Visarion von Lainici


Gedächtnis: 10. November
Der heilige Mönchsmärtyrer und Bekenner Visarion von Lainici (1884–1951), war ein rumänischer Priestermönch und langjähriger Abt des Klosters Lainici. Durch seine geistliche Führung, seine Fürsorge für die Mönchsgemeinschaft und seinen Einsatz für die Erneuerung des klösterlichen Lebens erwarb er sich große Verdienste.
Vita
Visarion (Toia) wurde am 28. Mai 1884 in der Gemeinde Secuieni im Kreis Bacău geboren. Seine Eltern Gheorghe und Ilinca waren einfache, gottesfürchtige Menschen. Bei seiner Taufe erhielt er den Namen seines Vaters, Gheorghe. Schon in jungen Jahren liebte er die Kirche, die Gottesdienste und den Kirchengesang und besuchte die Kirchengesangsschule in Roman. Unter der geistlichen Führung seines geistlichen Vaters, Bischof Gherasim Safirin, verspürte er immer stärker die Berufung zum monastischen Leben und trat schließlich als Novize in das Kloster Frăsinei ein. Dort empfing er durch den Stareț Porfirie Bucurescu die Mönchsweihe und erhielt den Namen Visarion. Im Kloster zeichnete er sich durch großen Eifer im geistlichen Leben, Ehrfurcht vor dem Heiligen, Schweigen und Gehorsam aus. Besonders sein Kirchengesang berührte die Herzen der Menschen und führte viele zu Tränen der Reue.
Auf Vorschlag des Stareț Porfirie wurde Visarion im Jahr 1922 zum Priestermönch geweiht. Mit großer Ehrfurcht und Liebe feierte er fortan die Göttliche Liturgie und wurde als geistlicher Vater zu einem geschätzten Ratgeber der Mönche und Pilger, für die er betete und denen er in ihren Nöten Trost spendete. Im Frühjahr 1929 wurde er zum Abt des durch den Krieg schwer beschädigten Klosters Lainici berufen und mit dessen Wiederaufbau betraut. Dort begründete er eine neue Bruderschaft und führte neben der Gebetsregel und den Gottesdiensten die hesychastische Übung des unablässigen Jesusgebetes ein. Das klösterliche Leben war von Gehorsam, Liebe, Freude und der Hoffnung auf das ewige Leben geprägt. Trotz seiner zahlreichen Aufgaben hielt Visarion streng an seiner eigenen monastischen Gebetsregel fest, nahm an der Göttlichen Liturgie teil, betete und fastete, hielt nächtliche Vigilien und las geistliche Schriften. Zugleich kümmerte er sich um die Notleidenden und half bei der Einrichtung eines Krankenhauses für die Arbeiter auf den Baustellen im Jiul-Tal. Unter seiner Führung wuchs das Kloster sowohl geistlich als auch äußerlich. In dieser Zeit fand er auch die Reliquien seines Vorgängers, des heiligen Irodion von Lainici, die er in einem kleinen Sarg an einem verborgenen Ort tiefer in der Erde wieder bestatten ließ, um sie vor einer möglichen Schändung zu bewahren.
Für seine Tugenden und geistlichen Mühen empfing Visarion die Gnadengabe der geistlichen Führung und der Heilungen. Aus dem Jahr 1950 ist die Heilung eines Mannes überliefert, der seine Sprache verloren hatte und im Traum aufgefordert worden war, zum Kloster Lainici zu gehen. Visarion sprach über ihn Gebete zur Lossprechung und Heilung, spendete ihm dreimal die Krankensalbung, nahm seine Beichte entgegen und gab ihm geistlichen Rat. Während der Orthros vor der Ikone der Gottesgebärerin wurde der Mann schließlich von seinem Leiden geheilt und konnte wieder sprechen.
Unter dem kommunistischen Regime wurde das Kloster Lainici von Soldaten besetzt, die das monastische Leben und die Gottesdienste störten. Eines Nachmittags verlangte der betrunkene Befehlshaber der Soldaten von Visarion, seine Zelle zu verlassen, und schlug ihn ohne Anlass. Als Visarion versuchte, ihn mit ruhigen Worten zu besänftigen, misshandelte der Offizier ihn noch schwerer, trat ihn mit den Füßen und warf ihn von der Veranda seiner Zelle. Bei dem Sturz brach Visarion ein Bein und blieb schwer verletzt in einer Blutlache liegen. Der Offizier drohte zugleich, alle im Kloster zu töten, falls jemand über die Tat berichten sollte. Nach einigen Tagen infizierten sich seine Wunden und das gebrochene Bein so schwer, dass die Ärzte das Bein amputieren mussten. Als Visarion spürte, dass sein Ende nahte, bat er darum, die Große Schima zu empfangen. Kurz darauf, am 8. November 1951, entschlief er im Alter von 67 Jahren im Herrn.
Sein Leib wurde neben seinem Vorgänger, dem heiligen Irodion, beigesetzt. Im Jahr 2013 wurden seine sterblichen Überreste erhoben. Dabei bestätigte das fehlende Bein die Überlieferung von der schweren Misshandlung und der darauf folgenden Amputation. Seine Reliquien werden seither im Kloster Lainici verehrt.
Der Heilige Synod der Rumänisch-Orthodoxen Kirche beschloss im Jahr 2024 seine Verherrlichung. Am 4. Februar 2025 wurde die feierliche Proklamation von Visarion gemeinsam mit fünfzehn weiteren Neumärtyrern und Bekennern, anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Rumänischen Patriarchats, in der Patriarchalkathedrale in Bukarest und am 9. November 2025 die feierliche Proklamation im Kloster Lainici vollzogen.
Quellen: Rumänisches Patriarchat: Sinaxar – Sfântul Cuvios Mărturisitor Visarion, starețul Mănăstirii Lainici, in: Concursul Național „Icoana ortodoxă – lumina credinței“, ediția a XIV-a, 2025, Anexa 2; Doxologia.ro: Viața Sfântului Cuvios Mucenic Visarion de la Lainici.
Gebete
Troparion (1. Ton)
Du zeigst ein wunderbares Wirken im Kloster Lainici, heiliger Vater Visarion: durch Fasten, Nachtwachen und Gebet, durch vollkommene Liebe zu Gott und den Menschen, wurdest du ein Wundertäter. Du hast für deine Glauben durch die Gottlosen gelitten und wurdest mit himmlischer Herrlichkeit gekrönt. Darum bitte Christus, unseren Gott, dass Er unsere Seelen errette!
Kondakion (8. Ton)
Den Leidenden um der Liebe Gottes willen, den Lehrer des reinen Gebets, den ehrwürdigen Altvater Visarion von Lainici, der allen Gnadengaben aus Barmherzigkeit teilt, lasst uns loben und ihm von Herzen zurufen: Freue dich, heiliger Vater Visarion, Ruhm der Mönche und Zierde der Bekenner!
aus dem Rumänischen übersetzt