Edmund, König von Ostanglien und Märtyrer

Gedächtnis: 20. November
Der heilige Märtyrerkönig Edmund von Ostanglien war einer der bedeutendsten königlichen Heiligen des angelsächsischen England und wurde nach seinem Martyrium zu einem der am weitesten verehrten Heiligen des Landes. Er regierte Ostanglien in einer Zeit, in der die angelsächsischen Königreiche zunehmend den Angriffen der dänischen Wikinger ausgesetzt waren. Über seine Herkunft und Jugend sind nur wenige sichere Nachrichten erhalten. Nach späterer Überlieferung wurde er um das Jahr 841 geboren und bestieg noch in jungen Jahren, um 855 oder 856, den Thron von Ostanglien.
Die älteste ausführliche Lebensbeschreibung des heiligen Edmund verfasste Abbo von Fleury während seines Aufenthaltes im Kloster Ramsey um 985–987. Die Überlieferung, auf die er sich stützte, führte er über den heiligen Dunstan von Canterbury auf einen Augenzeugen aus Edmunds unmittelbarem Gefolge zurück. Ælfric von Eynsham, der Abbos Werk wenig später ins Altenglische übertrug, berichtet, dass ein hochbetagter Schwertträger Edmunds einst König Æthelstan vom Martyrium seines Herrn erzählt habe. Der damals noch junge Dunstan habe diesen Bericht am Hof Æthelstans gehört und ihn viele Jahrzehnte später Abbo mitgeteilt. Auf diese Weise blieb die Erinnerung an Edmunds Martyrium über mehrere Generationen erhalten.
Nach der Überlieferung zeichnete sich Edmund schon als junger König durch Frömmigkeit, Demut und Gerechtigkeit aus. Er betrachtete die königliche Würde nicht als Anlass zur Selbsterhöhung, sondern als Dienst an dem ihm anvertrauten Volk. Besonders sorgte er für Arme und Witwen, denen er wie ein Vater begegnete, schützte die Schwachen, hielt Gewalttätige zurück und bemühte sich, sein Volk in Gerechtigkeit und im christlichen Glauben zu führen. Spätere Überlieferungen berichten, dass er sich intensiv mit der Heiligen Schrift beschäftigte und insbesondere den Psalter liebte, den er schließlich auswendig gekannt haben soll.
In der Mitte des 9. Jahrhunderts wurden die angelsächsischen Königreiche immer stärker von dänischen Heeren bedrängt. Im Jahr 865 landete das sogenannte Große Heidnische Heer in England. Nachdem die Dänen zunächst Northumbria und anschließend Teile Mercias unterworfen hatten, wandten sie sich gegen Ostanglien. Die Angelsächsische Chronik berichtet knapp, dass das dänische Heer im Jahr 869 durch Mercia nach Ostanglien zog, sein Winterlager in Thetford aufschlug und Edmund gegen die Eindringlinge kämpfte. Die Dänen errangen den Sieg, töteten den König und unterwarfen das ganze Land.
Abbo von Fleury und nach ihm Ælfric überliefern ausführlicher, wie Edmund sein Martyrium erlitt. Als der dänische Heerführer Hingwar, gewöhnlich mit Ivar dem Knochenlosen gleichgesetzt, Ostanglien verwüstete, sandte er einen Boten zu Edmund und verlangte von ihm Unterwerfung und die Herausgabe seiner Schätze. Edmund beriet sich mit seinem Bischof, der angesichts der Übermacht der Feinde und aus Sorge um das Leben des Königs zur Unterwerfung riet. Edmund aber wollte weder sein Volk preisgeben noch sich der Herrschaft eines heidnischen Eroberers unterwerfen. Nach der hagiographischen Überlieferung war er bereit, sein eigenes Leben hinzugeben, um weiteres Blutvergießen unter seinem Volk zu verhindern.
Als die Feinde kamen, verzichtete Edmund schließlich auf bewaffneten Widerstand. Ælfric vergleicht seine Haltung ausdrücklich mit Christus, der Seinen Jüngern im Garten Gethsemane verboten hatte, Ihn mit Waffen zu verteidigen. Die Dänen ergriffen den König, banden ihn und schlugen ihn schwer. Danach führten sie ihn zu einem Baum, an den sie ihn banden und erneut geißelten. Während seiner Qualen rief Edmund unablässig den Namen Jesu Christi an. Seine Peiniger wurden darüber immer zorniger und beschossen ihn mit Pfeilen, bis sein Leib von ihnen bedeckt war. Da sie seinen Glauben dennoch nicht brechen konnten, ließ Hingwar ihn schließlich enthaupten. So vollendete der heilige Edmund am 20. November 869 sein Martyrium.
Nach Abbos und Ælfrics Überlieferung befand sich ein Mann in der Nähe, der vor den Dänen verborgen blieb und das Martyrium beobachtete. Nachdem die Mörder Edmund enthauptet hatten, warfen sie sein Haupt in das dichte Gestrüpp eines Waldes, damit die Christen es nicht finden und gemeinsam mit seinem Leib bestatten könnten. Als die Feinde abgezogen waren, kamen die überlebenden Einwohner zurück und fanden den enthaupteten Leib ihres Königs. Tief betrübt machten sie sich auf die Suche nach seinem Haupt.
Während sie den Wald und das dichte Dornengestrüpp durchsuchten und einander zuriefen, wo sie suchen sollten, vernahmen sie nach der Überlieferung auf wunderbare Weise die Antwort „Hier, hier, hier“. Als sie der Stimme folgten, fanden sie das Haupt des heiligen Edmund zwischen den Vorderpfoten eines Wolfes. Das Tier hatte es unversehrt bewacht und keinem anderen Tier gestattet, sich ihm zu nähern. Die Christen nahmen das Haupt ehrfürchtig an sich und trugen es zum Leib des Märtyrers. Der Wolf folgte ihnen friedlich bis an den Rand des Waldes und kehrte anschließend zurück. Deshalb wurde der Wolf neben Krone und Pfeilen zu einem der bekanntesten Attribute des heiligen Edmund.
Der Leib des Märtyrerkönigs wurde zunächst in einer einfachen Kapelle bestattet. Schon bald verbreitete sich die Verehrung Edmunds, und an seinem Grab wurden Wunder berichtet. Als seine Reliquien später erhoben wurden, fand man seinen Leib nach der Überlieferung unverwest. Auch das abgeschlagene Haupt sei wieder mit dem Leib verbunden gewesen; lediglich eine schmale rötliche Linie am Hals habe an die Enthauptung erinnert. Eine fromme Frau namens Oswyn widmete sich der Pflege seiner Reliquien und bewahrte Haare und Nägel des Heiligen, die sie bei dieser Pflege abschnitt, als Reliquien auf.
Wie früh Edmund bereits als Heiliger verehrt wurde, zeigen besonders die sogenannten St.-Edmund-Münzen, die schon gegen Ende des 9. und zu Beginn des 10. Jahrhunderts im von den Dänen beherrschten England geprägt wurden und seinen Namen als den eines Heiligen tragen. Bemerkenswert ist, dass damit gerade in Gebieten unter dänischer Herrschaft die Verehrung jenes christlichen Königs aufblühte, der wenige Jahrzehnte zuvor durch ein dänisches Heer den Tod gefunden hatte.
Im frühen 10. Jahrhundert wurden Edmunds Reliquien nach Beodricesworth übertragen, das sich durch seinen Schrein zu einem bedeutenden Wallfahrtsort entwickelte und später nach ihm Bury St Edmunds genannt wurde. Englische Könige förderten seine Verehrung und statteten sein Heiligtum mit Besitz aus. König Edmund I. von England, der den Namen des Märtyrerkönigs trug, unterstützte dessen Heiligtum besonders. Unter König Knut wurde dort im Jahr 1020 eine Benediktinergemeinschaft eingerichtet, aus der sich die mächtige Abtei von Bury St Edmunds entwickelte. Der Schrein des heiligen Edmund wurde im Laufe des Mittelalters zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsziele Englands.
Zahlreiche Wunder wurden mit den Reliquien des heiligen Edmund verbunden. Blinde sollen ihr Augenlicht wiedererlangt, Kranke Heilung erfahren und Menschen in großer Not seine Hilfe empfangen haben. Als erneute dänische Angriffe zu Beginn des 11. Jahrhunderts das Gebiet bedrohten, wurden seine Reliquien zeitweise nach London gebracht, wo ebenfalls zahlreiche Heilungen überliefert wurden. Nach ihrer Rückkehr blieb Bury St Edmunds über Jahrhunderte das Zentrum seiner Verehrung.
Der genaue Ort von Edmunds Martyrium ist heute nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Abbo bezeichnet ihn als Hægelisdun. Spätere Überlieferungen brachten das Martyrium besonders mit Hoxne in Suffolk in Verbindung, doch lässt sich diese Identifizierung nicht zweifelsfrei beweisen. Ebenso entstanden im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Überlieferungen über den Weg seiner Reliquien und einzelne Stationen ihres Kultes.
Der heilige Edmund wurde zu einem der bedeutendsten Schutzheiligen Englands. Zahlreiche Kirchen wurden ihm geweiht, und seine Verehrung verbreitete sich auch außerhalb Englands. In der Ikonographie erscheint er gewöhnlich als gekrönter König und Märtyrer; häufig trägt er einen Pfeil oder wird mit mehreren Pfeilen dargestellt, die an sein Martyrium erinnern. Auch der Wolf, der nach der Überlieferung sein abgeschlagenes Haupt bewachte, gehört zu seinen charakteristischen Attributen.
Abbo von Fleury stellte Edmund am Ende seiner Passion in eine Reihe mit anderen großen Heiligen des englischen Landes, darunter der heilige Cuthbert sowie die heiligen Æthelthryth und Wihtburh. Für die Christen Englands war Edmund nicht allein ein König, der sein Reich gegen seine Feinde verteidigt hatte, sondern vor allem ein Märtyrer, der seine irdische Krone gegen die unvergängliche Krone eingetauscht hatte und Christus bis in den Tod treu geblieben war.
Quellen: Abbo von Fleury, Passio Sancti Eadmundi; Ælfric von Eynsham, Passio Sancti Eadmundi; Angelsächsische Chronik; Hermann der Archidiakon, Miracula Sancti Edmundi; Jocelin von Brakelond, Chronica; Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, „Saint Martyr Edmund, King of East Anglia (†20 November)“; OrthoChristian, „Saint Edmund the Martyr, King of East Anglia and Patron-Saint of England“; Joy of All Who Sorrow Orthodox Church, „St Edmund“; Shrewsbury Orthodox Church, „Saint Edmund the Martyr“; Saints of the Isles, „The Holy Martyr King Edmund of East Anglia (†869)“; OrthodoxWiki, „Edmund the Martyr“; Abbey of St Edmund Heritage Partnership, „Who was Saint Edmund?“; English Heritage, „History of Bury St Edmunds Abbey“.
Gebete
Troparion (4. Ton)
Durch seine Leiden tauschte der Märtyrerkönig Edmund die irdische Krone gegen die himmlische ein; und sich erfreuend an Deiner Kraft, o Christus, unser Gott, überwand er seine Peiniger und warf die Nichtigkeiten der Dämonen nieder. So mögen nun alle Völker dieses Landes sich mit ihm freuen, auf dass durch seine Gebete unsere Seelen gerettet werden.
Troparion (4. Ton)
Als König hast du gerecht geherrscht, o ruhmreicher Edmund, und als Märtyrer hast du Zeugnis abgelegt bis zum Tod. Du hast die unvergängliche Krone erlangt; lege Fürbitte ein für dein Volk und für dieses Land, auf dass Christus, unser Gott, unsere Seelen errette.
Kondakion (3. Ton)
Du fürchtetest die Pfeile der Heiden nicht, o gläubiger König, denn dein Herz war fest auf Christus, deinen Erlöser, gerichtet. Bitte, dass auch wir Ihn über alles lieben und durch deine Fürbitte Erbarmen finden.
aus dem Englischen übersetzt