Gorazd, Bischof von Böhmen und Mähren

Gedächtnis: 22. August (alter Stil) / 4. September (neuer Stil)
Der heilige Gorazd von Prag, mit bürgerlichem Namen Matěj Pavlík, wurde am 26. Mai 1879 in Hrubá Vrbka, Mähren, geboren. Er wuchs in einer römisch-katholischen Familie auf und wurde 1902 zum Priester geweiht. Während seiner Studien zeigte er Interesse an der Mission von Kyrill und Methodius sowie an der orthodoxen Tradition. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Tschechoslowakei suchten viele Katholiken, darunter auch Pavlík, nach einer eigenständigeren Form des Christentums. 1921 trat er zusammen mit anderen Priestern in die serbisch-orthodoxe Kirche ein und nahm den Namen Gorazd an, zu Ehren des heiligen Gorazd von Mähren, einem Schüler von Kyrill und Methodius.
Am 24. September 1921 wurde Gorazd in Belgrad zum Bischof der Serbisch-Orthodoxen Kirche geweiht. Er widmete sich dem Aufbau der Orthodoxen Kirche in der Tschechoslowakei, gründete 14 Kirchen und förderte die religiöse Bildung. Seine Bemühungen trugen dazu bei, die Orthodoxie in der Region zu etablieren und zu stärken.
Bischof Gorazd gab den orthodoxen Katechismus, das orthodoxe Gebetbuch und verschiedene, gottesdienstliche Bücher - so die Liturgietexte des heiligen Johannes Chrysostomos und des heiligen Basilios des Großen und einen gekürzten „Trebnik“ (Buch zum Vollzug der Bittgottesdienste) in tschechischer Sprache heraus.
Im Mai 1942 verübten tschechoslowakische Fallschirmjäger, die unentdeckt über dem damals sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren abgesprungen waren, ein Attentat auf den stellvertretenden Protektoratsleiter Heydrich. Dieser erlag dann im Juni seinen Verletzungen. Einigen der Attentäter war es gelungen, sich in der Krypta der orthodoxen Kathedralkirche in Prag zu verstecken. Doch die Gestapo kam ihnen durch Verrat auf die Spur. Das Gotteshaus wurde am 18. Juni 1942 von deutschen Soldaten umstellt und beim folgenden Kampf im Inneren der Kathedrale wurden alle Widerstandskämpfer getötet. Aufgrund der Tatsache, dass die Freiheitskämpfer in der Krypta der orthodoxen Kathedrale Zuflucht gefunden hatten, war auch das Schicksal Bischof Gorazds besiegelt. Um wenigstens das Leben der schon am Tag der Erstürmung des Gotteshauses verhafteten beiden Priester, sowie des Küsters und seiner Familie zu retten, war er bereit, als zuständiger Bischof die gesamte Verantwortung auf sich zu nehmen. Am 25 Juni wurde der heilige Gorazd verhaftet und schwer gefoltert. Am 3. September verurteilte man ihn zum Tod durch Erschießen. Vollstreckt wurde das Urteil schon am folgenden Tag. Den ehrwürdigen Leib des heiligen Bischofs verbrannte man im Prager Krematorium.
Im Jahr 1961 beschloss die serbische orthodoxe Kirche und im Jahr 1987 die orthodoxe Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei Bischof Gorazd als heiligen Neumärtyrer zu verherrlichen.
Gebete
Troparion (4. Ton)
Führer der Orthodoxie und Wiederhersteller der Mährischen Kirche, göttlicher Oberhirte Vater Gorazd, mit Freuden littest du um der Wahrheit willen. Bete zu unserem gnädigen Gott, dass unsere Seelen errettet werden mögen.
weiteres Troparion (4. Ton)
Der Heilige Geist hat dich, heiliger Gorazd, eingeführt in alle Wahrheit und dich ausgerüstet zum großen Werke der Verkündigung. Der Sohn hat dich ausersehen zum Hirten und dir anvertraut seine Herde, weil du ihn liebtest. Und der Vater hat angenommen in Gnaden dein Leben als heiliges, ihm wohlgefälliges Opfer. So bitte den Dreieinen um unsere Rettung.
Kondakion (2. Ton)
Inmitten von Strömen der Unsicherheit bliebst du in der Wahrheit wie der härteste Diamant, und deiner Heimat predigtest du den Weg der Errettung, die Orthodoxie. Nach einem gottgefälligen Leben als Verkünder des Evangeliums empfingst du geduldig und tapfer eine Märtyrerkrone von Christus dem Erlöser. O Märtyrer und Erleuchter, Vater Gorazd, bete für uns im Königreich Gottes.