Ison

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Der Ison (griech. το ίσον der Gleiche) ist ein tiefer, gesungener Liegeton (auch Bordun oder vokaler Orgelpunkt) im Kirchengesang. Der Ison ist meistens auch der Grundton der Skala (oder des Tons), aber auch die Quinte ist möglich. Zwischen den Melodietönen und dem Ison ergibt sich ein ständiges Wechselspiel von Reibungen und Wohlklang, wodurch eine harmonische Farbigkeit von ganz eigenem Reiz entsteht. Der Ison hilft aber auch den Sängern, den Ton zu halten und im Laufe eines Gesanges oder im Gottesdienst nicht kontinuierlich tiefer zu intonieren: "Das sogenannte Ison ist das Zeichen der Gleichheit, es ist der Ton, von dem man ausgeht, im Zusammenhange zeigt es an, dass man im gleichen Tone fortsingt."[1] Man beachte hierbei aber, dass das Ison (sächlich) ein Zeichen der byzantinischen Neumenschrift ist, das Tonwiederholungen anzeigt, es somit zwei verwandte Wortbedeutungen gibt. Im byzantinischen Gesang wird der Ison als Liege- oder Halteton gesungen, im Znamennygesang verfolgt er die syllabische und textuale Struktur des Stückes (Lied ohne Melodie). Die im byzantinischen Gesang vorherrschende Einstimmigkeit wird durch den Ison zu einer einfachen Merhstimmigkeit erweitert:[2] Die Zufügung von Harmonien zu den monophonen Melodien war in der ursprünglichen liturgischen Musik nicht bekannt, die Kombination von Melodie und Ison wurde jahrhundertelang benutzt.[3]
Die Ausführung des Ison ist äußerst schwierig, denn sie erfordert eine einzigartige konzentrierte Entschlossenheit, stark zu sein und an einem Ort bleiben, während sich die Melodie durch die Skala bewegt.[4]

Theologische Bedeutung des Ison

Der hl. Johannes Chrysostomos betont in seinem Kommentar zum 1. Korintherbrief die Wichtigkeit des absoluten Gleichklangs des Isons: "[...]denn in der Kirche soll immer nur eine Stimme gehört werden, wie wenn es nur ein Leib sei. Darum spricht der Vorleser allein, und selbst der Bischof sitzt da und horcht schweigend zu. So singt auch der Sänger allein, und wenn Alle antwortend einfallen, so ist es, als wenn nur eine Stimme ertönte."[5] Neben dem Gleichklang ist auch der einheitliche Bezug zum Ison wichtig, wie Johannes von Buchhagen betont: "Man muss, um die richtigen Tonschritte zu finden, immer und unbedingt den Bezug zur Eins wahren. Sobald dies gelingt, wird deutlich, wie alle Zusammenhänge und entwicklungen vom Grundton, dem Symbol Gottes, [...] ihr Dasein und Leben empfangen."[6] Christina Stavros bringt es auf den Punkt, wenn sie schreibt, dass jedes menschliche Wesen einen Ison benötige und das Christus der Ison unseres Lebens sein kann.[7]

Weblinks

Hörbeispiele

Einzelnachweise

  1. Raphael Georg Kiesewetter: Ueber die Musik der neueren Griechen nebst freien Gedanken über altägyptische und altgriechische Musik, Leipzig 1838, S.10.
  2. Karl H. Wörner: Gewchichte der Musik, Göttingen 1993, S.37.
  3. Vgl. dazu: The Divine Music Project: Introduction.
  4. Vgl. dazu: Christina Stavros: Christ our Ison
  5. Johannes Chrysostomos: Homilien über den ersten Brief an die Korinther. 36. Homilie VI.
  6. Archimandrit Johannes: Der Weg zum naturtönigen Kultgesang. Buchhagen 2012, S. 181.
  7. Vgl. dazu: Christina Stavros: Christ our Ison