Energien

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Energien ist der Plural des Singulars Energie (von griechisch ἔργον ergon „Wirken“). Im Bereich der orthodoxen Theologie hat dieser Begriff eine besondere Bedeutung, wenn damit die sog. göttlichen Energien benannt werden.

Göttliche Energien (ungeschaffene Energien)

Göttliche Energien (auch ungeschaffene Energien genannt, von griech. ενέργεια ‚Handlung, Wirkung, Aktivität‘) ist ein Begriff der orthodoxen Theologie, der die nach außen gerichteten Wirkungen Gottes bezeichnet, die sich vom unerkennbaren Wesen Gottes unterscheiden. Diese gnadenvollen Wirkungen Gottes öffnen IHN der geschaffenen Welt und ermöglichen es dem Menschen, der Gottheit teilhaftig zu werden. Mittels der dem Menschen zugänglichen Göttlichen Energien ist seine Vergöttlichung möglich.

Indem die Orthodoxe Kirche das Sein Gottes erläutert, beschränkt sie sich nicht auf die Unerkennbarkeit des Wesens Gottes. Die Lehre über die Unerkennbarkeit und die Transzendenz des Göttlichen Wesens ergänzt sie mit der Lehre über die Zugänglichkeit und Immanenz Gottes in seinen Energien. Der Unterschied zwischen dem Wesen und den Energien Gottes findet sich bei den meisten griechischen Vätern seit den ersten Jahrhunderten der Existenz der Kirche. Am vollkommensten wurde sie durch den hl. Gregor Palamas wiedergegeben. Dieser Unterschied wurde in den Akten des Konstantinopelschen Konzils von 1351 bekräftigt.

Laut dem hl. Gregor und den Konzilakten bestehen folgende Unterschiede zwischen Wesen und Energien: das Göttliche Wesen lässt keine Teilhabe an sich zu, es ist namenlos und unnennbar, während die Energien Teilhabe zulassen, nennbar, mehrfach und unterschiedlich sind. Dabei bleibt die Einheit des Göttlichen Wesens und der Energien unvermischt und ihre Trennung unteilbar. Die Energie des Wesens ist ungeschaffen als Wirkung der dreifach hypostatischen Gottheit; sie verleiht dem Wesen selbst keine Trennung und verletzt nicht seine Einfachheit. Auf die Energie ist der Name „Gottheit“ ebenfalls anwendbar - sie ist ebenfalls Gott selbst.

Die Energie Gottes ist eben die ungeschaffene Göttliche Gnade (griech. χάρις; russ. благодать), die von dem Göttlichen Wesen ausgeht. Die Göttlichen Energien sind eben das, woran der christliche Asket teilhaftig wird. Daher wird auch das Göttliche Wesen dem Menschen zugleich unteilhaftig und teilhaftig. „Wenn wir sagen, dass das göttliche Wesen nicht in sich selbst, sondern in seiner Energie teilhaftig ist“, erklärte der hl. Gregor Palamas, „bleiben wir in den Grenzen der Frömmigkeit“. Das heißt also, der Unterschied zwischen dem Wesen und den Energien Gottes begründet die Möglichkeit der Teilhabe an der Natur Gottes und eröffnet die Perspektive der gnadenvollen Vergöttlichung des Menschen.

Literatur

  • Karl Christian Felmy: Einführung in die orthodoxe Theologie der Gegenwart. 3., ergänzte Auflage, LIT-Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-643-11199-9, S. 30-32.

Weblinks