Rupertus von Salzburg

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Der heilige Rupert von Salzburg (auch Ruprecht, Hrodperht, Hrodpreht, Roudbertus, Rudbertus, Robert) (* um 650 vermutlich in Worms; † vermutlich 27. März 716 ebenda) war Bischof von Worms sowie erster Bischof in Salzburg und Abt des dortigen Klosters St. Peter. Sein Gedächtnis wird gefeiert am 27. März, der Übertragung seiner Gebeine wird am 24. September gedacht.

Der Hl. Bischof Rupertus gilt als der erste rechtgläubige Missionar des jungen Volkes der Baiern. Das Volk der Baiern entstand aus verschiedenen Völkergruppen, der Mehrzahl nach wahrscheinlich Thüringern und Langobarden, die im Jahre 531/532 durch den arianischen Gotenkönig Theoderich aus Südböhmen in das heutige Bayern und Oberösterreich umgesiedelt wurden, um das seit der Abwanderung eines großen Teiles der römischen und romanischen Bevölkerung auf Befehl Odoakers 100 Jahre zuvor für Italien strategisch wichtige Nordalpengebiet wieder zu besiedeln. Bereits im Jahre 538 erhielt der Frankenherzog Theudebald, der sich gegen seine Onkel Childebert und Chlodachar durchgesetzt hatte, für einen formalen Beistandsvertrag mit Witigis, dem zweiten Nachfolger Theoderichs, sämtliche rätisch-norischen Provinzen und Oberpannonien, wodurch das heutige Bayern und Oberösterreich unter fränkische Herrschaft fielen. Um die neuerworbenen Gebiete so rasch wie möglich kulturell mit dem Frankenreich zu vereinen, wurden sicher schon damals durch den fränkischen König Childebert I. Missionare nach Bayern entsandt, um das neu erworbene Land im orthodoxen fränkischen Glauben zu missionieren. Die fränkische Kirche war damals noch ganz unabhängig von Rom. Die Leitung der fränkischen Kirche lag seit der Taufe König Chlodwigs allein in den Händen des fränkischen Königs, angefangen von der Bestimmung der Grenzen der Kirchenprovinzen und Diözesen über das Recht der Einsetzung von Bischöfen und die Art der Ausbildung der Geistlichen bis hin zur Entscheidung über die Einberufung von Kirchensynoden.

Der Hl. Rupertus, der seiner Herkunft nach, wie das erste bayerische Herzogsgeschlecht der Agilofinger, mit den Merowingern verschwägert war, kam um das Jahr 650 nach Bayern. Er wurde zur Festigung der Orthodoxie und der Herrschaft der Agilofinger nach Bayern berufen. Vorher hatte er bereits als Missionsbischof in Worms gearbeitet. Der Überlieferung nach lud ihn der bayerische Herzog Theodo persönlich zu sich ein, dessen Fürstenhof sich damals zu Regensburg befand, die von der Völkerwanderungszeit am wenigsten in Mitleidenschaft gezogene Römerstadt des Landes. Nachdem der Hl. Rupert, dem Brauch seiner adeligen Herkunft entsprechend, zunächst Gesandte nach Bayern geschickt hatte, machte er sich persönlich auf den Weg. Herzog Theodo zog ihm daraufhin mit seinem Gefolge entgegen und nahm den Hl. Rupert mit aller Ehrerbietung bei sich auf. In Regensburg bekehrte er einige noch im Heidentum verbliebene Männer am Hof zum wahren Glauben, wandelte einen alten Götzentempel in eine Kirche zu Ehren der Muttergottes um, ebenso einen zu Altötting, und errichtete auf der vom Volksmund „Marterberg“ genannten Anhöhe zu Regensburg, an dem Ort, an dem später das Kloster Sankt Emmeran gegründet wurde, eine Kirche zu Ehren des Hl. Großmärtyrers Georg. Erst im 20. Jahrhundert wurde an diesem Ort bei Ausgrabungen ein römischer Grabstein mit der Aufschrift einer den Märtyrern beigesellten Sarmannina entdeckt, welcher die durch Volksüberlieferung bewahrte Bezeichnung „Marterberg“ bestätigt.

Dann gab Herzog Theodo dem Hl. Rupert die Erlaubnis, für sich und seine Begleiter einen geeigneten Platz zu wählen, wo immer es ihm in diesem Lande gefiele, die Kirchen Gottes wiederherzustellen und die anderen für das kirchliche Leben nötigen Gebäude zu errichten. Gemeinsam reisten der heilige Bischof und der Herzog zu Schiff auf der Donau über Lorch bis nach Pannonien. Unterwegs predigte der Hl. Rupert das Wort von der Lehre des ewigen Lebens, und viele von verschiedenen Krankheiten geplagte Kranke wurden durch das Gebet des Heiligen geheilt.

Nach längerem Aufenthalt in Lorch, wo sich noch die Verehrung des Hl. Märtyrers Florian erhalten hatte, hielt sich Rupert längere Zeit in Seekirchen am Wallersee auf. Hier weihte er für die sich vornehmlich mit Fischerei beschäftigenden ansässigen Romanen eine kleine Kirche zu Ehren des Hl. Apostels Petrus, dem Patron der Fischer. Vom Wallersee reiste er weiter in die ehemalige Römerstadt Juvavia, wo zur Zeit der Völkerwanderung der Märtyrerpriester Maximus mit 40 Mönchen seiner Brüderschaft durch die heidnischen Heruler das Martyrium erlitten hatte. Nach dem Vorbild des Hl. Martin von Tours erwählte sich der Hl. Rupert diesen Ort zum bleibenden Aufenthaltsort sowie für die Gründung einer Kirche und eines Klosters. Zunächst errichtete er eine Notkirche zu Ehren des Hl. Amandus, eines heiligen Bischofs von Worms, dessen Reliquien er mitgebracht hatte, und später eine Kirche zu Ehren des Hl. Apostelfürsten Petrus, unter dessen Schutz auch das Kloster gestellt wurde. Die Klosterregel, die der Hl. Rupert benutzte, bestand hauptsächlich in der Einhaltung des gesamten Gottesdienstzyklus, wie er in der rechtgläubigen Kirche bis auf den heutigen Tag eingehalten wird. Daneben bemühte er sich um die allmähliche Wiedererrichtung der Stadt, die der Überlieferung nach zum Teil schon von Wald überwuchert war, und die wirtschaftliche Kultivierung des Landes. Im Anschluss an die Kirchen - und Klostergründung eröffnete der Hl. Rupert in Salzburg auch eine geistliche Schule, der er selbst vorstand und welche die Ausbildung von Geistlichen aus den Reihen der ansässigen Christen, sowohl Romanen als auch Bayern, zum Ziel hatte.

Zur Unterstützung schenkte ihm der Herzog die gesamte Stadt mit dem angrenzenden Land, etwa zwei Meilen in Länge und Breite; den dritten Teil der benachbarten Salzquellen; den landesherrlichen Zehnten; und den Zoll. Außerdem erhielt er einige Weinberge bei Regensburg für die tägliche Feier der Göttlichen Liturgie. Weil es an notwendigen Mitarbeitern für seine Arbeit in Bayern fehlte, reiste der Hl. Rupert nun zurück nach Worms und kam mit zwölf Mönchen wieder, von denen Maternus, Dignulus, Isenhard, Gerhard, Ariofrid, Ratherius und Erchenfried namentlich bekannt sind.

Als das Klosterleben in Salzburg auch durch freie Romanen und neubekehrte Bayern allmählich erstarkte, begann der Hl. Rupertus mit seinen eifrigsten Mitarbeitern kleinere Klöster, sogenannte Zellen, in der näheren Umgebung von Salzburg zu gründen, die materiell von Salzburg aus versorgt wurden. Die erste dieser Zellen wurde dem Hl. Maximilian geweiht und lag im Pongau, dem heutigen Bischofshofen. Die Gründung erfolgte zur Zeit des Ablebens Herzog Theodos.

Zwei Männer namens Tonazan und Ledi (Latinus), der eine Dienstmann des Bischofs, der andere des Herzogs, begaben sich in das öde Gebirgstal, später Pongau genannt, um dort zu jagen und Gold zu waschen. Während sie einige Tage dort beschäftigt waren, sahen sie in drei Nächten nacheinander an einem Orte zwei helle Lichter und nahmen zugleich einen außerordentlichen Wohlgeruch war. Darüber voll Verwunderung kamen sie zum Hl. Rupertus zurück und berichteten ihm das Vorgefallene. Hierauf gab dieser einem seiner Priester namens Deoningus ein kleines hölzernes Kreuz, das er selbst geweiht hatte, und trug ihm auf, genau zu untersuchen, ob sich die Sache so verhalte, wie die Männer erzählt hatten. In Begleitung derselben gelangte der Priester an Ort und Stelle und machte drei Nächte nacheinander dieselbe Beobachtung. Daraufhin befestigte er das Kreuz am Orte der Erscheinung und baute eine kleine Hütte darüber, wie ihm der Bischof aufgetragen hatte. Als er zu diesem zurückgekehrt war, berichtete er ihm, dass es so sei, wie die beiden Männer erzählt hatten, worauf ihn der Hl. Rupert zum Herzog Theodo schickte, um ihn der Ordnung nach über den Vorfall zu unterrichten und um die Erlaubnis zu bitten, an besagter Stelle eine Kirche und Wohnung für die Diener Gottes bauen zu dürfen, was der Herzog auch bewilligte. Nun begab sich der Hl. Rupert selbst mit seinen Werkleuten an jenen Ort, rodete und säuberte ihn und begann den Bau einer kleinen Kirche und der übrigen nötigen Wohnungen. Die Kirche weihte er zu Ehren des Hl. Apostelgleichen Geistlichen Märtyrer Maximilian von Culeja, der im 3. Jahrhundert Bischof von Lorch gewesen war und der Überlieferung nach an diesem Ort bereits vor der Zeit des Hl. Rupert verehrt worden sein soll.

Bald darauf starb Herzog Theodo und ließ sich in der Kirche zu Ehren des Heiligen Apostels Petrus in Salzburg beisetzen. Nach der Errichtung des Sankt-Maximilian-Klosters gründete der Hl. Rupert weitere kleine Klöster, am Abersee, bei Kufstein und in Weltenburg, wo er den dortigen Minervatempel in eine Kirche zu Ehren der Muttergottes und des Hl. Georg umwandelte. Bei der Vielzahl der Kirchengründungen und Reisen des Hl. Rupert in Bayern verwandte er seine Kräfte besonders für die Aufrechterhaltung des kontinuierlichen liturgischen Lebens im neubekehrten Land, in erster Linie im Kloster zu Salzburg. Er bemühte sich darum, als lebendiges Beispiel christlicher Demut und Liebe zu wirken, und weniger durch viele Worte oder gar äußere Verordnungen.

Gegen Ende seines Lebens gründete der Hl. Rupert auch ein Frauenkloster auf dem heutigen Nonnberg zu Ehren der Allerheiligsten Gottesmutter, in welchem seine Nichte Erentrudis (Gedächtnis am 30. Juni) Äbtissin wurde, die auf das Anraten des Hl. Rupert hin Nonne geworden war und ein heiligmäßiges Leben führte. Die Stifterin des Klosters auf dem Nonnberg war die fränkisch Königstochter und bayerische Herzogin Regintudis. Ihr Todestag ist der 26. Mai.

Als der Hl. Rupert seinen Tod nahen fühlte, kehrte er zu seinem angestammten Bischofssitz nach Worms zurück. Etwa 40 Jahre hatte er an der Festigung des Christentums in Bayern und Oberösterreich gearbeitet. Nach der Bestimmung des Hl. Vitalis zu seinem Nachfolger und Ermahnungen an die versammelte Brüderschaft zu Treue und Ausdauer in der Einhaltung der geheiligten Überlieferungen starb der Hl. Rupert am Ostersonntag des Jahres 716 nach Empfang der Göttlichen Mysterien während des Gebetes. Am 24. September des Jahres 773 wurden seine Reliquien von Bischof Virgil, von Worms nach Salzburg übertragen. Sie wurden zu St. Peter in einem Felsengrab beigesetzt. Seither begannen sich dort viel Wunder zu ereignen: Kranke wurden dort gesund, Blinde erlangten das Augenlicht, Stumme begannen wieder zu sprechen, Taube erlangten das Gehör und Lahme bekamen Kraft in ihre Glieder, um selbstständig zu gehen.

Als sich im 9. Jahrhundert unter dem Einfluss der karolingischen Reformen das Filioque in Germanien für immer durchsetzte, brannte die Kirche, in welcher sich die Reliquien des Hl. Rupert befanden, vollständig nieder, und nur ein Rest seiner Reliquien wurde unter dem Schutt wiedergefunden. Dieser Rest wurde im Jahre 882 erneut in der Domkirche beigesetzt, die dem Hl. Rupert geweiht wurde. In der Peterskirche in Salzburg befindet sich noch sein ursprüngliches Grab mit seinen Reliquien. Die besondere Anziehungskraft des Hl. Rupertus besteht in der Verquickung seiner weltlichen adeligen Herkunft mit der himmlischen; seiner unverfälschten christlichen Gesinnung, welche dem Geist der Heiligen Väter, dem Geist Christi entsprach. Ein Denkspruch des Hl. Rupertus war: “Von allem, was wir in der Welt haben, können wir nur das unser Eigentum nennen, was wir um Christi Willen den Armen geben, alles andere raubt uns der Tod; was wir, um Christi Willen, den Armen geben, ist ein Schatz, der im Himmel hinterlegt ist.”

Mit der Hilfe unseres Herrn Jesus Christus, zum Ruhm Seines Namens und zur Ehre Seines Bekenners, dem Ehre und Macht sei, Lob und Dankbarkeit für unendliche Zeiten. Amen.

Textnachweis

Dieser Text stammt aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.90ff. Scan des Kapitels über den Hl. Rupertus. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.