Benutzer:Christian/Großmährische Akademie

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Liste der ältesten Universitäten

Schule von Chartres + Domschule in Chartres (die als Ausbildungsstätte für Kleriker schon im Frühmittelalter bestand und im 11. und 12. Jahrhundert dank hervorragender Lehrer eine Blütezeit erlebte)

Domschule = Kathedralschule

Klosterschule

Fulbert von Chartres + von 1006 bis 1028 Bischof in Chartres - auf Bischof Fulbert geht der Bau der romanischen Kathedrale zurück (Baubeginn im Jahre 1020), die als heutige Unterkirche noch erhalten ist - in seiner Amtszeit entwickelte sich zudem die Kathedralschule zu einem führenden geistigen Zentrum nördlich der Alpen

Kathedrale von Chartres + Am 5. August 962 ging die karolingische Kathedrale bei einem Krieg zwischen Herzog Richard I. der Normandie und dem Grafen von Chartres in Flammen auf. Der Nachfolgebau wurde am 7. bis 8. September 1020 Opfer eines durch Unfall entstandenen Feuers. Daraufhin ließ Bischof Fulbert einen romanischen Neubau errichten. Die Bauzeit betrug vier Jahre, die Fertigstellung war 1024. Im Jahr 1037 wurde die Weihe vollzogen, acht Jahre nach Fulberts Tod. Schon 1134 gab es in Chartres einen weiteren Stadtbrand, der von der neu erbauten Kirche aber nur die Vorhalle und einen Turm zerstörte. Vor der alten Fassade wurde sofort ein neuer Nordturm gebaut und 1150 vollendet. Zwischen neuem Nordturm und alten Südturm fand das um 1145 entstandene Königsportal seinen Platz. Womöglich wurde es umgesetzt. Um das Datum und die Art und Weise dieser Versetzung streiten sich die Gelehrten, weil davon eine genaue Deutung der einzelnen Elemente abhängt. Sicher bekannt ist nur, dass sie vor 1194 durchgeführt wurde.

Mährerreich

Redaktor:Ditinili

Blüte

Bild: Ikone Fürst Rastislavs als Heiligen der orthodoxen Kirche

Bild: Fresko der Slawenapostel Kyrill und Method

In den frühen 850er Jahren begann Rastislav eine zunehmend vom Ostfrankenreich unabhängige Politik zu führen. Im Jahr 855 zog Ludwig der Deutsche mit einem fränkischen Heer gegen die Mährer, wurde aber bei Rastislavs Festung von diesem besiegt. In der Folge konnte Rastislav die Tributzahlungen an das Ostfrankenreich vorübergehend einstellen und verjagte den gesamten bayerischen Klerus aus seinem Land. Von geschichtlicher Bedeutung wurde Rastislavs Bemühen, mit Hilfe von Byzanz und der Ostkirche sein Land aus dem fränkischen Einflussbereich zu entziehen. Nachdem Papst Nikolaus I. Rastislavs Bitte, slawischsprachige Priester zum Aufbau einer eigenen mährischen Kirchenorganisation zu entsenden, nicht entsprach, wandte sich Rastislav im Jahr 862 an den byzantinischen Kaiser Michael III.

Dieser entsprach den Forderungen des mährischen Fürsten und entsandte die byzantinischen Priester und Gelehrten Kyrill und Method, die 863 im Mährerreich ankamen.[1] Die von Kyrill mit Hilfe des glagolitischen Alphabets geschaffene altslawische Sprache wurde im Mährerreich als erstem slawischem Land als Liturgiesprache eingeführt. Im Jahr 864 griff Ludwig der Deutsche das Mährerreich an und zwang Rastislav bei der Devín zur Kapitulation. Die vertriebenen bayerischen Geistlichen konnten zwar nun nach Mähren zurückkehren, das Wirken Kyrills und Methods sowie der slawischen Liturgie blieb aber weiterhin bestehen. Kyrill und Method gingen 867 nach Rom, um dort ihre slawische Liturgiesprache durch den Papst gegenüber dem bayerischen Klerus legitimieren zu lassen. Im selben Jahr erhob Papst Hadrian II. die slawische Liturgiesprache als mit dem Lateinischen, dem Griechischen und dem Hebräischen gleichberechtigt.[2] Zwei Jahre später starb Kyrill in Rom, sein Bruder Method wurde 870 zum mährischen Erzbischof[3] (des Mährerreiches und des Plattensee-Fürstentums[4]) ernannt, konnte aber erst 873 nach einer dreijährigen Inhaftierung in Bayern nach Mähren zurückkehren.

Bild: Reiterstatue von Fürst Svatopluk I. auf der Burg Bratislava

Bild: Der päpstliche Brief Scire vos volumus an Svatopluk aus dem Jahr 879

Im Mährerreich war es währenddessen zu einem Machtwechsel gekommen. Nachdem Ludwig der Deutsche bei einem weiteren Angriff auf Mähren 869 erneut von Rastislav geschlagen wurde, nutzte er dessen Mitregenten und Neffen Svatopluk I., um Rastislav 870 abzusetzen und das Mährerreich zu besetzen. Nachdem 871 auch Svatopluk von den Ostfranken des Verrats beschuldigt und als mährischer Herrscher abgesetzt und verschleppt wurde, brach unter Führung des mährischen Fürsten Slavomir ein erfolgreicher antifränkischer Aufstand aus, in dessen Folge Svatopluk entlassen wurde und sich erneut als Fürst des Mährerreiches durchsetzen konnte.[5]

Svatopluk vernichtete noch 871 das fränkische Besatzungsheer und schloss 874 mit Ludwig dem Deutschen ein Friedensabkommen, das ihm unter Beibehaltung der Treue gegenüber den Franken und der Abführung von Tributzahlungen eine weitgehende Handlungsfreiheit ermöglichte. Nach dem Abkommen begann Svatopluk mit einer zügigen Ausdehnung des Mährerreiches durch Eroberungskriege und Heiratspolitik. In der Zeitspanne von 874 bis 884 konnte Svatopluk so Wislanien, Pannonien, das hintere Theißland, Schlesien, Böhmen und die Lausitz dem Mährerreich einverleiben.[6] Das so geschaffene slawische Großreich umfasste etwa 350.000 km² mit ungefähr einer Million Einwohnern.[7] Die Angriffe des neuen ostfränkischen Königs Arnulf von Kärnten und das von diesem nach Mitteleuropa gerufene nomadische Reitervolk der Magyaren in den Jahren 892 bis 893 wehrte Svatopluk erfolgreich ab.[8] In der Kirchenpolitik verfolgte Svatopluk eine am Vatikan orientierte Linie und bat diesen 880, das Mährerreich direkt unter die Schutzherrschaft des Heiligen Stuhls zu unterstellen. Im selben Jahr entsprach der Papst mit seinem Schreiben „Industriae tuae“ Svatopluks Ersuchen und erkannte damit das Mährerreich als unabhängigen Staat an.[9] Nach dem Tod Erzbischof Methods 885 verbat Svatopluk auf Wunsch von Papst Stephan V. die unter Rastislav eingeführte altslawische Liturgie und ersetzte sie wieder durch die lateinische. 886 folgte dann eine Massenvertreibung der mährischen Priester, die an der slawischen Liturgie festhalten wollten.[10]

Niedergang

Bild: St. Margareta - Kirche in Kopčany – das einzige erhaltene Gebäude aus der Zeit des Mährerreiches

Bild: Mährischer Schmuck aus dem 9. Jhdt., Armreifen mit byzantinischem Doppelkreuz

Im Jahr 894 starb Fürst Svatopluk I., sein Nachfolger auf dem mährischen Thron wurde sein ältester Sohn Mojmir II. (894–902/7). Dieser sah sich sofort einer Reihe erster Probleme gegenüber, so der Loslösung eroberter Territorien, dem Druck des Ostfrankenreiches, der stetig steigenden magyarischen Gefahr sowie innerstaatlichen Konflikten. Laut Dušan Třeštík gelang es Mojmir II. jedoch von Beginn an diese geschickt zu bewältigen. Noch im Todesjahr seines Vaters schloss er einen Friedensvertrag mit dem ostfränkischen König Arnulf von Kärnten, um seine Machtübernahme im Mährerreich gesichert antreten zu können.[11] Nachdem 893 der fürs Mährerreich zuständige Bischof Wiching zu König Arnulf übergelaufen war, verfügten die Mährer über keinen anerkannten Bischof. In einem 898/899 an den Papst gerichteten Brief ersuchte Mojmir II. diesen um die Erneuerung des mährischen Erzbistums. Der Papst entsprach der Bitte Mojmirs II. und entsandte den Erzbischof Johannes und die Bischöfe Benedikt und Daniel nach Mähren.[12]

Im Jahr 895 sagten sich die Böhmen vom Mährerreich los, worauf Mojmir II. einen vergeblichen Rückeroberungsfeldzug gegen sie führte. Im Jahr 896 siedelten sich mit Erlaubnis der Mährer die Magyaren im hinteren Theißland an und unternahmen mit den Mährern gemeinsame Plünderungszüge gegen die Franken. 897 erklärten sich auch die Sorben für vom Mährerreich unabhängig. Im Mährerreich selbst kam es unterdessen 899 zu einem Bürgerkrieg zwischen Mojmir II. und seinem wahrscheinlich in Nitra residierenden Bruder Svatopluk II. (894–899), während welchem die bayerische Armee den besiegten Svatopluk II. befreite und nach Bayern brachte. Im Jahr 900 besetzten die Magyaren nach einem Feldzug in Italien das fränkische Pannonien, um sich definitiv im Karpatenbecken niederzulassen.[13]

Laut dem tschechischen Historiker Martin Wihoda zwang das zunehmende Selbstvertrauen der Magyaren die Mährer zum Handeln. Zu Beginn des Jahres 901 schloss Mojmir II. einen Friedensvertrag mit den Bayern und wehrte mit deren Hilfe 902 einen magyarischen Angriff aus dem von diesen beherrschten Pannonien ab. Die mit dem beiderseitigen Friedensschluss aufgekommene Stabilität im mittleren Donaugebiet begünstigte in den nächsten Jahren auch den bayerisch-mährischen Handel, wie ihn die Raffelstettener Zollordnung nachweist. Im Jahr 904 wurde jedoch der magyarische Fürst Kurszán bei einer Festtafel in Bayern ermordet, woraufhin sich die Rache der Magyaren nicht nur gegen die Bayern, sondern auch gegen das mit diesen Verbündete Reich Mojmirs II. richtete.[14] Dušan Třeštík vermutet, dass das mährische Heer 905-906 in einer einzigen Schlacht bei Nitra von den Magyaren vernichtet wurde, in deren Verlauf auch Mojmir II. starb. Infolge dieser Katastrophe soll das Mährerreich archäologischen Quellen zufolge in Chaos und heidnischen Aufständen versunken sein. Die vernichtende Niederlage der Bayern bei der Schlacht von Pressburg im Jahr 907, bei welcher diese nochmals versuchten die alten Verhältnisse wiederherzustellen, bedeutete den endgültigen Fall des Mährerreiches.[15]

Da die Sachsengeschichte im Jahr 906 von einem Sieg der Mährer über die Magyaren berichtet, äußern manche Historiker die Vermutung, das Mährerreich habe auch nach 906 bzw. 907 fortbestanden. So vertritt etwa Lubomír E. Havlík die These, das Mährerreich sei erst zwischen 924-926 von den Magyaren zu Tributzahlungen genötigt worden, die mährischen Kirchenorganisation habe überdauert und die alten Herrscherschichten wären erst 1055 vom böhmischen Herzog Spytihněv II. beseitigt worden.[16] Havlík argumentiert damit, spätere schriftliche Quellen für 910 vier in Mähren siedelnde Bischöfe erwähnen, der mährische Erzbischof Johannes (Jan) sein Amt bis 925 innegehabt haben soll und in Salzburg von 925–927 ein gewisser Mojmir und von 925–931 ein gewisser Svatopluk auf Dokumenten als Zeugen geführt werden. Dabei soll es sich um Angehörige der Mojmiriden-Dynastie gehandelt haben, die in Folge eines magyarischen Angriffs auf das mährische Gebiet 924–925 ins Exil geflüchtet waren.[17] Darüber hinaus sagte ein magyarischer Kriegsgefangener noch 942 in Spanien aus, dass sich nördlich des Siedlungsgebietes der Magyaren eine Stadt/ein Land Namens „Morava“ (Mähren) befindet.[18]

Großmähren

Karte: Central Europe in the 9th century. Eastern Francia in blue, Bulgaria in orange, Great Moravia under Rastislav (870) in green. The green line marks the borders of Great Moravia under Svatopluk I (894).

Bild: Nitriansky hrad, celkový pohľad.

Karte: Fortified settlements in Slovakia, 8th-10th century + Red - proven fortified settlement + Orange - scientifically indicated, very probable + Blue - scientifically partly indicated, potential

Bild: Kostolec, veľkomoravské hradisko, Ducové.

Ab dem 8. Jahrhundert begannen sich die slawischen Stämme wieder zu vereinigen. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstanden zwei neue Gebilde, das Mährische Fürstentum (geführt von mit Mojmír I.) und das Fürstentum von Nitra (mit Pribina an der Spitze). Im Jahre 833 vertrieb Mojmír I. den Fürsten Pribina aus dem Nitraer Fürstentum und verband beide Fürstentümer, wodurch Großmähren entstand. Der vertriebene Pribina ließ sich am Plattensee nieder, wo er die Burgstätte Plattenburg (Blatnohrad) erbauen ließ.

Der steigende Einfluss des Großmährischen Reiches stieß auf den Widerwillen des Ostfränkischen Reiches. In seinen Bemühungen, den ostfränkischen Einfluss loszuwerden, wandte sich der Herrscher Rastislav im Jahre 861 an den Papst Nikolaus I. mit der Bitte um die Gewährung eines Bischofs sowie einiger Priester, um den Klerus auszubilden. Seine Bitte blieb jedoch erfolglos. Mit der gleichen Bitte wandte er sich dann an den byzantinischen Kaiser Michael III., der im Jahre 863 Glaubenslehrer, angeführt von dem Hl. Konstantin und dem Hl. Method, nach Mähren entsandte.

Konstantin (er nahm vor seinem Tod den Ordensnamen Kyrill an) und Method gründeten gleich nach ihrer Ankunft in Mähren die erste slawische Lehrstätte (die Großmährische Akademie, an der sie slawische Geistliche ausbildeten), stellten die slawische Schrift - die so genannte Glagoliza - zusammen, führten das Altkirchenslawisch bei religiösen Zeremonien ein und brachten Übersetzungen von liturgischen und biblischen Texten mit, die sie bereits im Voraus vorbereitet hatten. Ihre Mission in Großmähren nimmt in der Geschichte der Slawen und Slowaken einen besonders bedeutenden Platz ein.

Über den Niedergang des Großmährischen Reiches sind keine genauen Informationen überliefert worden. Nach dem Angriff der wandernden ungarischen Stämme unter der Leitung von Arpad im Jahre 906 oder 907 büßte das Großmährische Reich wahrscheinlich seinen Einfluss ein und zerfiel allmählich. Das Gebiet der heutigen Slowakei begann sich in das neu entstehende Ungarn einzugliedern.

http://slovake.eu/de/intro/slovakia/history

Kyrill und Method

Bild: Saints Cyril and Methodius bring the body of Saint Clement to Rome. 11th century fresco in the Basilica di San Clemente, Rome.

Karte Byzanz 867

Industriae tuae

Archäologische Funde (Schwert, Kreuz, Schlüssel)

Bild: Blatnicai lelet - Sword from Blatnica, unearthed in the 19th century, which was originally interpreted as a burial equipment from a "ducal" mound. Hampel 1894

Kyrill und Method – Pioniere für die Entstehung der slawischen Kulturen

05-07-2013 | Jitka Mládková

Im Zeitraum zwischen Dezember 862 und Juni 863 sollen sie am Fürstensitz in Mähren eingetroffen sein – die so genannten Slawenapostel Kyrill und Method. Symbolisch hat die katholische Kirche später aber den 5. Juli 863 zum Tag ihrer Ankunft erklärt. Und dieser Tag wurde nach der Wende tschechischer Feiertag. In diesem Jahr jährt sich also zum 1150. Mal die Ankunft von Kyrill und Method auf dem Gebiet des so genannten Großmähren. Dieses erste größere slawische Staatsgebilde existierte nur von 833 bis zu Anfang des 10. Jahrhunderts, also einige Jahrzehnte lang. Und relativ kurz war auch der Aufenthalt der beiden griechisch-byzantinischen Gelehrten und Brüder hierzulande, trotzdem haben sie tiefe Spuren nicht nur in der tschechischen Geschichte hinterlassen.

Auf die Frage „Wer waren Kyrill und Method?“ würden die meisten Tschechen mit Sicherheit antworten: „die Glaubensverkünder“. Diesen Beinamen haben mehrere Generationen von Tschechen im Schulunterricht gehört - und er ist ihnen hängen geblieben. Aber selbst Wissenschaftler nutzen im lockeren Rahmen gerne diese Charakterisierung. Dabei stimmt sie nicht wirklich. Denn Kyrill und Method fanden bei ihrer Ankunft in Großmähren bereits ein zum Teil missioniertes Land vor, schon vorher waren zahlreiche Glaubensverkünder aus aller Herren Länder immer wieder in die Gegend gekommen. Miloslav Pojsl ist Kirchen- und Kunsthistoriker an der Palacký-Universität im mährischen Olomouc / Olmütz:

„Die ersten christlichen Missionare kamen allem Anschein nach schon in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts auf mährisches Gebiet. In Norditalien und Kroatien habe ich Denkmäler und Fundstätten begutachtet, die mich davon überzeugt haben, dass die ersten Verkünder des Christentums gerade von dort zu uns kamen. Sie stammten zum Beispiel von der Insel Torcello bei Venedig, aus Aquileia, Triest, Grado oder aus dem kroatischen Poreč und leisteten die missionarische Kleinarbeit auf dem Gebiet des künftigen Großmährischen Reiches.“

Besser nachzuweisen ist indes die Missionierung Mährens aus westlicher Richtung, vor allem aus Passau und Salzburg. Seit 829 gehörte Mähren sogar der Passauer Diözese an. Ob es auch zeitweilig ein Teil des Ostfrankenreichs war oder nur dicht an seiner Flanke lag, darüber zerbrechen sich Historiker bis heute die Köpfe. Die Bedeutung der ostfränkischen Missionen wurde früher in der tschechischen Historiografie nicht selten wegen der Sprachbarriere in Frage gestellt. Dazu Miloslav Pojsl:

„Das ist meiner Meinung nach die Konsequenz der Romantik und auch des Nationalismus im 19. Jahrhundert, als die Deutschen häufig als die ´Bösen´ galten. Die ostfränkischen Missionare bereiteten der byzantinischen Mission von Kyrill und Method tatsächlich große Probleme. Man darf aber nicht vergessen, dass bereits seit dem Jahr 798 bayerische Missionare hierzulande tätig waren. Als dann 65 Jahre später die zwei Vertreter des östlichen, griechisch-byzantinischen Christentums auftauchten, um die Arbeit zu übernehmen, die bislang mindestens drei oder sogar vier Generationen von Missionaren geleistet hatten, wurden diese von den bayerischen Glaubensverkündern als ´Eindringlinge´ empfunden. Damals wie heute kann aber keine Mission Erfolg haben, wenn sie in einer Sprache erfolgt, die den Menschen nicht verständlich ist. Daraus lässt sich schließen, dass sich sowohl die bayerische Mission als auch die älteren Missionen die regionalen Sprachen und Dialekte angeeignet haben müssen. Mittlerweile lassen sich dafür auch in verschiedenen Quellen Belege finden.“

Man kann also davon ausgehen, dass das Christentum schon vor der Ankunft von Kyrill und Method Wurzeln in Mähren geschlagen hatte. Allerdings war ein Teil des Landes aber immer noch vom Heidentum durchsetzt. Warum sind also die griechischen Apostel ins Land gekommen, wenn es nicht primär um die christliche Mission ging? Die Gründe liegen auf der Hand. Fürst Rostislav I. (846 – 870) wollte sich dem politischen Druck Ostfrankens entgegenstellen, unter anderem auch in der Frage der kirchlichen Macht. Die Souveränität seines Landes wollte er durch die Errichtung eines selbständigen und vor allem von der Passauer Diözese unabhängigen Religionszentrums verstärken. Rostislav wandte sich zunächst an den Päpstlichen Stuhl mit der Bitte, dass dieser einen Bischof und Lehrer nach Mähren entsenden möge. Der Papst in Rom reagierte nicht. Erst dann ersuchte Rostislav beim byzantinischen Kaiser Michael III. in Konstantinopel um Hilfe. Und dieser entsprach seinem Wunsch.

In den Fuldaer Annalen von 871 lässt sich lesen, dass Kyrill und Method in „urbs rasticii“, also an Rostislavs Hauptsitz empfangen wurden. Die Ankömmlinge machten sich noch im Jahr 863 ans Werk. Der Linguist Petr Piťha:

„Das Erste, womit sie nach ihrer Ankunft begannen, war die Gründung einer Schule, die zu den führenden und am besten besetzten Lehrstätten ihrer Zeit gehört haben dürfte. In der so genannten Großmährischen Akademie wurden künftige slawische Priester und Verwaltungskräfte ausgebildet. Das Hauptziel von Kyrill und Method, die selbst zu den intellektuellen Spitzen der damaligen Welt gehörten, war es, in Mähren eine gebildete Schicht zu schaffen.“

Die Schule, die zum Zentrum der slawischen Literatur wurde, soll zum Beispiel im Jahr 885 bereits etwa 200 Absolventen gehabt haben. Fundament für den Unterricht wurde das bislang fehlende slawische Alphabet, die so genannte glagolitische Schrift. Kyrill entwickelte sie eigens für die großmährische Mission. Petr Piťha:

„Grundlage bildete das griechische Alphabet. Für Laute, die das Griechische nicht hatte, nahm Kyrill Buchstaben aus anderen ihm bekannten Alphabeten – aus dem Hebräischen und Aramäischen. Nur einen einzigen Buchstaben schuf er neu: das ´A´. Dabei gab es im Griechischen ja das Alpha. Das Blatt, auf dem Kyrill das komplette Alphabet aufzeichnete, versah er zunächst mit dem Kreuz ´im Namen des Vaters, des heiligen Sohnes und des Heiligen Geistes´. Und gerade dieses Kreuzzeichen wurde zum glagolitischen ´A´. Ob das bewusst so gedacht war oder ob Kyrill mit dem Kreuz nur zu verstehen geben wollte, dass alles, was mit diesen Schriftzeichen verfasst wird, der christlichen Kultur angehört, das lässt sich allerdings nicht sagen.“

Außer der Schrift brauchten die Slawen damals auch eine gehobene Literatursprache. Der Wortschatz ihrer gesprochenen Sprache reichte nicht aus, um komplizierte philosophisch-theologische Gedanken verständlich darzulegen. Auch auf diesem Gebiet leisteten Kyrill und Method Pionierarbeit. Miloslav Pojsl:

„Sie schufen eine künstliche Liturgie- und Schriftsprache, in der bis dahin fehlende Begriffe enthalten waren. Die Brüder stammten aus dem mazedonischen Thessaloniki, in der Region lebten auch Slawen. Man geht davon aus, dass Kyrill und Method einen slawischen Dialekt als Grundlage für die neue Sprache nahmen und diesen während ihrer großmährischen Mission noch um Elemente der westslawischen Dialekte ergänzten. Dass diese Sprache, die später Altkirchenslawisch genannt wurde, letztlich für Süd-, Ost und Westslawen zugleich verständlich war, wird vor allem Kyrill zugeschrieben. Er war ein hervorragender Linguist. Diese Sprache war eine geniale Erfindung, wie es sie in der Geschichte vielleicht nur einmal in Tausend Jahren gibt.“

Darüber hinaus erfand Kyrill auch eine Art Schnellschrift, durch die Übersetzungen in hohem Tempo angefertigt werden konnten. Laut Professor Piťha übersetzten die beiden Gelehrten die biblischen Texte direkt vom Blatt in Form von Diktaten – das ging so schnell, dass zwei Schreiber gebraucht wurden. Der eine schrieb die Sätze mit geraden Zahlen nieder, der andere jene mit ungeraden Zahlen. Nachfolgend wurden die Sätze von anderen Schreibern in der richtigen Reihenfolge aneinandergefügt und in die neu entwickelte slawische Schrift überführt. Petr Piťha spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Kyrill und Method die kulturelle Entwicklung der Slawen beschleunigt haben.

„In dem Moment, in dem ein Land die Möglichkeit erhält, das Geschehen schriftlich aufzuzeichnen, passiert etwas höchst Bedeutendes für das nationale Gedächtnis. In Form von Büchern kann viel schneller der Schatz des Wissens erschlossen werden. Bei Bedarf kann man einfach in Büchern nachschlagen. Von nun an hatten die slawischen Völker die Voraussetzungen, sich den entwickelten Kulturgesellschaften sehr schnell anzunähern.“

Sprachwissenschaftler gehen aufgrund verschiedener Indizien davon aus, dass Kyrill wohl an der Entwicklung der altkirchenslawischen Sprache arbeitete, noch bevor Rostislavs Bitte nach Konstantinopel gelangte. Für diese Hypothese spricht unter anderem der Umstand, dass die ersten Übersetzungen aus der Bibel – es war ein Teil des Alten Testaments - nachweislich sehr schnell nach der Ankunft der beiden Apostel in Großmähren vorlagen. Und nicht zuletzt deuten darauf auch die Worte hin, die Kaiser Michael III. in seiner Antwort an Rostislav schrieb: „Die in neuer Schrift verfassten Bücher“, die die Apostel aus Thessaloniki mitbrächten, seien „ein Geschenk Gottes - größer und wertvoller als alles Silber, Gold und Edelsteine“. Dazu ist bestimmt auch ein Meisterwerk Methods zu zählen, das im Lauf der Zeit in Vergessenheit geraten ist. Method verfasste das erste slawische Gesetzbuch, mit diesem wurde der Grundstein gelegt für die rechtliche Tradition aller slawischsprachigen Länder.

Dem Staatsgebilde namens Großmähren war kein langes Schicksal beschieden. Aber durch Kyrill und Method wird ihm heute von den Historikern eine besondere Bedeutung zugemessen. Noch einmal Petr Piťha:

„Großmähren stellt in der Geschichte eine Episode dar, allerdings von so großer Bedeutung, dass sie Einfluss auf die ganze nachfolgende Geschichte hatte. An Kyrill und Method ist interessant, dass die Ehrfurcht vor ihnen mit der zunehmenden Kenntnis ihrer Leistungen über die Jahrhunderte gewachsen ist.“

http://www.radio.cz/de/rubrik/spezial/kyrill-und-method-pioniere-fuer-die-entstehung-der-slawischen-kulturen

Ende der Akademie

886 erreichte die deutsche Reichskirche bei Papst Stephan V., dass die großmährische Akademie liquidiert und ihre Lehrer, Schüler und Anhänger vertrieben wurden. Damit setzten sich und Böhmen, Mähren und Ungarn die lateinische Liturgie und die deutschen Priester durch. Die Anhänger Methods flohen nach Serbien und Bulgarien, wo sie zwei Schulen gründeten und von wo aus sie Russland missionierten.

Reinhard Pohanka : Die Herrscher und Gestalten des Mittelalters Kapitel Kyrill und Method von Saloniki marixverlag 2014 - 256 Seiten ISBN 3843802106, 9783843802109

After the adoption of Christianity in 865, religious ceremonies in Bulgaria were conducted in Greek by clergy sent from the Byzantine Empire. Fearing growing Byzantine influence and weakening of the state, Boris viewed the adoption of the Old Slavonic language as a way to preserve the political independence and stability of Bulgaria. With a view thereto, Boris made arrangements for the establishment of two literary academies where theology was to be taught in the Slavonic language. The first of the schools was to be founded in the capital, Pliska, and the second in the region of Kutmichevitsa.

https://en.wikipedia.org/wiki/Clement_of_Ohrid

Seit 1150 existierte eine Lateinschule des Krakauer Erzbistums und Kasimir III. der Große – der Sohn Władysław Ellenlangs – gründete 1364 die Krakauer Akademie (die spätere Jagiellonen-Universität), die nach der Universität Prag die zweitälteste in Mitteleuropa ist. Krakau#Geschichte

Die Jagiellonen-Universität in Krakau (auch Jagellonen]]-Universität; wurde 1364 vom polnischen König Kasimir dem Großen als Studium Generale gegründet. Seit 1817 heißt sie „Jagiellonen-Universität“. Sie ist die älteste polnische und nach der Karls-Universität Prag zweitälteste Universität in Mitteleuropa. Zu ihren berühmtesten Studenten zählen der Astronom Nikolaus Kopernikus und Papst Johannes Paul II.... Nach der Zustimmung von Papst Urban V. wurde die Universität von König Kasimir dem Großen durch Einführung des Studium Generale erstmals 1364 als zweite Universität Mitteleuropas nach der Karls-Universität Prag ins Leben gerufen. Nach dem Tod des Königs (1370) stagnierte die Entwicklung, sie wurde erst wieder ca. 1400 forciert, auch durch den Bau des späteren Collegium Maius. Die Universität bekam eine für diese Zeit ungewöhnliche weltliche Prägung mit den Fakultäten Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaften und Medizin... Während der Reformation verließen viele Krakau aufgrund von strikten Anti-Reformationsdekreten (Gegenreformation). So verlor die Universität an Zuspruch, die Rekordzahl von 3215 Studenten vor 1510 konnte erst Jahrhunderte später wieder erreicht werden... Nach dem Polenfeldzug begann die Gestapo im November 1939 mit der Verhaftung polnischer Professoren und vieler Universitätsmitarbeiter, die in KZ deportiert wurden, um die polnischen Eliten auszulöschen. Eine Anzahl von 183 Verschleppten im Rahmen der Sonderaktion Krakau wird in der Literatur angegeben. Die Bestände der Universität wurden konfisziert und der Lehrbetrieb untersagt. Dessen ungeachtet wurde im Untergrund mit ca. 800 Hörern ein Lehrbetrieb fortgesetzt. Die Bibliothek war ab 1940 in einem 1931 neu errichteten Gebäude an der Mickiewicz-Allee untergebracht. Jagiellonen-Universität

Kyrill

863 oder 864 (gemäß der Tradition am 5. Juli 863) kamen die beiden aus Saloniki stammenden Brüder Konstantin (Kyrill) und Method in Großmähren an. Der Philosoph Konstantin entwickelte eigens für die Mission das erste slawische Alphabet, die Glagolitische Schrift (Hlaholica, Glagolica), brachte das Symbol des byzantinischen Doppelkreuzes mit (das heute im slowakischen Staatswappen enthalten ist), wählte das so genannte Altkirchenslawische als die während seiner großmährischen Mission zu verwendende Sprache aus und führte die mit Method bereits vorbereiteten ersten Übersetzungen liturgischer und biblischer Texte ins Altkirchenslawische ein. Das Altkirchenslawische nahm während der großmährischen Mission viele Elemente der in diesem Gebiet gesprochenen westslawischen Dialekte an. So enthält auch die damalige Version der Glagolica einen Buchstaben (Laut dz), der damals nur in den Dialekten auf dem Gebiet der heutigen Slowakei verwendet wurde. Während der Mission in Großmähren übertrugen die Brüder dann die ganze Bibel ins Altkirchenslawische, aber auch zum Beispiel eine Gesetzessammlung, liturgische Texte und anderes. Sie gelten damit als Begründer der slawischen Literatur.

Von Anfang an hatten sie gegen die Kritik und Konkurrenz der bayerischen Priester in Großmähren zu kämpfen, die ihren Einfluss schwinden sahen. 863 gründete Konstantin die „Großmährische Akademie“, in der künftige slawische Priester und Verwaltungskräfte ausgebildet wurden und die zum Zentrum der slawischen Literatur wurde. 885 hatte sie etwa 200 Absolventen. Ihre Lage ist leider unbekannt, aber archäologischen Funden zufolge gab es eine kirchliche Schule an der Burg Devín im heutigen Bratislava. Leiter der Akademie war Konstantin

http://dictionnaire.sensagent.leparisien.fr/Gro%C3%9Fm%C3%A4hren/de-de/

Die Burg (slowakisch hrad Devín) wurde in den Fuldaer Annalen als Dowina 864 zum ersten Mal erwähnt, sie bestand damals aus einer fürstlichen Burg mit Kirche und Grabstätte sowie Schutzwällen auf dem dahinterliegenden Berg Devínska Kobyla.

Großmährische Mission

Nachdem sich der großmährische Fürst Rastislav zuerst erfolglos an den Papst in Rom gewandt hatte, bat er den byzantinischen Kaiser 862 um einen „Bischof und Lehrer“, der die Leute in der Sprache des Volkes im christlichen Glauben unterweisen konnte.

Mit den Worten Hörst du, Philosoph, diese Worte? Es gibt keinen anderen außer dir, der dies erledigen kann, so, nimm viele Geschenke und deinen Bruder Method mit, und geh! Weil ihr Saloniker seid, und alle Saloniker sprechen reines Slawisch (Quelle: Vita Methodii) bat Kaiser Michael III. Konstantin um die christliche Mission in Großmähren.

Konstantin erklärte sich auf die Zureden von Kaiser Michael III. und Patriarch Photios I. dazu bereit.

863 oder 864 (laut Tradition am 5. Juli 863) kamen Konstantin und Method in Großmähren an. Sie brachten ihre ersten Übersetzungen mit, das Symbol des byzantinischen Doppelkreuzes (das heute im slowakischen Staatswappen steht) sowie die Reliquien eines der ersten Bischöfe von Rom, des heiligen Clemens, die Konstantin seinerzeit 860 in Cherson aufgefunden hatte.

863 gründete Konstantin die so genannte Großmährische Akademie, in der künftige slawische Priester und Verwaltungskräfte ausgebildet wurden, und die zum Zentrum der slawischen Literatur wurde. 885 hatte sie etwa 200 Absolventen. Ihre Lage ist leider unbekannt, aber archäologischen Funden zufolge gab es eine kirchliche Schule an der Burg Devín im heutigen Bratislava.

Begleitet von seinem Bruder Method missionierte Konstantin mehrere Jahre lang in Großmähren. Von Anfang an hatten sie als Vertreter des östlichen, griechisch-byzantinischen Christentums gegen die Kritik der bayerischen Priester in Großmähren zu kämpfen, die als Vertreter des westlichen, lateinischen Christentums ihren Einfluss schrumpfen sahen und behaupteten, dass der Gottesdienst nur in den drei Sprachen abgehalten werden dürfe, die die Pilatus-Inschrift auf dem Kreuz von Jesus enthält (Latein, Griechisch, Hebräisch).

Da Großmähren in den Einflussbereich Roms gehörte, gingen die beiden Brüder 867 mit der Zustimmung der großmährischen Herrscher Rastislav (heutiges Mähren) und Sventopluk (Neutraer Fürstentum (heutige Slowakei)) nach Rom, um die Zustimmung des Papstes zur Liturgiesprache Altkirchenslawisch zu erhalten. Sie nahmen dabei auch einige Schüler mit, die zu Priestern geweiht werden sollten. (Nach anderen Quellen wollten sie ursprünglich vom Hafen von Venedig aus nach Konstantinopel reisen, um die Zustimmung des Patriarchen zu erhalten).

Auf dem Weg nach Rom machten sie im Sommer einen kurzen Halt im Plattensee-Fürstentum des Fürsten Kocel und unterrichteten auch dort einige Schüler. Im Herbst 867 kamen die Brüder und ihre Schüler in Venedig an, wo sie vor einer Versammlung von Priestern die Verwendung des Altkirchenslawischen als Liturgiesprache zu verteidigen hatten. In Venedig erhielt Konstantin die offizielle Einladung des Papstes Nikolaus I. nach Rom. Dies geschah wohl, weil er die oben erwähnten Reliquien von Clemens I. mit sich trug und weil er Freunde in Rom hatte (Bischof Arsenius).

Im Winter 867 wurden sie vom (neuen) Papst Hadrian II. feierlich empfangen und ihre gesamte Mission in Großmähren wurde gebilligt. Zu Weihnachten wurden sogar die Bibelübersetzungen auf den Altar der Peterskirche in Rom und die Übersetzungen der liturgischen Texte auf den Hauptaltar der Basilika Santa Maria Maggiore feierlich gelegt, um so symbolisch deren Akzeptanz seitens Roms zu zeigen. Im Februar 868 wurden Method und drei Schüler (der aus der heutigen Slowakei stammende Gorazd und die Südslawen Kliment und Naum) in Rom zu Priestern bzw. zwei von ihnen zu Diakonen geweiht.

Im März 868 wurde schließlich die slawische Liturgiesprache (Altkirchenslawisch) zugelassen, als vierte Sprache in der Westkirche. Dies war ein überaus bedeutendes Ereignis, da erst im 20. Jahrhundert (d. h. mehr als 1000 Jahre später) wieder eine Liturgiesprache außer Latein, Griechisch und Hebräisch von Rom zugelassen wurde. 880 wurde die slawische Kirchensprache jedoch von Papst Marinus I. wieder verboten.

Ende 868 erkrankte Konstantin in Rom, wurde Mönch in einem Kloster, wo er auch wahrscheinlich den Namen Kyrill (Kyrillos) annahm, und starb im Februar 869. Er wurde in der St.-Clemens-Basilika in Rom begraben. Umstritten bleibt die Behauptung der Translatio Clementis, dass Konstantin noch zum Bischof geweiht wurde.

http://dictionnaire.sensagent.leparisien.fr/Kyrill%20von%20Saloniki/de-de/

Method von Saloniki

Mährerreich 862-867

Etwa 861 beschloss Rastislav, der Herrscher Großmährens, dem ostfränkischen Einfluss in seinem Land endgültig ein Ende zu setzen, und wandte sich an den Papst Nikolaus I. in Rom mit der Bitte um Lehrer, die die lokalen Priester umerziehen könnten, damit der ostfränkische Einfluss in Großmähren abnimmt. Byzantinische Priester, die schon seit langem ebenfalls in Großmähren tätig waren, schlugen Rastislav vor, sich mit der gleichen Bitte einfach an den byzantinischen Kaiser Michael III. – zu wenden.

862 wurde Method zusammen mit seinem Bruder Kyrill vom Kaiser Michael III. und Patriarch Photios als Missionar nach Großmähren geschickt. wo sie mehrere Jahre missionierten. Sie führten die Feier der Heiligen Messe in slawischer Sprache ein.

Rom 867-869

867 verließen sie Mähren, um nach Rom zu reisen. Im Sommer waren sie in Blatnograd im Fürstentum Pannonien bei Fürst Kocel. Dort führten sie möglicherweise die slawische Liturgie ein und bildeten 50 Schüler aus.

In Rom trafen sie Papst Nikolaus I. Kyrill starb 869. Method hatte seinem Bruder auf dessen Sterbebett das Versprechen gegeben, bei der Slavenmission auszuharren, obwohl sein Herz ihn zurück in die Abgeschiedenheit und Stille eines Klosters zöge.

869 sandte Kocel Boten nach Rom mit der Bitte, Method als Lehrer seines Volkes zu bestellen. Method wurde zum päpstlichen Legaten für Pannonien ernannt. In einem Brief an die Fürsten Rastislav, Svatopluk (Fürstentum Nitra) und Kocel erhielt er den Auftrag, in Mähren zu lehren und die Heiligen Schriften ins Slawische zu übersetzen.[19]

Pannonien 869

Da jedoch die bayerischen Priester die Aktivitäten der beiden Slawenapostel nicht akzeptieren wollten, konnte Method die Tätigkeit der Großmährischen Akademie nicht wieder aufnehmen. Gegen Ende desselben Jahres schickte ihn Kocel daher erneut nach Rom, um dort zum Bischof ernannt zu werden, damit er die nötige Autorität für seine Aufgabe hatte.

Pannonien war zu dieser Zeit zwischen dem Erzbistum Salzburg, dem Bistum Passau und dem Patriarchen von Aquileia aufgeteilt, daher zögerte Papst Hadrian II. Er ernannte Method zum Erzbischof von Sirmium, Pannonien und Mähren. In Mähren entstand damit das erste slawische Erzbistum.[20]

Als Method in Blatnograd eintraf, verließen die bayerischen Priester unter Protest Pannonien.[21] Method saß wahrscheinlich in Blatnograd. [22]

Bayerische Haft 870-873

Bild: Gedenktafel an die Gefangensetzung Methods, Alte Kapelle, Regensburg

Bald darauf wurde Method im Auftrag von Erzbischof Aldwin gefangen genommen. Er wurde nach Regensburg gebracht, misshandelt und inhaftiert (auf der Insel Reichenau oder in Ellwangen?).[23] Während eines formalen Gerichts (das möglicherweise von Ludwig dem Deutschen selbst geleitet wurde) wurde

Aus der Klosterhaft schrieb Method 870–872 viele Briefe an den Papst sowie nach Großmähren. Erst nachdem Großmähren 872 das Ostfrankenreich geschlagen hatte, wagte Rom, Method zu helfen: 872 und 873 schrieb der Papst ergebnislos Briefe an Ludwig den Deutschen, Karlmann sowie an die Bischöfe, die Method 870 hatten misshandeln lassen (Erzbischof Adalwin, Bischof Ermenrich von Passau usw.), und verlangte die sofortige Freilassung Methods. Nachdem dann auch der großmährische Herrscher Svatopluk, der eher zu den Unterstützern der bayerischen Priester gehört hatte, plötzlich sein Interesse an Methods Schicksal zeigte, beschloss der Papst zu handeln. Er beauftragte Paul, den Bischof von Ancona, mit entsprechenden Verhandlungen mit Ludwig dem Deutschen. Die Verhandlungen endeten im Mai 873 mit dem folgenden Ergebnis:

  • Pannonien (bis auf Sirmium und dem Gebiet zwischen Balaton und Gran) wurde aus Methods Zuständigkeit herausgenommen und den bayerischen Bischöfen überlassen.
  • Die Verwendung des Altkirchenslawischen in der Liturgie (bis auf das Vorlesen aus der Bibel) wurde verboten.
  • Method wurde freigelassen, konnte nach Großmähren zurückkehren, und es wurden ihm keine Einmischungen in seine Arbeit mindestens bis Ende 877 zugesichert.

Mährerreich 876-885

Die Großmährische Akademie hat unter der Führung von Method ihre Arbeit wiederaufgenommen. 884 hat dann noch Svatopluk mit Ludwig dem Deutschen vereinbart, dass die bayerischen Priester parallel zu Method ihre Arbeit in Großmähren fortsetzen können.

Nach 874 schwärzten die Führer der lateinischen Kleriker in Großmähren, Johannes von Venedig (zugleich Svatopluks Berater) und Wiching (ein schwäbischer Benediktiner-Mönch), Method bei Svatopluk an. 879 schickte der so beeinflusste Svatopluk Gesandte nach Rom, die Method beim Papst verleumdeten.

Etwa zur gleichen Zeit (879/880) versuchte Großmähren zum ersten Mal, sein Gebiet in Diözesen zu unterteilen. Das einzige, uns bekannte Bistum des Erzbischofs Method entstand in Nitra (Neutra). Sein Bischof war der schwäbische Mönch Wiching, zu dessen Ernennung Svatopluk von den lateinischen Klerikern in seinem Land überredet wurde.

Als dann Method 880 nach Rom kam, um sich zu verteidigen, war in seiner Delegation auch Wiching, der zum Bischof geweiht werden sollte. Man wollte aber in Rom nicht nur die Probleme um Method lösen, sondern auch den Papst bitten, Großmähren als Vasallen des Heiligen Stuhls anzuerkennen. Method hat die päpstlichen Prüfungen einwandfrei bestanden und Wiching geweiht. Außerdem schickte der Papst den Brief Industriae tuae an Svatopluk, in dem

  • er Großmähren zu einem Lehen des Heiligen Stuhls machte, was so viel bedeutete, dass das Land auf die gleiche Ebene mit dem Ostfrankenreich gestellt wurde
  • die Funktionen von Method bestätigte
  • er anordnete, dass man einen weiteren Priester schicke, den er zum Bischof einer anderen Region Großmährens als Neutra machen würde, damit Method und die zwei Bischöfe ihrerseits dann weitere Bischöfe weihen können (diese Forderung wurde aber nach den meisten Quellen nicht erfüllt)
  • er anordnete, alle Kleriker, die sich Method widersetzen, aus Großmähren zu verbannen
  • er die slawische Schrift (die Glagolica) zuließ und anordnete, dass die Liturgien in der slawischen Sprache gehalten werden (bis auf das Evangelium, das zuerst auf Lateinisch und erst dann auf Slawisch gelesen werden soll).
  • er anordnete, dass die Liturgien für Svatopluk und seine Gefolgschaft auf Lateinisch abgehalten werden sollten (da Svatopluk persönlich Latein bevorzugte).

Der Papst gab Method außerdem eine Sammlung von kirchlichen Verordnungen. In diesem Zusammenhang wird Method bereits als Erzbischof von (der Stadt) Moravia, wohl der Hauptstadt von Großmähren, erwähnt, was darauf hinweisen könnte, dass Großmähren ein von Pannonien unabhängiges Erzbistum geworden war.

Zurück in Großmähren setzte Method 881 Wiching als Bischof von Neutra ab, da er erfahren hatte, dass Wiching einen gefälschten Papstbrief an Svatopluk geschrieben hatte, dem zufolge Method aus Großmähren verbannt werden sollte. Wiching wurde dafür mit einer Mission in dem kürzlich an Großmähren angeschlossenen Wislanien (Weichsel-Gebiet) betraut. Obwohl er dann mehrmals versuchte, nach Neutra zurückzukehren, wurde er daran von Methods Schülern gehindert. Kurz vor Methods Tod (885) fuhr er mit Svatopluks Zustimmung nach Rom, wo er Method wieder verleumdete.

881–882 besuchte Method mit Zustimmung des Papstes seine Heimat. Auf dem Weg dorthin traf er beim Eisernen Tor einen ungarischen Stammesführer. In Konstantinopel wurde er vom Kaiser und vom Patriarchen herzlich empfangen, und der Kaiser behielt auch gleich einen seiner Schüler, einen Diakon und einige slawische Bücher von Method. Method kehrte dann mit einigen Gesandten des Kaisers nach Großmähren zurück.

Zurück in Großmähren, hat Method 883 die Übersetzung des Alten Testaments aus dem Griechischen, kurz vor seinem Tod dann auch der restlichen Bibel, fertiggestellt. Irgendwann in den 880ern taufte er den böhmischen Herrscher Bořivoj I. in Großmähren, wodurch die Christianisierung Böhmens begann.

885 hat Methodius auf seinem Totenbett den später heiligen Gorazd aus der Slowakei als seinen Nachfolger in der Großmährischen Akademie auserwählt. Am 6. April ist Method in Großmähren gestorben. Er wurde feierlich „in der Wand hinter dem Altar der Heiligen Maria“ der heute unbekannten Hauptkirche Großmährens begraben. Die Bestattungszeremonie wurde nach der slawischen, lateinischen sowie griechischen Liturgie abgehalten. Alten Überlieferungen zufolge soll sich sein Grab in Weligrad befunden haben.

Nachdem der Papst von Methods Tod erfahren hatte, ernannte er den in Rom befindlichen und den Papst beeinflussenden Wiching zum Bischof von Neutra (d. h. bereits zum zweiten Mal) sowie zum kirchlichen Verwalter Großmährens – nicht jedoch zum Erzbischof. Da Wiching kurz vor Methods Tod diesen in Rom verleumdet hatte, schickte der Papst im Winter 885–886 den Brief „Quia te zelo fidei“ nach Großmähren, in dem er Methods Tätigkeit im Nachhinein verurteilte, Method exkommunizierte und sogar die Verwendung der slawischen Sprache für Liturgien (außer für die Predigt und Deutungen der Bibel) verbot. Die lateinische Liturgie und deutsche Priester setzten sich dadurch wieder durch.

Anfang 886 kamen päpstliche Gesandte in Großmähren an und verboten unter anderem auf Anweisung des Papstes Gorazd, „den Method so frech war, entgegen den Anordnungen sämtlicher Päpste zu seinem Nachfolger zu ernennen“, an der Großmährischen Akademie zu unterrichten, bis er persönlich nach Rom kommt, um sein Handeln zu erklären (was jedoch nie passiert ist). Während der Mission der Gesandten wurde auch die Großmährische Akademie geschlossen, und die Liquidierung der Anhänger von Method und Gorazd wurde von Wiching eingeleitet. 200 Personen (Studenten, Priester und Diakonen), die es abgelehnt haben, auf die lateinische Liturgie umzusteigen, wurden ins Gefängnis gesteckt und dann mitten im Winter aus Großmähren verbannt. Die Hauptanhänger Methods waren Gorazd, Kliment, Naum, Sava und Angelar. 886 gingen sie in mehreren Gruppen über Belgrad nach Bulgarien, wo sie zwei Akademien gründeten – die Schule von Ohrid und die Schule von Preslaw. Von dort gingen manche von ihnen nach Kroatien und Dalmatien, später nach Serbien, Russland, Kleinpolen und Böhmen.

Literatur

  • Gross Mähren Ausstellung 1100 Jahre Staats- und Kulturtradition LXIV 64 Bildtafeln Tschechoslowakische Akademie der Wissenschaften, 1964 8° Broschur, 58, 64 Text ISBN 3875530136.
  • Grossmähren und die christliche Mission bei den Slawen. Ausstellung der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften 8. März bis 8. Mai 1966 im Künstlerhaus, Wien. Taschenbuch – Styria 1966 Institut für Österreichkunde (Hg.) 8° (21 x 15 cm). Mit 98 Abbildungen auf Tafeln, 9 karthographischen Tafeln und 1 Falttafel. 247 Textseiten.
    • Zur Frühgeschichte der Slawen im Donau- und Alpenraum Mitscha-Märheim, Herbert. S. 3-8
    • Das Großmährische Reich Koller, Heinrich. S. 9-17
    • Die christliche Mission bei den Slawen Zagiba, Franz. S. 19-28
    • Der archäologische Beitrag zur Geschichte Großmährens Poulík, Josef. S. 29-38
    • Das Bestattungsbrauchtum in Großmähren. Hrubý, Vilém. S. 39-45
    • Die Kirchenbauten des 9. Jahrhunderts in Großmähren Cibulka, Josef. S. 47-58
    • Das Großmährische Kunsthandwerk Benda, Klement. S. 59-65
    • Die wirtschaftlichen Verhältnisse Großmährens Tocik, Anton. S. 67-73
    • Gewinnung und Bearbeitung des Eisens in Großmähren Pleiner, Radomír. S. 75-79
    • Der Handel zwischen Großmähren und dem Frankenreich Jankuhn, Herbert. S. 81-84
    • Bewaffnung und Heereswesen im Großmährischen Reich Kalousek, František. S. 85-92
    • Großmähren und die Anfänge des slawischen Schrifttums Dostál, Antonín. S. 93-102
    • Chronologische Übersicht
    • Fundorte, Literatur, Fundkarte S. 111-124

Einzelnachweise

  1. Hoensch: Geschichte Böhmens, S. 36.
  2. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 30.
  3. Havlík: Svatopluk Veliký, S. 27.
  4. Havlík: Svatopluk Veliký, S. 8.
  5. Třeštík: Vznik Velké Moravy, S. 199–200.
  6. Třeštík: Počiatky Přemyslovců, S. 280–281.
  7. Havlík: Kronika o Velké Moravě, S. 363, Steinhübel: Nitrianske kniežatstvo, S. ?
  8. Třeštík: Počiatky Přemyslovců, S. 280–282.
  9. Havlík: Svatopluk Veliký, S. 91–93.
  10. Třeštík: Počiatky Přemyslovců, S. 284.
  11. Třeštík: Počátky Přemyslovců, S. 285.
  12. Vlasto: The Entry of the Slavs, S. 83.
  13. Třeštík: Počátky Přemyslovců, S. 285.
  14. Wihoda: Morava v době knížecí, S. 87.
  15. Třeštík: Počátky Přemyslovců, S. 286–287.
  16. Wihoda: Morava v době knížecí, S. 87–89.
  17. Havlík: Kronika o Velké Moravě, S. 303–308.
  18. Havlík: Kronika o Velké Moravě, S. 309.
  19. „Hadrian, Bischof und Diener Gottes an Rastislav, Svatopluk und Kozel! Ihr habt «…» bei diesem (hohe-)priesterlichen Stuhl um einen Lehrer gebeten. Wir aber freuten uns sehr, überlegten und beschlossen darauf, den Methodios «…» in eure Länder zu schicken, damit er euch lehrt, wie ihr gebeten habt, und die Bücher in eure Sprache übersetzt «…» Nur dieser eine Brauch ist zu beachten, daß man bei der Messe «…» das Evangelium zuerst lateinisch liest «…» Wenn aber einer von den Lehrern «…» die Bücher eurer Sprache verhöhnt, der soll ausgeschlossen sein nicht nur von der Kommunion, sondern auch von der Kirche, bis er sich bessert «…»“ Hadrian II. (867 - 872) und seine Zeit
  20. Sirmium war eine alte Diözese, die 582 zerstört worden war und sich 870 im Donaubulgarischen Reich befand
  21. Franz Zagiba: Die bairische Slavenmission und ihre Fortsetzung durch Kyrill und Method. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Franz Steiner Verlag, Wien 1961
  22. vgl. [1]
  23. vgl. Franz Grivec: Der heilige Methodius in Ellwangen. In: Ellwangen 764–1964. Schwabenverlag Ellwangen, 1964, S. 153–159