Wiborada, Einsiedlerin in St. Gallen

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Detailaufnahme aus der Ikone der Synaxis aller Heiligen der Schweiz in der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde zur Auferstehung Christi in Zürich.

Gedächtnis: 1. Mai

Die heilige ehrwürdige Märtyrerin Wiborada von St. Gallen wurde gegen Ende des 9. Jahrhunderts geboren und entstammte einem angesehenen Geschlecht im Gebiet des heutigen Thurgaus. Schon von Jugend an fühlte sie sich zu einem Leben des Gebetes, der Enthaltsamkeit und des Dienstes an Gott hingezogen. Ihr Bruder Hitto erhielt seine Ausbildung an der Klosterschule von St. Gallen und wurde später Priester. Durch ihn lernte Wiborada den Psalter kennen, den sie mit großem Eifer aufnahm und zu einem festen Bestandteil ihres geistlichen Lebens machte.

Gemeinsam mit ihrem Bruder unternahm sie eine Wallfahrt nach Rom. Nach ihrer Rückkehr widmete sie sich zunächst der Pflege ihrer Eltern und führte zugleich ein immer strengeres asketisches Leben. Schließlich entschloss sie sich, die Welt gänzlich zu verlassen und sich allein Gott zu weihen.

Im Jahre 912 kam Wiborada nach St. Gallen. Zunächst lebte sie vier Jahre in einer Zelle bei der Kirche St. Georgen oberhalb des Klosters. Im Jahre 916 wurde sie schließlich als Inklusin bei der Kirche St. Mangen eingeschlossen. Dort verbrachte sie die letzten zehn Jahre ihres irdischen Lebens in Gebet, Fasten und geistlicher Betrachtung.

Obwohl sie die Welt verlassen hatte, verbreitete sich der Ruf ihrer geistlichen Einsicht weit über St. Gallen hinaus. Geistliche und Laien suchten ihren Rat, und selbst Männer von hohem kirchlichem und weltlichem Rang wandten sich an die heilige Inklusin. So wurde ihre abgeschiedene Zelle zu einem Ort geistlichen Rates und des Trostes für viele Menschen.

Mit Wiborada stand nach der alten Überlieferung auch der Einsiedler Alaricus in Verbindung, der auf einer Insel im Zürichsee lebte und mit dem ehrwürdigen Adalrich von Ufenau gleichgesetzt wird. Als er von ihrer überaus strengen Askese erfuhr, ermahnte er sie, ihren Leib nicht durch übermäßiges Fasten und Nachtwachen zu schwächen. So bewahrt die alte St. Galler Überlieferung auch die geistliche Verbindung zwischen der heiligen Wiborada und dem ehrwürdigen Einsiedler von Ufenau.

Im Juni des Jahres 925 wurde Wiborada in einer Vision der bevorstehende Einfall der Ungarn offenbart. Zugleich erkannte sie, dass ihr selbst das Martyrium bevorstand. Sie warnte Abt Engilbert von St. Gallen vor der drohenden Gefahr und riet ihm, rechtzeitig für die Rettung der Brüder und der Schätze des Klosters Sorge zu tragen. Kostbare Handschriften der berühmten Klosterbibliothek wurden daraufhin auf die Insel Reichenau gebracht, während für die Mönche eine Fluchtburg an der Sitter errichtet wurde.

Als im folgenden Jahr das Herannahen der Ungarn gemeldet wurde, konnten die Mönche das Kloster rechtzeitig verlassen und sich in Sicherheit bringen. Abt Engilbert drängte auch Wiborada, ihre Zelle zu verlassen und vor den Angreifern zu fliehen. Die Heilige aber blieb ihrem asketischen Gelübde treu. Da ihr das bevorstehende Martyrium bereits offenbart worden war, wollte sie den Ort nicht verlassen, an dem sie sich ganz Gott geweiht hatte.

Am 1. Mai des Jahres 926 erreichten die Ungarn St. Gallen. Die Plünderer gelangten auch zur Kirche St. Mangen und setzten sie in Brand. Sie versuchten ebenso, Wiboradas Zelle den Flammen zu übergeben, doch das Feuer erlosch, ohne die Heilige zu verletzen. Daraufhin stiegen die Angreifer über das Dach in ihre Zelle hinab. Dort fanden sie Wiborada im Gebet und versetzten ihr drei Schläge mit einer Axt. An ihren schweren Verwundungen entschlief die heilige Wiborada und empfing die unvergängliche Krone des Martyriums.

Ihr Martyrium hinterließ einen tiefen Eindruck bei den Mönchen von St. Gallen. Noch im zeitgenössischen Professbuch des Klosters wurde ihres gewaltsamen Todes am 1. Mai 926 gedacht. Bereits in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts verfasste der St. Galler Mönch Ekkehart I. eine Lebensbeschreibung der Heiligen. Eine weitere ausführliche Vita mit einem eigenen Buch über ihre Wunder entstand im 11. Jahrhundert und wird dem St. Galler Mönch Herimannus zugeschrieben. Damit gehört das Leben der heiligen Wiborada zu den außergewöhnlich gut überlieferten Heiligenleben des frühmittelalterlichen alemannischen Raumes.

Schon bald nach ihrer Beisetzung wurden an ihrem Grab zahlreiche Wunder bezeugt. Die Überlieferung berichtet von einem wunderbaren Licht an ihrem Grab, das gleichsam vom Himmel entzündet worden sei. Kranke empfingen Heilung am Grab der Märtyrerin und auch durch ihre Reliquien. Ihre Verehrung verbreitete sich weit über St. Gallen hinaus, und die Gläubigen riefen sie als Märtyrerin und Fürsprecherin bei Gott an.

Auf Betreiben des St. Galler Abtes Nortpert wurde ihre Verehrung im Jahre 1047 durch Papst Clemens II. feierlich bestätigt. Im Jahre 1455 wurden die Gebeine der heiligen Wiborada feierlich erhoben. Ihre Verehrung blieb auch in den folgenden Jahrhunderten mit St. Gallen verbunden. Reliquien und Erinnerungsstücke der Heiligen gelangten später in das Kloster St. Gallenberg auf der Glattburg bei Oberbüren, wo bis heute Reliquien der Märtyrerin aufbewahrt werden.

Durch ihre Voraussicht trug die heilige Wiborada auch zur Bewahrung kostbarer Handschriften des Klosters St. Gallen vor dem Ungarneinfall bei. Daher wird sie besonders als Patronin der Bücher und Bibliotheken verehrt.

Gebete

Troparion (5. Ton)

Als Haus hast du dir eine Zelle erbaut / und dadurch der Weisheit nachgeeifert./ Dort hast du deinem Herrn gedient, / der dir Mund und Weisheit gegeben hat. / So hast du deinem Namen Ehre getan / und Klerus, Adel und Volk beraten. / Bete zu Christus der göttlichen Weisheit, // dass er auch unsere Seelen erleuchte.

Kondakion (4. Ton)

Die Weisheit ruft auf der Strasse, / sagte von alters her der Prediger. / Du o gottweise Wiborada/ hast ihr dein Ohr geliehen / und dein Herz der Einsicht zugeneigt. / Im Körper hast du dich von der Welt abgewandt, / um dich unseren Sorgen und Nöten zuzuwenden / mit göttlichem Rat, / deren Name weiblichen Rat bedeutet. / Bete zu Christus dem «Engel des Grossen Rates» // dass auch in unsere Herzen einziehe Seine Weisheit.

Gebet zur Hl. Märtyrernonne Wiborada um göttlichen Rat und Beistand

Du, o heilige und weise Märtyrernonne Wiborada hast dich in die Abgeschiedenheit deiner Zelle als Inklusin einmauern lassen, denn du hast die Wahrheit geliebt, die im Verborgenen liegt und im Geheimen Weisheit gelernt. Dir hat der Herr Mund und Weisheit gegeben, der kein Widersacher widerstehen noch widersprechen kann. Durch dich hat Er Fürsten nach Seinem Willen unterwiesen und dein Kloster vor dem Ansturm der Ungarn beschützt. Nun kommen wir demütig und beladen vor dich, die wir mit unserer Weisheit am Ende sind. Sieh auf die Sorgen, die uns bedrücken. Sieh auf die Verzagtheit unserer Herzen. Sie auch auf unseren Willen, alles nach dem Willen Gottes zu tun. So bitten wir dich: Gib uns deinen Rat, wie du Bischof Ulrich und Abt Engelbert beraten hast; weise uns zurecht, wie du Herzog Burchart zurechtgewiesen hast; hilf uns, in der uns bedrängenden Sache mit Weisheit voranzugehen; bestärke uns darin, nicht unseren, sondern Gottes Willen zu suchen. O heilige Mutter Wiborada, bete zum Herrn, ohne den Bauleute vergebens bauen und Wächter vergebens wachen, das Er uns anleitet, in Seinem Sinne zu entscheiden. Den bei Ihm ist unsere Hoffnung und in Ihm ist alle Weisheit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.

Gebet an die heilige Märtryrernonne Wiborada, die Hindernisse auf dem Weg zur Kirche beseitigt

O hochgeehrte Mutter, du bist auf den Widerstand des Teufels getroffen, der dich von deinem heiligen Weg durch Schreckbilder und gewaltsame Erscheinungen abhalten wollte. Du aber, Streiterin Gottes, hast mit dem Zeichen des Kreuzes über alle Gegenwehr triumphiert. Du hast die Dämonen dem Befehl Gottes unterworfen und ihnen den Fuss auf den Nacken gesetzt, sodass sie voller Furcht ausriefen: «Diese Wiborada hat uns mit ihrem Tritt Rücken und Arme zermalmt; darum können wir die Flucht nicht länger aufschieben», und sie mussten weichen.

An dich wenden wir uns nun, o unser Vorbild in der Nachfolge Christi, die auch wir vom Teufel bedrängt werden, der uns durch die Weisheit dieser Welt, durch den Druck von Menschen und durch die Unruhe unserer Leidenschaften davon abhalten will, unserer Sehnsucht nach dem Königtum zu folgen.

Leih uns die Kraft deines Arms, leih uns dein Vertrauen in die Kraft des Kreuzes, das alles Böse überwindet. Stärke deine Magd / deinen Knecht N. N. / uns auf dem Weg zu Christus, der das Alpha und das Omega ist, der Anfang und das Ende, und der dem Dürstenden umsonst gibt aus der Quelle des Wassers des Lebens. Bitte ihn, der selbst der Weg ist, die Wahrheit und das Leben, gerade zu machen seinen / ihren / unseren Weg zum Herrn, Herzen zu erweichen, Frieden zu stiften und das Gute wachsen zu lassen.

Sei du selbst, ehrwürdige Mutter, seine / ihre / unsere Wegbegleiterin: wehre die Angriffe des Feindes ab und stärke uns auf dem Weg mit Kraft, Geduld und Weisheit, so dass wir nicht von Hemmnissen überwältigt werden, sondern an ihnen wachsen können im Dienste des Herrn. Nimm den Knecht Gottes / die Magd Gottes N. N. / uns bei der Hand und führe sie / ihn / uns in das Haus Gottes und in die Gemeinschaft des Leibes Christi, damit wir, eingepfropft in den Herrn, den wahren Weinstock, hineinwachsen in das Königtum des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Quelle: https://www.orthodoxe-heilige.ch

Weiterführende Informationen
Akathistos
Heiligenlexikon