Iraclie von Bessarabien


Gedächtnis: 3. August
Der heilige ehrwürdige Bekenner Iraclie von Bessarabien (1893–1964) war ein rumänischer Priestermönch, Prediger und geistlicher Vater, der während der sowjetischen Kirchenverfolgung acht Jahre in Gefängnissen und Zwangsarbeitslagern verbringen musste. Als Mönch und Seelsorger widmete er sein Leben der Verkündigung des Evangeliums und der geistlichen Unterweisung der Gläubigen. Trotz schwerer Verfolgung blieb er seinem Glauben treu und setzte seinen geistlichen Dienst auch nach seiner Freilassung fort.
Vita
Er wurde am 11. Mai 1893 im Dorf Pojorâta im damaligen Kreis Câmpulung Moldovenesc geboren und erhielt bei der Taufe den Namen Ioan. Seine Eltern Ignat und Elisabeta Flocea waren gläubige Bauern, die ihre acht Kinder in der Liebe zu Gott und zur Kirche erzogen. Schon früh zeigte Ioan eine besondere Neigung zum geistlichen Leben und den Wunsch, Mönch zu werden. Einmal verließ er sogar heimlich sein Elternhaus und begab sich in ein nahegelegenes Kloster, um dort zu bleiben. Der Abt erkannte die Aufrichtigkeit seines Wunsches, tröstete ihn jedoch und schickte ihn zu seinen Eltern zurück. Die Sehnsucht nach dem monastischen Leben blieb ihm auch in den folgenden Jahren erhalten.
Während des Ersten Weltkriegs wurde Ioan im Sommer 1914 zum Militärdienst eingezogen und an die Front geschickt. Dort erlitt er schwere Verwundungen. Eine Verletzung seiner linken Hand war so schwer, dass deren Verlust drohte. Nach einer Operation erholte er sich jedoch auf bemerkenswerte Weise. Später wurde er durch einen Granatsplitter auch am Bein verwundet. Inmitten der Schrecken des Krieges fand er eine Ikone des heiligen Nikolaus, vor der eine Kerze brannte. Dieses Erlebnis bestärkte ihn in seinem Glauben, und er gelobte Gott, nach seiner Rettung aus dem Krieg das monastische Leben anzunehmen.
Nach seiner Freilassung aus der Kriegsgefangenschaft im Jahr 1917 gelangte er nach Bessarabien und trat in das Kloster Hârbovăț ein. Dort begann er sein Leben im Gehorsam, im Gebet und in der asketischen Übung. Im Jahr 1920 empfing er die Mönchsweihe und erhielt den Namen Iraclie, die rumänische Form von Heraklios. Er widmete sich mit großem Eifer dem Studium der Heiligen Schrift, der Schriften der Kirchenväter und dem liturgischen Leben. Nach den ergänzenden biografischen Quellen wurde er 1925 zum Hierodiakon und 1927 zum Priestermönch geweiht. Zwischen 1926 und 1930 studierte er an der Theologischen Fakultät in Chișinău, wo er sich durch seine geistigen Fähigkeiten, seine wissenschaftlichen Interessen und seine tiefe Frömmigkeit auszeichnete.
Der heilige Iraclie entwickelte sich zu einem geschätzten Prediger, Beichtvater und geistlichen Lehrer. Seine Predigten waren von der Heiligen Schrift und der Lehre der Kirchenväter geprägt. Er besaß die Fähigkeit, auch schwierige geistliche Fragen verständlich zu erklären, und war für seine Barmherzigkeit, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft bekannt. Neben seiner rumänischen Muttersprache beherrschte er unter anderem Russisch, Gagausisch und Deutsch. Seine Sprachkenntnisse nutzte er zur Übersetzung geistlicher Schriften, die er zur Unterweisung und Erbauung der Gläubigen veröffentlichte.
Im Kloster Hârbovăț übernahm er zahlreiche verantwortungsvolle Aufgaben. Seit 1935 begleitete er die feierlichen Prozessionen mit der wundertätigen Ikone der Gottesgebärerin von Hârbovăț, die traditionell im Frühjahr und Herbst stattfanden. Bei diesen Gottesdiensten hielt er Predigten und unterwies die Gläubigen im orthodoxen Glauben. Auch an der Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses beteiligte er sich. Als die Kirchensängerschule von Chișinău nach Hârbovăț verlegt wurde, wirkte er dort als geistlicher Betreuer und stellvertretender Leiter. Seine seelsorgliche Tätigkeit verband er mit einem besonderen Interesse an der Kirchenmusik und der liturgischen Bildung.
Für seine Verdienste wurde er nach den ergänzenden biografischen Quellen im Jahr 1934 mit dem goldenen Brustkreuz ausgezeichnet und zum Protosynkellos erhoben. Seine geistliche Autorität beruhte jedoch nicht allein auf kirchlichen Auszeichnungen, sondern vor allem auf seiner persönlichen Lebensführung, seiner Demut und seiner Bereitschaft, anderen Menschen zu dienen.
Als Bessarabien im Jahr 1940 unter sowjetische Herrschaft geriet, begann für die orthodoxen Klöster und Gemeinden eine Zeit schwerer Bedrängnis. Der heilige Iraclie wurde in diesem Jahr zum Bischofsvikar bestellt und bemühte sich, unter den schwierigen politischen Verhältnissen das kirchliche Leben aufrechtzuerhalten. Nach der Aufhebung des Klosters Hârbovăț durch die sowjetischen Behörden übernahm er den priesterlichen Dienst in der Gemeinde Nisporeni. Obwohl seine eigenen Möglichkeiten begrenzt waren, unterstützte er die bedrängten Mönche der Klöster Noul Neamț und Hâncu mit Lebensmitteln, Geld und anderen notwendigen Dingen.
Nach dem erneuten Wechsel der politischen Herrschaft im Jahr 1941 kehrte er nach Hârbovăț zurück und beteiligte sich an der Wiederherstellung des Klosterlebens. Er half dabei, die vertriebenen Mönche zurückzuführen und die beschädigten oder vernachlässigten Einrichtungen wieder nutzbar zu machen. Zwischen 1941 und 1944 versah er den Dienst eines Exarchen der Klöster der Erzdiözese Chișinău. In dieser Verantwortung besuchte er die monastischen Gemeinschaften, ermutigte die Mönche und erinnerte sie daran, auch unter schwierigen äußeren Bedingungen ihrem geistlichen Auftrag treu zu bleiben. Im März 1944 wurde er zum Bischofsvikar für die evakuierten Gebiete der Erzdiözese bestellt.
Mit der erneuten Besetzung Bessarabiens durch sowjetische Truppen im Jahr 1944 verschärfte sich die Verfolgung der Kirche. Zahlreiche Geistliche und Gläubige wurden verhaftet, deportiert oder getötet. Auch der heilige Iraclie geriet wegen seines kirchlichen Wirkens ins Visier der Behörden. Der offizielle Synaxar nennt den 3. September 1945 als Datum seiner Verhaftung, während andere biografische Quellen den 2. August desselben Jahres angeben. Am 17. Dezember 1945 wurde er nach diesen ergänzenden Quellen aufgrund politischer Anschuldigungen zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Vorwürfe betrafen angebliche antisowjetische Propaganda und Agitation. Tatsächlich stand seine Tätigkeit als orthodoxer Geistlicher im Mittelpunkt der Verfolgung.
Die folgenden acht Jahre verbrachte der heilige Iraclie in sowjetischen Gefängnissen und Arbeitslagern. Die schweren Lebensbedingungen, die Entbehrungen und die körperliche Arbeit konnten seinen Glauben nicht erschüttern. Er blieb seiner priesterlichen Berufung treu und bemühte sich, seinen Mitgefangenen geistlichen Beistand zu leisten. Er tröstete die Verzweifelten, stärkte die Schwachen und nahm, soweit es die Umstände erlaubten, die Beichte ab. Durch sein Gebet und seine Worte half er anderen Gefangenen, ihre Hoffnung auf Christus nicht zu verlieren. Trotz des auf ihn ausgeübten Drucks verweigerte er jede Verleugnung seines Glaubens.
Nach seiner Freilassung im Jahr 1953 kehrte er nach Bessarabien zurück. Die Jahre der Gefangenschaft hatten seine Gesundheit geschwächt, doch setzte er seinen geistlichen Dienst fort. Zunächst lebte er im Kloster Țigănești, wo er unter anderem Verwaltungsaufgaben übernahm. Später kam er in das Kloster Noul Neamț, wo er als geistlicher Vater und Betreuer der Besucher wirkte. Auch dort blieb er den Menschen ein geschätzter Ratgeber und Beichtvater.
Als das Kloster Noul Neamț im Jahr 1962 von den sowjetischen Behörden geschlossen wurde, musste der heilige Iraclie seine bisherige Wirkungsstätte erneut verlassen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er im Dorf Chițcani, wo ihn einer seiner geistlichen Schüler aufnahm und versorgte. Trotz seines fortgeschrittenen Alters und der Folgen seiner langjährigen Gefangenschaft führte er sein Leben im Gebet fort und blieb mit den Gläubigen und den ehemaligen Mönchen des Klosters verbunden.
Der heilige ehrwürdige Bekenner Iraclie entschlief am 3. August 1964 nach dem julianischen Kalender, entsprechend dem 16. August nach dem gregorianischen Kalender, im Herrn. Er wurde unter strenger Überwachung durch die kommunistischen Behörden auf dem Dorffriedhof von Chițcani beigesetzt.
Am 19. Oktober 1992 wurde er durch die Generalstaatsanwaltschaft der Republik Moldau rechtlich rehabilitiert. Damit wurde das gegen ihn verhängte Urteil aus der Zeit der sowjetischen Verfolgung aufgehoben. Über die spätere Auffindung seines ursprünglichen Grabes liegen unterschiedliche Jahresangaben vor. Während eine biografische Darstellung das Jahr 1992 nennt, berichtet der offizielle Synaxar, dass Angehörige aus Pojorâta sein Grab nach dem Jahr 2000 wiederfanden und seine Gebeine auf den Friedhof des Klosters Noul Neamț übertrugen.
Im Jahr 2022 wurden anlässlich seines Gedenkens Berichte über wohlriechendes Myron bekannt, das mit seiner Grabstätte in Verbindung gebracht wurde. Nachdem der zuständige Bischof Veniamin von Südbessarabien darüber unterrichtet worden war, wurde am 22. November 2022 das Grab im Klosterfriedhof geöffnet. Dabei wurden seine wohlriechenden Reliquien aufgefunden. Die Metropolie Bessarabiens setzte sich daraufhin für seine kirchliche Verherrlichung ein.
Am 4. Februar 2025 wurde er gemeinsam mit fünfzehn weiteren Neumärtyrern und Bekennern vom Heiligen Synod der Rumänisch-Orthodoxen Kirche verherrlicht. Die lokale Proklamation wurde am 3. August 2025 in Chișinău vollzogen.
Quellen: Rumänisches Patriarchat: Sinaxar – Sfântul Cuvios Mărturisitor Iraclie din Basarabia, in: Concursul Național „Icoana ortodoxă – lumina credinței“, ediția a XIV-a, 2025, Anhang 2; Protosynkellos Ioan Popoiu: Heilige der rumänischen Lande, Schiller Verlag, S. 180–182; Doxologia: Viața Sfântului Cuvios Iraclie din Basarabia.
Gebete
Troparion (4. Ton)
Die Schar der Mönche und Gläubigen von Bessarabien preisen dich heute, o heiliger Iraclie, zu deinem glorreichen Gedenken, denn du hast alle mit dem Licht der Heiligen Schrift, dem Dienst dern Mysterien und den Lehren der Väter erleuchtet; darum bitten wir dich, tritt ein für unsere Seelen.
Kondakion (4. Ton)
Von der Liebe unseres Herrn entzündet, hast du im Kloster Hârbovăț das asketische Leben geführt, ehrwürdiger Iraclie. Durch heilige Tugenden erleuchtet empfingst du die Gnade des Trösters, und als erfahrener geistlicher Vater in schweren Zeiten warst du ein leuchtendes Vorbild. Nun im Himmel, heiliger Vater Iraclie, bitte für uns!
aus dem Rumänischen übersetzt