Begegnung des Herrn

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Orthodoxes Glaubensbuch - Die Begegnung des Herrn

Dieses Fest wird von der Kirche am 15. Februar (am 2. Februar nach altem Kalender) gefeiert.


Dieses Fest erinnert an eine Begegnung. Wir verstehen darunter die Begegnung des Gotteskindes und der Gottesmutter mit dem gerechten Simeon und der Prophetin Hanna im Tempel von Jerusalem. Dies geschah so:

Es waren vierzig Tage seit der Geburt des Erlösers vergangen. Die Allheilige Jungfrau kam zusammen mit dem heiligen Josef, mit dem sie verlobt war, gemäß der Sitte aus Betlehem nach Jerusalem. Sie brachten das Kind Jesus in den Tempel, um das Gebot zu erfüllen, das vom Herrn durch seinen Propheten Mose gegeben worden war.

Diesem Gebot nach musste man, erstens, nach der Geburt eines Kindes Gott ein Opfer darbringen und das Gebet eines Priesters erhalten. Zweitens musste man das Kind in den Tempel bringen und es so Gott weihen. Das Opfer war gewöhnlich ein einjähriges Lamm und eine junge Taube oder Turteltaube. Den Armen war es erlaubt, anstatt des Lammes auch eine Taube darzubringen.

Nach dem Gesetz des Mose musste man den ersten Jungen in der Familie Gott weihen. Man tat dies in Erinnerung an den furchtbaren Tag, an dem der Engel des Herrn die Erstgeborenen der Juden verschonte, nachdem er alle Erstgeborenen in Ägypten, wo das auserwählte Volk litt, getötet hatte. Seit jener Zeit brachten die Juden alle erstgeborenen Knaben in den Tempel und weihten sie Gott. Danach kauften sie sie gleichsam wieder zurück, indem sie für sie einen symbolischen Kaufpreis gaben. Dieser Preis wurde “Auslösegeld” genannt und wurde den Tempeldienern, den Leviten, übergeben.

Die Gottesmutter erfüllte dieses Gesetz und kam mit dem Kind, das in Wahrheit selbst die Quelle aller Gesetze war, in den Tempel. Eigentlich hätten die Mutter und das Kind dieses Gesetz nicht erfüllen müssen. Es betraf sie nicht, da es für sündige Menschen galt und nicht für die Allreine Jungfrau und den Herrn, aber um das Gesetz nicht zu brechen, taten sie alles so, wie es in der Bibel vorgeschrieben ist.

In jener Zeit kam der greise Simeon durch eine Eingebung des Heiligen Geistes in den Tempel. Er war ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der sein ganzes langes Leben auf die Ankunft des Erlösers Christus gewartet hatte. Simeon wusste, dass die Zeit Seiner Geburt bereits gekommen war, weil alle Prophezeiungen der Heiligen Schrift über Ihn schon erfüllt waren. Der Heilige Geist hatte Simeon versprochen, er werde so lange nicht sterben, bis er den Messias mit seinen eigenen Augen gesehen habe.

Als der fromme Greis auf die Allreine Jungfrau mit dem Kind in den Armen blickte, sah er die Gnade Gottes, die sie wie eine Wolke umgab. Der Heilige Geist offenbarte ihm, dass dies der von ihm erwartete Erlöser sei. Simeon trat eilig heran und nahm mit großer Freude und Ehrfurcht das Kind in die Arme, und sprach die prophetischen Worte, im Bewusstsein, dass für ihn die Zeit gekommen war, in die Ewigkeit einzugehen: “Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.”

“Ich hatte keinen Frieden in meinen Gedanken”, so dachte er, “als ich jeden Tag auf Dich wartete und traurig war, bis Du gekommen bist. Jetzt, da ich Dich gesehen habe, kehrt endlich Frieden in mir ein. Meine Trauer ist nun geschwunden und ich gehe zu meinen Vorvätern mit der freudigen Kunde; ich werde sie Adam und Abraham, Mose und David, Jesaja und den anderen heiligen Vätern und Propheten verkünden. Ich bringe ihnen, die jetzt noch traurig sind, eine große Freude. Lass mich nun zu ihnen gehen, damit sie sich freuen, dass der Erlöser in die Welt gekommen ist, und von ihrer Trauer ablassen. Entlasse mich, Deinen Diener, damit ich nach den vielen Jahren meiner Mühen Ruhe finde mit dem Erzvater Abraham. Ich habe mit meinen eigenen Augen die Erlösung gesehen, die Du den Menschen bereitet hast. Meine Augen haben das Licht gesehen, mit dem Du die heidnische Finsternis in allen Völkern vertreiben wirst, da Du ihnen die großen göttlichen Geheimnisse offenbarst.”

Josef und die Allreine Jungfrau wunderten sich über die Worte des alten Simeon, weil sie sahen, dass er sich an das Kind nicht wie an einen Menschen wandte, sondern wie an den allwissenden Gott, in dessen Händen sein Schicksal lag, und der ihn aus dem Leben entlassen oder in der Welt belassen konnte. Der greise Simeon segnete sie und verherrlichte die Größe der Allreinen Jungfrau, die den Gott-Menschen Jesus geboren hatte, und auch den vermeintlichen Vater, den heiligen Josef, den Diener dieses großen Geheimnisses.

Danach wandte er sich an die Jungfrau Maria und sagte:

“Dieses Kind ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch Ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden. Fallen werden diejenigen, die nicht an Seine Worte glauben wollen, und aufgerichtet werden jene, die Seine Worte mit Liebe annehmen werden. Die Schriftgelehrten und Pharisäer, die durch Bosheit geblendet sind, werden fallen, aber ungebildete Menschen, einfache Fischer, werden Ihm nachfolgen. Er wird die Weisen beschämen und einfache Leute erwählen.

Seinetwegen werden viele streiten, in den Völkern wird Zwiespalt herrschen: die einen werden Ihn loben, die anderen werden sagen, dass Er ein Betrüger sei. Sie werden Ihn kreuzigen, Seine Hände und Füße mit Nägeln wie mit Pfeilen durchbohren und Seine Brust mit einer Lanze. Dir selbst aber, Allreine Mutter – fuhr der heilige Greis fort –, wird ein Schwert durch die Seele dringen: es wird dies die Trauer und die furchtbare Seelenpein sein, wenn Du Deinen Sohn und Gott an das Kreuz genagelt sehen wirst, und dann weinend und mit Schmerz im Herzen den aus dieser Welt geleiten wirst, den Du jetzt schmerzlos geboren hast.”

Im Tempel stand auch die Prophetin Hanna. Sie war eine Witwe und sehr betagt – sie war 84 Jahre alt. Sie war nur sieben Jahre verheiratet gewesen und verbrachte ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes in Fasten und Gebet im Tempel und diente Gott Tag und Nacht. Sie stand zu dieser Stunde im Tempel und verkündete allen Menschen, die in Jerusalem auf die Erlösung warteten, vom dargebrachten Kind. Es waren hier sehr viele Menschen versammelt, sie warteten auf den von den Propheten vorhergesagten Erlöser und freuten sich sehr, als sie erfuhren, dass Er gekommen war.

Über dieses Fest gibt es auch Sprichwörter und Volksregeln. Man sagt, dass sich an diesem Festtag der Frühling mit dem Winter trifft, d. h. in der Natur ein Wandel vor sich geht, vom Winter- zum Frühlingswetter. Viele Volksregeln sprechen an diesem Tag von der Ernte.

Das Fest der Begegnung des Herrn wird in goldenen oder blauen liturgischen Gewändern gefeiert.


Troparion, 1. Ton:

Freue Dich, gnadenerfüllte, jungfräuliche Gottesgebärerin! Denn aus Dir erstrahlte die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott, und erleuchtete die von Finsternis Umgebenen. Frohlocke auch du, gerechter Greis, der du den Befreier unserer Seelen auf die Arme nahmst, der uns die Auferstehung schenkt!

Kontakion, 1. Ton:

Der Du den jungfräulichen Schoß durch Deine Geburt geheiligt und die Hände des Simeon, wie es sich gebührte, gesegnet hast, Du hast zuvorkommend auch uns jetzt errettet, Christus, Gott. Aber schenke Frieden in Kämpfen dem Staate, und stärke die, welche Du liebst, o einzig Menschenliebender!

Ikonographie

Orthodoxes Glaubensbuch - Die Ikonographie des Festes

Begegnung des Herrn, erstes viertel des 11. Jhs.jpg

Der Ikone liegt die Erzählung des Evangeliums zugrunde, die berichtet, wie die Gottesmutter mit Christus und ihrem Verlobten Josef am vierzigsten Tag nach der Geburt Jesu in den Tempel von Jerusalem kam, um das Kind Gott zu weihen. Im Tempel begegneten ihnen der greise Simeon und die Prophetin Hanna, die schon seit langer Zeit im Tempel wohnte. Seinerzeit war Simeon vorausgesagt worden, dass er nicht sterben werde, bis er den Messias gesehen habe. Und nun erfüllte sich diese Weissagung.

Auf der Ikone ist der Tempel dargestellt, auf seinen Stufen stehen der greise Simeon und die Prophetin Hanna. Die Gottesmutter reicht Simeon das Kind (auf einigen Ikonen hält Simeon das Kind bereits auf den Armen), hinter Maria trägt Josef zwei Tauben, das Reinigungsopfer, wobei die Ärmel seines Kleides die Hände bedecken, da man die Opfergabe nicht mit den Händen berühren durfte.

Die Ikone Rublevs mit diesem Sujet in der Ikonostase der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale im Moskauer Kreml gilt als eine der bestgelungenen der Festtagsreihe. Eine ähnliche Ikone gibt es auch in der Dreifaltigkeitskathedrale der Dreifaltigkeits-Sergius-Lavra.

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