Verwandlung der Gaben

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Artikel: Die Verwandlung der Gaben durch den Heiligen Geist nach dem hl. Johannes von Damaskus

Nach orthodoxem Verständnis geschieht die Gegenwart Jesu Christi in den materiellen Gaben von Brot und Wein nicht ohne die Mitwirkung des Heiligen Geistes. So wie die Menschwerdung des Gottessohnes sich nicht ohne die Überschattung der Gottesgebärerin durch den Heiligen Geist vollzog, in gleicher Weise bewirkt Er auch die Wandlung der eucharistischen Gaben. In der Liturgie kommt dies Geschehen in der Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben, über die bereits die Einsetzungsworte gesprochen worden sind, zum Ausdruck: „Sende herab Deinen Heiligen Geist auf uns und diese Gaben hier“.

Die westliche Christenheit hat mit dieser Tradition der Epiklese (wie man dieses Gebet auch bezeichnet) in der Anordnung nach den Einsetzungsworten gebrochen. Johannes Damaszenus bezeugt die alte Tradition des ersten Jahrtausends.

„Als Christus den freiwilligen Tod auf sich nehmen wollte, in der Nacht, in der Er sich überlieferte, schloss Er mit seinen heiligen Jüngern und Aposteln und allen, die durch sie an Ihn glauben, einen Neuen Bund. Im Obergemach des heiligen und herrlichen Zion aß Er mit Seinen Jüngern das alte Pascha-Mahl und erfüllte den Alten Bund. Er wusch den Jüngern die Füße und gab damit ein Sinnbild der heiligen Taufe. Dann brach Er das Brot und gab es ihnen mit den Worten: Nehmet und esset, das ist Mein Leib, der für euch gebrochen wird zur Vergebung der Sünden. Desgleichen nahm er auch den Kelch mit Wein und Wasser und reichte ihn ihnen mit den Worten: Trinket alle daraus, das ist Mein Blut, das Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. - Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt (1 Kor. 11,26). ... Wenn der Gott-Logos aus freiem Willen selbst Mensch wurde und das reine und unbefleckte Blut der heiligen Immerjungfrau ohne Zeugung sich zum Fleisch bildete, sollte Er da nicht das Brot zu Seinem Leib und den Wein und das Wasser zu seinem Blut machen können? ... Wie Gott alles, was Er geschaffen hat, durch die Wirkkraft des Heiligen Geistes geschaffen hat, so bewirkt auch jetzt die Kraft des Geistes, was über die Natur hinausgeht, was man nicht erfassen kann, es sei denn im Glauben. Wie soll das geschehen, sagte die heilige Jungfrau, da ich keinen Mann erkenne? Der Erzengel Gabriel antwortete: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten (Lk. 1,34f.) - Und du fragst noch, wie das Brot Leib Christi und der Wein und das Wasser Blut Christ wird? Auch ich sage Dir: Der Geist kommt herab und wirkt das, was Begreifen und Denken übersteigt. ...

Das Brot und der Wein sind nicht ein Bild für den Leib und das Blut Christi – das sei fern, sondern der göttliche Leib des Herrn selbst, denn der Herr selbst sprach: Das ist mein Leib, aber nicht ein Bild meines Leibes, und: Das ist Mein Blut, nicht jedoch: ein Bild seines Blutes. Zuvor hatte Er zu den Juden gesagt: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst, und Sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. ... Denn Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und Mein Blut ist wirklich ein Trank. Und weiter: So wird jeder, der Mich isst, durch Mich leben. ( Joh 6,53, 57).

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Treten wir mit glühendem Verlangen hinzu und empfangen mit den flachen, ein Kreuz bildenden Händen den Leib des Gekreuzigten. Nehmen wir die göttliche feurige Kohle entgegen ... damit das Feuer der Liebe in uns die Glut der feurigen Kohle annehme, unsre Sünden verbrenne und unsre Herzen erleuchte, und wir durch die Teilhabe am göttlichen Feuer licht und göttlich werden. Eine glühende Kohle schaute Jesaja (vgl. Jes 6,6 f.)

Glühende Kohle ist nicht einfach Holz, sondern mit Feuer vereintes Holz. So ist auch das Brot nicht einfaches Brot der Gemeinschaft nicht einfaches Brot, sondern mit der Gottheit vereintes Brot. ... Teilnahme heißt dies Brot, denn dadurch nehmen wir an der Gottheit teil. Gemeinschaft heißt das Brot und ist es auch wirklich; denn dadurch haben wir Gemeinschaft mit Christus und erhalten Anteil an Seinem Fleisch und an Seiner Gottheit. Dadurch haben wir aber auch Gemeinschaft und Einheit untereinander. Da wir ein Brot empfangen, werden wir alle ein Leib und ein Blut Christi und Glieder untereinander, wenn wir handeln sind wir zu einem Leib Christi vereint.“


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Autor und Copyright

Priester Johannes R. Nothhaas
Orthodoxe Gemeinde des Hl. Christophorus, Mainz Bei Fragen an den Autor zum Artikel und dem orthodoxen Glauben: nothhaas@googlemail.com