Gedächtnis: 20. April, 9. Mai (Übertragung der Gebeine nach Slutsk) und 9. September (Übertragung der Gebeine nach Bialystok)
Gabriel wurde am 22. März 1684 in Zwierki geboren. Seine Eltern, Peter und Anastasia Gowdel, waren einfache Bauern und fromme orthodoxe Christen, die in einer Zeit, in der die Union von Brest in dieser Gegend immer stärkeren Einfluss gewann, treu am orthodoxen Glauben ihrer Vorfahren festhielten. Gabriel wurde in der Kirche des der Entschlafung der Allerheiligsten Gottesgebärerin geweihten Männerklosters von Zabłudów getauft. Schon als kleines Kind unterschied er sich nach kirchlicher Überlieferung von seinen Altersgenossen durch seine Frömmigkeit: Statt sich den gewöhnlichen Spielen der Kinder hinzugeben, suchte er gerne die Stille und das Gebet. Im Frühjahr des Jahres 1690, als Gabriel erst sechs Jahre alt war, wurde das friedliche Leben der Familie jäh zerstört. Am 11. April wurde der Knabe während der Abwesenheit seiner Eltern entführt und nach Białystok gebracht. Dort wurde er grausam misshandelt und getötet. So errang er die Krone des Martyriums.
Nach der Überlieferung wurde der Leib des Märtyrerkindes neun Tage später aufgefunden. Hunde hielten bei ihm Wache und bewahrten ihn davor, von Vögeln angetastet zu werden. Anschließend wurde der Leib seinen Eltern zurückgebracht. Gabriel wurde daraufhin in der Nähe der Dorfkirche von Zwierki bestattet. Etwa dreißig Jahre ruhte sein Leib dort in der Erde. Im Jahre 1720 herrschte in der Umgebung eine Epidemie, der besonders viele Kinder zum Opfer fielen. Aus Verehrung für den unschuldig getöteten Gabriel und im Vertrauen auf die Gnade Gottes, die man an seiner Grabstätte wahrzunehmen glaubte, bestatteten die Einwohner ihre verstorbenen Kinder möglichst nahe bei seinem Grab. Bei einer solchen Beisetzung wurde das Grab Gabriels versehentlich geöffnet. Dabei zeigte sich, dass sein Leib nach drei Jahrzehnten nicht der Verwesung anheimgefallen war. Mit der Auffindung seiner unverwesten Gebeine wurden zahlreiche Heilungen verbunden; nach kirchlicher Überlieferung kam auch die Epidemie zum Erliegen. Daraufhin wurden die Reliquien des Märtyrerkindes in feierlicher Prozession in die Kirche von Zwierki übertragen und dort in der Krypta beigesetzt. Im Jahre 1746 wurde die Kirche durch einen Brand vollständig zerstört. Die Reliquien Gabriels aber blieben erhalten. Lediglich eine Hand war teilweise vom Feuer erfasst worden; nach der Überlieferung heilte die Brandstelle auf wunderbare Weise und bedeckte sich wieder mit Haut. Nach dem Brand wurden die Reliquien nach Zabłudów übertragen.
Im Jahre 1755 erfolgte eine weitere Übertragung, diesmal in das der Allerheiligsten Dreiheit geweihte Kloster von Słuck. Dort entwickelte sich die Verehrung des Märtyrerkindes immer stärker. Zahlreiche Gläubige suchten seinen Schrein auf und erbaten seine Fürbitte, besonders für kranke Kinder. Berichte über Gebetserhörungen und Heilungen wurden im Kloster schriftlich festgehalten. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden auch die liturgischen Texte zu Ehren des Heiligen: 1752 verfasste Archimandrit Dositheos (Goljachowski) Troparion und Kondakion, später wurden weitere Gebete und schließlich ein Kanon zu Ehren des Märtyrerkindes geschaffen. Seine Verehrung breitete sich über Podlachien und Belarus hinaus aus.
Im Jahre 1820 erfolgte die Verherrlichung des „kindlichen Märtyrers“ durch die Russische Orthodoxe Kirche.
Sein unversehrter Leichnam wurde zunächst in verschiedenen Klöstern bewahrt, 1944 wurde er dann ins weißrussische Grodno übertragen, 1992 erfolgte die Übertragung nach Bialystok.
Die Verehrung des heiligen Gabriel ist bis heute vor allem in Polen und Belarus tief verwurzelt. Eine besondere Bedeutung besitzt sein Heimatdorf Zwierki. Dort wurde am Beginn des 21. Jahrhunderts eine dem heiligen Märtyrerkind geweihte Kirche errichtet; aus der dort entstandenen monastischen Gemeinschaft entwickelte sich das Frauenkloster der Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin. Heute besteht eine enge Verbindung zwischen diesem Kloster und der St.-Nikolaus-Kathedrale in Białystok.
Die Reliquien des hl. Märtyrerkindes Gabriel wechseln regelmäßig zwischen diesen beiden Orten:
Schrein im Frauenkloster von ZwierkiMai bis September: im Frauenkloster der Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin in Zwierki (Monaster Narodzenia Najświętszej Maryi Panny w Zwierkach), seinem Geburtsort. Dort befinden sie sich in der Klosterkirche des hl. Märtyrerkindes Gabriel.
September bis Mai: in der orthodoxen St.-Nikolaus-Kathedrale in Białystok.
Der heilige Märtyrer Gabriel wird besonders als Fürsprecher der Kinder und Jugendlichen verehrt. In Polen ist er der himmlische Patron der Bruderschaft der Orthodoxen Jugend. Auf seinen Ikonen erscheint er gewöhnlich als kleiner Knabe in einem hellen oder weißen Gewand, häufig barfuß und mit dem Kreuz des Martyriums in der Hand. Seine Verehrung erinnert daran, dass auch ein Kind durch unschuldig ertragenes Leiden zum Zeugen Christi werden kann.
Heiliges Kind Gabriel, im Namen des einen Gottes durchbohrt für uns, schlechte Menschen hatten deinen Leib durchbohrt. Und für den Einen, der für uns blutete, blutete dein ganzer Leib und hatte schreckliche Wunden. Nun aber, in ewiger Herrlichkeit, freust du dich mit Ihm. Dort erinnere dich unser, die wir hier auf Erden dich verehren, bete für die Gesundheit unseres Leibes und die Erlösung unserer Seelen.
Kondakion (5. Ton)
Du wurdest geboren im gottbewahrten Zwierka, o Märtyrer Christi Gabriel, wo Du Deine Kindheit verbrachtest. Vom Hause Deines Vaters wurdest Du listig entführt von bösen Menschen und hattest grausame Qualen erduldet, Du hattest Dich niedergelassen in der himmlischen Heimat. Bewahre uns vor allen Angriffen und Unglück, und wir bitten Dich inständig, flehe zum Herrn, dass wir an Deinem ewigen Erbe teilzuhaben vermögen.
Megalynarion
Wir preisen dich, heiliges Märtyrerkind Gabriel, und verehren deine ehrwürdigen Leiden, die du für Christus erduldet hast.
Gebet an das heilige Märtyrerkind Gabriel
O seliger Gabriel, Hüter kindlicher Unschuld und Träger des Mutes der Märtyrer, kostbarer Edelstein unseres Landes und Entlarver der Gottlosigkeit! Zu dir nehmen wir Sünder betend unsere Zuflucht, und in Reue über unsere Sünden und beschämt über unsere Kleinmütigkeit rufen wir voll Liebe zu dir: Verabscheue nicht unsere Unreinheit, der du ein Schatz der Reinheit bist; verschmähe nicht unsere Kleinmütigkeit, du Lehrer der Langmut, sondern sieh vom Himmel auf unsere Schwachheiten, gewähre uns durch dein Gebet Heilung von ihnen und lehre uns, deiner Treue zu Christus nachzueifern. Wenn wir aber nicht imstande sind, das Kreuz der Versuchungen und Leiden geduldig zu tragen, so entziehe uns auch dann nicht deine barmherzige Hilfe, o Gottesdiener, sondern erbitte uns vom Herrn Befreiung und Erleichterung. Erhöre auch die Mütter, die für ihre Kinder beten, und flehe zum Herrn, dass Er den Kindern Gesundheit und Heil gewähre. Denn kein Herz ist so verhärtet, dass es nicht beim Hören von deinen Leiden, o heiliges Märtyrerkind, von Rührung ergriffen würde. Und wenn wir außer diesem reuevollen Seufzen kein anderes gutes Werk darzubringen vermögen, so erleuchte, o Seliger, auch durch einen solchen von Reue erfüllten Gedanken unseren Sinn und unsere Herzen und führe uns durch die Gnade Gottes zur Besserung unseres Lebens. Pflanze in uns einen unermüdlichen Eifer für das Heil unserer Seelen und für die Herrlichkeit Gottes und hilf uns, stets wachsam der Stunde unseres Todes zu gedenken. Besonders aber vertreibe in der Stunde unseres Hinscheidens durch deine Fürbitte die Anfechtungen der Dämonen und die Gedanken der Verzweiflung von unseren Seelen und erfülle sie mit der Hoffnung auf die göttliche Vergebung, auf dass wir jetzt und dann die Barmherzigkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und deine mächtige Fürsprache verherrlichen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amin.