Chad, Bischof von Lichfield


Gedächtnis: 2. März
Der heilige Chad (auch Ceadda genannt) wurde im frühen 7. Jahrhundert in Northumbrien geboren und zusammen mit seinem älteren Bruder Cedd in Lindisfarne unter dem heiligen Aidan ausgebildet. Die geistliche Prägung, die Chad in der monastischen Tradition Lindisfarnes empfing, bestimmte auch sein weiteres Leben als Abt, Missionar und Bischof.
Chad begab sich zum weiteren Studium nach Irland. Beda Venerabilis berichtet, dass er dort gemeinsam mit dem heiligen Egbert ein strenges asketisches Leben führte und sich dem Gebet, der Enthaltsamkeit und dem Studium der Heiligen Schrift widmete.
Nach seiner Rückkehr nach Northumbrien lebte Chad im Umfeld des von seinem Bruder, dem heiligen Cedd, Bischof von Essex, gegründeten Klosters Lastingham in Yorkshire. Cedd leitete das Kloster als Abt neben seinem Bischofsamt. Nach Cedds Tod während der großen Seuche des Jahres 664 übernahm Chad die Leitung des Klosters und folgte seinem Bruder als Abt von Lastingham nach.
Als der zum Bischof bestimmte Wilfrid längere Zeit im Frankenreich weilte, berief König Oswiu Chad ins Bischofsamt für die Northumbrier. Chad begab sich zunächst nach Kent, um die Bischofsweihe zu empfangen. Da der erzbischöfliche Stuhl von Canterbury nach dem Tod des Erzbischofs Deusdedit vakant war, wurde Chad schließlich von Wine, dem Bischof der Westsachsen, unter Mitwirkung zweier britischer Bischöfe geweiht.
Chad widmete sich seinem bischöflichen Dienst mit großer Demut und missionarischem Eifer. Nach dem Vorbild seines Lehrers, des heiligen Aidan, pflegte er die ihm anvertrauten Gebiete zu Fuß zu durchwandern und das Evangelium in Städten, Dörfern und abgelegenen Orten zu verkünden.
Als der heilige Theodor von Tarsus 669 als Erzbischof von Canterbury die kirchlichen Verhältnisse in England ordnete, beanstandete er die Umstände von Chads Bischofsweihe. Chad erklärte ihm demütig, dass er bereit sei, auf das Bischofsamt zu verzichten, da er sich niemals für würdig gehalten habe, es zu übernehmen, sondern das Amt lediglich aus Gehorsam angenommen habe. Theodor war von seiner Demut beeindruckt und vervollständigte daraufhin seine Bischofsweihe nach der kirchlichen Ordnung. Chad überließ den northumbrischen Bischofssitz Wilfrid und kehrte nach Lastingham zurück.
Noch im selben Jahr bat König Wulfhere von Mercia Erzbischof Theodor um einen Bischof für sein Volk. Theodor bestimmte Chad für diesen Dienst. Chad wurde Bischof der Mercier und von Lindsey und nahm seinen Bischofssitz in Lichfield.
Auch als Bischof bewahrte Chad seine asketische Lebensweise. Er setzte seine Gewohnheit fort, auf seinen Missionsreisen zu Fuß unterwegs zu sein. Erzbischof Theodor bestand jedoch darauf, dass Chad bei längeren Reisen ein Pferd benutzte. Als Chad sich aus Demut dagegen sträubte, hob Theodor ihn nach Bedas Bericht eigenhändig auf das Pferd, da er ihn für einen heiligen Mann hielt und ihm die beschwerlichen Wege erleichtern wollte.
König Wulfhere schenkte Chad außerdem Land von fünfzig Familien im Gebiet von Lindsey, an einem von Beda „Ad Barvae“ genannten Ort, damit er dort ein Kloster errichten konnte.
In Lichfield ließ Chad unweit der Kirche eine einfache Wohnstätte errichten. Dort lebte er mit sieben oder acht Brüdern und zog sich, sooft seine Verkündigungstätigkeit es erlaubte, zum Gebet und zum Studium zurück. So verband er auch als Bischof das monastische Leben mit seinem missionarischen und seelsorglichen Dienst.
Beda schildert Chad als einen außerordentlich demütigen, gottesfürchtigen und asketischen Hirten. Bei starkem Wind unterbrach er seine Lektüre und bat Gott um Erbarmen mit der Menschheit. Bei heftigen Stürmen warf er sich zum Gebet nieder, und bei Gewittern begab er sich in die Kirche, wo er betete und Psalmen sang, bis das Unwetter vorüber war. Chad sah darin eine Mahnung Gottes an die Menschen, ihrer Sterblichkeit zu gedenken, ihren Hochmut abzulegen und sich auf das kommende Gericht vorzubereiten.
Nach etwa zweieinhalb Jahren bischöflichen Wirkens in Mercia wurde Chad während einer Seuche schwer krank. Einer seiner Mönche namens Owin hörte eines Tages einen wunderbaren Gesang, der vom Himmel herabzukommen und Chads Gebetsstätte zu erfüllen schien. Chad erklärte ihm, die himmlischen Stimmen hätten ihn aufgefordert, sich auf seinen Tod vorzubereiten, denn nach sieben Tagen würden sie wiederkommen und ihn mit sich nehmen.
Chad rief daraufhin seine Brüder zusammen, ermahnte sie, Frieden untereinander zu bewahren und das monastische Leben treu fortzuführen, und bereitete sich auf sein Ende vor. Nach sieben Tagen entschlief er am 2. März 672 im Herrn.
Beda überliefert außerdem einen Bericht des heiligen Egbert, der Chad aus ihrer gemeinsamen Zeit in Irland kannte. Egbert erzählte dem Abt Hygbald, ein noch lebender Mann in Irland habe beim Tod Chads gesehen, wie die Seele seines bereits entschlafenen Bruders Cedd mit einer Schar von Engeln vom Himmel herabkam, Chads Seele mit sich nahm und mit ihr in den Himmel zurückkehrte.
Chad wurde zunächst bei der Kirche der Allheiligen Gottesgebärerin in Lichfield bestattet. Später wurden seine Gebeine in die Kirche des heiligen Apostels Petrus übertragen. Sein Grab wurde schon früh zu einem Ort der Verehrung. Beda berichtet von zahlreichen Heilungen. Gläubige nahmen Staub von der Stelle seines Grabes, mischten ihn mit Wasser und verwendeten ihn zur Heilung von Menschen und Tieren.
Während der Reformation wurden Teile seiner Reliquien der Überlieferung zufolge vor der Zerstörung bewahrt. Ein Teil der dem heiligen Chad zugeschriebenen Reliquien wird heute in der ihm geweihten St Chad’s Cathedral in Birmingham aufbewahrt.
Der heilige Chad gehört zu den bedeutenden Heiligen, die aus der geistlichen Schule Lindisfarnes hervorgingen. Die unter dem heiligen Aidan empfangene Verbindung von asketischem Mönchtum, Demut und missionarischer Verkündigung bewahrte er während seines gesamten Lebens und trug sie von Northumbrien nach Mercia weiter.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch III, Kap. 28; Buch IV, Kap. 2–3; Romanian Orthodox Archdiocese of Great Britain and Northern Ireland, Saint Chad, Bishop of Lichfield, England; OrthodoxWiki, Chad of Lichfield.
Gebete
Troparion (4. Ton)
Du empfingst aus der Höhe die göttliche Gnade und wurdest durch ihre Kraft gestärkt, o glorreicher Chad. Den geraden und schmalen Pfad des Evangeliums bist Du gegangen und hast eine ganze Reihe von Gläubigen mit Dir gezogen. Darum hast Du reichen Lohn erhalten für deine Arbeit. So erbitte nun von Christus, dass Er unsere Seele retten möge.