Gottesfurcht

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Der Heilige König David: "Die Furcht Jahwes ist der Weisheit Anfang" (Ps 111,10), "Lehre mich, Jahwe, deinen Weg: ich werde wandeln in deiner Wahrheit; einige mein Herz zur Furcht deines Namens" (Ps 86,11).

Der Begriff „Gottesfurcht“ bedeutet in der Orthodoxie u.a. Furcht, etwas zu tun, was den Menschen weg von Gott bringt.

Mit der Wiederbelebung der russischen orthodoxen Theologie rückt der Begriff der Strafe Gottes, in Anlehnung an die patristische Lehre, immer mehr in den Hintergrund. "Strafe Gottes" wird nicht juristisch, sondern als Belehrung verstanden, da Gott immer die Liebe ist. "Gottesfurcht" ist also die Befürchtung, sich durch begangene und nicht bereute Sünden von dieser Liebe abzuwenden.

"Die Furcht ist der Anfang der Liebe, und dann geht eins ganz in das andere über. Die Gottesfurcht ist eigentlich nicht die Angst vor Gott, sondern die Angst, von Gott abzufallen und der Sünde und Leidenschaft zu verfallen." (Heiliger Hierarch Clemens von Alexandrien)

"Es gibt zwei Arten von Furcht; die eine ist primär und die andere ist vollkommen (...) Zum Beispiel ist einer, der den Willen Gottes aus Angst vor Qualen erfüllt, noch ein Neuling, da er das Gute noch nicht aus Güte an sich, sondern aus Angst vor Bestrafung tut. Ein Anderer erfüllt aber den Willen Gottes aus Liebe zu IHM, indem er IHN liebt, und eigentlich, um es IHM recht zu machen; dieser Mensch weiß, worin die wirklich Güte besteht, er hat erkannt, was es bedeutet, mit Gott zu sein… Solch ein Mensch fürchtet Gott und erfüllt den Willen Gottes nicht mehr aus Angst vor Bestrafung, nicht mehr, um Qualen zu vermeiden, sondern weil er, nachdem er selbst die Wonne der Vereinigung mit Gott erfahren hat, sich davor fürchtet, diese wieder zu verlieren und von IHM abzufallen. Und diese vollkommene Furcht, die aus Liebe geboren wird, vertreibt die primäre Furcht. Eben darum sagt der Apostel: „ die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus“ (1. Joh 4, 18). Allerdings ist es unmöglich, die vollkommene Furcht anders als durch die primäre Angst zu erreichen." (Hl.Mönch Abba Dorotheos)

So wie es unmöglich ist, ein großes Meer ohne Schiff oder Boot zu überqueren, so kann niemand ohne Furcht die Liebe erreichen. Das übelriechende Meer, das zwischen uns und dem inneren Paradies liegt, können wir nur auf dem Boot der Bußfertigkeit überqueren, auf dem sich die Ruderer der Furcht befinden. Aber wenn diese Ruderer der Furcht das Schiff der Bußfertigkeit, auf dem wir über das Meer dieser Welt zu Gott übergehen, nicht steuern, dann versinken wir in diesem stinkenden Meer. Die Bußfertigkeit ist unser Schiff, und die Furcht sein Steuermann, und die Liebe der Göttliche Hafen. Daher führt uns die Furcht auf das Schiff der Bußfertigkeit, fährt uns über das stinkende Meer des Lebens und führt uns in den Göttlichen Hafen, der die Liebe ist. Und wenn wir die Liebe erreichen, dann haben wir Gott erreicht, haben unseren Weg vollendet und sind zur Insel der jenseitigen Welt gekommen, wo der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind. (Hl. Mönch Isaak der Syrer)

Die Furcht vor dem Herrn ist die Quelle des Lebens. Die Furcht vor dem Herrn ist die Festung der Seele. Die Furcht vor dem Herrn bringt die Gedanken des Geistes in Ordnung… Kein Mensch ist so hoch wie einer, der Gott fürchtet. Wer den Herrn fürchtet, der ähnelt dem Licht, das vielen den Weg der Rettung zeigt. Wer den Herrn fürchtet, ähnelt einer befestigten Stadt, die auf einem Berg steht und vor dessen Gesicht die lügnerischen Dämonen zittern. (Hl.Mönch Ephraim der Syrer)