Egbert von Iona, Glaubensverkünder

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Gedächtnis: 24. April

Der ehrwürdige Egbert von Iona (um 639–729), auch Egbert von Ripon oder Egbert von Irland genannt, war ein angelsächsischer Mönch, Priester und bedeutender Förderer der christlichen Mission im frühen Mittelalter. Nach langen Jahren des asketischen Lebens in Irland widmete er sich besonders der Aussendung von Glaubensverkündern auf das europäische Festland, darunter der heilige Willibrord von Utrecht und seine Gefährten. Später wirkte er im Kloster Iona vor der schottischen Westküste, wo er die Mönche zur Übernahme der gemeinsamen kirchlichen Osterberechnung bewegte. Während Beda Venerabilis ihn als Priester bezeichnet, wird er in anderen frühmittelalterlichen Überlieferungen auch als Bischof bezeichnet.

Vita

Egbert wurde um das Jahr 639 in Northumbrien im Norden Englands geboren. Schon in jungen Jahren wandte er sich dem geistlichen Leben zu und begab sich nach Irland, das damals wegen seiner zahlreichen Klöster und bedeutenden geistlichen Lehrer ein wichtiges Zentrum christlicher Gelehrsamkeit und Askese war. Wie viele andere Angelsachsen suchte er dort nicht nur Unterweisung in der Heiligen Schrift, sondern auch ein Leben der Entsagung, des Gebetes und der freiwilligen Fremdlingschaft um Christi willen. Er hielt sich im Kloster Rathmelsigi auf, dessen genaue Lage heute nicht mehr mit Sicherheit bestimmt werden kann.

Während seines Aufenthaltes in Irland wurde das Land im Jahre 664 von einer schweren Pest heimgesucht, die auch unter den dort lebenden angelsächsischen Mönchen zahlreiche Opfer forderte. Egbert erkrankte ebenfalls schwer. Gemeinsam mit ihm lebte ein junger Mönch namens Æthelhun, der gleichfalls von der Krankheit ergriffen wurde. Als Egbert dem Tode nahe war, verließ er sein Lager und begab sich an einen abgelegenen Ort, um unter Tränen zu beten. Er gedachte seines bisherigen Lebens und gelobte Gott, im Falle seiner Genesung niemals in seine Heimat zurückzukehren, sondern den Rest seines Lebens als Fremdling zu verbringen. Außerdem versprach er, täglich den gesamten Psalter zu beten und jede Woche einen Tag und eine Nacht in besonderer Enthaltsamkeit zu verbringen.

Nach seiner Rückkehr erfuhr Egbert von Æthelhun, dass dieser im Gebet die Gewissheit empfangen hatte, sein Gefährte werde wieder gesund werden. Æthelhun selbst entschlief bald darauf, während Egbert tatsächlich genas. Der ehrwürdige Egbert betrachtete seine Genesung als göttliche Barmherzigkeit und hielt fortan gewissenhaft die Gelübde, die er während seiner Krankheit abgelegt hatte. Sein weiteres Leben war von strengem Fasten, unablässigem Gebet, Demut und der Sorge um das Heil seiner Mitmenschen geprägt. Beda Venerabilis berichtet, dass Egbert ein hohes Alter erreichte und bis zuletzt an seiner asketischen Lebensweise festhielt.

Obwohl Egbert seine Heimat verlassen hatte, blieb er mit den kirchlichen Angelegenheiten Northumbriens verbunden. Als König Ecgfrith im Jahre 684 einen Kriegszug gegen Irland unternehmen ließ, hatte Egbert ihn eindringlich davor gewarnt, ein christliches Volk anzugreifen, das den Angelsachsen zuvor zahlreiche geistliche Wohltaten erwiesen hatte. Der König folgte seinem Rat jedoch nicht. Die Verwüstungen, die seine Truppen in Irland anrichteten, wurden von Beda ausdrücklich verurteilt. Egberts Haltung zeigte seine Verbundenheit mit der irischen Kirche, in der er selbst Aufnahme und geistliche Unterweisung gefunden hatte.

Besonders am Herzen lag dem ehrwürdigen Egbert die Verkündigung des Evangeliums unter den noch nichtchristlichen Völkern des europäischen Festlandes. Er dachte dabei vor allem an die Friesen und andere germanische Völker, die mit den Angelsachsen durch ihre Herkunft und Sprache verbunden waren. Ursprünglich beabsichtigte er, selbst als Glaubensverkünder zu ihnen aufzubrechen. Er bereitete die Reise vor und suchte geeignete Gefährten, die bereit waren, mit ihm die Gefahren einer solchen Unternehmung auf sich zu nehmen.

Sein Vorhaben wurde jedoch durch eine geistliche Weisung verhindert. Nach dem Bericht Bedas erschien einem seiner Brüder im Glauben ein früherer geistlicher Lehrer in einer nächtlichen Erscheinung und überbrachte die Botschaft, Egbert solle von seiner geplanten Reise absehen. Gott habe für ihn eine andere Aufgabe bestimmt: Er solle sich um die Klöster des heiligen Columba kümmern und sie in der kirchlichen Einheit stärken. Zunächst wollte Egbert dennoch an seinem Vorhaben festhalten. Als jedoch ein schwerer Sturm das für die Überfahrt vorbereitete Schiff beschädigte und einen Teil der Vorräte vernichtete, erkannte er darin eine weitere Mahnung, seinen eigenen Willen dem Willen Gottes unterzuordnen. Er verzichtete daraufhin auf die persönliche Reise zum Festland, ohne seinen missionarischen Eifer aufzugeben.

An seiner Stelle begab sich der ehrwürdige Wigbert, ein Mann von großer Frömmigkeit und strenger Lebensführung, zu den Friesen. Zwei Jahre lang verkündete er dort das Evangelium, konnte jedoch keine dauerhaften Erfolge erzielen und kehrte schließlich nach Irland zurück. Egbert ließ sich dadurch nicht entmutigen. Vielmehr bemühte er sich weiterhin, geeignete Glaubensverkünder für die Völker des Festlandes zu gewinnen.

Zu den Männern, die unter seinem geistlichen Einfluss zur Mission aufbrachen, gehörte der heilige Willibrord, der später Erzbischof von Utrecht wurde. Gemeinsam mit elf Gefährten verließ Willibrord gegen Ende des 7. Jahrhunderts Irland, um das Evangelium unter den Friesen zu verkünden. Egbert unterstützte und förderte dieses Unternehmen, das zu einem entscheidenden Ausgangspunkt der angelsächsischen Mission auf dem europäischen Festland wurde. Unter den Gefährten Willibrords befand sich auch der heilige Suitbert, der später als Glaubensverkünder am Niederrhein wirkte. Auf diese Weise wurde Egbert, obwohl er selbst Irland nicht für eine Missionsreise verließ, zu einem bedeutenden geistlichen Wegbereiter der Christianisierung Frieslands und benachbarter Gebiete.

Neben seiner Sorge um die Verkündigung des Evangeliums widmete sich Egbert der Überwindung kirchlicher Unterschiede, insbesondere hinsichtlich der Berechnung des Osterfestes. In Teilen der irischen und britischen Klosterwelt war noch eine ältere Osterberechnung gebräuchlich, die von jener abwich, die sich in den übrigen Kirchen durchgesetzt hatte. Diese Unterschiede hatten bereits im 7. Jahrhundert zu erheblichen Spannungen geführt. Egbert bemühte sich darum, die betroffenen Gemeinschaften durch Unterweisung und geduldige Überzeugungsarbeit zur gemeinsamen Feier des Osterfestes zu führen.

Im Jahre 716 begab sich der ehrwürdige Egbert auf die Insel Iona vor der Westküste Schottlands. Das dortige Kloster war vom heiligen Columba gegründet worden und bildete seit dem 6. Jahrhundert eines der bedeutendsten geistlichen Zentren der britischen Inseln. Von Iona waren zahlreiche Glaubensverkünder ausgegangen, darunter auch der heilige Aidan, der von dort nach Northumbrien entsandt worden war und auf Lindisfarne ein Kloster gegründet hatte. Egbert begegnete den Mönchen von Iona daher mit großer Ehrfurcht vor ihrer geistlichen Überlieferung.

Die Brüder nahmen ihn freundlich und ehrenvoll auf. Durch seine persönliche Frömmigkeit, seine Demut und seine überzeugende Unterweisung gewann er ihr Vertrauen. Er bemühte sich insbesondere darum, sie zur Übernahme jener Osterberechnung zu bewegen, die inzwischen von der überwiegenden Mehrheit der christlichen Kirchen verwendet wurde. Auch die unterschiedliche Form der geistlichen Tonsur gehörte zu den Fragen, die im Zusammenhang mit dieser Annäherung behandelt wurden. Seine Bemühungen waren schließlich erfolgreich, sodass die Mönche von Iona und die ihnen verbundenen Klöster die gemeinsame Osterberechnung annahmen.

Beda Venerabilis sah darin ein besonderes Zeichen der göttlichen Vorsehung. Einst hatten irische und schottische Glaubensverkünder den Angelsachsen das Evangelium gebracht und ihnen das klösterliche Leben vermittelt. Nun war es ein angelsächsischer Mönch, der den geistlichen Nachkommen dieser Glaubensverkünder half, eine bestehende kirchliche Uneinigkeit zu überwinden. Egbert wirkte dabei nicht durch äußeren Zwang, sondern durch das Vorbild seines eigenen Lebens und durch geduldige geistliche Unterweisung.

Die letzten dreizehn Jahre seines Lebens verbrachte der ehrwürdige Egbert auf Iona. Trotz seines hohen Alters blieb er dem Gebet und der asketischen Lebensweise treu. Seine besondere Freude war es, dass die Mönche, unter denen er lebte, das Osterfest nun gemeinsam mit den übrigen Kirchen feierten. So konnte er noch zu Lebzeiten die Frucht jener Aufgabe sehen, die ihm nach der Überlieferung anstelle der ursprünglich geplanten Missionsreise aufgetragen worden war.

Am 24. April 729, als das Osterfest auf diesen Tag fiel, feierte Egbert mit den Brüdern die Auferstehung Christi. Nachdem er die österliche Göttliche Liturgie vollzogen hatte, entschlief er noch am selben Tag im Herrn. Beda betrachtete dieses Zusammentreffen als ein wunderbares Zeichen der göttlichen Vorsehung: Der ehrwürdige Egbert durfte sein irdisches Leben gerade an jenem Osterfest vollenden, dessen gemeinsame Feier er den Mönchen von Iona vermittelt hatte.

Der ehrwürdige Egbert wurde bereits früh als heiliger Mann verehrt. Sein Andenken blieb sowohl mit der angelsächsischen Glaubensverkündigung auf dem europäischen Festland als auch mit der geistlichen Erneuerung des Klosters Iona verbunden.

Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum (Buch III, Kapitel 27; Buch IV, Kapitel 26; Buch V, Kapitel 9–11 und 22); Acta Sanctorum, De Sancto Egberto Presbytero in Insula Iona Scotiae.

Gebete

Troparion (8. Ton)

Durch deine Verbannung um Christi willen hast du dich als treu erwiesen, o Vater Egbert, denn du hast deinen Willen im Gehorsam unterworfen. In Geduld hast du für die Eintracht der Kirchen gewirkt und viele zur Einheit geführt. Bitte Christus, unseren Gott, uns große Barmherzigkeit zu gewähren.

Kondakion (2. Ton)

In Demut hast du dein Gelübde erfüllt, o Vater, und bist im Willen Gottes verblieben. Ohne Streit hast du gewirkt und die Kirchen zur Eintracht geführt. Darum ehren wir dich, o Gerechter.

aus dem Englischen übersetzt