Kirchengebäude

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Orthodoxes Glaubensbuch - Das Kirchengebäude

Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Moskauer Kreml

Die Kirche ist das Haus Gottes, ein Haus des Gebetes. Der allgegenwärtige Gott ist überall, aber im orthodoxen Gotteshaus auf besondere Weise: das orthodoxe Gotteshaus ist ganz erfüllt mit göttlichem Licht, mit Gnade.

Das erste christliche Gotteshaus war jener Saal, in dem der Herr mit Seinen Jüngern vor Seinem Leiden am Kreuz das Abendmahl feierte. Und wir alle, die wir getauft sind und im orthodoxen Glauben leben, können uns – wie die Apostel Christi – in der Kirche geistig mit Christus vereinigen, teilhaben an Seinem Leib und Blut und das ewige Leben erben. In der Kirche führt uns alles zur Erlösung. In ihr ist nichts Überflüssiges. Jedes Detail hat einen tiefen Sinn und eine besondere Bedeutung. Wir werden in diesem Kapitel versuchen, die Symbolik des Gotteshauses zu analysieren, die Bedeutung seiner Architektur, Ausstattung und Malerei. All das ist nichts Irdischem ähnlich und dazu bestimmt, uns zum Reich Gottes zu führen, uns zu erheben, zu reinigen, jedem so viel von der Gnade Gottes zu geben, wie er nach seinen Kräften aufnehmen kann.

Schon von weitem sehen wir, wie die Kreuze auf den Kuppeln der Kirche strahlen. Die Kuppeln mit den Kreuzen verbinden den himmlischen und den irdischen Raum gleichsam zu einer ganzheitlichen geheiligten Welt. Die Kuppel ist wie die Flamme einer brennenden Kerze. Nicht umsonst haben sich unsere Vorfahren schon seit jeher bemüht, sogar in den härtesten Zeiten die Kuppeln und Kreuze der Kirchen zu vergolden.

Kirch des Heiligen Simeon des Säulenstehers in Moskau

Das Gotteshaus ist wahrlich eine Arche der Rettung für die Gläubigen. So wie Noach sich und sein Geschlecht vor den stürmischen Wogen der Sintflut rettete, als er in der Arche Zuflucht fand, so rettet auch die Kirche – gleichsam wie ein Schiff – die Christen vor der Sintflut der Sünden inmitten der stürmischen Wogen des Meeres des Lebens und bringt uns vom Ufer der Finsternis und des Todes zum Ufer des Lichtes und des ewigen Lebens, zum stillen Hafen des Himmelreiches. Deshalb wurden die Gotteshäuser am häufigsten in Form eines Schiffes gebaut, gemäß der apostolischen Tradition „länglich, nach Osten gewandt, mit Säulengängen an beiden Seiten gegen Osten”. Wenn wir von weitem auf eine russische Kirche blicken, so erscheint sie als schneeweißes Schiff mit einem hohen Mast, dem Glockenturm, und mit windgefüllten Segeln, den Kuppeln, ein Schiff, das sich nach Osten hinbewegt, zum Sonnenaufgang, zur Sonne der Wahrheit – Christus, der selbst als „das aufstrahlende Licht aus der Höhe” bezeichnet wird (Lk 1,78).

In Russland trifft man auf Kirchen in Form eines Kreuzes, des Symbols des Heils, oder in Form eines Kreises, des Symbols der Ewigkeit, aber die spirituelle Bedeutung der rettenden Arche wird dabei immer bewahrt.

Die Kreuz-Kuppel-Form ist die am meisten verbreitete Form der orthodoxen Kirchen in der Rus’ und kam aus Byzanz zu uns. Dennoch gibt es auch unter diesen Kirchen eine große architektonische Vielfalt. Strenge Einkuppel-Kirchen, wie z. B. die in der ganzen Welt bekannte Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl’; die Basilius-Kathedrale mit vielen Kuppeln; die Mariä-Entschlafungs-Kathedrale mit fünf Kuppeln im Moskauer Kreml und Zeltdach-Kirchen wie die Himmelfahrtskirche in Kolomenskoe oder die Auferstehungskirche in Neujerusalem.

Die Kreuzesform ist in Kirchen wie der Mariä-Entschlafungs-Kathedrale im Kreml besonders deutlich zu erkennen. Sie ist eine Kirche mit fünf Kuppeln. Ihre fünf Kuppeln symbolisieren das Haupt der Kirche – Christus – und die vier Apostel und Evangelisten. Es gibt auch Gotteshäuser mit zwölf Kuppeln – zu Ehren der Zwölf Apostel. Die Moskauer Basilius-Kathedrale hat ihrer zehn – eine Kuppel über jedem Altar und eine über dem Glockenturm.

Die äußere Architektur der orthodoxen Kirche kann ihr sakrales und mystisches Wesen nicht zur Gänze ausdrücken. Die Formen des Gotteshauses werden von den inneren Aufgaben bestimmt. Das Wichtigste im Gotteshaus ist seine innere Harmonie. Gerade im Inneren des Gotteshauses wird der Sinn dessen offenbar, was wir Kirche nennen – das Haus Gottes.

Nachdem wir uns bekreuzigt haben, treten wir in das Gotteshaus ein. Das Gotteshaus hat zwei Hauptteile: den Altarraum und den Kirchenraum (die eigentliche Kirche). Aber häufig wird diesen beiden noch ein dritter hinzugefügt, der Vorraum genannt wird. Deshalb wird das Gotteshaus in der Regel in drei Teile geteilt: Altarraum, Kirchenraum (oder viereckiger Raum) und Vorraum (oder Refektorium).

Manchmal ist der Vorraum oder das Refektorium größer als der eigentliche Kirchenraum. Das hatte den Sinn, einer Vielzahl von Menschen im Refektorium Platz zu bieten und Tische für viele Hunderte Menschen aufzustellen. Solche Refektoriumskirchen wurden hauptsächlich in Klöstern gebaut.

Die russischen Gotteshäuser haben gewöhnlich (zum Wärmeschutz) überdachte Vorbauten, Vorhallen und Galerien, welche die Architektur des Gotteshauses komplizieren. Die dreiteilige Struktur liegt jedoch jeder Kirche zugrunde.

Der Hauptraum des orthodoxen Gotteshauses ist leer, es stehen nur einige Bänke an der westlichen Wand. Da es in orthodoxen Kirchen nicht üblich ist zu sitzen, stehen diese Bänke in der Kirche nur älteren, kranken Personen und Kindern zur Verfügung. (Über den richtigen Zeitpunkt des Sitzens in der Kirche siehe „Die kirchliche Frömmigkeit“.)

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