Ceolfrith von Wearmouth und Jarrow

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Gedächtnis: 25. September und 8. Oktober (Übertragung der Gebeine)

Der ehrwürdige Ceolfrith, auch Ceolfrid genannt, wurde um das Jahr 642 in eine vornehme Familie in Northumbria geboren. Im Alter von achtzehn Jahren entschloss er sich, den weltlichen Ehren zu entsagen und sein Leben ganz Christus zu weihen. Er trat in das Kloster von Gilling in Yorkshire ein, wo zuvor sein Bruder Cynefrith Abt gewesen war. Unter der Leitung des Abtes Tunberht widmete er sich mit großem Eifer dem monastischen Leben, dem Gehorsam und dem Studium der Heiligen Schrift.

Nachdem eine Seuche viele Brüder dahingerafft hatte, begab sich Ceolfrith mit seinem Abt nach Ripon und trat dort in die Gemeinschaft ein, die unter der Leitung des heiligen Wilfrid stand. Im Alter von siebenundzwanzig Jahren wurde er von diesem zum Priester geweiht. Um seine Kenntnis des kirchlichen und monastischen Lebens weiter zu vertiefen, reiste er später nach Kent, wo der heilige Erzbischof Theodor von Canterbury und der heilige Hadrian ein bedeutendes Zentrum kirchlicher Bildung geschaffen hatten. Auch suchte er den heiligen Botolph auf, um von dessen Erfahrung in der Ordnung des monastischen Lebens zu lernen. Trotz seiner großen Gelehrsamkeit scheute Ceolfrith keine niedrige Arbeit und versah zeitweise den Dienst in der Klosterbäckerei, wobei er das Studium seiner priesterlichen Pflichten mit der Arbeit seiner Hände verband.

Als der heilige Benedikt Biscop an der Mündung des Wear das dem heiligen Apostel Petrus geweihte Kloster Wearmouth errichtete, berief er Ceolfrith zu sich. Dieser wurde dort Prior und half dem heiligen Benedikt beim Aufbau und bei der Ordnung der jungen Gemeinschaft. Er begleitete ihn auch auf einer Reise nach Rom, wo er die Heiligtümer der heiligen Apostel verehrte und die kirchlichen und monastischen Überlieferungen kennenlernte, die Benedikt nach Northumbria bringen wollte. Bücher, heilige Reliquien und alles, was dem Gottesdienst und der Unterweisung der Brüder dienen konnte, nahmen im Leben der neuen Klostergemeinschaft einen besonderen Platz ein.

Als König Ecgfrith dem heiligen Benedikt weiteres Land für die Gründung eines zweiten Klosters am Fluss Tyne schenkte, wurde Ceolfrith mit dessen Aufbau betraut. Mit einer Gruppe von Mönchen aus Wearmouth gründete er das dem heiligen Apostel Paulus geweihte Kloster von Jarrow und wurde dessen Abt. Wearmouth und Jarrow bildeten trotz ihrer räumlichen Trennung eine einzige monastische Gemeinschaft unter dem Schutz der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Zu den jungen Mönchen, die der geistlichen Führung Ceolfriths anvertraut wurden, gehörte auch Beda Venerabilis, der sein Leben in Wearmouth und Jarrow verbringen und zu einem der bedeutendsten kirchlichen Lehrer seiner Zeit werden sollte.

Nach dem Entschlafen des heiligen Benedikt Biscop wurde Ceolfrith schließlich die Leitung beider Klöster anvertraut. Unter seiner Führung erblühte Wearmouth-Jarrow zu einem bedeutenden Zentrum des monastischen Lebens, des Gebetes und der kirchlichen Gelehrsamkeit. Der heilige Abt erweiterte die Kirchen und Gebetsstätten, beschaffte Gefäße und Gewänder für den Gottesdienst und vermehrte die von seinem Vorgänger begründeten Bibliotheken. Zugleich wachte er über die monastische Ordnung und die geistliche Einheit der Gemeinschaft, die schließlich etwa sechshundert Mönche umfasste.

Eine besondere Liebe hegte Ceolfrith zur Heiligen Schrift. Unter seiner Leitung entstanden drei vollständige Abschriften der lateinischen Bibel, in denen die Bücher des Alten und Neuen Testaments jeweils in einem einzigen großen Band vereinigt wurden. Zwei davon waren für die Kirchen von Wearmouth und Jarrow bestimmt, während die dritte als Gabe für das Grab des heiligen Apostels Petrus nach Rom gebracht werden sollte. Dieser gewaltige Bibelcodex ist als Codex Amiatinus bekannt geworden und hat sich bis in unsere Zeit erhalten. Er gilt als die älteste vollständig erhaltene Handschrift der lateinischen Vulgata und legt Zeugnis vom großen Eifer Ceolfriths und seiner Mönche für die Bewahrung und Weitergabe der Heiligen Schrift ab.

Während seines Wirkens in Wearmouth-Jarrow begegnete der heilige Ceolfrith auch Adomnan, Abt von Iona, der sich während einer seiner Reisen nach Northumbria in den Klöstern Ceolfriths aufhielt. Ceolfrith erinnerte sich später mit großer Hochachtung an ihn und rühmte seine Weisheit, Demut und Frömmigkeit. Zwischen beiden kam es zu Gesprächen über die Berechnung des Paschafestes und die kirchliche Tonsur. Ceolfrith legte Adamnan die in Rom und inzwischen auch in Northumbria befolgte Berechnung des Paschafestes dar; Adamnan nahm diese schließlich an und bemühte sich nach seiner Rückkehr, sie auch unter seinen Landsleuten zu verbreiten.

Auch über die Grenzen seiner Klöster hinaus wurde der Rat des heiligen Abtes gesucht. Als König Nechtan der Pikten Unterweisung über die Berechnung des Paschafestes und andere kirchliche Gebräuche erbat, legte Ceolfrith ihm die überlieferte kirchliche Praxis dar. Ebenso sandte er ihm kundige Handwerker, damit eine Kirche nach der Bauweise errichtet werden konnte, wie sie in Wearmouth und Jarrow gepflegt wurde. Auf diese Weise trug die geistliche und kirchliche Bildung seiner Klöster auch in den nördlichen Ländern Früchte.

Nachdem Ceolfrith seine Klöster viele Jahre geleitet hatte und seine körperlichen Kräfte im hohen Alter nachließen, entschloss er sich, sein Amt niederzulegen und noch einmal nach Rom zu pilgern. Die Brüder baten ihren geistlichen Vater unter Tränen, bei ihnen zu bleiben, doch er hielt es für angemessen, die Last der Leitung nun einem jüngeren Abt zu übergeben. Vor seiner Abreise feierte er mit den Brüdern den Gottesdienst und empfing die heiligen Mysterien. Er segnete die versammelte Gemeinschaft, ermahnte sie zur brüderlichen Liebe und zum Gehorsam gegenüber der monastischen Ordnung und bat um Vergebung, falls er jemanden durch allzu große Strenge betrübt haben sollte. Danach gab er den Brüdern den Friedenskuss und vertraute sie der Fürsorge Gottes an.

Auf seiner letzten Pilgerfahrt führte Ceolfrith jene große Bibelhandschrift mit sich, die er dem heiligen Apostel Petrus in Rom darbringen wollte. Obwohl seine Kräfte immer mehr schwanden, hielt er an seiner Gebetsregel fest. Schließlich erreichte er Langres im Frankenreich. Dort entschlief der ehrwürdige Vater am 25. September 716 im Alter von vierundsiebzig Jahren im Herrn. Am folgenden Tag wurde sein Leib im Kloster der heiligen Märtyrer Speusippus, Eleusippus und Meleusippus ehrenvoll beigesetzt. Seine Gefährten setzten die Reise fort und brachten die große Bibel nach Italien. Ceolfrith selbst erreichte das irdische Rom nicht mehr, doch die Gabe, die er für das Grab des Apostelfürsten bestimmt hatte, gelangte an ihr Ziel.

Die heiligen Reliquien Ceolfriths wurden später aus Langres nach England übertragen. Sein Gedächtnis blieb besonders in Wearmouth und Jarrow lebendig, wo sein Wirken gemeinsam mit dem des heiligen Benedikt Biscop die Grundlage für eine Blüte des monastischen Lebens und der kirchlichen Gelehrsamkeit gelegt hatte. Als geistlicher Vater des ehrwürdigen Beda und als Bewahrer und Förderer der Heiligen Schrift hinterließ der heilige Abt ein Erbe, das weit über Northumbria hinausreichte.

Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch IV, Kapitel 18; Buch V, Kapitel 21 und 24; Beda Venerabilis, Historia abbatum, besonders Kapitel 15–23; Vita Ceolfridi; Saints of the Isles, „Our Venerable Father Ceolfrith, Abbot of Wearmouth and Jarrow“; Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, „Venerable Ceolfrid of Northumbria, England“.

Gebete

Troparion (2. Ton)

Freut euch, Christen von Northumbria, denn der Herr hat einen Heiligen aus eurer Mitte hervorgebracht. Er pflegte Mönchtum und Gelehrsamkeit wie eine kostbare Rebe und brachte dem Ruhm Gottes reiche Frucht. Nun, da der Name des Heiligen Ceolfrith im Buch des Lebens eingetragen ist, betet mit uns, dass er für uns alle Fürsprache hält.

weiteres Troparion (2. Ton)

Nachdem du deine Seele mit Gehorsam und der Erkenntnis der göttlichen Schriften geschmückt hattest, o ehrwürdiger Vater Ceolfrith, weidetest du die Brüder von Wearmouth und Jarrow in Eintracht; und indem du die heiligen Bücher bewahrtest, nährtest du deine Herde mit dem Worte Gottes. Darum, o gotttragender Vater, bitte Christus, unseren Gott, dass unsere Seelen errettet werden.

Kondakion (1. Ton)

Als treuer Verwalter der göttlichen Schriften, o ehrwürdiger Ceolfrith, hast du ihre Schätze für die Brüder vermehrt; und während du das heilige Buch zum Grabe des Apostels trugst, vollendetest du deine irdische Pilgerschaft, noch ehe du Rom erreichtest. Da du nun vor Christus, dem Worte Gottes, stehst, höre nicht auf, für uns alle Fürbitte zu halten.

aus dem Englischen übersetzt