Irodion, Abt von Lainici

Gedächtnis: 3. Mai
Der heilige Irodion wurde im Jahr 1821 in Bukarest geboren und erhielt bei der Taufe den Namen Ioan. Schon in jungen Jahren fühlte er sich zum monastischen Leben hingezogen und trat um das zwanzigste Lebensjahr in das Kloster Cernica ein, das damals unter der Leitung des heiligen Calinic stand und vom hesychastischen Geist geprägt war. Dort lernte Ioan den geistlichen Kampf durch Gebet, Demut, Gehorsam und Enthaltsamkeit. Im Jahr 1846 empfing er im Alter von etwa 25 Jahren die Mönchsweihe und erhielt den Namen Irodion. Von da an verstärkte er seine asketischen Bemühungen. Er fastete streng, widmete sich mit großem Eifer seiner Gebetsregel, fehlte niemals bei den Gottesdiensten und übernahm gemeinsam mit den anderen Vätern auch die schwersten Arbeiten des klösterlichen Gehorsams. Nach der Überlieferung schlief er nur wenige Stunden in der Nacht und vollzog täglich zahlreiche Metanien. Zugleich zeichnete er sich durch große Liebe zu den Brüdern aus und vermied üble Nachrede und unnützes Reden.
Nachdem der heilige Calinic im Jahr 1850 Bischof von Râmnic geworden war, nahm er mehrere seiner Schüler aus Cernica mit sich, um das kirchliche und monastische Leben seiner Diözese zu erneuern. Zu ihnen gehörte auch Irodion, den er gegen Ende des Jahres 1851 in die Skite Lainici im Tal des Jiu entsandte. Im Jahr 1853 wurde Irodion zum Diakon und anschließend zum Priestermönch geweiht und mit dem Dienst des Ekklesiarchen betraut. Bereits im folgenden Jahr wurde er zum Abt von Lainici eingesetzt. Mit mehreren Unterbrechungen leitete er die Gemeinschaft insgesamt etwa 41 Jahre und wurde damit zum am längsten amtierenden Abt in der Geschichte von Lainici.
Seine Amtszeit verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Sein strenges Verständnis des monastischen Lebens stieß zeitweise auf Widerstand, und zugleich zog es Irodion selbst immer wieder zur Stille und zum unablässigen Gebet. Mehrmals legte er deshalb die Leitung der Gemeinschaft nieder. Doch die Mönche von Lainici und die Nachkommen der Klosterstifter baten wiederholt darum, ihn erneut zum Abt einzusetzen, da sie in ihm einen geistlichen Vater von Weisheit und Demut sahen. So wurde ihm die Leitung der Gemeinschaft mehrfach erneut übertragen. Unter seiner Führung wurde das monastische Leben gefestigt und die Zahl der Brüder vermehrt. Auch die benachbarte Skite Locurele unterstützte er und half bei der Vollendung ihrer Kirche. Zeitweise wurde Irodion als Ekklesiarch an die Kathedrale von Craiova berufen, doch seine Liebe zur Stille und zu seiner Gemeinschaft führte ihn wieder nach Lainici zurück. Seit 1873 stand er erneut und nun bis zu seinem Lebensende an der Spitze des Klosters. Die Zahl der Mönche wuchs während dieser Zeit von etwa fünfzehn auf dreißig.
Irodion betrachtete den demütigen Gehorsam als eine der höchsten monastischen Tugenden und als Grundlage des Mönchslebens. Dieser Gehorsam, so lehrte er, werde durch Gebet, Demut und beständige Unterordnung unter den Willen Gottes erworben. Er selbst verband die Leitung des Klosters mit einem strengen asketischen Leben und unablässigem Gebet. Seine geistliche Autorität wuchs weit über Lainici hinaus. Der heilige Calinic, der zunächst sein Lehrer und geistlicher Vater gewesen war, erkannte die geistliche Reife seines Schülers und erhob ihn zum Archimandriten. Schließlich erwählte Calinic Irodion sogar zu seinem eigenen geistlichen Vater und Beichtvater und kam nach Lainici, um bei ihm geistlichen Rat zu suchen und zu beichten. Wegen seiner geistlichen Ausstrahlung nannte ihn der heilige Calinic den „Morgenstern von Lainici“.
Der heilige Irodion wurde als geistlicher Vater nicht nur von den Mönchen, sondern auch von zahlreichen Gläubigen aufgesucht. Lainici lag an einem wichtigen Weg zwischen Oltenien und Siebenbürgen, und Reisende fanden im Kloster sowohl gastfreundliche Aufnahme als auch geistlichen Rat. Schon zu Lebzeiten wurde Irodion die Gnadengabe der Vorausschau und der Heilung zugeschrieben. Er erkannte verborgene Sünden und geistliche Nöte der Menschen, betete für Kranke und Bedrängte und trieb durch sein Gebet unreine Geister aus. Sein Ruf verbreitete sich über Oltenien hinaus bis nach Siebenbürgen.
Die Überlieferung berichtet, dass eines Tages eine Frau aus der Umgebung Irodion ein Gefäß mit frischer Ziegenmilch brachte. Er weigerte sich jedoch, die Milch anzunehmen, und erklärte ihr, sie stamme nicht mehr wirklich von ihrer Ziege, weil die Frau das Tier am Vorabend in einem unbedachten Fluch dem Teufel übergeben habe. Als sie erkannte, dass Irodion etwas wusste, das sie ihm nicht erzählt hatte, bekannte sie ihre Verfehlung und versprach, von dieser Gewohnheit abzulassen. Solche Begebenheiten festigten unter den Gläubigen die Überzeugung, dass ihm von Gott die Gnadengabe der geistlichen Einsicht und Vorausschau geschenkt worden war.
Auch über die geistlichen Aufgaben hinaus diente Irodion den Menschen. Während des rumänischen Unabhängigkeitskrieges von 1877 half er zusammen mit zwölf Mönchen aus Lainici bei der Versorgung Verwundeter. Im Jahr 1889 wurde ihm zusätzlich die Leitung der Skite Locurele anvertraut. Bis ins hohe Alter blieb er dem Gebet und dem Dienst an seiner Gemeinschaft verpflichtet. Nach der monastischen Überlieferung erkannte er im Voraus das Nahen seines Todes und sagte auch voraus, dass Lainici nach seinem Entschlafen für eine Zeit verlassen werden würde.
Am 3. Mai 1900 entschlief der heilige Irodion im Herrn. Sein Leib wurde rechts neben dem Altarraum der Klosterkirche von Lainici bestattet. Schon bald wurde sein Grab zu einem Ort des Gebetes. Gläubige kamen aus Oltenien und Siebenbürgen und berichteten von Heilungen und Hilfe durch seine Fürbitten.
Sieben Jahre nach seinem Entschlafen wurde sein Grab erstmals geöffnet. Dabei wurde sein Leib nach der klösterlichen Überlieferung unversehrt aufgefunden. Da damals noch keine geeignete Möglichkeit bestand, die Reliquien würdig aufzubewahren, wurden sie wieder bestattet. Nachdem das Kloster während des Ersten Weltkrieges schwer gelitten hatte und zeitweise verlassen worden war, wurde das monastische Leben im Jahr 1929 unter Abt Visarion Toia erneuert. Weil das Grab Irodions von zahlreichen Gläubigen aufgesucht wurde und die Gefahr bestand, dass einzelne Teile seiner Reliquien eigenmächtig entnommen werden könnten, ließ Visarion sie um das Jahr 1930 heimlich erneut erheben. Er legte sie in einen kleineren Sarg und bestattete diesen wesentlich tiefer in der Erde, damit die Reliquien vor einer möglichen Schändung geschützt blieben. Der genaue Ort geriet später in Vergessenheit.
Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die Reliquien wiederzufinden, wurde unter Metropolit Irineu von Oltenien eine erneute Suche begonnen. Nach Tagen des Fastens und des Gebetes öffneten der Metropolit und die Gemeinschaft von Lainici am 10. April 2009, am Vorabend des Festes des heiligen Calinic von Cernica, das Grab. Zunächst wurden andere Gebeine gefunden, doch die Suche wurde fortgesetzt. Schließlich entdeckte man in größerer Tiefe den verborgenen kleinen Sarg mit den Reliquien Irodions. Seinie Gebeine wurden erhoben und unter Gebet in die Klosterkirche übertragen, wo sie fortan zur Verehrung der Gläubigen aufbewahrt werden.
Der Heilige Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche beschloss am 29. Oktober 2010 seine Verherrlichung. Die feierliche Proklamation wurde am 1. Mai 2011 im Kloster Lainici vollzogen.
Quellen: Doxologia.ro: Viața Sfântului Cuvios Irodion de la Lainici; Protosingel Ioan Popoiu: Heilige der rumänischen Lande, Abschnitt „Heiliger Irodion von Lainici, Abt“; Archimandrit Ioanichie Bălan: Cuviosul arhimandrit Irodion Ionescu; George Crâșnean: Irodion de la Lainici: Noi descoperiri biografice, in: Lumea monahilor, Nr. 34, April 2010.
Gebete
Troparion (5. Ton)
Unseren Morgenstern aus Oltenien wollen wir, seine Jünger, nun mit geheimnisvoller Verehrung wie einen auserwählten Vater preisen; denn der heilige Irodion erwies sich als mit der Gnadengabe der Vorausschau begabt, heilte alle von ihren Krankheiten und erwies sich in seinem Leben als gottbegnadeter geistlicher Vater.
Kondakion (8. Ton)
Der du ein würdiger Verehrer der allreinen Mutter des Herrn warst und dich ihr wie ein Sohn anvertraut hast, bist du in den Wohnungen des Herrn zu einem heiligen Altar der Gottheit geworden; denn vom Feuer des Heiligen Geistes entflammt, hast du deine Jünger im Gebet gestärkt, mit denen du dich in Ewigkeit freust, Vater Irodion!
aus dem Rumänischen übersetzt