Wulfthryth, Äbtissin von Wilton


Gedächtnis: 13. September und 21. September
Die heilige Wulfthryth von Wilton (auch Wulftruda; † 21. September um 1000 in Wilton, Wiltshire) war die leibliche Mutter der heiligen Edith von Wilton und spätere Äbtissin des Klosters Wilton. Sie gehört zu den heiligmäßigen Müttern des orthodoxen Englands (Old English Church) im 10. Jahrhundert. In der Orthodoxen Kirche wird sie als gottesfürchtige Asketin, Wundertäterin und Beschützerin der Bedrängten verehrt.
Leben und geistlicher Kampf
Prüfungen in der Welt und Absage an den Hof
Wulftrud entstammte einer vornehmen westsächsischen Adelsfamilie und wuchs im Schutz des Klosters Wilton auf, wo sie in der Furcht Gottes erzogen wurde. Um das Jahr 961 raubte der junge König Edgar sie gewaltsam aus der Abtei und brachte sie auf seinen Sitz Kemsing in Kent. Aus dieser Verbindung ging ihre leibliche Tochter, die spätere heilige Jungfrau Edith, hervor.
Trotz der Verlockungen des Königshofes suchte Wulftrud weder Reichtum noch weltliche Ehre. Vom Verlangen nach dem unvergänglichen Leben erfüllt, entsagte sie dem Hofleben. Sobald es ihr möglich war, verließ sie den König, nahm ihre leibliche Tochter mit sich und kehrte nach Wilton zurück, um die Mönchsgelübde abzulegen.
Wegen dieser Tat verhängte der heilige Dunstan, Erzbischof von Canterbury, eine strenge siebenjährige Kirchenbuße über König Edgar, während der er keine Krone tragen durfte. Die Ländereien, die Edgar Wulftrud zur Wiedergutmachung überließ, wandelte sie in ein dauerhaftes Erbe für ihr Kloster um.
Wirken als geistliche Mutter und Äbtissin
In Wilton übernahm Wulftrud später die Leitung des Klosters als Äbtissin. Sie war für ihre leibliche Tochter Edith zugleich die geistliche Mutter (Amma), die sie in der Heiligen Schrift, der orthodoxen Lehre und der monastischen Askese unterwies.
Ihre Lebensweise war geprägt von Fasten, Gebet und unerschrockener Barmherzigkeit:
- Beschützerin der Verfolgten: Als königliche Beamte das kirchliche Asylrecht brechen und einen Verfolgten gewaltsam vom Altarraum wegreißen wollten, stellte sich die Äbtissin ihnen persönlich entgegen und erstritt die Freilassung des Mannes. Ebenso befreite sie unschuldig eingekerkerte Priester aus der Haft.
- Liebe zu den Heiligen: Unter großen Mühen erwarb sie für die Klosterkirche einen Heiligen Nagel vom Kreuz Christi sowie die Gebeine des heiligen Iwi.
- Klösterliche Abgeschiedenheit: Sie ließ eine Steinmauer um die Abtei errichten, um das monastische Leben der Schwestern vor den Ablenkungen der Welt zu schützen.
Der Hagiograph Goscelin von Saint-Bertin nannte sie wegen ihrer verborgenen Tugenden und ihrer Fürsorge für die Armen den „verborgenen Schatz und das Licht der Gemeinschaft“.
Entschlafung
Wulftrud erlebte den frühen Heimgang ihrer leiblichen Tochter Edith (984) und veranlasste Jahre später die Erhebung von deren unverwesten Reliquien. Sie selbst entschlief nach einem langen Leben in Askese und Gebet am 21. September um das Jahr 1000 und wurde vor dem Hauptaltar der Klosterkirche in Wilton beigesetzt.
Wundertätigkeit und Verehrung
Die angelsächsische Überlieferung bezeugt, dass Gott die hl. Wulftrud mit der Gabe der Seelenschau und der Wundertätigkeit beschenkte. An ihrem Grab geschahen zahlreiche Heilungen. Zusammen mit ihrer leiblichen Tochter Edith gilt sie als mächtige Fürsprecherin des orthodoxen Englands.
Quellen:
- Goscelin von Saint-Bertin: ''Vita Sanctae Wulfthridae'' (11. Jahrhundert). Lateinischer Text hrsg. von Dom André Wilmart in: ''Analecta Bollandiana'' 56 (1938), S. 5–101.
- David Hugh Farmer: ''The Oxford Dictionary of Saints.'' Oxford University Press, Oxford 2011, S. 453.
Gebete
Troparion (5. Ton)
Dem weltlichen Glanz und den königlichen Palästen hast du entsagt, o heilige Mutter Wulftrud, und hast die Engelgleichheit im monastischen Gewand vorgezogen. In Demut hast du deine leibliche Tochter Edith dem Herrn geweiht und die Herde von Wilton in Gottesfurcht geleitet. Bitte Christus, unseren Gott, dass Er unseren Seelen gnädig sei!
Kondakion (3. Ton)
Die Verlockungen der Welt erkannten deine Augen als vergänglich, o hochgepriesene Wulftrud. Als weise Äbtissin hast du dein Leben in Fasten, Gebet und Barmherzigkeit vollendet. Nun stehst du vor dem Thron des Königs der Könige: Erflehe uns Vergebung der Sünden und das große Erbarmen!