Askold und Dir

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Der Kampfzug gegen Konstantinopel - eine Seite aus der Nestorchronik

Askold (Haskuldr im Altostnordischen und Höskuldr im Altwestnordischen) und Dir (Dyri im Altost- und Altwestnordischen) sind vermutlich die ersten russischen christlichen Fürsten. Laut Nestorchronik regierten sie Kiew vor der Eroberung durch die Rurikiden im Jahre 882. Laut Chronik waren sie entweder Verwandte oder von edlem Blut. Nach einigen Quellen initiierten sie, noch vor der Taufe durch Hl. Wladimir, die erste Taufe der Rus.

Die Nestorchronik berichtet, dass Askold und Dir von Rurik nach Konstantinopel (nordisch: „Miklagård“; slawisch: „Tsargrad“) geschickt worden seien. Als sie auf dem Dnjepr dahinfuhren, erblickten sie auf einem Berg eine Siedlung und fragten, wem diese gehöre. Sie erfuhren, dies sei Kiew, erbaut von drei Brüdern namens Kii, Schek und Khoriv, welche die Vorfahren der Bewohner gewesen seien, die nun den Chasaren Tribut schuldeten. Askold und Dir ließen sich in der Stadt nieder und versammelten eine große Zahl weiterer Waräger um sich und beherrschten fortan die Stadt und das Land der Ostpolanen.

Nach der Saga von Ragnar und seine Söhnen war Askold der Sohn des Hvitersk und Enkel des Ragnar Lodbrok, einem halb-mythischen König von Schweden (ca. 770-785). Hvitersk war ein Zeitgenosse von Rurik und soll einen Feldzug zur Eroberung Osteuropas begonnen haben.

Die einzige fremde Quelle, die einen von [Rurik|Ruriks] Mitregenten erwähnt, ist der arabische Historiker Al-Masudi. Ihm zufolge war „König al-Dir [Dayr] der erste unter den Königen der Saqaliba [arab. für „Slawen“].“ Obwohl einige Gelehrte sich um den Nachweis bemühten, dass „al-Dir“ einen slawischen Herrscher und Zeitgenossen des Dir bezeichne, ist diese Annahme fragwürdig, und es ist zumindest wahrscheinlich, dass „al-Dir“ und Dir dieselbe Person waren. Es scheint so zu sein, dass es im Altostslawischen ursprünglich "askold Dir" hieß und nicht "Askold i Dir", wie es aus der Nestorchronik bekannt ist. Das Wort askold oder oskold kommt aus dem Altnordischen óskyldr „fremd“, so dass es wohl einen Herrscher von Kiew gab, den die Slawen „Dir“ nannten und die Waräger etwa óskyldr Dyri – „fremder Dir“. Die russischen Waräger vergaßen später die Bedeutung von óskyldr, und so schrieb Nestor über zwei Herrscher von Kiew: Askold und Dir.

Der Hl. Patriarch Photios von Konstantinopel
Tod von Askold und Dir (Gemälde von Feodor Bruni)

Im Juni 860 unternahmen sie einen Angriff auf Konstantinopel, der die Griechen unvorbereitet traf - „wie ein Blitzstrahl vom Himmel“ nannte es Patriarch Photios in seiner berühmten Beschreibung des Ereignisses. Nachdem Kaiser Michael III. die ganze Nacht in der Blachernenkirche gebetet und Patriarch Photios dem Volk gepredigt hatte, Buße zu tun und die Gottesmutter um Schutz zu bitten, kehrte sich die Lage um. Nach einer Kreuzprozession mit dem wunderwirkenden Gewand der Gottesmutter, das ins Wasser des Bosporus getaucht wurde, begann ein starker Sturm, der die russischen Schiffe vernichtete. Beeindruckt durch dieses Geschehnis, unterzeichneten Askold und Dir einen Friedensvertrag und baten um die heilige Taufe. Photios schrieb, er habe einen Bischof ins Land der Rus geschickt, welcher viele Menschen zu Christus bekehrt und Byzanz gegenüber milde gestimmt habe.

Als Rurik starb, folgte ihm sein mutmaßlicher Verwandter Oleg, der Vormund von Ruriks Sohn Igor. Oleg griff Kiew im Jahr 882 an und eroberte es. Laut Nestorchronik überlistete er Askold und Dir und tötete sie. Vasily Tatischev, Boris Rybakov und einige andere russische und ukrainische Historiker interpretierten diesen Staatsstreich von 882 als Reaktion der heidnischen Waräger auf die Taufe des Askold. Tatischev ging sogar so weit, Askold als „ersten russischen Märtyrer“ zu bezeichnen.

Die Hl. Apostelgl. Olga

Eine Kiewer Legende benennt als Grabhügel des Askold den Uhorska-Hügel, wo die Hl. Olga von Kiew später zwei Kirchen erbauen ließ, die dem Hl. Nikolas und der Hl. Irene gewidmet wurden. Heute steht an dieser Steilkurve des Dnjepr ein Denkmal namens „Askolds Grabmal“.