Alphege, Erzbischof von Canterbury


Gedächtnis: 19. April
Der heilige Hieromärtyrer Alphege (Ælfheah) wurde um das Jahr 954 in England geboren. Schon in jungen Jahren wandte er sich dem monastischen Leben zu und entsagte den weltlichen Freuden. Er wurde Mönch im Kloster von Deerhurst in Gloucestershire und zog sich später in die Nähe von Bath zurück, wo er ein strenges asketisches Leben als Einsiedler führte. Sein heiligmäßiges Leben zog bald Schüler an, die sich um ihn sammelten, und schließlich wurde er zum Abt der dortigen monastischen Gemeinschaft. So verband sich in ihm von Anfang an die Liebe zur Einsamkeit und Askese mit der Sorge um jene, die seiner geistlichen Führung anvertraut waren.
Im Jahre 984 wurde Alphege als Nachfolger des heiligen Æthelwold zum Bischof von Winchester geweiht. Auch als Bischof bewahrte er seine strenge Lebensweise und zeichnete sich zugleich durch große Mildtätigkeit und väterliche Fürsorge für die Armen aus. Seine Freigebigkeit soll so groß gewesen sein, dass während seines bischöflichen Dienstes in Winchester kaum ein Bedürftiger seiner Herde ohne Hilfe blieb. In einer Zeit, in der England zunehmend unter den Einfällen skandinavischer Heere litt, bemühte sich der heilige Hierarch zugleich um Frieden und um die Verkündigung des christlichen Glaubens.
Im Jahre 994 wirkte Alphege an der Festigung des norwegischen Königs Olaf Tryggvason im christlichen Glauben mit. In Anwesenheit des englischen Königs Æthelred versprach Olaf, England künftig nicht mehr anzugreifen. Der heilige Hierarch wirkte damit nicht nur als Hirte seiner eigenen Diözese, sondern auch an der Ausbreitung und Festigung des christlichen Glaubens unter den skandinavischen Völkern mit.
Im Jahre 1006 wurde Alphege auf den erzbischöflichen Stuhl von Canterbury erhoben. Als Oberhirte setzte er sein asketisches und mildtätiges Leben fort und stärkte die Gläubigen in einer Zeit schwerer Bedrängnis. Er förderte auch das Gedächtnis und die Verehrung seiner heiligen Vorgänger, insbesondere des heiligen Dunstan von Canterbury. Sein bischöflicher Dienst fiel jedoch in eine Zeit immer heftigerer Angriffe auf England.
Im Jahre 1011 wurde Canterbury von einem dänischen Heer belagert. Nach längerer Belagerung fiel die Stadt durch Verrat in die Hände der Angreifer. Kirchen und Häuser wurden geplündert, zahlreiche Einwohner getötet oder in die Gefangenschaft geführt. Auch der heilige Erzbischof wurde ergriffen. Mehrere Monate lang hielten ihn seine Bewacher fest und verlangten für seine Freilassung ein hohes Lösegeld.
Alphege weigerte sich jedoch entschieden, zuzulassen, dass seine geistlichen Kinder dieses Lösegeld für ihn aufbrachten. Das Volk war durch Krieg, Plünderungen und Abgaben bereits schwer bedrückt, und der heilige Hierarch wollte seine eigene Freiheit nicht durch weiteres Leiden seiner Herde erkaufen. Lieber nahm er Gefangenschaft und Tod auf sich, als die Armen und Bedrängten um seines Lebens willen zusätzlich zu belasten. So erfüllte er an sich selbst das Wort des Herrn vom guten Hirten, der sein Leben für die Schafe hingibt.
Am 19. April 1012 kam es in Greenwich schließlich zum Martyrium des heiligen Alphege. Während eines Trinkgelages wandte sich der Zorn seiner Bewacher gegen ihn. Sie verspotteten und misshandelten ihn und bewarfen ihn mit Knochen und anderen Gegenständen. Schließlich versetzte ihm einer der Anwesenden mit einer Axt den tödlichen Schlag. Der heilige Hierarch nahm den Tod mit Sanftmut an und vollendete so seinen irdischen Lauf als Hieromärtyrer, nachdem er es vorgezogen hatte, sein eigenes Leben hinzugeben, anstatt seine Herde für seine Befreiung bezahlen zu lassen.
Der Leib des heiligen Alphege wurde zunächst nach London gebracht und in der Kirche des heiligen Apostels Paulus, der späteren St Paul’s Cathedral, ehrenvoll beigesetzt. Elf Jahre später, im Jahre 1023, wurden seine heiligen Reliquien unter König Knut dem Großen feierlich von London nach Canterbury übertragen. Sein Nachfolger, Erzbischof Æthelnoth, nahm an der Translation teil. In Canterbury fanden die Reliquien des heiligen Hieromärtyrers ihre neue Ruhestätte, und seine Verehrung verbreitete sich weit über seinen ehemaligen Bischofssitz hinaus.
Das Gedächtnis des heiligen Alphege blieb besonders mit Canterbury und Winchester verbunden. In ihm verehrt die Kirche einen asketischen Mönch, einen fürsorglichen Hirten und einen Hieromärtyrer, der das Leben seiner geistlichen Kinder höher achtete als sein eigenes.
Quellen: Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, „Saint Alphege, Archbishop of Canterbury, England (†19 April)“; Orthodox England, „St Alphege of Canterbury, Martyr and Patriot“
Gebete
Troparion (3. Ton)
Als du bereitwillig dein Leben für deine Herde hingegeben hast, o glorreicher Hieromärtyrer Alphege, da hat dein unschuldiges Blut zu Gott geschrien wie das von Abel und Sacharja; deshalb stehst du jetzt mit Kühnheit vor dem Allerhöchsten und flehst mit diesen zusammen Ihn immerzu an, Gnade zu üben und die Seelen derer zu retten, die dein heiliges Gedächtnis mit Liebe ehren.
Kondakion (2. Ton)
Das heilige Gedächtnis des heiligen Alphege feiernd, der bereitwillig sein Blut für Christus, den Gebieter, vergossen hat, lasst uns, ihr Christen, in Freude in die Hände klatschen und stets seiner himmlischen Fürbitte gedenken; denn in der ewigen Herrlichkeit weilend, betet er unablässig vor dem Throne des Herrn, auf dass allen, die sein Gedächtnis mit Liebe ehren, die Sünden vergeben werden.
aus dem Englischen übersetzt