Dunstan von Canterbury

Gedächtnis: 19. Mai und 7. September (Übertragung der Gebeine)
Der heilige Dunstan wurde um das Jahr 910 in eine vornehme Familie von Wessex geboren, deren Besitzungen in der Nähe des Klosters Glastonbury lagen. Dort erhielt er eine gute Bildung und kam früh mit dem geistlichen und gelehrten Leben des alten Klosters in Berührung. Später gelangte er durch seinen Verwandten Æthelm, den Erzbischof von Canterbury, an den Hof König Æthelstans. Ein weiterer Verwandter, der spätere Bischof Ælfheah von Winchester, bestärkte ihn darin, das monastische Leben zu ergreifen. Nach einer schweren Erkrankung entschloss sich Dunstan endgültig zu diesem Weg und empfing die Mönchsweihe.
Nach Glastonbury zurückgekehrt, errichtete er bei der alten Kirche eine kleine Zelle und widmete sich dort dem Gebet, dem Studium und der Handarbeit. Er war ein begabter Metallhandwerker und fertigte unter anderem Glocken und kirchliche Geräte. Zugleich besaß er musikalische und künstlerische Begabung, verfasste Hymnen, kopierte und illuminierte Handschriften und führte ein strenges asketisches Leben. Seine Zeitgenossen schätzten besonders die Tiefe seines Gebetes; die Überlieferung berichtet auch von geistlichen Schauungen und seinem Kampf gegen dämonische Versuchungen.
König Edmund berief Dunstan als Priester an seinen Hof. Nachdem der Heilige dort zunächst aufgrund von Verleumdungen in Ungnade gefallen war, erkannte der König seine Unschuld und ernannte ihn im Jahre 943 zum Abt von Glastonbury. Dunstan machte sich unverzüglich an die Erneuerung des monastischen Lebens. Er stellte die klösterliche Disziplin nach der Regel des ehrwürdigen Benedikt von Nursia wieder her, ließ Kirche und Klostergebäude erweitern und förderte besonders die Klosterschule und das geistliche Studium. Glastonbury entwickelte sich dadurch zu einem bedeutenden Mittelpunkt der monastischen Erneuerung Englands.
Auch unter König Eadred genoss Dunstan großes Vertrauen und gehörte zu dessen engsten Ratgebern. Sein Eifer für die sittliche Erneuerung und seine Förderung des Mönchtums riefen jedoch Widerstand hervor. Nach der Thronbesteigung König Eadwigs geriet Dunstan mit dem jungen Herrscher in Konflikt. Eadwig entzog ihm schließlich seinen Besitz und zwang ihn, England zu verlassen. Der Heilige fand Zuflucht in einem Kloster in Gent, wo er das erneuerte kontinentale Mönchtum kennenlernte.
Schon bald wurde Dunstan von König Edgar dem Friedfertigen nach England zurückgerufen. Gemeinsam mit dem König begann er nun mit großem Eifer die Erneuerung der englischen Kirche und ihrer Klöster. Im Jahre 957 wurde er Bischof von Worcester, im folgenden Jahr übernahm er zusätzlich den Bischofssitz von London, und im Jahre 960 wurde er zum Erzbischof von Canterbury erhoben.
Als Erzbischof wurde Dunstan zu einer der führenden Gestalten der großen englischen Klosterreform des 10. Jahrhunderts. Gemeinsam mit den heiligen Hierarchen Æthelwold von Winchester und Oswald von York setzte er sich für die Wiederherstellung eines geordneten monastischen Lebens nach der Regel des ehrwürdigen Benedikt ein. In dieser Reformbewegung entstand um das Jahr 970 die „Regularis Concordia“, welche eine gemeinsame Ordnung für die englischen Klöster festlegte. Dabei sollte die Erneuerung des Mönchtums nicht allein den Klöstern zugutekommen: Dunstan maß auch den Klosterschulen große Bedeutung bei und wollte durch die geistliche Erneuerung der Klöster zugleich das christliche Leben des ganzen Volkes stärken.
Unter König Edgar erreichte diese kirchliche Erneuerung ihre größte Entfaltung. Zahlreiche Klöster wurden wiederhergestellt oder neu geordnet, und Dunstan wirkte zugleich als geistlicher Ratgeber des Königs. Auch an der Gestaltung des Krönungsritus Edgars hatte der heilige Hierarch maßgeblichen Anteil, wobei der Salbung des Königs besondere geistliche Bedeutung zukam. Nach dem Tod Edgars blieb Dunstan zunächst Ratgeber seines jungen Sohnes, des heiligen Königs und Märtyrers Edward. Nach dessen Ermordung zog er sich jedoch weitgehend aus den Staatsangelegenheiten zurück und widmete sich vor allem seinem bischöflichen und geistlichen Dienst in Canterbury.
Bis ins hohe Alter blieb Dunstan ein Lehrer und geistlicher Vater. Besonders gerne unterrichtete er die Schüler der Kathedralschule von Canterbury, die ihn wegen seiner väterlichen Güte liebten. Sein Leben blieb bis zuletzt vom Gebet und vom Gottesdienst geprägt. Nachdem er am Fest der Himmelfahrt des Herrn im Jahre 988 die Göttliche Liturgie gefeiert hatte, kündigte er in seiner Predigt sein nahes Ende an und bestimmte den Ort seiner Bestattung. Am 19. Mai empfing er die heiligen Mysterien und übergab anschließend seine Seele dem Herrn.
Der heilige Dunstan wurde in der Kathedrale von Canterbury bestattet. Sein Gedächtnis blieb über Jahrhunderte in England lebendig, und die Orthodoxe Kirche verehrt ihn als heiligen Hierarchen, Erneuerer des englischen Mönchtums und Hirten der Kirche von Canterbury. Auch im heutigen orthodoxen Gottesdienst Aller Heiligen der Britischen Inseln wird er ausdrücklich als „Hirte der Seelen“ zusammen mit den anderen großen englischen Hierarchen seiner Zeit verherrlicht. Quelle: Saint Dunstan Orthodox Church, Poole, „About Saint Dunstan“.
Quellen: Anonymer Verfasser „B.“, Vita Sancti Dunstani; Adelard von Gent, Vita Sancti Dunstani; Osbern von Canterbury, Vita Sancti Dunstani; Eadmer von Canterbury, Vita et miracula Sancti Dunstani; Wilhelm von Malmesbury, Vita Sancti Dunstani; Saints of the Isles, „Our Holy Father Dunstan, Archbishop of Canterbury“; OrthodoxWiki, „Dunstan of Canterbury“; Saint Dunstan Orthodox Church, Poole, „About Saint Dunstan“.
Gebete
Troparion (8. Ton)
Durch dich, o Dunstan, ist ganz England wunderbar geschmückt worden, denn du hast unaufhörlich gearbeitet, um alle von den Heiden verwüsteten Klöster wiederaufzubauen, um sie wieder mit eifrigen Mönchen und Nonnen zu besiedeln und ihnen strenge Regeln zu geben von frommer Ordnung, nach welchen sie ihr Leben ausrichten. Darum lobt die Kirche Christi deinen ehrenvollen Namen, o heiliger Hierarch.
Kondakion (3. Ton)
Gleich einem kundigen Steuermann, o Dunstan, hast du das Schiff der Kirche und des Staates in England sicher gelenkt, geschickt die tückischen Felsen und Riffe meidend, die unter den Fluten deiner Zeit verborgen lagen, und hast es wohlbehalten in den stillen Hafen des Himmels geführt, reich beladen mit den Seelen der Menschen, die du jubelnd Christus, deinem Gebieter, übergabst.