Auferstehungskirche zu Jerusalem

Aus Orthpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Auferstehungskirche zu Jerusalem.jpg

Vorbemerkung: Die Bezeichnung Byzantinisches Reich ist in der modernen Forschung üblich, war aber unter Zeitgenossen nicht verbreitet, die nicht von „Byzantinern“, sondern von „Römern bzw. Rhomäern“ oder „Griechen“ sprachen. Wenn im folgenden Text von Römern die Rede ist, dann ist es immer in diesem Sinne zu verstehen.

Im Jahre 313 n. Chr. beendete Flavius Valerius Constantinus, Konstantin der Große genannt, die Christenverfolgungen durch das Dekret von Mailand. Im Jahre 324 siegte er über Licinius und wurde der Alleinherrscher des Römischen Imperiums. Am 20. Mai begann die Arbeit der 1. Ökumenischen Synode in Nicäa, Bithynien, die sich mit der Häresie des Arianismus beschäftigte. An dieser Synode nahm Makarios, der Bischof von Jerusalem, teil (das Patriarchat von Jerusalem war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegründet.) Während einigen seiner Gespräche mit dem Herrscher sprach er auch bestimmte Anliegen an, die die Heiligen Stätten betrafen. Eines dieser Anliegen betraf den Tempel der Aphrodite, der von Götzenanbetern auf dem Hügel von Golgotha errichtet worden war, um die Christen von ihrer Wallfahrt zur Stätte des Kreuzesopfers abzubringen. Zur selben Zeit reiste die Mutter Konstantins des Großen, die Heilige Helena, nach Jerusalem, mit der Absicht, die christliche Herrschaft und Gottesverehrung in dem Land wiederherzustellen, in dem der Gottmensch gewandelt war, und um an den wichtigsten Stätten Seiner heiligen Gegenwart Kirchen zu bauen.

Besondere Sorgfalt erforderte das Gebiet von Golgotha. Auf diesem Gebiet waren während der Zeit des Kaisers Hadrian Ausgrabungen gemacht worden, um die Götzenstatue und den Tempel der Aphrodite auf dem Grab des HERRN zu errichten, mit der Absicht, die Christen von Wallfahrten an diesen Ort abzuhalten. Die erste Aufgabe der Heiligen Helena war es, das Heilige Kreuz zu finden. Ihr Bemühen hatte Erfolg und sie fand das Heilige Kreuz in einer Höhle, zusammen mit den Kreuzen, an denen die beiden Diebe gekreuzigt worden waren und den restlichen Werkzeugen der Kreuzigung. Das Wunder der Auferstehung der Witwe bezeugte die Echtheit des Kreuzes Christi. Nachdem der Platz gesäubert wurde, wurden die Stätten der Kreuzigung, der Kreuzabnahme und des Begräbnisses des Herrn offenbar. Die Gegenstände aus dem Tempel und die Götzen wurden entfernt, und der Ort wurde geweiht. Man kann sagen, dass es sich um einen archäologischen Fund und die Wiederherstellung einer Heiligen Gedenkstätte handelte. Mit Hilfe königlicher Spenden wurde die Auferstehungskirche zum ersten Mal erbaut. Eusebios von Cäsarea überliefert in seiner Kirchengeschichte den Brief Konstantins des Großen an Makarios, den Bischof von Jerusalem:

„Konstantin, Sieger, der Höchstehrwürdige, an Makarios. So groß ist die Gnade unseres Erlösers Jesus Christus, dass es nicht würdig zu sein scheint, das gegenwärtige Wunder in Worten auszudrücken. Denn auch dieser Ort der heiligsten Passion des HERRN war so lange unter der Erde verborgen und war während so langer Zeit unbekannt, bis zu der Zeit, da er für seine eigenen Knechte strahlend hell wurde, welche durch die Besiegung und das Verderben des gemeinsamen Feindes aller befreit wurden. Wahrlich, es übersteigt jeden menschlichen Geist und verursacht große Überraschung und Bewunderung in solch einem Ausmaß, dass alle weisen Männer der Welt sich verammelndieser Jahr, der so lange unter der Erde verborgen und für so lange Zeit unbekannt war, bis er es wählte durch seine Diener berühmt zu werden, die nach der Vernichtung unseres gemeinsamen Feindes befreit wurden, es übersteigt wirklich den menschlichen Geist und verursacht große Überraschung und Bewunderung, sodass, wenn alle Weisen der Welt zusammenkämen und versuchten es zu preisen und gemäß seiner Würde zu beschreiben, so wären sie nicht in der Lage das Mindeste zu sagen. So hoch der Himmel über der Erde ist, so weit übersteigt dieses Wunder jedes menschliche Verständnis. Deshalb habe ich immer einzig und allein die Absicht, dass sich der wahre Glaube in ständig neuen Wundern erweist. In derselben Weise sollen wir bereitwillig und tüchtig das Heilige Gesetz mit Besonnenheit und einmütiger Bereitwilligkeit studieren. Ich möchte deshalb insbesondere, dass ihr überzeuget werdet, dass das, was ich vorhabe, allen offensichtlich ist, nämlich dass ich keine größere Sorge trage als diesen heiligen Ort, den ich - unter göttlicher Fügung - befreit habe von der schweren Last faulen Götzendienstes, am besten zu schmücken durch ein prachtvolles Gebäude; einen Ort, der in Gottes Augen von Anbeginn heilig war, der jetzt aber noch heiliger erscheint, seit er ans Licht gebracht wurde als deutliches Zeugnis des Leidens unseres Herrn.

Weiterhin gibt der Brief Konstantins des Großen einige Anweisungen über den Bau, lässt aber Makarios ziemliche Freiheit in der Auswahl. Gemäß Theodoritus Cyrus war die Heilige Helena die Überbringerin des Briefes. Sokrates teilt uns in seiner Kirchengeschichte mit, dass die Kirche in ihrer Gegenwart erbaut wurde, gemäß den Plänen des Architekten Zenovius. Elemente dieser Pläne blieben in späteren Konstruktionen erhalten, so z.B. die offene Kuppel (Rotunde) über dem Heiligen Grab (man glaubte, dass einzig der Himmel das Grab des Gottmenschen bedecken könne.)

Große Sorgfalt waltete bei der Gestaltung der Umgebung. Wie oben erwähnt, wurde viel Erde abgetragen und das Gebiet um das Heilige Grab herum wurde geebnet. Außerdem wurde die Grabeshöhle so geformt, dass rundherum ein Baldachin errichtet werden konnte. Die meisten Archäologen stimmen überein, dass der Hügel von Golgotha in die erste Kirche integriert war, und zwar in seiner heutigen Gestalt. Das können wir aus historischen Beschreibungen schließen, wie z.B. aus den Zeugnissen, die in den Katechesen des Heiligen Kyill von Jerusalem (im Kapitel 24) vorkommen.

Die Bauarbeiten waren 335 n. Chr. abgeschlossen. Die Einweihung fand am 13. September 336 n. Chr. durch die Bischöfe, die an der Synode von Tyrus teilnahmen, statt. Die erste Kirche ist uns als die „Konstantinische Basilika“ bekannt, eine teilweise Beschreibung finden wir im „Leben des Königs Konstantin“ von Eusebios von Cäsarea.

Im Jahre 614 n. Chr. eroberte ein General des persischen Königs Hosroe II. Jerusalem. Es folgte eine furchtbare Zerstörung. Viele Christen wurden von den Persern und ihren jüdischen Komplizen niedergemetzelt. Mehr als 300 Klöster wurden niedergebrannt. Das gleiche Schicksal erlitten die Kirchen der Stadt, die Kirche auf dem Heiligen Zion, die Kirche der Muttergottes, ein Geschenk des Kaisers Justinian, die Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg und andere. Die Auferstehungskirche wurde ebenfalls Ziel des Hasses der Zoroasten und wurde niedergebrannt. Sie stahlen die Weihegeschenke aus 300 Jahren. Geschenke von Konstantin dem Großen, der Heiligen Helena und von Königin Eudokia wurden beschlagnahmt. Unter den anderen Kostbarkeiten befand sich das diamantene Kreuz Theodosios II, das auf Golgotha aufgestellt war, das kostbare Kreuz der Kaiserin Theodosia, der Kelch aus Onyx, von dem man glaubt, dass der HERR beim Letzten Abendmahl daraus getrunken hat, das Diadem des äthiopischen Königs Elisvan, die Heiligen Werkzeuge aus dem Tempel Salomons, ein Geschenk des Kaisers Justinian. Die wertvollste Kostbarkeit, die gestohlen wurde, war das Heilige Kreuz, das sich in einer goldenen Truhe befand und mit dem Siegel des Patriarchen versiegelt war. Dieses Ereignis erschütterte die christliche Welt. Das Heilige Kreuz wurde zusammen mit vielen Gefangenen in die Hauptstadt der persischen Nation gebracht. Der Patriarch Zacharias wurde ebenfalls gefangen genommen.

In dieser Zeit war Modestos Abt des Klosters des Heiligen Theodosios. Er übernahm es, das Leid der Bewohner Palästinas zu lindern, mit dem Beistand des Patriarchen von Alexandria, dem Heiligen Johannes dem Barmherzigen. Er kaufte Scharen von Gefangenen zurück, speiste die hungernde Bevölkerung und brachte die Mönche in ihre Klöster zurück. Für den Wiederaufbau der Auferstehungskirche begannen sie mit dem Mönch Antiochus eine Spendensammlung im ganzen Osten. Abgesehen von dem Geld, das der Heilige Johannes der Barmherzige spendete, sendete er tausend Arbeiter, Rohstoffe und Transporttiere, die mit Nahrungsmitteln beladen waren. Die Restauration der Auferstehungskirche war 626 n. Chr. beendet. Leider erlaubte die schlimme ökonomische Situation der zerstörten Region und des ganzen Reiches die Wiederherstellung der Kirche in ihrer ursprünglichen prachtvollen Gestalt nicht. Es ist geschichtlich überliefert, dass der erste Mensch, der in dieser Kirche getauft wurde, ein persischer Soldat war, der spätere Großmärtyrer Anastasius der Perser. Daraufhin schlug Kaiser Heraklios die Perser vernichtend und zwang sie, die Gefangenen und den Patriarchen Zacharias freizulassen. Er selbst nahm das Heilige Kreuz entgegen und brachte es zuerst nach Konstantinopel und danach 630 n. Chr. nach Jerusalem. Die Erhöhung des Heiligen Kreuzes erfolgte am 14. September und seitdem gedenkt man dieses Ereignisses jedes Jahr. Heraklios spendete viel Geld für die Restauration der Gedenkstätten und gewährte der Region Steuerfreiheit, zur Erleichterung der Bevölkerung. Die neue Kirche war im byzantinischen Stil, allerdings, wie schon gesagt, schlichter. Die Beschreibung der Kirche finden wir im Reisebericht des Arkulf aus dem Jahr 680 n. Chr.

Im Jahr 637 n. Chr. wurde Kalif Omar Herrscher von Jerusalem. Nach Absprachen mit dem Patriarchen Sofronius erließ er ein Dekret (Actiname), in dem er die Herrschaft der Römer über die Heiligen Stätten zusicherte und die Rechte und Pflichten der Christen regelte. Der Text der Actiname war wie folgt: „... Dies ist ein Brief von mir, Omar, Sohn des Hattab, der dem ehrwürdigen und ehrbaren Patriarchen der königlichen Nation (der Römer im oben erwähnten Sinn) auf dem Ölberg, der heiligen Stätte Jerusalems, übergeben wurde, als ein Vertrag und ein Versprechen hinsichtlich der staatsangehörigen Priester, Mönche und Nonnen, wo immer sie sind und wo immer sie zu sein wünschen, dass sie Sicherheit haben mögen (wenn der Untertan seine Pflichten als Untertan erfüllt, muss ihm Sicherheit und Schutz von uns den Gläubigen und Führern zuteil werden.) und zur Beseitigung der Ursachen der Störungen, weil sie sich unterordnen und gehorchen. Und dass sie in Sicherheit sein mögen, sowohl sie als auch ihre Kirchen, Klöster und alles, was unter ihrer Kontrolle ist, sowohl innerhalb als auch außerhalb, wie z.B. die Kamames (die Auferstehungskirche) und die große Kirche der Geburt Jesu in Bethlehem (möge er Frieden haben) und die Grotte, die drei Türen hat, die südliche, die nördliche und die westliche; dass die christlichen Nation, die dort leben, Sicherheit haben mögen, die Iberer und Äthiopier und diejenigen, die zu einer Wallfahrt kommen, Franken, Kopten, Syrer, Armenier, Nestorianer, Jakobiten und Maroniten, die Angehörigen des Patriarchen, der das Primat über sie (die königliche Nation) haben soll, denn es wurde ihm die Ehre vom ehrwürdigen und geliebten Propheten (Mohammed), dem von Gott (Allah) gesandten, zuteil, und er, Mohammed, beehrte sie, die königliche Nation, durch das Siegel seiner ehrwürdigen Hand und ordnete an, dass ihnen Gunst und Sicherheit zuteil werden mögen. Sie sind befreit von „Haratzi“ und Kafari“, von den Steuern und ebenso vom Land- und Seedienst. Der Eintritt in die „Kaname“ (Auferstehungskirche) und die übrigen Kirchen ist kostenlos. Von den Christen, die in die Kaname zum Gebet kommen, soll ein jeder dem Patriarchen ein Gramm oder das Drittel eines Gramms Silber geben. Jeder gläubige Mann und jede Frau soll halten, was wir befohlen haben, sei er ein König oder Richter, ein Führer mit weltlicher Autorität, ein reicher oder armer muselmanischer Gläubiger, sei es Mann oder Frau.“ Es folgten die Zeugnisse der anwesenden arabischen Offiziellen, die das Dokument beglaubigten und Anweisungen zu seinem Gebrauch gaben.

Das oben genannte Dokument garantierte die Sicherheit der christlichen Bevölkerung, der Pilger und ebenso der Heiligen Stätten. Andere Dekrete von nachfolgenden Patriarchen beschrieben detaillierter die Besitzrechte. Im Jahre 813 n. Chr., als Al Mamoun Kalif war, begann Thomas, der Patriarch von Jerusalem, mit der Reparatur der Kuppel. Die erforderlichen Ausgaben bezahlte ein reicher Ägypter namens Vokam. Das nötige Holz wurde aus Zypern eingeführt und die Reparaturen wurden 814 n. Chr. vollendet. In der Mitte der Kuppel installierte der Patriarch eine weitere, kleine Kuppel, die ungefähr die Höhe eines Menschen hatte, um zu Helfen, das Eindringen des Regens in die Kirche zu verhindern. Ein Moslem namens Obeidawlah (die Endsilbe Dawlah zeigt, dass es sich um einen Offiziellen handelte) führte Klage gegen den Patriarchen und machte ihm Vorwürfe wegen den zusätzlichen Neuerungen, die dazu geführt hatten, dass die Auferstehungskirche höher geworden war als die Omar - Moschee. Er rief den Patriarchen und andere Vorsteher der Christen und sperrte sie bis zur Verhandlung im Gefängnis ein. Dann kam ein Moslem zu Thomas, dem eingesperrten Patriarchen, und gab ihm Anweisungen, wie er seine Verteidigung führen sollte. Er schlug z.B. vor, die Zeugen bei der Befragung nach der früheren und der jetzigen Höhe der Kuppel zu fragen. Tatsächlich fragte der Patriarch bei der Anhörung von Obeidawlah die Zeugen nach der Höhe der Kuppel. Da diese es nicht wussten, gingen sie beschämt weg. Der Patriarch und die Übrigen wurden freigelassen und der Moslem, der ihnen geholfen hatte, wurde reich belohnt.

Die Beziehungen der Christen Jerusalems und der muslimischen Behörden spiegelten die Entwicklung der Beziehungen des Kalifates und des Kaiserreiches wider. So drang 969 n. Chr. eine wutentbrannte Menge von Muslimen in die Auferstehungskirche ein und schändete sie, als eine Vergeltungsmaßnahme für die Einnahme Antiochiens durch die Armee Nikiphoros des II Phokas. Der Jerusalemer Patriarch Johannes IV. erlitt das Martyrium im Feuer.

Im Jahre 995 n. Chr. bestieg Hakim Ibn Amrillah den Thron von Ägypten. Seine Mutter war Christin. Die Geschichte erinnert sich seiner als eines unbeständigen und unentschlossenen Tyrannen. Seine Ansichten hatten niemals lange Beständigkeit, und dies hatte Auswirkungen auf seine Politik, besonders in religiösen Angelegenheiten. Er verfolgte die Christen mit größerem Fanatismus als seine Vorgänger, denn er wollte keine Spur von Beeinflussung von Seiten seiner mütterlichen Abstammung zeigen. Der Höhepunkt seines Hasses gegen die Christen war die Zerstörung der Auferstehungskirche im Jahre 1010. Es gingen Gerüchte um, dass einer von seinen Männern im Laufe der Nacht den Kadaver eines Hundes in die Moschee von Jerusalem geworfen hatte. Als die Moslems am folgenden Tag die Schändung der Moschee entdeckten, entbrannten sie vor Wut gegen die Christen der Stadt. Dann erließ Hakim den Befehl zur Zerstörung der Kirche. Die wütende Menge drang in die Heilige Stätte und zerstörte sie völlig. Dann sammelten sie Holz und brannten die Ruinen nieder. Nur Golgotha stand als ein Zeugnis der Heiligkeit des Platzes. Als ob die Zerstörung noch nicht genug gewesen wäre, ergriffen die fanatischen Moslems den Patriarchen, rissen ihm die Augen aus und sandten ihn in Ketten nach Kairo.

Die zweite Zerstörung der Auferstehungskirche rief einen bitteren Eindruck in der ganzen christlichen Welt hervor. Als er wieder einmal seine Meinung geändert hatte, erlaubte Hakim den Wiederaufbau der Kirche, aber niemand traute sich, es während seiner tyrannischen Herrschaft zu tun. Nach dem Tode Hakims bestieg 1028 sein Sohn Dareh den Thron Ägyptens. Zu dieser Zeit war Romanus III., der Silberne, der Kaiser von Konstantinopel. Er verständigte sich mich Dareh, der im erlaubte, die Kirche wiederaufzubauen. Um sein Ziel zu erreichen, sandte Romanos Geld, Materialien und Arbeiter, um das Werk zu beginnen. Seine Nachfolger, Michael von Paphlagon und Konstantin VIII., Monomachus, setzten das Werk mit ihren Spenden fort. Nach der Vertreibung Darehs durch Moustanzar, den Kalifen von Bagdad, wurden Vertreter mit Konstantinopel ausgetauscht. Einer der Punkte auf der Tagesordnung war die Freilassung von 5000 Moslems, Gefangene der Römer, die bei der Fertigstellung des Baus helfen sollten. Kaiser Konstantin VIII. Monomachus willigte ein, und 5000 Muslime kamen in Jerusalem an und halfen bei der Fertigstellung der Arbeit. Im Jahre 1048 war die neue Auferstehungskirche fertiggestellt.

Im Jahre 1099 n. Chr. kamen die Kreuzfahrer vor den Mauern Jerusalems an. Neue Vorschläge zur Zerstörung der Kirche durch die Moslems wurden im letzten Moment als nicht Erfolg versprechend zurückgewiesen. Am 16. Juli desselben Jahres fiel Jerusalem in die Hände der Franken und ihres Führers Gottfried. Ihre Anwesenheit dort dauerte 88 Jahre. Während dieser Jahre achteten die Lateiner die Bauten der Kaiser von Byzanz und sie machten keine Änderungen oder Umgestaltungen in der Konstruktion. Sie beschränkten sich auf die Reparaturen des Lateinischen Patriarchates von Almerikus, für die auch Kaiser Manuel Komnenus spendete.

Im Jahre 1187 n. Chr. vertrieb Saladin die Kreuzfahrer und wurde Herr über Jerusalem. Gemeinsam mit den Rittern, verließen die lateinischen Geistlichen die Heilige Stadt. Saladin nahm Vergeltungsmaßnahmen vor, die zum Teil auch auf die Auferstehungskirche ausgerichtet waren. Er versiegelte alle Tore der Kirche bis auf eines, und er schloss die Fenster der Kuppel des Katholikons. Er nahm das Kreuz ab, das die Kuppel geschmückt hatte und ließ es unter Hohn durch die Straßen der Stadt tragen. Der Schaden wäre noch größer gewesen, wenn die byzantinische Diplomatie nicht erfolgreich gewesen wäre. Der Kaiser Isaakios Angelos beruhigte den kurdischen Sultan. Saladin erließ dann ein Dekret, in dem die gesamte Kirche und alle anderen Heiligen Stätten ihren Eigentümern, den Römern zurückgegeben wurden. Das Dekret wurde in Platten gemeißelt und diese wurden neben dem Tor aufgehängt. Der Text des Dekrets lautete: „Ich, Silach ed-din, Sultan von Ägypten und seiner Regierungsbezirke, Palästina, Jerusalem, Nablus und Damaskus und die zu Damaskus gehörenden Bezirke, befehle, dass die Mönche der königlichen Nation der Römer und ihre Priester und Nonnen, als auch die zum Gebet in die Kirche der Kamame (Auferstehungskirche), ankommenden Griechen, Kopten und Hambesis weder Haratz noch Kafar noch irgendeine andere Gebühr bezahlen müssen. Sie sollen freigestellt sein. Außerdem befehle ich, dass der Patriarch der Römer, der hier in Jerusalem ist, Herr über alle ist, die ihrem Ursprung nach Nazoräer sind, d.h. alle die hierher kommen, Armenier, Kopten, Syrer, Nestorianer, Franken und alle anderen Nationen, die Nazoräer sind. Er soll Herr über die Kamame (Auferstehungskirche) sein: und in das sogenannte Grab Jesu geht er hinein und empfängt das Licht von dort und gibt es allen Nazoräern. Und die Auferstehungskirche soll von nun an unangetastet bleiben, und keiner der Moslems soll es wagen, sie zu einer Moschee zu machen, und die Nazoräer mögen ungehindert hineingehen. Außerdem befehle ich, dass keiner der Moslems es wagen soll, gegen meinen Befehl zu verstoßen.“

Von da an blieben die Orthodoxen bis 1229 n. Chr. Herren der Auferstehungskirche. Im Jahre 1229 griff der deutsche Kaiser Friedrich II. Barbarossa Palästina an und wurde Herrscher von Jerusalem. Der lateinische Klerus kehrte daraufhin nach Palästina zurück und die Orthodoxen wurden bis 1244 von ihren Rechten ausgeschlossen. Während dieser Zeit ertrugen sie Furchtbares. 1244 eroberte der Sultan von Ägypten, Saleh Egioup das Heilige Land zurück und stellte die Herrschaft der Orthodoxen über die Heiligen Stätten wieder her, indem er die Schlüssel der Auferstehungskirche dem griechischen Patriarchen übergab. 1390 n. Chr. wurde die Auferstehungskirche infolge einer Vereinbarung mit dem griechischen Kaiser Johannes Kantakouzis renoviert.

Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der größte Teil des Islam von den Mongolen vernichtet. Eine einzige starke Dynastie blieb erhalten, die der Mameluken von Ägypten. Diese übergaben, aufgrund des Zusammenlebens mit den Kopten von Ägypten, diesen Heilige Stätten, wie die Kirche der Auffindung des Heiligen Kreuzes. Ebenso wurde ihnen ein Bereich in nordöstlichen Narthex der Kirche als Wohnraum zur Verfügung gestellt. Diese Bewegung „öffnete die Säcke des Aeolos“. Allmählich wurden auch andere Teile den Häretikern überlassen. Sie bekamen die Kapelle, wo die Kleider Christi verteilt worden waren und einen Platz hinter dem Baldachin (dem Heiligen Grab) um Gottesdienste abzuhalten, außerdem zwei Räume unter den oben genannten Orten. Die Maroniten nahmen die Kapellen der Geißelung und des „Fasse mich nicht an“, die Armenier den Ort der Katechumenen und den Platz, an dem die Muttergottes mit Johannes stand. Nach dem Fall von Konstantinopel und dem daraus resultierenden Mangel an politischer Sicherheit der Orthodoxen, erdreisteten sich die Häretiker, die Schlüssel der Auferstehungskirche zu fordern. Diese Situation dauerte bis 1517 n. Chr. an, einem Datum, an dem der Ottomanische Sultan in die Heilige Stadt einzog. Nach diesem Wechsel fand sich der orthodoxe Patriarch Dorotheos bei dem neuen Herrscher ein, zeigte ihm die Dekrete seiner Vorgänger und verlangte die Wiederherstellung der Besitzrechte. Selim erließ ein „Hatti serif“ das wie folgt lautete:

„.... Der jetzige Patriarch der Griechen, der mit den restlichen Mönchen und Untertanen gekommen ist, hat danach verlangt, die Kirchen, Klöster und Heiligen Stätten, die sich in Jerusalem und außerhalb befinden, wieder wie zuvor unter ihrer Kontrolle und ihrem Gebrauch zu haben, gemäß der heiligen Aktiname Omars und den Festlegungen der vorherigen Könige. Deshalb befehle ich mit meinem jetzigen Dekret, dass der Platz gegenüber dem Tor der „Kamame“ (Auferstehungskirche) ihnen unterstellt ist, ebenso der in der Mitte liegende „Mougtestel“ (der Ort der Kreuzabnahme) mit den beiden alten Manualien und den Öllampen, den vier oben und unten liegenden Räumen, die in dem Bereich liegen, der Golgotha genannt wird, und der dem Patriarchat gehört, die sieben oben und unten liegenden Räume, die in dem Bereich liegen, der als derjenige der Jungfrau Maria bekannt ist, die Mitte der großen Kirche (das heutige Katholikon), das Grab und der „Koumpen“ mit all den Heiligen Stätten außerhalb der Auferstehungskirche, den drei Kirchen im Hof, der gegenüberliegenden Kirche des Heiligen Johannes, der sogenannten Kirche der Heiligen Helena im Patriarchat, der Kirche der Heiligen Thekla, Seidanagia, dem Kloster des Heiligen Euthymios, der Heiligen Katharina, des Heiligen Erzengels Michael, des Heiligen Georg, dem Kloster des Heiligen Johannes des Theologen zusammen mit dem Garten, des Heiligen Basilios, des Heiligen Nikolaos, des Heiligen Dimitrios, der Jungfrau Maria, dem anderen Kloster des Heiligen Johannes und dessen anderer Kirche, dem Kloster des Heiligen Jakobus, des Sohnes des Zebedäus, der „Giourzidon“, dem Kloster des Heiligen Georgios, der außerhalb Jerusalems liegenden Gedenkstätte der Jungfrau Maria, dem Heiligen Zion, dem Gefängnis Jesu, das Haus des Hannas, den auf dem Land liegenden Gedenkstätten, dem Kloster vom Heiligen Kreuz der „Giourzidon“, dem Kloster des Heiligen Symeon (das heutige Katamonas), dem des Heiligen Elija mit dem Olivenhain und und dem Weingarten , dem Kloster des Heiligen Savva, dem des Heiligen Georg in Beit Jala, der Geburtsgrotte in Bethlehem und den Schlüsseln der beiden Tore, des nördlichen und des südlichen, den beiden umgebenden Gartengrundstücken und den Olivenhainen mit ihren Gedenkstätten, und den übrigen Orten, an denen sich Klöster und Kirchen von Untertanen des Patriarchen befinden, den Leuten aus Georgien, Äthiopier und Serben und allen ihren Gaben ebenso wie ihren Metropoliten und Mönchen und sich um die Hinterlassenschaften der verstorbenen Metropoliten, Bischöfe und Mönche zu kümmern. Am Tor Jerusalems, am Zemzem Sugiunamed Wasser und am Arap Kafari und den Treppen müssen sie kein „Koumerkia“ und „Batsi“ bezahlen, noch wenn sie kefsia (Feste) haben, und sie sind vollkommen frei und nicht gezwungen Abgaben zu bezahlen. Und gemäß diesem, meinem Heiligen Erlass sollen sie von keinem anderen Volk gestört werden und der Patriarch der Römer soll der Erste von allen Stämmen sein. Gemäß der Aktiname von Omar Hattab und den Erlässen der vorherigen Könige, so gebe ich auch meinen heiligen Erlass, dass alles so ausgeführt wird, wie es hier geschrieben steht. Wenn deshalb jemand ab heute, sei er ein Regierender oder ein höchst ehrwürdiger Wesir (...) oder irgendein anderer Beamter oder ein einfacher Diener und Sklave meines Hofes in der Zukunft beabsichtigt diesen Erlass zu verändern oder zu übertreten, ist dieser, egal wer er sein möge, verantwortlich für den Zorn und die Strafe des höchsten Gottes. Ich lege meinen Heiligen Erlass in ihre Hände und sie tragen die Verantwortung.

Drei Jahre lange bestand eine unhaltbare Lage zwischen den Andersgläubigen und dem Patriarchat wegen dem Besitz des Schlüssels. Selim war gestorben und sein Sohn Suleiman hatte die Herrschaft übernommen. Er beschloss, dass die moslemischen Wächter die Schlüssel innehaben sollen, etwas, das bis heute in Kraft ist. 1537 n. Chr. trat Frieden zwischen Europäern und Ottomanen ein. Aus diesem Anlass kamen einige franziskanische Mönche. Sie lösten die Maroniten ab, die keinen Nachwuchs mehr hatten, kauften sie, latinisierten sie allmählich und übernahmen ihre Orte. Auf diese Weise drangen die Franken in mehrere Heilige Stätten ein. Seitdem schafften sie Hindernisse und Zustände an den Heiligen Stätten und versuchten, einmal mit List, ein andermal mit Geld zu übernehmen, was immer sie konnten. Lange Zeit vereitelten sie durch ihre Aktionen die notwendigen Reparaturen der Kirche. Letztendlich wurde im Jahre 1720, unter dem Patriarchat des Chrysanthos und nach vielen Beratungen beschlossen, die Auferstehungskirche zu reparieren. Die Angehörigen jeder Konfession sollten selbst ihre eigenen Plätze reparieren, abgesehen vom Baldachin (dem Heiligen Grab). Dieser wurde gelassen, wie er war.

Eine neue Katastrophe ereignete sich im Jahre 1808. Ein armenischer Küster, der betrunken war, drückte brennende Kerzen auf die Ikonostase der armenischen Kapelle, anstatt sie auf den bronzenen Kerzenständer zu stecken. Dann schlief er ein. Bald fing die Ikonostase Feuer, das die benachbarten Franziskaner zuerst entdeckten. Sie weckten die „Agiotaphiten“ (die griech. Mönche) und gemeinscam versuchten sie das Feuer zu löschen. Das Feuer breitete sich zuerst auf den Aufenthaltsort der Frauen in der Kirche aus (dieser befand sich meistens oben im ersten Stock) und von dort zur Kuppel. Trotz der gemeinsamen Bemühungen der Römer, Franken, Armenier, Kopten und Syrer, gestaltete sich das Löschen des Brandes als undurchführbar. Vor dieser Katastrophe wurde nur das Grab des Herrn bewahrt.Weder wurden seine Öllampen durch den Rauch ausgelöscht, noch wurden die hölzernen Türen des Baldachin beschädigt. Diese wurden, als Zeugen des Wunders, während der Erneuerung in den Versammlungsraum der Bruderschaft vom Heiligen Grab übertragen. Der Patriarch von Jerusalem, Polycarp, war während dieser Zeit in Konstantinopel. Als er von der Zerstörung der Kirche informiert wurde, wandte er sich an den Ökumenischen Patriarchen Kallinikos und bat um Hilfe. Dieser nahm den Kampf um den Wiederaufbau des wunderbaren Gebäudes sofort wieder auf. Sofort wurden synodale Schreiben und Enzykliken für alle Erzbischöfe des Thrones herausgegeben. Es wurde auch ein Bericht für Sultan Machmud verfasst, mit der Bitte um die nötige Genehmigung. Nach dem Erhalt der Genehmigung kam der königliche Architekt Komninos von selbst und übernahm die Arbeiten, die im Frühjahr 1809 begannen. Trotz der Schwierigkeiten, die von den Heterodoxen und Andersgläubigen bereitet wurden, wurde die Kirche restauriert und das Werk vollendet. Die Einweihung fand am 13. September 1810 statt. Ein Teil der Arbeiten wurde von der französischen Regierung vereitelt. Die Teile, die den Häretikern gehörten, wurden von den Orthodoxen restauriert zurückgegeben. Trotzdem gab es in den kommenden zwanzig Jahren Streit und Meinungsverschiedenheiten wegen der Eigentumsrechte. 1834 n. Chr. wurden die Fenster der Kuppel geöffnet, die seit der Zeit Saladins verschlossen geblieben waren. Damals war der Ägypter Ibrahim Pasas oberster Herrscher; er war ein Augenzeuge, als aufgrund der erstickenden Situation am Großen Samstag mehrere Pilger an Asphyxie starben.

Mitte 1842 waren neue Reparaturen am Gebäude nötig. Dann gelang es den Griechen eine Erlaubnis von Sultan Medgit zu bekommen. Diese spezielle Genehmigung wurde zu einem nutzlosen Brief, da es der französischen Regierung wieder einmal gelang, die Genehmigung aufzuheben. Nach dem Ende des Krimkrieges entschieden Russland, Frankreich und die Türkei, die Kirche gemeinsam zu reparieren ohne am status quo der Besitzrechte etwas zu verändern. Die Arbeiten begannen am 2. Januar 1867 und dauerten zwei Jahre.

Das ist im Wesentlichen die Geschichte der Auferstehungskirche bis zum 19. Jahrhundert.

Übersetzung: Schwester Matthaia Osswald

Quelle

Impantokratoros.gr