Nikodim von Tismana

Gedächtnis: 26. Dezember
Der heilige Nikodim von Tismana wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Makedonien geboren. Nach rumänischer Überlieferung stammte er aus Prilep. Die Überlieferungen über seine familiäre Herkunft sind nicht völlig einheitlich.
Der heilige Justin Popović bezeichnet seinen Vater als Griechen und seine Mutter als Serbin, während rumänische kirchliche Quellen auch von makedo-rumänischer Herkunft sprechen und verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie des serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović sowie zum walachischen Herrscherhaus der Basaraben überliefern.
Schon in jungen Jahren erhielt Nikodim eine gute Bildung und widmete sich besonders dem Studium der Heiligen Schrift und der orthodoxen Theologie. Von der Sehnsucht nach dem monastischen Leben erfüllt, begab er sich auf den Heiligen Berg Athos und trat in das serbische Kloster Chilandar ein. Dort empfing er die Mönchsweihe und wurde später zum Hierodiakon und Hieromönch geweiht. Nach dem Tod des Abtes wurde Nikodim aufgrund seines geistlichen Lebens und seiner Bildung selbst zum Abt gewählt. Er beherrschte sowohl die serbische als auch die griechische Sprache und war dadurch nicht nur als geistlicher Vater, sondern auch als Übersetzer und Vermittler geeignet.
Nach rumänischer Überlieferung lebte Nikodim zeitweise als Einsiedler in einer Höhle in der Umgebung Chilandars. Durch Fasten, Nachtwachen und Gebet erwarb er große geistliche Erfahrung und übte insbesondere das Jesusgebet. Ihm wurden die Gaben der Voraussicht und der Wundertätigkeit zuteil. Als Abt sammelte er eine große Gemeinschaft von Mönchen verschiedener Herkunft um sich und wurde zu einem weithin bekannten geistlichen Vater, bei dem Mönche, Einsiedler und Äbte Rat suchten.
Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, mit denen Nikodim verbunden war, gehörten der Athosmönch und Altvater Isaija sowie Fürst Lazar von Serbien. Vom Athos begab sich Nikodim nach Serbien in das Herrschaftsgebiet des Fürsten Lazar. Dieser wollte ihn nach der Überlieferung des heiligen Justin Popović in ein hohes kirchliches Amt erheben, doch Nikodim lehnte ab und ließ sich als einfacher Hieromönch im östlichen Teil des serbischen Herrschaftsgebietes in der Gegend von Kladovo an der Donau nieder. Bald sammelten sich dort Mönche vom Athos und aus serbischen Klöstern um ihn. Nikodim gründete eine Gemeinschaft und errichtete eine der Heiligen Dreiheit geweihte Kirche.
Auf göttliche Offenbarung hin überschritt Nikodim mit einigen seiner Schüler die Donau und gelangte in die Walachei. Dort gründete er mit Unterstützung des Fürsten Vladislav I., auch Vlaicu Vodă genannt, das dem heiligen Antonios geweihte Kloster Vodița. Eine für das Kloster ausgestellte fürstliche Urkunde aus dem Jahr 1374 bestätigte dessen Rechte und Besitzungen. Auch der heilige Fürst Lazar unterstützte die Gründung.
Eine besondere Rolle spielte Nikodim bei der Wiederherstellung der kirchlichen Gemeinschaft zwischen dem Serbischen Patriarchat und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Im Jahr 1375 wurde er in die von Altvater Isaija geleitete Delegation aufgenommen, die im Auftrag des heiligen Fürsten Lazar und der serbischen Kirchenleitung nach Konstantinopel reiste. Wegen seiner hervorragenden Kenntnis des Serbischen und Griechischen sowie seiner theologischen Bildung wirkte Nikodim dabei als Übersetzer und Vermittler. Die Mission führte zur Aussöhnung und Wiederherstellung der kirchlichen Gemeinschaft zwischen dem Serbischen Patriarchat und Konstantinopel.
Nach seiner Rückkehr setzte Nikodim sein Wirken in der Walachei fort. Unter Fürst Radu I. entstand das der Entschlafung der Allheiligen Gottesgebärerin geweihte Kloster Tismana, das zum Mittelpunkt seines weiteren Wirkens wurde. Auch der heilige Fürst Lazar unterstützte Nikodims monastische Tätigkeit. Tismana entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem bedeutenden Zentrum des orthodoxen Mönchtums. Das gemeinschaftliche Leben wurde nach den Ordnungen des Heiligen Berges Athos gestaltet, und von hier aus verbreitete sich diese monastische Tradition weit über die Walachei hinaus.
Mit dem Wirken des heiligen Nikodim werden darüber hinaus mehrere weitere Klöster und monastische Niederlassungen verbunden. Südlich der Donau werden insbesondere Vratna und Manastirica genannt, während die rumänische Überlieferung außerdem Vișina und weitere Niederlassungen mit ihm oder seinen Schülern verbindet. Von besonderer Bedeutung wurde das Kloster Prislop im Gebiet des Hațeg. Dort hielt sich Nikodim gegen Ende seines Lebens mehrere Jahre auf. Die von ihm gegründeten oder geprägten Gemeinschaften wurden zu wichtigen Zentren des monastischen und geistlichen Lebens in der Walachei und darüber hinaus.
Nikodim war nicht nur Klostergründer und geistlicher Vater, sondern auch ein hochgebildeter Vertreter der orthodoxen Kultur seiner Zeit. Er unterhielt Beziehungen zu Patriarch Euthymios von Tarnowo und stand mit ihm in theologischen Fragen in Verbindung. In Tismana entwickelte sich eine bedeutende Schule für kirchliche Handschriften. Von Nikodim selbst ist ein reich ausgestattetes slawisches Tetraevangeliar aus den Jahren 1404–1405 erhalten, das zu den bedeutenden Zeugnissen der mittelalterlichen Buchkunst der Walachei gehört.
Sein Einfluss erstreckte sich auch auf die walachischen Fürsten Radu I., Dan I. und Mircea den Alten. Letzterer bezeichnete Nikodim in einer Urkunde als seinen „Beter, Vater Nikodim“. Die kirchliche Überlieferung bewahrt außerdem zahlreiche Berichte über Wunder, die der Heilige während seines Lebens gewirkt haben soll.
Der heilige Nikodim entschlief am 26. Dezember 1406 im Kloster Tismana und wurde dort bestattet. Schon bald nach seinem Tod wurde er vom gläubigen Volk als Heiliger verehrt. Seine Reliquien wurden zunächst im Kloster bewahrt, später jedoch aufgrund der unsicheren Verhältnisse an einem unbekannten Ort verborgen. In Tismana werden bis heute ein Finger seiner rechten Hand und sein Brustkreuz als Heiligtümer bewahrt.
Durch sein Wirken verband der heilige Nikodim die monastischen Traditionen des Heiligen Berges Athos, Serbiens und der rumänischen Länder miteinander. Seine Klostergründungen wurden zu bedeutenden geistlichen Zentren, und besonders in der Walachei gilt er als einer der großen Erneuerer und Organisatoren des gemeinschaftlichen orthodoxen Mönchtums. Im Jahr 1955 weitete der Heilige Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche die bereits seit Jahrhunderten bestehende Verehrung des heiligen Nikodim auf die gesamte Rumänische Kirche aus.
Quellen:
- Justin Popović: Žitija svetih
- Mitropolia Olteniei: Viața Sfântului Cuvios Nicodim cel Sfințit de la Tismana
- Basilica.ro: Sfântul Cuvios Nicodim cel Sfințit de la Tismana
Gebete
Troparion (1. Ton)
Dem von der Jungfrau Geborenen, dem obersten Hirten, bist du gefolgt unser Vater Nikodim. Durch Fasten, Gebet und Wachsamkeit, wurdest du zum Bewohner des Himmels, indem du diejenigen Seelen heilst, die dir mit Glaube zurufen. Deshalb rufen auch wir: Ehre Demjenigen welcher dich zum Gefeierten gemacht hat und dir die Macht gab, und durch dich Heilungen gibt.
Literatur
- Das Synaxarion - die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche. In 2 Bänden. Gestützt auf die 6-bändige Ausgabe des Hl. Klosters Simonos Petra. Erster Band. September bis Februar, Kloster des Hl. Johannes des Vorläufers, Chania (Kreta) 2006, ISBN 960-88698-0-3, S. 510.
- Pr. Mihai Zorilă: Viața și activitatea Sf. Nicodim de la Tismana, 1991.
- Ranko Jakovljevic, Put svetog Nikodima, Beograd, 2006.