, die ihm sehr half. Hinter dem Hühnerstall wurde, verborgen von Fremden, eine Zelle errichtet, in der nur ein Ofen, ein Bett und ein Tisch stand Auf dem Weg seiner geistlichen Steigung leistete Vater Seraphim auch Anderen seinen Beistand. Nachts verrichtete er Gottesdienste, nahm Beichten ab, spendete die Heilige Kommunion, kümmerte sich um die Seelsorge und half vielen Menschen mit Weisungen und Ratschlägen auf den Weg zum Heil.

Von 1946 bis 1947 lebte Vater Seraphim in Taschkent, wo er Beichtvater an der Kathedrale war.

Am 20. Dezember 1947 kehrte er ins Glinskaja-Pustyn-Kloster zurück, dessen Wiedereröffnung 1942 während der Besatzung durch deutsche Truppen stattgefunden hatte. 1948 wurde er als geistlich erfahrener Starez mit perfekten monastischen Tugenden zum Beichtvater des Klosters ernannt. Vater Seraphim widmete sich völlig dem Werk der geistlichen Leitung und der Seelsorge für die Brüder und Pilger.

Als Beichtvater und geistlicher Leiter war er sehr erfahren. Er kannte die zutiefst verborgenen Bewegungen des menschlichen Herzens und beherrsche die spirituellen Gaben, die er durch lange Jahre härtester Askese erworben hatte. Eine seiner besonderen Gaben war seine besondere Art, die Beichte abzunehmen und die Beichtenden zu tiefster Aufrichtigkeit anzuhalten. Dank seiner Gabe der geistlichen Beurteilung, die nur Vorkämpfer erhalten können, die mit dem Beistand Gottes ihre eigenen Leidenschaften bekämpft haben, gab Vater Seraphim Weisungen und Belehrungen. Mit besonderer väterlicher Liebe empfing er die Menschen, die von Unheil, Kummer und Schwermut gequält wurden und nicht wussten, welchen Lebensweg sie gehen sollten. Er empfing auch diejenigen herzlich, die unter Zweifeln litten und kein kirchliches Leben führten. In jener schweren Zeit nach dem Krieg wurden viele Seelen mit Gram belastet. Viele Menschen hatten ihre Nächsten und ihr Zuhause verloren, und ihr erschütterter Glaube bedurfte der Unterstützung und Stärkung. Vater Seraphim hörte sich ihre Kümmernisse an, heilte die seelischen Wunden und gab Ratschläge. Dank den Belehrungen und Gebeten des mit Liebe und Demut erfüllten Starzen erwärmten sich die verbitterten Herzen, erleuchtete sich der Verstand, eröffnete sich das spirituelle Sehen, führte zu Buße und Lebensveränderung, zu innerem Frieden und zur Wiederbelebung der Seele.

Vater Seraphim konnte das Gefühl vermitteln, dass das irdische Leben nur eine Übung im vorübergehenden Wandel auf dem Wege zum ewigen Leben ist. So berief er die Menschen zum christlichen, vollkommenen, erhebenden Leben. Alle seinen Wesungen zielten auf die Erlangung der Heiligkeit im Sinne der Losgelöstheit von allem Irdischen, das dem verdorbenen menschlichen Verstand schmeichelt. Seine Ratschläge waren von größter Bedeutung, da er in seinem Leben selbst einhielt, was er anderen beibrachte (s. Mt. 5, 19). Alles, was er sagte, beruhte auf der Heiligen Schrift und den patristischen Werken. Der Starez bemühte sich, Anderen beizubringen, dass jeder Mensch auf seine eigenen geistigen Leidenschaften aufmerksam sein und nicht nach ihnen handeln, sondern bei Anrufung des Beistandes Gottes ihnen widerstehen sollte. Er lehrte, sich nicht zu rechtfertigen, sondern die eigenen Fehltritte demütig zu erkennen und sich in Selbstberichtigung zu üben.

Besonders unterstrich er die Wichtigkeit der Demut. So schrieb er: „Zum Heil ist vor allem die wahre Demut notwendig, also die innere Überzeugung, dass du schlechter und sündhafter als Alle und Alles bist. Aber dies ist die größte Gabe Gottes, und sie wird durch viel Mühe und Schweiß gewonnen. Dann verspürt der Mensch in seiner Seele solch einen Frieden, wie ihn keine menschlichen Worte beschreiben können. (…) Einer, der wahrlich demütig ist, liebt Alle wie sich selbst; er wird niemanden verurteilen, nicht einmal in Gedanken; er wünscht sich, dass alle errettet werden; er sieht seine sündhafte Unreinheit und mit Furcht denkt er daran, wie er beim Jüngsten Gericht antworten solle, aber gibt sich keiner Verzweiflung oder Schwermut hin, sondern hat die feste Zuversicht auf seinen Schöpfer und Heiland.“ Der Starez selbst war so demütig, dass er nichts seinen persönlichen Gaben zuschrieb und sich nicht für einen besonderen Beter, sondern nur als Werkzeug des Willens Gottes hielt.

Der Tag des Starzen begann um zwei Uhr nachts, wenn er seine Gebete verrichtete. Danach ging er zum Gottesdienst. Nach dem Gottesdienst begab er sich zum Dienst an seinen Nächsten: er empfang Pilger, besorgte ihnen eine Unterkunft im Kloster, nahm die Beichten ab, leistete Seelsorge. Das dauerte bis zum späteren Abend. Nachts antwortete er auf die vielen Briefe, die er bekam. Er schrieb Abschnitte aus den Werken der Heiligen Väter ab, die er dann an seine geistlichen Kinder schickte. Für die Erholung hatte Vater Seraphim sehr wenig Zeit, und die nutzte er für Gebete für seine Herde.

In seinem Leben und Dienst vereinte sich die Wirkung der Göttlichen Gnade mit größter persönlicher Askese, unablässiger Selbstkontrolle, geistiger Wachheit und Gebetsübung. Dies ermöglichte ihm, vielen Menschen als Gefährte auf dem Weg ins himmlische Reich zu dienen.

An ihn wandten sich nicht nur Laien und Mönche, sondern auch Bischöfe. Seine Heiligkeit Patriarch Alexius der Erste kannte ihn persönlich und empfing ihn häufig, um sowohl über das Geistliche als auch über die Bedürfnisse des Klosters zu sprechen. 1960 wurde Vater Seraphim zum Hegumen erhoben.

Nachdem das Glinskaja-Pustyn-Kloster erneut geschlossen worden war, zog der Schema-Hegumen Seraphim nach Sukhumi, wo er zum Beichtvater der Kathedrale ernannt wurde und weiter seinen Dienst als Starez leistete. Obwohl die Ratsuchenden in Scharen zu ihm strömten, so dass die Kathedrale so überfüllt war wie nie zuvor, beschwerte er sich nie, dass er überfordert sei. Für seinen eifrigen Dienst wurde Vater Seraphim 1975 zum Archimandriten erhoben.

Am 1. Januar 1976 ging Vater Seraphim selig heim. Vor seinem Tod sagte er: „Das, um was ich mein Leben lang gebeten und was ich gesucht habe, hat sich jetzt in meinem Herzen eröffnet; meine Seele ist so mit Gnade erfüllt, dass ich sie nicht einmal umfangen kann.“

2009 wurde Schema-Archimandrit Seraphim von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche heilig gesprochen.