Catena aurea

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Beispiel einer Katene aus der Minuskel 556
Die Catena aurea (lat. goldene Kette) ist eine Kommentarsammlung der Kirchenväter zu den Evangelien. Sie wurde im 13. Jahrhundert durch Thomas von Aquin besorgt. In den Kommentaren wird ein zusammenhängender Schrifttext durch die Zusammenstellung von Texten der Kirchenväter fortlaufend kommentiert. Dabei wurden die Texte der Kirchenväter durch Thomas so geschickt verbunden, dass sie eine fortlaufende Auslegung des Evangeliums ergeben. Schon Thomas' Zeitgenossen erkannten den Wert dieses Werkes, das zu jedem Satz aus den Evangelien das Urteil der wichtigsten Kirchenväter abgibt. Später erhielt es deswegen den Titel "Goldene Kette" - "Catena aurea".

Die Entstehungsgeschichte

Thomas begann die Arbeit auf Veranlassung von Papst Urban IV. Ende 1262 / Anfang 1263. Die vier Bände wurden 1268 fertiggestellt. Thomas von Aquin widmetete sie seinem Freund und ehemaligen Schüler, dem Kardinal Hannibaldis de Hannibal.[1] Die Bedeutung der Catena aurea liegt vor allem in der Eigenständigkeit des Werkes und die kunstvolle Komposition: Nach der Schriftstelle folgen zunächst Aussagen, die die Harmonie der verschiedenen Chronologien in den Evangelien aufweisen sollen. Falls verschiedene Auslegungen existieren, so wird mit der naheliegendsten begonnen. Bei Stellen von besonderer dogmatischer Relevanz bietet Thomas zusätzlich eine Auswahl aus anerkannten Traktaten zu dem in Frage stehenden Thema. Dabei wird stets versucht, die sprachlichen und stilistischen Eigenarten der Väter zu erhalten.

Quellen

Es wurden 57 griechische und 22 lateinische Autoren bei der Zusammentstellung der Catena aurea verarbeitet. Thomas hat dabei auch bis dahin unbekannte östliche Exegeten verwendet und diese so dem Westen zugänglich gemacht, z.B. Theophylakt. Dabei wurde nicht auf Sekundärquellen zurück gegriffen, sondern versucht, die ursprünglichen Texte im Wortlaut zu verwenden. [2]

Andere Katenenkommentare

Katenen sind "eine seit etwa 500 auftauchende, im Mittelalter massenhaft vertretene Gattung von kettenartigen Commentaren zu biblischen Büchern, deren Verfasser sei es auf den Rändern um den Bibeltext herum, sei es in fortlaufender Schrift zu dem in kleine Abschnitte zerlegten Texte verschiedene Auslegungen älterer Exegeten zusammenstellten."[3] Katenenkommentare zeichnen sich also durch die Fortläufgikeit aus, im Gegensatz zu einer Glosse oder einem Scholienkommentar, die als Vorläufer anzusehen sind und die nur einzelne schwierige Begriffe oder Aussagen erläutern. Textgestalterisch sieht werden am Rande oder zwischen den Zeilen des Bibeltextes die Kommentierungen eingefügt. Dabei sind die Zitate der Kircheväter oftmals sehr umfangreich und erlauben eine Rekonstruktion verloren gegangener Werke (z.B. bei Origines oder Johannes Chrysostomus).[4] Eine moderne Katene stammt von Thomas C. Oden, der mit einem Team die Ancient Christian Commentary on Scripture (Altchristliche Kommentare zur Schrift) in zwanzig Bänden erarbeitet hat.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. auch zum Folgenden Einleitung in die Catena aurea.
  2. Vgl. dazu: Einleitung in die Catena aurea.
  3. Adolf Jülicher: Catenae. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 1786 f.
  4. Vgl. dazu Wikipedia: Katene.