Paisius Olaru



Gedächtnis: 2. Dezember
Der heilige Paisie (Olaru) von Sihăstria (1897–1990) zählt zu den bedeutendsten rumänischen geistlichen Vätern des 20. Jahrhunderts. Durch sein von Demut, Gebet, Fasten und großer Liebe zum Nächsten geprägtes Leben wurde er zum geistlichen Vater unzähliger Mönche und Gläubiger. Obwohl er selbst die Zurückgezogenheit und das stille Gebet suchte, kamen Menschen aus dem ganzen Land zu ihm, um zu beichten, seinen Rat und seinen Segen zu empfangen. Zu seinen geistlichen Schülern gehörte auch der heilige Cleopa Ilie von Sihăstria. Der heilige Paisie besaß die Gnadengabe der Vorausschau und wurde durch seine Gebete auch zum Werkzeug zahlreicher geistlicher und körperlicher Heilungen.
Vita
Paisie wurde am 20. Juni 1897 im Dorf Stroiești im Kreis Botoșani als Sohn der gläubigen Christen Ioan und Ecaterina Olaru geboren, die mit zehn Kindern gesegnet waren. Da seine Geburt in die Nähe des Festes der heiligen Apostel Petrus und Paulus fiel, erhielt er bei der Taufe den Namen Petru. Er besuchte die Grundschule seines Heimatdorfes und war jedes Jahr der Beste seiner Klasse. Als Auszeichnung erhielt er Bücher mit Heiligenviten, deren Lektüre in ihm schon früh die Liebe zum monastischen Leben weckte.
Im Oktober 1921 trat Petru im Alter von 24 Jahren in die Gemeinschaft der Skite Cozancea unweit seines Heimatdorfes ein. Dort wurde er im Gebet, im Gehorsam, in der Demut und in der Liebe zum Nächsten unterwiesen und zeichnete sich von Anfang an durch seine Bereitschaft aus, sowohl den Brüdern der Gemeinschaft als auch den Pilgern zu dienen. Bereits am 9. Juni 1922 empfing er die Mönchsweihe und erhielt den Namen Paisie. Schon in seinen ersten Klosterjahren erwies er sich als begabter geistlicher Führer, zu dem zahlreiche Gläubige kamen. Einige von ihnen wurden seine geistlichen Schüler; unter ihnen befand sich auch der junge Constantin Ilie, der spätere heilige Cleopa von Sihăstria.
Seine besondere Liebe galt der Stille und dem zurückgezogenen Gebet. Im Jahr 1931 errichtete er deshalb im Wald nahe der Skite eine kleine Zelle mit einer hölzernen Kapelle, wohin er sich häufig zurückzog, um sich dem Fasten und Gebet zu widmen. Seit dieser Zeit wurde er als „Părintele Pustnic“, als „Vater Einsiedler“, bekannt. 1933 nahm er eine noch strengere asketische Lebensordnung auf sich und empfing das Große Schema. Am 14. Oktober 1943 wurde er zum Hierodiakon und am 4. April 1947 zum Priestermönch geweiht. Anschließend wurde ihm die Leitung der Skite Cozancea übertragen, der er nahezu ein Jahr lang als Abt vorstand.
1948 erhielt der heilige Paisie den Segen, sich in das Kloster Sihăstria zurückzuziehen, das ihm bessere Voraussetzungen für das von ihm ersehnte asketische Leben bot. Dort war inzwischen sein früherer geistlicher Schüler, Archimandrit Cleopa Ilie, Abt. Im Kloster wurden die geistlichen Überlieferungen bewahrt, die auf den heiligen Paisius von Neamț zurückgingen. Der sanftmütige und demütige Schemamönch Paisie erhielt die Aufgabe, die immer zahlreicher nach Sihăstria kommenden Gläubigen geistlich zu führen und ihre Beichten zu hören.
Als der heilige Cleopa 1949 zum Abt des Klosters Slatina im Kreis Suceava berufen wurde, folgte ihm Paisie dorthin. Im Frühjahr 1954 kehrte er jedoch in das stillere Kloster Sihăstria zurück. Dort wurde er zum geistlichen Vater der Bruderschaft und zugleich zum Beichtvater unzähliger Gläubiger aus allen Teilen Rumäniens. Diesen Dienst versah er mehr als 35 Jahre lang bis an sein Lebensende. Sein Alltag war vom beharrlichen Gebet, strengem Fasten und der täglichen geistlichen Begleitung von Mönchen und Laien geprägt.
Mit der Zeit wurde Vater Paisie zu einem der bekanntesten und beliebtesten geistlichen Väter Rumäniens. Dabei beeindruckte er die Menschen nicht durch große Worte, sondern durch Gebet, Liebe, Barmherzigkeit und eine außergewöhnliche Sanftmut. Er nahm die Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit auf und vermochte sie durch seine demütige Art zur Umkehr zu führen. Viele, die zu ihm kamen, empfingen durch sein Gebet neue geistliche Kraft und Freude. Häufig wurde ihm der geistliche Zustand der Menschen offenbart, ebenso die Nöte und Versuchungen seiner über das ganze Land verstreuten geistlichen Kinder. Durch die ihm verliehene Gnadengabe der Vorausschau warnte er manche vor bevorstehenden Gefahren und half anderen, den Willen Gottes für ihr Leben zu erkennen. Auch die Gnadengabe der Heilung und der Befreiung von unreinen Geistern war ihm gegeben; zahlreiche Menschen empfingen durch seine Gebete und seinen Segen seelische und körperliche Heilung.
Während der schweren Verfolgung des monastischen Lebens durch das kommunistische Regime nach dem Dekret von 1959 wurde Paisie für viele Betroffene zu einer besonderen geistlichen Stütze. Zahlreiche jüngere Mönche waren gezwungen worden, ihre Klöster zu verlassen und wieder in der Welt zu leben. Paisie stärkte sie in ihrer Berufung und begleitete sie geistlich, bis manche später in ihre Klöster zurückkehren konnten. Auf diese Weise erfüllte er gerade in einer der schwierigsten Perioden der rumänischen Kirche im 20. Jahrhundert seinen Dienst als geistlicher Vater.
Von 1972 bis 1985 lebte der heilige Paisie wiederum zurückgezogener in der Skite Sihla nahe der Höhle der heiligen Theodora von Sihla. Doch auch dorthin folgten ihm die Menschen, die seinen Segen und seinen geistlichen Rat suchten. In den wenigen Stunden, in denen er nicht von Gläubigen aufgesucht wurde, schrieb er geistliche Betrachtungen und zahlreiche Bußgedichte. Daneben arbeitete er im Garten und gab auch durch diese einfache Tätigkeit ein Beispiel demütiger Arbeit und des Dienens.
In seinen letzten Lebensjahren wurde Paisie von zahlreichen körperlichen Leiden heimgesucht, die er mit Glauben und großer Geduld ertrug. 1985 kehrte er nach Sihăstria zurück. Trotz seines hohen Alters und seiner zunehmenden Gebrechlichkeit sorgte er weiterhin für seine geistlichen Kinder und erteilte ihnen bis in seine letzten Lebenstage Rat und Segen.
Er entschlief in der Nacht des 18. Oktober 1990 und wurde am Klosterfriedhof beigesetzt.
Archimandrit Ilie Cleopa war ein Schüler und Freund von Vater Paisie Olaru. Es ist eine kurze Beschreibung von ihm erhalten, die sein ganzes, Gott und den Menschen gewidmetes Leben umfasst: „Pater Paisie Olaru war so: bescheiden, still, sanft, weise in seinen Worten, sehr barmherzig und liebevoll zu seinem Nächsten. Er suchte immer den Frieden mit allen und liebte den Frieden. Er mochte es nicht, unter vielen Menschen zu leben und verbarg sein Leben und seine Bedürfnisse. Niemand wusste, wie er in seiner Zelle betete, welche Arbeit sein Geist und sein Herz verrichteten, wie lange er zu Tisch saß und wie lange er ruhte. Er weinte mit denen, die weinten, und freute sich mit denen, die sich freuten. Er kümmerte sich nicht um gute Kleider, Geld oder sonst etwas, und er floh vor Ehre, Lob, viel Gerede, Klugheit und großen Männern.“
Am 4. Februar 2025 wurde er gemeinsam mit fünfzehn weiteren Neumärtyrern und Bekennern vom Heiligen Synod der Rumänisch-Orthodoxen Kirche verherrlicht. Am 28. April 2025 wurden seine Reliquien feierlich erhoben und in die Klosterkirche übertragen. Die lokale Proklamation erfolgte am 7. August 2025 im Kloster Sihăstria.
Quellen: Rumänisches Patriarchat: Sinaxar – Sfinții Cuvioși Paisie și Cleopa de la Sihăstria, in: Concursul Național „Icoana ortodoxă – lumina credinței“, ediția a XIV-a, 2025.
Gebete
Troparion (1. Ton)
Lasst uns die Morgensterne und Säulen der moldauischen Demut ehren, die auf Erden mit einem Herzen im Glauben vereint waren: den großen demütigen Cleopa, den donnernden Mund Christi, und Paisie, den frommen Beichtvater und Lobpreiser Gottes. Lasst uns rufen: Ehre Dem, Der Euch verherrlicht hat, Ehre Dem, Der euch gestärkt hat, Ehre dem, Der euch als wundersame Fürsprecher für uns erwisen hat.
Kondakion (8. Ton)
Mit dem Kranz der Askese habt ihr euch geschmückt, und die Kirche habt Ihr mit euren Leben bekränzt, selige Paisie und Cleopa. Dem Licht Christi seid ihr teilhaftig geworden, so erleuchtet uns auch mit dem Lichte der Buße. Dass wir rufen: Freuet Euch, derer gedacht wird in Ewigkeit.
aus dem Rumänischen übersetzt