Ludmilla von Böhmen

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Gedenktag: 16. September

Die heilige Ludmilla von Böhmen (*um 858; † 15. September 921 in Tetín) war die Gemahlin des mittelböhmischen Fürsten Bořivoj I. (* um 854; † um 890) und die Großmutter des heiligen Wenzels.

Ihr Vater Slavibor verfügte[1] als Fürst des sorbischen Stammes der Milzener[2] in der Oberlausitz über 30 Siedlungskammern.[3]

Das seit etwa 874 verheiratete Fürstenpaar war durch den heiligen Method, dem Erleuchter der Slawen, im heiligen orthodoxen Glauben unterwiesen worden. Noch vor der Hochzeit ließen sich die beiden zusammen mit 30 Edelleuten von Method taufen, nachdem Bořivoj diesen am Hofe des großmährischen Fürsten Svatopluk I. (871-894) kennen gelernt hatte. Beide bemühten sich mit großem Eifer, ihre Untertanen zu Christus zu führen. Über der Moldaufurt erbauten sie den Hradschin, um den das heutige Prag entstand. In ihrem Herrschaftsbereich ließen sie viele Gotteshäuser erbauen und sorgten für den Unterhalt der Priester. Sie stifteten auch Kirchen in Bautzen (Oberlausitz), Görlitz, Briesnitz (heute zu Dresden) und Gana, der Hauptburg der Daleminzier. Sowohl in Bautzen als auch in Briesnitz stifteten sie Schulen für eine Elementarbildung.

Etwa 875 gebar sie ihren ersten Sohn Spytihněv, danach noch einen weiteren Sohn und drei Töchter, und um 888 ihr letztes Kind Vratislav. Kurz darauf, spätestens 890, starb Bořivoj I. im Alter von gerade einmal 36 Jahren.

Die Herrschaft in Böhmen übernahm der mährische Knjas Svatopluk I.[4]. Erst nach dessen Tod 894 folgte Spytihněv seinem Vater als Herzog nach.

Ludmilla ertrug ihre frühe Witwenschaft mit Mut und Ergebenheit in den Willen Gottes, verteilte ihren Reichtum für fromme Werke wie Kirchen und kirchliche Schulen und führte von da an ein zurückgezogenes Leben in Frömmigkeit.

Spytihněv herrschte vom Prager Hradschin aus und ließ das Reich der Přemysliden in Mittelböhmen durch neue Burgen in alle Himmelsrichtungen sichern.[5]. Die böhmischen Fürsten leisteten ab 895 dem Kaiser Arnulf von Kärnten Tribut, um so weitere Kriegszüge des mächtigen Nachbarn in ihre Gebiete zu vermeiden. Darüber hinaus schloß Spytihněv ein Abkommen mit dem Nomadenvolk der Ungarn, welchem freier Durchzug gewährt wurde. Obendrein verheiratete er 906 seinen jüngsten Bruder Vratislav mit Drahomíra aus dem mächtigsten elbslawischen Stamm der Heveller, womit sein slawisches Bündnissystem weit über Böhmen, Mähren und die sorbischen Lausitzen erweitert wurde.[6] Durch diese Maßnahmen festigte Spytihněv die Herrschaft der Přemysliden, 897 traten letztmalig mehrere Fürsten als Vertreter Böhmens auf, danach ging die Oberherrschaft ganz auf seine Dynastie über. Ludmilla erzog ihren 908 geborenen Enkel Wenzel im rechten Glauben und den heiligen evangelischen Tugenden und ließ ihn auch in kirchenslawischer Sprache und Schrift durch Priester unterrichten.

Aber auch Spytihněv erreichte kein hohes Alter und verstarb 915, kaum vierzigjährig. Ihm folgte Ludmillas jüngster Sohn Vratislav I. als böhmischer Herzog. Der mittlere Sohn war bereits in jungen Jahren verstorben. Vratislav I. setzte die Herrschaft im Sinne seines Bruders kontinuierlich fort.

919 ging die ostfränkische Königswürde von den Franken auf den Sachsen Heinrich I. über, dessen Politik auch die Expansion seiner Herrschaft in die Territorien seiner östlichen slawischen Nachbarn umfaßte. Allerdings leistete Böhmen nach wie vor Tribut an das Herzogtum Bayern, welches in den Schutzvertrag des 899 verstorbenen Kaisers Arnulf von Kärnten eingetreten war.

Aber auch Vratislav I. erreichte kein hohes Alter und verstarb nach sechsjähriger Regierung am 13. Februar 921 im Alter von nur 32 Jahren und wurde in der St. Georgs-Basilika in der Prager Burg beigesetzt. Damit überlebte Ludmilla alle ihre drei Söhne.

Die Regierung ging nun an ihre Schwiegertochter Drahomira, da Wenzel noch minderjährig war. Ludmilla zog sich auf die 40 Kilometer südwestlich von Prag gelegene Burg Tetín an der Berounka zurück, um Streit aus dem Wege zu gehen. Sie hatte aber Wenzel im rechten Glauben zu sanfter und edler Gesinnung erzogen, weswegen Drahomira sie hasste und zwei Bojaren beauftragte, sie zu erdrosseln, um ihren Einfluß zu beenden.

Ludmilla errrang so die Krone des Martyriums am 15. September 921, also noch im Todesjahr ihres jüngsten Sohnes. Ihre Grabstätte in Tetín wurde zur Quelle zahlreicher Wunder, und 925 konnte der dann mündige Wenzel gegen den Willen von Drahomira ihre Reliquien in die Basilika des heiligen Georg holen, welche von Ludmilla erbaut worden war. Diese feierliche Translation begründete Ludmillas Status als Heilige, eine päpstliche Bestätigung erfolgte 1143.[7]

Die heilige Ludmilla wird als Schutzherrin Böhmens verehrt.

Anmerkungen

  1. nach dem Bayerischen Geographen
  2. Der Gau Milsca der sorbischen Milzener, die spätere Oberlausitz, war seit der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts Expansionsziel der angrenzenden Länder: spätestens seit etwa 874 dynastische Verbindung mit Böhmen, ab ca. 888/890 mit Böhmen zum Großmährischen Reich (vgl. Karte Great Moravia), kurze Tributherrschaften des ostfränkischen Reiches 932-936 und des römischen Kaisers um 965/968, um 990 Unterwerfung der Milzener durch den Markgrafen von Meißen, 1002 Eroberung durch und Belehnung an Polen, 1031 Rückeroberung durch den römischen Kaiser, 1076 Belehnung Böhmens mit der Oberlausitz
  3. civitates - möglicherweise schon mit einer zentralen Burganlage in der Mitte der zugehörigen Siedlungen
  4. als Vormund für Ludmillas ältesten Sohn Spytihněv
  5. Burg Mělník im Norden, Burg Libušín im Nordwesten, Burg Tetín im Südwesten, Burg Lštění im Südosten und Burg Boleslav im Nordosten
  6. Ebenfalls 906 waren die Ungarn den vom ostfränkischen Reich angegriffenen Daleminziern zu Hilfe gekommen, so dass sich der sächsische Heerführer Heinrich geschlagen zurückziehen mußte.
  7. oder 1144