Hll. Hierotheos, erster Bischof von Ungarn und Stephan, König von Ungarn

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Ikone der Erleuchter Ungarns
Wandermalerei in der griechisch-orthodoxen Kirche zu den heiligen Drei Hierarchen in Budapest
Die "heilige Rechte" des hl. König Stephan von Ungarn

Gedächtnis: 7. August (alter Stil) / 20. August (neuer Stil)

Die heiligen Hierotheos (10. Jahrhundert), erster orthodoxer Bischof der Ungarn, und der apostelgleiche König Stephan I. (um 969–1038) gehören zu den bedeutendsten Gestalten der frühen Christianisierung Ungarns. Während der heilige Hierotheos als byzantinischer Missionsbischof den orthodoxen Glauben unter den Ungarn verkündete, förderte der heilige Stephan als erster König Ungarns die Ausbreitung des Christentums und den Aufbau einer dauerhaften kirchlichen Organisation. Diese beiden großen Heiligen werden als Erleuchter Ungarns verehrt.

Bischof Ierotheos und König Stephan I. werden heute auch als Heilige der Orthodoxen Kirche verehrt (Aufnahme in den Heiligenkalender im Jahr 2000 durch Konstantinopel und im Jahr 2007 durch Moskau).

Vita

Der heilige Hierotheos wirkte im 10. Jahrhundert, als das Christentum unter den Ungarn noch nicht allgemein verbreitet war und neben den westlichen Missionsbestrebungen auch enge religiöse Beziehungen zum Byzantinischen Reich bestanden. Eine entscheidende Rolle spielte dabei der ungarische Stammesführer Gyula, der um das Jahr 952 nach Konstantinopel reiste, dort die heilige Taufe empfing und mit dem byzantinischen Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos in Verbindung trat. Auf seine Bitte hin weihte der Ökumenische Patriarch Theophylaktos von Konstantinopel den Mönch Hierotheos zum Bischof für die Ungarn, die in den byzantinischen Quellen jener Zeit als „Turkia“ bezeichnet wurden.

Hierotheos begleitete Gyula in dessen Herrschaftsgebiet zurück und begann dort mit der Verkündigung des orthodoxen Glaubens. Nach dem Bericht des byzantinischen Geschichtsschreibers Johannes Skylitzes führte er zahlreiche Menschen zum Christentum und wirkte als geistlicher Hirte unter den Ungarn. Sein Wirken bildete eine wichtige Grundlage für die Ausbreitung des byzantinischen Christentums im Karpatenbecken. Der genaue Sitz seines Bischofsamtes ist nicht zweifelsfrei überliefert, doch wird sein Missionsgebiet besonders mit Siebenbürgen und den östlichen Gebieten des damaligen ungarischen Siedlungsraumes in Verbindung gebracht.

Die Mission des heiligen Hierotheos blieb keine vereinzelte Erscheinung. Auch nach seinem Wirken bestanden kirchliche Beziehungen zwischen Ungarn und Konstantinopel fort. Byzantinische Bischofssiegel bezeugen weitere Hierarchen, darunter Theophylaktos, Antonios und Demetrios, die mit der frühen orthodoxen Kirchenorganisation der Ungarn in Verbindung gebracht werden. Dies zeigt, dass die byzantinische Mission über längere Zeit Bestand hatte und einen bedeutenden Teil der frühen christlichen Geschichte Ungarns bildete. Über die letzten Lebensjahre und den Tod des heiligen Hierotheos sind keine gesicherten Nachrichten erhalten.


Der heilige apostelgleiche König Stephan I. wurde nach der traditionellen Datierung um das Jahr 969 als Sohn des ungarischen Großfürsten Géza aus dem Geschlecht der Árpáden und dessen Gemahlin Sarolt geboren. Sein ursprünglicher Name war Vajk. Er wuchs in einer Zeit auf, in der sich das Christentum unter den ungarischen Fürsten und ihrem Volk zunehmend ausbreitete. Seine Mutter Sarolt entstammte der Familie jenes Gyula, der in Konstantinopel die Taufe empfangen hatte, wodurch auch eine Verbindung zur früheren byzantinischen Mission bestand. Stephan wurde christlich erzogen; seine Taufe wird in der kirchlichen Überlieferung mit dem heiligen Adalbert von Prag in Verbindung gebracht.

Um das Jahr 995 heiratete Stephan die fromme Gisela von Bayern, die Schwester des späteren Kaisers Heinrich II. Gemeinsam förderten sie die Ausbreitung des christlichen Glaubens und unterstützten die Errichtung von Kirchen und Klöstern. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 997 übernahm Stephan die Herrschaft über die Ungarn. Seine Regierungszeit war zunächst von Auseinandersetzungen mit heidnischen und rivalisierenden Fürsten geprägt, die sich der Festigung seiner Herrschaft und der Christianisierung des Landes widersetzten. Durch seine Siege gelang es ihm, die verschiedenen Herrschaftsgebiete zunehmend unter einer gemeinsamen königlichen Gewalt zu vereinigen.

An Weihnachten des Jahres 1000 beziehungsweise zu Beginn des Jahres 1001 wurde Stephan zum ersten König Ungarns gekrönt. Mit seiner Herrschaft begann die dauerhafte Festigung des christlichen Königreiches. Der heilige Stephan bemühte sich um die Errichtung einer geordneten kirchlichen Verwaltung und gründete zahlreiche Bistümer, darunter das Erzbistum Esztergom, das zum geistlichen Mittelpunkt des Königreiches wurde. Er unterstützte die Tätigkeit von Missionaren und Mönchen und förderte die Errichtung von Gotteshäusern im ganzen Land. Zu den bedeutendsten kirchlichen Gründungen seiner Regierungszeit gehörten die Benediktinerabtei Pannonhalma und die große Kirche der Allheiligen Gottesgebärerin in Székesfehérvár, die später zur Begräbniskirche der ungarischen Könige wurde.

Neben der Förderung der westlichen kirchlichen Organisation bestanden unter seiner Herrschaft weiterhin Beziehungen zum christlichen Osten. In Ungarn lebten auch Christen byzantinischer Tradition, und griechische Klöster bestanden neben den lateinischen Einrichtungen. Stephan unterstützte darüber hinaus Pilger und ließ Einrichtungen zu ihrer Aufnahme errichten, unter anderem in Jerusalem, Rom und Konstantinopel. Sein Wirken fiel in eine Zeit, in der die kirchliche Gemeinschaft zwischen Ost und West noch nicht durch das Schisma von 1054 getrennt war.

Der heilige König bemühte sich, sein Volk nicht nur durch Gesetze und königliche Anordnungen, sondern auch durch sein persönliches Beispiel zu einem christlichen Leben zu führen. Die Überlieferung hebt besonders seine Frömmigkeit, seine Mildtätigkeit gegenüber Armen und Bedürftigen sowie seine Achtung vor den Dienern der Kirche hervor. In den unter seinem Namen überlieferten Ermahnungen an seinen Sohn, den heiligen Emmerich, werden die Bewahrung des Glaubens, die Pflege der Tugenden, die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit als wesentliche Pflichten eines christlichen Herrschers dargestellt.

Ein schwerer Schicksalsschlag traf den König im Jahr 1031, als sein Sohn und vorgesehener Nachfolger, der heilige Emmerich, bei einem Jagdunfall ums Leben kam. Dadurch verlor Stephan nicht nur seinen geliebten Sohn, sondern auch denjenigen, dem er die Fortführung seines christlichen Lebenswerkes anvertrauen wollte. Seine letzten Regierungsjahre waren von gesundheitlichen Beschwerden und Auseinandersetzungen um die Thronfolge überschattet. Dennoch blieb er bis zu seinem Lebensende um die Bewahrung des christlichen Glaubens und die Zukunft seines Königreiches bemüht.

Der heilige apostelgleiche König Stephan entschlief am 15. August 1038, dem Fest der Entschlafung der Allheiligen Gottesgebärerin. Nach der kirchlichen Überlieferung vertraute er sein Königreich vor seinem Tod dem Schutz der Gottesgebärerin an, die seither in Ungarn besonders als Magna Domina Hungarorum, die Große Herrin der Ungarn, verehrt wird. Sein Leib wurde in der von ihm gestifteten Kirche der Gottesgebärerin in Székesfehérvár beigesetzt. Schon bald nach seinem Tod setzte die Verehrung seines Grabes ein, an dem nach der Überlieferung zahlreiche Wunder geschahen. Im Jahr 1083 erfolgte unter König Ladislaus I. die feierliche Erhebung seiner Reliquien und seine kirchliche Verherrlichung. Auch sein Sohn, der heilige Emmerich, wurde damals in die Schar der Heiligen aufgenommen.

„Szent Jobb“ – die Heilige Rechte

Eine besonders bedeutende Reliquie des heiligen Königs ist seine bis heute erhaltene rechte Hand, die in Ungarn als „Szent Jobb“ – die Heilige Rechte bezeichnet wird. Sie gilt als eine der kostbarsten Nationalreliquien des Landes und ist zugleich ein Sinnbild der christlichen Staatsgründung Ungarns. Nach der mittelalterlichen Überlieferung wurde die rechte Hand bei der Öffnung seines Grabes vom übrigen Leib getrennt und wegen ihrer bemerkenswerten Erhaltung und der ihr zugeschriebenen Wunder besonders verehrt. Die Reliquie gelangte zunächst in das Gebiet des heutigen Sâniob in Rumänien, wo ein ihr gewidmetes Kloster entstand. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Heilige Rechte mehrfach ihren Aufbewahrungsort. Während der osmanischen Herrschaft gelangte sie schließlich nach Ragusa, dem heutigen Dubrovnik, wo sie von Dominikanermönchen bewahrt wurde. Auf Veranlassung Kaiserin Maria Theresias wurde die kostbare Reliquie im Jahr 1771 nach Ungarn zurückgebracht und feierlich in Buda empfangen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie zum Schutz vor den Kriegshandlungen nach Westen gebracht, ehe sie im August 1945 nach Ungarn zurückkehrte. Seit 1950 wird sie in der St.-Stephans-Basilika in Budapest aufbewahrt, wo sie in einem kunstvollen Reliquienschrein zur Verehrung ausgestellt ist. Jedes Jahr am 20. August, dem ungarischen Nationalfeiertag und Fest des heiligen Königs, wird die Heilige Rechte traditionell in einer feierlichen Prozession mitgeführt. Ihre Verehrung verbindet bis heute das kirchliche Gedächtnis des heiligen Stephan mit der Geschichte und dem nationalen Selbstverständnis des ungarischen Volkes.

Quellen: Johannes Skylitzes: Synopsis historiarum; Johannes Zonaras: Epitome historiarum; Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit, Eintrag Hierotheos; Legenda maior sancti Stephani regis und Legenda minor sancti Stephani regis; Bischof Hartvik: Vita sancti Stephani regis.

Reliquien

im deutschsprachigen Raum können in folgenden Kirchen Reliquien des hl. Königs Stephan verehrt werden:

  • Stephansdom in Wien (Österreich)

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Gebete

zum hl. Hierotheos:

Troparion (1. Ton)

Den Eifer der Apostel hast du in deiner Seele verspürt, in Ungarn wurdest du eingesetzt als Engel des Friedens und hast es mit dem Strahlenglanz deiner Lehre zur göttlichen Erkenntnis geführt, gottsinnender Hierotheos. So rufen wir dir gläubig zu: Ehre sei Christus, der dich erwählt hat, Ehre sei Ihm, mit dem du gewirkt hast, Ehre sei ihm, der durch dich uns alles Gute gewirkt hat.

Kondakion (8. Ton)

Nachdem du mit der Tugend der Selbstlosigkeit aufgestrahlt, wurdest du mit den hohepriesterlichen Gewändern geschmückt, unser Vater Hierothéos; nach dem Willen des Heiligen Geistes empfingst du die Sendung nach Ungarn. Dort zeichnetest du dich aus in den Tugenden der Apostel und befreitest das Volk von der Tücke des Götzendienstes mit deiner Verkündigung; darum ruft es getreu zu dir mit den Worten: Sei gegrüßt, du unser Vater, Weiser in Gott.

zum hl. König Stephan:

Troparion (1. Ton)

Das Zepter der Herrschaft, von Gott übergeben, wurdest du als gütiger König auserwählt, du Frommer und das Gute Liebender. Das Volk Ungarns hast du mit der Waffe des Kreuzes unterworfen und triumphierst nun, Stephan, glorreich mit den Engeln im Himmel. Ehre sei Christus, der dich erwählt hat, Ehre sei ihm, der dir die Kraft geschenkt hat, Ehre sei ihm, der dich geheimnisvoll mit Chrisamöl gesalbt hat.

Kondakion (4. Ton)

Als hell leuchtenden Stern betrachtet dich die Kirche, Heiliger Stephan, unser apostelgleicher König; durch das Licht deiner Wunder erleuchtet, ruft sie zu dir im Himmel: Rette uns alle, die wir dein Gedächtnis gläubig begehn.