Gerold, Einsiedler im Großen Walsertal

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Gerold-Fenster in der Kirche von Nziders.

Gedächtnis: 19. April

Der heilige Gerold lebte im 10. Jahrhundert als Einsiedler in Frisun im Großen Walsertal, dem heutigen St. Gerold in Vorarlberg. Über sein Leben sind nur wenige historisch sichere Nachrichten überliefert. Nach der späteren Überlieferung war er ein rätischer Adeliger und ursprünglich unter dem Namen Adam bekannt. Er soll im Jahr 941 an einer Verschwörung gegen König Otto I. beteiligt gewesen sein und sich daraufhin verborgen haben. Die Gleichsetzung dieses Adam mit dem heiligen Gerold ist jedoch historisch nicht zweifelsfrei gesichert.

Der Überlieferung zufolge zog er sich nach Frisun zurück und führte dort unter dem Namen Gerold ein strenges Leben als Einsiedler und Büßer. In der Abgeschiedenheit widmete er sich dem Gebet und der Askese, zugleich aber auch den Menschen der Umgebung, denen er als Wohltäter zur Seite stand. Auf die Fürsprache des Abtes Eberhard von Einsiedeln hin soll Otto I. Gerold schließlich begnadigt und ihm seine eingezogenen Güter zurückgegeben haben. Diese schenkte er dem Kloster Einsiedeln, mit dem der Ort seiner Einsiedelei in der Folge eng verbunden wurde.

Mit Gerold ist auch eine alte Überlieferung über einen Bären verbunden. Ein von Jägern und ihren Hunden verfolgter Bär soll bei dem Einsiedler Zuflucht gesucht und sich friedlich zu seinen Füßen gelegt haben. Als die Jäger eintrafen, fanden sie das wilde Tier ruhig bei Gerold liegend. Die Erzählung wurde zu einem festen Bestandteil seiner Überlieferung und versinnbildlicht sein friedliches Verhältnis zur Schöpfung.

Der heilige Gerold entschlief der Überlieferung zufolge um das Jahr 978. An der Stätte seiner Einsiedelei entwickelte sich seine Verehrung, die sich bereits im Mittelalter nachweisen lässt. Er wurde zum Patron der dortigen Kirche und sein Gedächtnis liturgisch begangen. Aus dem Ort seiner Einsiedelei, der urkundlich zunächst unter dem Namen Friesen beziehungsweise Frisun begegnet, entwickelte sich die nach ihm benannte Propstei St. Gerold. Sie ist seit dem Mittelalter mit dem Kloster Einsiedeln verbunden und befindet sich noch heute in dessen Besitz. Auf diese Weise blieb die Verehrung des Einsiedlers dauerhaft mit jenem Ort verbunden, an dem er nach der Überlieferung sein asketisches Leben geführt hatte und der schließlich selbst seinen Namen erhielt.

Am 28. Juli 1662 wurde das Grab des heiligen Gerold geöffnet und seine Gebeine wurden erhoben. Am 19. April 1663 wurden die Reliquien in feierlicher Weise wieder nach St. Gerold übertragen. Bei archäologischen Untersuchungen in den Jahren 1965 und 1966 wurde unter dem Chor der Propsteikirche das alte Grab Gerolds wieder freigelegt. Es wurde in die neu geschaffene Unterkirche einbezogen und ist dort bis heute zugänglich.

Quellen: Joachim Salzgeber, Kritisches zur Gründungsgeschichte von St. Gerold, in: Der Geschichtsfreund 125 (1972), S. 26–33; Kloster Einsiedeln, Professbuch; Propstei St. Gerold, Geschichte und Tradition.