Fursey, Erleuchter von Ostanglien und Abt

Aus Orthpedia
Zur Navigation springenZur Suche springen

Gedächtnis: 16. Januar und 9. Februar (Übertragung der Gebeine)

Der ehrwürdige Fursey (auch Fursa) wurde gegen Ende des 6. oder zu Beginn des 7. Jahrhunderts in Irland geboren und entstammte einer vornehmen Familie. Schon von Jugend an widmete er sich mit großem Eifer dem Studium der Heiligen Schrift und dem monastischen Leben. Der ehrwürdige Beda, der einen ausführlichen Bericht über Fursey überliefert, hebt hervor, dass dieser das, was er aus den heiligen Büchern als recht erkannt hatte, auch gewissenhaft in seinem eigenen Leben verwirklichte. Nachdem er einige Zeit in seiner Heimat gewirkt hatte, gründete Fursey ein Kloster und wurde durch sein asketisches Leben, seine Verkündigung und seine geistlichen Gaben weithin bekannt.

Besonders bekannt wurde der ehrwürdige Fursey durch die geistlichen Visionen, die ihm zuteilwurden. Beda berichtet ausführlich von diesen und verweist zugleich auf eine bereits zu seiner Zeit vorhandene Lebensbeschreibung des Heiligen, in der sie noch eingehender aufgezeichnet waren. Fursey schaute die geistliche Welt, die Kämpfe der Dämonen und den Beistand der Engel und wurde eindringlich zur Wachsamkeit, zum Gebet und zur Verkündigung des Wortes Gottes ermahnt. In einer seiner Visionen sah er vier Feuer, welche die Welt bedrohten und die Sünden der Unwahrhaftigkeit, der Habgier, der Zwietracht und der Ungerechtigkeit versinnbildlichten. Bei seiner Rückkehr ins leibliche Leben trug er nach Bedas Bericht sogar sichtbare Brandmale an Schulter und Kiefer, die ihn fortan an das Geschaute erinnerten.

Fursey sprach über diese Geheimnisse nicht aus Ruhmsucht, sondern offenbarte sie nur solchen Menschen, die aus geistlichem Eifer und dem Verlangen nach Besserung danach fragten. Beda führt hierfür ein bemerkenswertes Zeugnis an: Ein alter Bruder seines eigenen Klosters kannte einen frommen Mann, der Fursey noch persönlich in Ostanglien gesehen und die Erzählung seiner Visionen aus seinem eigenen Mund gehört hatte. Obwohl es damals strenger Winter gewesen sei und der Mann nur leicht bekleidet dagesessen habe, sei er beim Erinnern an Furseys Worte vor Furcht und geistlicher Ergriffenheit in starken Schweiß geraten.

Nach jahrelanger Verkündigung in Irland verließ Fursey seine Heimat, da er ein Leben als Fremdling und Pilger um Christi willen führen wollte. Mit einigen Brüdern gelangte er schließlich nach Ostanglien, wo ihn der heilige König Sigeberht ehrenvoll aufnahm. Fursey begann dort das Evangelium zu verkünden und führte nach dem Zeugnis Bedas durch sein tugendhaftes Beispiel und die Kraft seiner Worte viele Ungläubige zu Christus, während er diejenigen, die bereits Christen waren, im Glauben und in der Liebe stärkte.

König Sigeberht überließ Fursey Land für die Errichtung eines Klosters. So entstand Cnobheresburg, das innerhalb einer alten Befestigungsanlage in einem Waldgebiet unweit des Meeres lag. Fursey richtete dort ein geordnetes monastisches Leben ein. Später wurde das Kloster unter König Anna von Ostanglien und durch die Unterstützung des Adels weiter ausgebaut und beschenkt. Cnobheresburg wurde zu einem wichtigen Mittelpunkt des monastischen und missionarischen Lebens in Ostanglien.

Nachdem Fursey das Kloster geordnet hatte, wuchs in ihm das Verlangen nach größerer Einsamkeit und ungeteilter Hingabe an Gott. Er übergab deshalb die Leitung Cnobheresburgs seinem Bruder, dem heiligen Foillan, sowie den Priestern Gobban und Dicull. Sein anderer Bruder, der heilige Ultan, hatte sich bereits nach langer monastischer Bewährung dem Einsiedlerleben zugewandt. Fursey begab sich zu ihm, und die beiden Brüder verbrachten ein Jahr gemeinsam in Enthaltsamkeit und Gebet, wobei sie ihren Lebensunterhalt durch die Arbeit ihrer Hände bestritten.

Als Ostanglien zunehmend durch heidnische Einfälle erschüttert wurde und Fursey erkannte, dass auch die Klöster in Gefahr geraten würden, verließ er schließlich die Britischen Inseln und ging ins Frankenreich. Dort wurde er ehrenvoll aufgenommen. Mit Unterstützung des fränkischen Hausmeiers Erchinoald gründete er in Latiniacum, dem heutigen Lagny an der Marne, ein weiteres Kloster. Auch dort setzte Fursey sein monastisches und missionarisches Wirken fort.

Nicht lange danach erkrankte der ehrwürdige Fursey und entschlief um die Mitte des 7. Jahrhunderts im Herrn. Sein Leib wurde nach Péronne gebracht und zunächst in der Vorhalle einer dort im Bau befindlichen Kirche beigesetzt. Als sein Leib siebenundzwanzig Tage später zur endgültigen Beisetzung erhoben wurde, fand man ihn unverwest. Vier Jahre danach wurde der heilige Leib abermals erhoben und in eine eigens errichtete Kapelle östlich des Altars übertragen; auch damals wurde er nach dem Zeugnis Bedas unverwest vorgefunden. An seinen heiligen Reliquien ereigneten sich zahlreiche Wunder, und Péronne wurde zu einem bedeutenden Mittelpunkt seiner Verehrung.

So wurde der ehrwürdige Fursey sowohl in Irland als auch auf den Britischen Inseln und im Frankenreich als heiliger Mönch, Abt, Einsiedler und Glaubensverkünder verehrt. Durch seine Verkündigung trug er zur Festigung des christlichen Glaubens in Ostanglien bei, während seine Klostergründungen das monastische Leben über die Grenzen seiner Heimat hinaus stärkten. Besonders aber blieb die Erinnerung an einen Mann lebendig, der nach dem Zeugnis des ehrwürdigen Beda das von ihm Verkündete zuerst selbst zu leben suchte und sein Leben in beständiger Wachsamkeit auf das himmlische Reich ausrichtete.

Quellen: Ehrwürdiger Beda, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch III, Kapitel 19; Erzdiözese von Thyateira und Großbritannien, Saint Fursey; orthodoxe Lebensbeschreibung Saint Fursey, Abbot of Ireland.

Gebete

Troparion (5. Ton)

Indem du dein Kloster in einer römischen Festung begründetest, lehrtest du die Menschen, dass der orthodoxe Glaube wahrhaft ein Bollwerk gegen die Angriffe aller Mächte des Bösen ist, o Vater Fursey. Darum bitte Gott für uns, dass wir alle Bollwerke des Glaubens sein mögen, standhaft wider die steigende Flut der Falschheit, auf dass unsere Seelen errettet werden.

Kondakion (4. Ton)

Du bedurftest steinerner Mauern, um den Glauben gegen seine heidnischen Feinde zu verteidigen, o Vater Fursey; doch bitte für uns, dass wir von einer geistlichen Mauer umgeben seien, um den Glauben gegen seine Feinde zu schützen. Dir folgend und dein ewiges Gedächtnis preisend, stehen wir fest gegen jeden Irrtum und singen allezeit: Freue dich, Geliebter Gottes, unser Vater Fursey.

aus dem Englischen übersetzt