Himmelfahrt

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Orthodoxes Glaubensbuch - Christi Himmelfahrt

Dieses Fest wird 40 Tage nach Ostern, am Donnerstag der 6. Woche nach Ostern, gefeiert.

Die Bezeichnung des Festes gibt seinen Inhalt wieder – die Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus, d. h. das Ende Seines irdischen Wirkens. Gleichzeitig ist es Sein Abschied von den Jüngern.

Nach Seiner Auferstehung von den Toten gehörte unser Herr Jesus Christus schon mehr zum Himmel als zur Erde. Er sagte in der Abschiedsrede zu Seinen Jüngern: “Ich verlasse die Welt wieder und gehe zu meinem Vater.” Er hatte dies schon vor Seinem heilbringenden Leiden und vor Seinem Kreuzestod gesagt, aber auch nach Seinem Sieg über die Hölle und den Tod durch Seine Auferstehung wiederholte Er vor Maria Magdalena: “Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.” Es ist verständlich, dass das irdische Wirken des Menschensohnes zu Ende gegangen war, Er hatte schon vollbracht, was Ihm der himmlische Vater zu tun aufgetragen hatte. Und jetzt musste Er in Seine Herrlichkeit eingehen, die Er bereits besaß, als die Welt noch nicht geschaffen war.

Der Herr sagte schon in Seiner ersten Erscheinung nach Seiner Auferstehung Maria Magdalena, und durch sie auch allen Seinen Jüngern, dass Er bald in den Himmel auffahren werde.

Aber die Sorge Christi um Seine Jünger, die Er unendlich liebte, hielt Ihn noch auf der Erde. Deshalb fuhr der Herr nicht sofort in den Himmel auf, lebte aber nicht ständig mit Seinen Jüngern, verbrachte mit ihnen nicht Tage und Nächte, die Zeit der Ruhe und des Mahles, so wie es früher gewesen war. Er erschien ihnen unerwartet – einmal, als sie sich unterhielten, als die Türen des Hauses aus Angst vor der Wut der Juden versperrt waren, ein anderes Mal auf dem Weg aus einer Stadt in eine andere und dann schließlich, als die Jünger im Boot auf Fischfang waren. Bei Seinen Erscheinungen fuhr der Herr fort, sie die Wahrheiten des Evangeliums zu lehren, Er erzählte ihnen vom Reich Gottes. Der Herr machte sie fähig, die Heilige Schrift richtig zu verstehen, sprach zu ihnen von Seiner Macht im Himmel und auf Erden, davon, dass sie erwählt seien, die Frohe Botschaft allen Völkern zu verkünden, sie zu taufen und alles zu lehren, was Er sie gelehrt hatte. Der Herr versprach, so lange mit Seiner Kirche zu sein, bis das Ende dieser Welt komme.

So bereitete Er sie auf eine große Aufgabe vor – den apostolischen Dienst. Es vergingen vierzig Tage.

Die Zahl vierzig ist nicht zufällig. In der ganzen Heilsgeschichte ist dies die Zahl der Erfüllung der großen Heilstaten. Am vierzigsten Tag mussten die Kinder gemäß dem Gesetz, das der Herr Mose gegeben hatte, von den Eltern in den Tempel gebracht werden, zum Herrn. Und jetzt, am vierzigsten Tag nach Seiner Auferstehung musste Jesus Christus als der Erlöser der Menschheit wie nach einer neuen Geburt in das Haus Seines Vaters eingehen.

In einer Seiner Erscheinungen hatte ihnen der Herr geboten, an diesem Tag in Jerusalem zusammenzukommen. Die Heilige Stadt war voll von Feinden Jesu Christi, aber es fanden sich Leute, bei denen die Jünger Unterkunft bekamen und sich sogar versammeln konnten. Es ist durchaus möglich, dass einer dieser Orte das Haus war, wo das Letzte Abendmahl vor der Kreuzigung des Erlösers stattgefunden hatte und in dem sich dann die Jünger befanden, als einige Tage nach der Himmelfahrt Christi auf sie der Heilige Geist herabkam.

Als sich die Jünger versammelt hatten, erschien unerwartet und geheimnisvoll – wie immer in diesen vierzig Tagen – der Herr. Er sagte ihnen nochmals, weshalb es für Ihn unumgänglich gewesen war, für die Menschen zu leiden und zu sterben. Damit die große Kunde von der Erlösung bis in die entlegensten Länder der Welt und zu allen Völkern gelange, die sie bewohnen, rief Er Seine Jünger zur Predigt auf und beauf­trag­te sie, Sein Wirken fortzusetzen. Während Er mit den Jüngern sprach, führte Er sie aus der Stadt hinaus und ging in Richtung Betanien.

Und so kamen sie, während sie sprachen, zum Gipfel des Ölbergs, der ungefähr einen Kilometer von Jerusalem entfernt ist. Hier blieb der Herr stehen. Er sah Seine Jünger an, erhob Seine Hände und segnete sie. Dieser Segen galt nicht nur ihnen, sondern allen Christen, wo und wann sie auch leben mögen. Vor den Augen der erstaunten Jünger erhob Er sich in den Himmel und entschwand ihren Blicken. Diese Himmelfahrt dauerte lange, so dass die Jünger dieses großartige Schauspiel genießen konnten. Und erst als der Herr so hoch in den Lüften war, dass das Auge kaum etwas zu unterscheiden vermochte, erschien eine helle Wolke und verhüllte Ihn.

Die Apostel sahen voll Ehrfurcht dieses letzte Wunder des Herrn auf Erden. Sie blickten angestrengt in den Himmel, als plötzlich vor ihnen zwei leuchtende Engel standen, die ihnen sagten: “Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.” Der Herr wird genauso plötzlich und unerwartet und genauso unverkennbar und feierlich kommen, wie Er weggegangen ist. Er kommt genauso in einer Wolke und in Seiner menschlichen Gestalt.

Durch die Worte der Engel verstanden die Apostel, dass sie auf dem Ölberg auf nichts mehr zu warten hatten. Sie verneigten sich in Ehrfurcht vor dem aufgefahrenen Herrn und kehrten nach Jerusalem zurück, aber nicht traurig ob der Trennung, sondern wie der Evangelist Lukas schreibt, mit großer Freude. Sie freuten sich über die Herrlichkeit ihres Lehrers. Bei Seiner Himmelfahrt überzeugten sich die Apostel endgültig davon, dass Er wirklich Gott ist, der Herrscher des Himmels und der Erde. Sie freuten sich auch, dass sie zu einer großen Aufgabe berufen wurden, freuten sich über die Erscheinung der Engel und darüber, dass diese gesagt hatten, dass sie der Herr nicht für immer verlassen hat.


Zeugin der Himmelfahrt war auch die Mutter Gottes. Davon sprechen die kirchlichen Gesänge. Sie litt mehr als alle, als sie das Leiden des Herrn auf dem Kreuz sah, aber jetzt freute sie sich mehr als alle, als sie Seine Herrlichkeit sah.

So vollzog sich die Himmelfahrt des Herrn.

Im Herrn Jesus Christus wurde auch die menschliche Natur in den Himmel aufgenommen. Der Mensch wurde des göttlichen Lebens teilhaftig, deshalb wird uns der Herr alles schicken, worum wir Ihn bitten, Er wird alles für uns tun, damit wir errettet werden.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass seit der Himmelfahrt Christi unser wahres Leben im Himmel ist. Unser Streben muss auf Christus gerichtet sein, dorthin, wo Er zur Rechten Gottes des Vaters sitzt. Dort ist unser ewiges Haus.

Die Farbe der liturgischen Gewänder beim Festgottesdienst ist Golden oder Weiß.


Troparion, 4. Ton:

Du hast Dich erhoben in Herrlichkeit, Christus, unser Gott, und den Jüngern durch die Ankündigung des Heiligen Geistes Freude bereitet, indem sie durch Deinen Segen erfuhren, dass Du der Sohn Gottes bist, der Erlöser der Welt!

Kontakion, 6. Ton:

Nachdem Du die Heilsordnung für uns erfüllt und das Irdische mit dem Himmlischen geeint hast, bist Du aufgefahren in Herrlichkeit, Christus, unser Gott, indem Du keineswegs von uns gegangen, sondern ungetrennt geblieben bist, und denen, die Dich lieben, zurufst: Ich bin mit euch und niemand kann gegen euch sein!

Ikonographie

Orthodoxes Glaubensbuch - Die Ikonographie des Festes

Zu Grunde liegt der Text des Evangeliums, der erzählt, wie Christus am vierzigsten Tag nach Seiner Auferstehung Seine Jünger auf den Ölberg geführt hat und dort vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren ist. Als die verblüfften Apostel auf den auffahrenden Christus schauten, erschienen ihnen zwei Männer und verkündeten die Wiederkunft des Erlösers am Ende der Welt.

Im oberen Teil der Ikone wird Christus in einer runden von zwei Engeln getragenen Mandorla (slava) dargestellt, wie Er in den Himmel auffährt. Unter Ihm, im Zentrum, steht die Gottesmutter mit erhobenen Händen (in der Orante-Stellung als Betende). Um sie herum stehen die Apostel.

Die Ikone “Christi Himmelfahrt” vom Maler Prochor aus Gorodec befindet sich in der Festtagsreihe der Ikonostase der Dreifaltigkeitskathedrale der Dreifaltigkeits-Sergius-Lavra.

Die im Jahre 1408 gemalte Ikone “Christi Himmelfahrt” aus der Festtagsreihe der Ikonostase der Mariä-Entschlafungs-Kathedrale in Vladimir wird Andrej Rublev zugeschrieben.


Christi Himmelfahrt

Nach dem Evangelisten Lukas ist das Fest von Christi Himmelfahrt der vierzigste Tag nach den Erscheinungen des Auferstandenen. Es ist das Fest seiner feierlichen Aufnahme in den Himmel und der Vollendung des Heilswerkes seiner Auferstehung. Denn mit der Himmelfahrt

ist die menschliche Natur, die Christus angenommen hatte, die den Tod erlitt und in seiner

Auferstehung verklärt wurde, wieder in die Gegenwart Gottes zurückgekehrt. Die neue menschliche Natur thront zur Rechten Gottes:

„Die Engel staunen,

da sie einen Menschen über sich erblicken;

der Vater empfängt ihn,

den er gleichewig an seinem Herzen birgt.“

( aus dem Idiomelon der Vesper des Festes )


Die Verkündigung der Aufnahme des Gottessohnes in den Himmel ist in der Apostelgeschichte des Evangelisten Lukas gleichsam das Vorwort für die folgende Geschichte vom Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche. Die Ikone von der Himmelfahrt zeigt den Jüngerkreis, der Christus umstand. An Seiner Stelle steht die Theotokos in der Mitte, die ihn in ihrem Leib getragen hatte. An ihre Stelle tritt auf der Pfingstikone eine Königsgestalt in einem dunklen Feld inmitten der 12 Apostel. Hier soll eine Neuinterpretation dieser Festikone gewagt werden. Diese Gestalt im Dunkeln ist der himmlische König, der Geist der Wahrheit, der jetzt mit den Aposteln die Kirche bildet. Es ist der Hl. Geist, der jetzt der Stellvertreter Christi auf Erden ist. Das Dunkel bezeichnet seine Unsichtbarkeit, seine Unvorstellbarkeit.

Er bildet mit den Aposteln die höchste Autorität der Kirche. An ihre Stelle tritt nach dem Tod der Apostel in der Kirchengeschichte die Gemeinschaft der im Konzil versammelten Bischöfe.


Himmelfahrt ist also der Abschluss der österlichen Erscheinungen des Auferstandenen im Kreis seiner Jünger und zugleich die Vorbereitung auf das Eintreten der dritten Person des dreieinen Gottes in die Geschichte der Menschheit. Während der Westen vielfach über den Heimgang des Herrn trauernde Apostel darstellt, zeigen die Ikonen der Orthodoxen Kirche einen sonderbaren Jubel, wie ihn auch das Lukasevangelium berichtet: „Nachdem sie ihn (bei der Auffahrt zum Himmel auf dem Ölberg ) angebetet hatten, kehrten sie voll Freude nach Jerusalem zurück und waren dort allezeit im Tempel und priesen Gott“ (Lk 24,52 f.)


Es gibt einen zweifachen Grund zur Freude:

Sie sehen die Himmelfahrt des Herrn an als das einzige Unterpfand ihrer und aller Menschen Seligkeit und Unsterblichkeit. Denn der auferstandene Sohn Gottes trägt die Gestalt des menschlichen Leibes, die er durch Maria empfangen hatte, endgültig heim zum Vater. Die ursprüngliche paradiesische Gemeinschaft des Menschen mit Gott hat durch die leibhaftige Gegenwart des Sohnes zur Rechten des Vaters ihren Anfang gefunden.

Der andere Grund zur Freude ist die Verheißung

des Heiligen Geistes. „Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit“ (Joh 14,16). „Tröster“ ist eine Bezeichnung des Heiligen Geistes im Johannesevangelium.

Wenn hier aber vom „anderen Tröster“ die Rede ist, dann ergibt sich daraus, dass ER

„ der eine Tröster“ ist. Beide sind somit wesensgleich und von gleicher göttlicher Kraft. Auch mit dieser Bezeichnung wird deutlich, dass der Heilige Geist an Seine Stelle tritt.


Und weiter sagt Jesus im Johannesevangelium: „ Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten“ ( Joh 16,13 ). Die Apostel können mit Freude und Zuversicht

in die Zukunft gehen. Der in den Himmel Aufgefahrene hat ihnen einen Beistand zugesagt, der seiner Gegenwart vor seinem Leiden in ihrer Mitte in nichts nachsteht.


So können wir als orthodoxe Christen mit den Aposteln das Fest der Auffahrt Christi in die Himmel in der gleichen doppelten Freude begehen. ER hat unser von Gott abgefallenes Menschsein wieder in die Gemeinschaft mit Gott zurückgeführt. Unsere Leibhaftigkeit thront in Christus zur Rechten des Vaters. Wir brauchen nur noch auf den Jüngsten Tag zu warten, wenn auch unsere Leiber dem Tode entrissen werden, und wir so bei Gott sein können wie der erhöhte Herr.


Auch auf die Sendung des Geistes dürfen wir in gleicher Zuversicht wie die Apostel nach dem Erlebnis von Christi Himmelfahrt hoffen. Uns dürfte diese Hoffnung viel leichter fallen als den Aposteln. Wir können doch auf seine Führung der Kirche „in alle Wahrheit“ in unzähligen Fällen in der Kirchengeschichte zurückblicken. Bedenken wir nur, dass unsre Orthodoxe Kirche die Gestalt der eucharistischen Liturgie ungebrochen bewahrt hat, wie sie im 2. Jahrhundert in Rom gefeiert wurde. Die Inhalte des Evangeliums sind durch die sieben Ökumenischen Konzilien gegen die mächtigen Irrlehren, die auch heute noch aktuell sind, bewahrt worden. In der Ausprägung der christlichen Kunst hat die Orthodoxe Kirche in den Ikonen ein zeitlos gültiges Christusbekenntnis geschaffen. Nur an diesen drei Beispielen können wir erkennen, dass wir in gleich froher Erwartung wie die Apostel auf die Verheißung des Geistes auch in der Zukunft hoffen dürfen.

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Autor und Copyright

Orthodoxe Gemeinde Hl. Christophorus

Mainz, am Karmeliterpl., ggü. vom Kaufhof

Priester Johannes Nothhaas

Tel.: 06131 – 53.9.25


Christi Himmelfahrt F 10 ( 06/05)

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