Justus, Erzbischof von Canterbury

Gedächtnis: 10. November
Der heilige Justus war einer der Missionare, die zu Beginn des 7. Jahrhunderts an der Verkündigung des christlichen Glaubens unter den Angelsachsen mitwirkten, und wurde später der vierte Erzbischof von Canterbury. Über seine Herkunft und seine frühen Lebensjahre ist nichts Sicheres überliefert. Im Jahre 601 wurde er von Papst Gregor dem Großen zusammen mit Mellitus, Paulinus, Rufinianus und weiteren Mitarbeitern nach England gesandt, um die vom heiligen Augustinus von Canterbury begonnene Mission zu verstärken.
Augustinus weihte Justus im Jahre 604 zum ersten Bischof von Rochester. König Æthelberht von Kent ließ dort eine dem heiligen Apostel Andreas geweihte Kirche errichten und stattete den neuen Bischofssitz mit Besitz aus. Von Rochester aus wirkte Justus an der Festigung des christlichen Glaubens im Königreich Kent mit. Gemeinsam mit dem heiligen Laurentius von Canterbury und dem heiligen Mellitus von London bemühte er sich zugleich um die kirchliche Einheit mit den Christen der britischen Inseln. Beda Venerabilis überliefert den Beginn eines Schreibens, das die drei Bischöfe an die irischen Bischöfe und Äbte richteten.
Nach dem Tod König Æthelberhts im Jahre 616 kam es in Kent und den benachbarten Gebieten zu einem schweren heidnischen Rückschlag. Auch der heilige Mellitus musste seinen Bischofssitz in London verlassen. Justus und Mellitus zogen daraufhin in das Frankenreich und warteten dort die weitere Entwicklung ab. Der heilige Laurentius blieb zunächst in Canterbury. Nachdem König Eadbald von Kent zum christlichen Glauben zurückgekehrt war, ließ er die beiden vertriebenen Bischöfe zurückrufen. Justus konnte seinen Bischofssitz in Rochester wieder einnehmen, während Mellitus nicht nach London zurückkehren konnte, da dessen Bewohner weiterhin am Heidentum festhielten.
Nach dem Entschlafen des heiligen Mellitus im Jahre 624 wurde Justus zu dessen Nachfolger als Erzbischof von Canterbury erhoben. Papst Bonifatius V. sandte ihm das Pallium und ein Schreiben, in dem er ihn in seinem apostolischen Dienst bestärkte. Zu seinem Nachfolger auf dem Bischofssitz von Rochester weihte Justus Romanus.
Eine besondere Bedeutung erhielt das Wirken des heiligen Justus durch die beginnende Mission in Northumbrien. König Edwin von Northumbrien hatte sich mit Æthelburh, einer christlichen Prinzessin aus dem Königshaus von Kent, vermählt. Damit sie ihren Glauben auch am Hof ihres heidnischen Gemahls ungehindert ausüben konnte, sollte sie von einem Bischof begleitet werden. Am 21. Juli 625 weihte Justus deshalb den heiligen Paulinus zum Bischof. Dieser zog mit Æthelburh nach Northumbrien und begann dort das Evangelium zu verkünden. Zwei Jahre später empfing König Edwin mit zahlreichen Angehörigen seines Volkes die heilige Taufe. Auf diese Weise war die Weihe des heiligen Paulinus durch Justus ein wichtiger Schritt für die weitere Ausbreitung des christlichen Glaubens im Norden Englands.
Über die letzten Lebensjahre des heiligen Justus ist nur wenig überliefert. Beda berichtet, dass er am 10. November in das himmlische Reich einging, nennt jedoch kein Todesjahr. Gewöhnlich wird sein Entschlafen um das Jahr 627 angesetzt. Justus wurde in Canterbury in der Kirche der heiligen Apostel Petrus und Paulus beigesetzt, der späteren Abteikirche des hl. Augustinus, in der auch mehrere seiner Vorgänger ihre Ruhestätte gefunden hatten. Seine heiligen Reliquien wurden später im Zusammenhang mit dem Neubau der Klosterkirche erhoben und übertragen.
Nach seinem Entschlafen wurde der heilige Honorius zu seinem Nachfolger auf dem Bischofssitz von Canterbury gewählt. Dieser wurde vom heiligen Paulinus in Lincoln zum Bischof geweiht. So setzte sich das Werk jener Missionare fort, die von Rom ausgesandt worden waren und gemeinsam die Grundlagen für das kirchliche Leben unter den Angelsachsen gelegt hatten. Der heilige Justus wird als einer der bedeutenden Hierarchen dieser ersten Missionsgeneration verehrt: zunächst als erster Bischof von Rochester und schließlich als Erzbischof von Canterbury, der durch die Weihe des heiligen Paulinus zugleich wesentlich zur Ausbreitung des christlichen Glaubens in Northumbrien beitrug.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch I, Kapitel 29, sowie Buch II, besonders Kapitel 3–9 und 18; OrthodoxWiki, Justus; Heavy Anglophile Orthodox, Holy Hierarch Justus, Archbishop of Canterbury.