Rumänische Orthodoxe Kirche

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Die Rumänische Orthodoxe Kirche ist eine Kirche apostolischer Herkunft, gegründet durch die missionarische Tätigkeit des Heiligen Apostels Andreas, der das Wort des Evangeliums in der alten römischen Provinz Scythia Minor, das zwischen Donau und Schwarzem Meer liegende Gebiet (Südosten Rumäniens), verkündet hat. <ref> Vgl. auch zum Folgenden und insbesondere zu den grundlegenden Daten die Internetpräsenz der Rumänisch-Orthodoxen Kirche. </ref>#

Herkunft und Selbstverständnis

Die Geschichte der rumänischen orthodoxen Kirche in Deutschland reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. In Leipzig gründeten rumänische Kaufleute aus Moldau und der Walachei im 19. Jh. eine Gemeinde. Im Jahre 1866 ließ der flüchtende Fürst Stourdza die nach ihm benannte Grabkapelle bei Baden-Baden erbauen.

Am 25. April 1885 ist die Rumänische Orthodoxe Kirche autokephal (eigenständig) geworden, und am 25. Februar 1925 wurde sie zum Patriarchat, und befindet sich mit den anderen orthodoxen Schwesterkirchen in dogmatischer, liturgischer und kanonischer (kirchenrechtlicher) Gemeinschaft.

Von 1939-1945 wurde eine Gemeinde in Berlin gegründet und die Kirche [[Nikolaus, Hl. Zar|hl. Nikolaus]] gebaut. Als Folge der politischen Veränderungen nach 1945 flüchteten viele rumänische Staatsbürger aus Rumänien und siedelten sich in Deutschland an. Einige organisierten sich in sogenannten „Exilgemeinden“. Ihre Gemeindeglieder waren in der Heimat meist ausgesprochene Gegner der Kommunisten und Anhänger der Regierung des von der nationalsozialistischen Regierung aus Berlin unterstützten General Ion Antonescu gewesen.

Nach dessen Sturz 1944 wurden die Anhänger Antonescus („Legionari“) von den neuen Machthabern brutal verfolgt. Diejenigen, die ins Ausland flüchten konnten, oder schon vorher mit den deutschen Truppen Rumänien verlassen hatten, siedelten sich im Westen an oder wanderten weiter in die USA aus. Vor diesem Hintergrund sind die unten aufgeführten Äußerungen zur Gründung und Verständnis der „Rumänisch-Orthodoxen Exilgemeinde Frankfurt“ zu verstehen. Die dort benannten Spannungen zum Patriarchat der Rumänischen Orthodoxen Kirche sind aus der unglücklichen Verflechtung mit der national-faschistischen Bewegung (Legion „Erzengel Michael“) in der Zwischenkriegszeit und den tragischen und leidvollen Folgen in der Nachkriegszeit unter der kommunistischen Regierung nachzuvollziehen.

In den siebziger Jahren gründeten die aus politischen Gründen geflüchteten Rumänen in Deutschland mehrere orthodoxe Kirchengemeinden, die zu dem rumänischen Erzbistum für Zentral- und Westeuropa mit Sitz in Paris gehörten. Dieses Bistum wurde schon 1949 durch Metropolit Visarion Puiu (1879-1964) gegründet. In Rumänien wurde er 1946 in Abwesenheit vom „Volkstribunal“ zum Tode verurteilt und die Hl. Synode erkannte ihm unter dem Druck der damaligen Machthabern die Metropolitenstufe ab. Nach der politischen Wende 1990 wurde er postum rehabilitiert.

Die Rumänische Orthodoxe Kirche ist seit 1961 Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen, gehört der „Konferenz Europäischer Kirchen“ (KEK) an und führt seit 1979 einen Dialog mit der EKD.

Gemäß der letzten Volkszählung (2002) hat Rumänien eine Bevölkerung von 21.794.793 Einwohnern, von denen 86,7% sich als christlich-orthodox bekannt haben.

Struktur

Die Rumänische Orthodoxe Kirche ist als Patriarchat organisiert und verfügt über sechs Metropolien, die ihrerseits aus Erzbistümern und Bistümern zusammengestellt sind, mit einer Gesamtzahl von 13.527 Kirchengemeinden mit 15.218 Gotteshäusern, in denen 14.513 Priester und Diakonen Literugie feiern. Für die orthodoxen Rumänen im Ausland existieren drei Metropolien (mit drei Erzbistümern und sechs Bistümer) in Europa, und ein Erzbistum auf dem amerikanischen Kontinent sowie ein Bistum in Australien und Neuseeland.

Zentrale Organisation

Seine Seligkeit DANIEL

Die höchste Autorität der Rumänisch-Orthodoxen Kirche für alle Ihre Tätigkeitsbereiche ist die Heilige Synode, zusammengesetzt aus dem Patriarchen als Vorsitzende und aus allen amtierenden Metropoliten, Erzbischöfen, Bischöfen und Vikarbischöfen.

Die Beratungszentralbehörde der Rumänisch-Orthodoxen Kirche, zuständig für alle administrativen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, ist die kirchliche Nationalversammlung, zusammengesetzt aus drei Stellvertretern jedes Bistums (ein Kleriker und zwei Laien), die von der jeweiligen Bistumsversammlung für einen vierjährigen Mandat gewählt werden. Die Mitglieder der Heiligen Synode nehmen an den Arbeiten der kirchlichen Nationalversammlung mit beratender Stimme teil.

Die Exekutivzentralbehörde der Heilige Synode und der kirchlichen Nationalversammlung ist der kirchliche Nationalrat, zusammengesetzt aus 12 Mitgliedern der kirchlichen Nationalversammlung (ein Kleriker und ein Laie als Stellvertreter jeder Metropolie für ein vierjähriges Mandat). Die Mitglieder der Heiligen Synode können an den Arbeiten des kirchlichen Nationalrates mit beratender Stimme teilnehmen.

Das Oberhaupt der Rumänischen Orthodoxen Kirche ist Seine Seligkeit Patriarch DANIEL CIOBOTEA, gewählt am 12. September 2007 und inthronisiert als den 6. Patriarchen Rumäniens am 30. September 2007.

Lokale Struktur

Die strukturellen Einheiten der Rumänisch-Orthodoxe Kirche sind

  • Pfarrgemeinde
  • Kloster
  • Erzpriesteramt
  • Vikariat
  • Eparchie (Erzbistum und Bistum)
  • Metropolie.

Die Kirchenleitung in Deutschland

Die meisten rumänischen orthodoxen Kirchengemeinden gehören kanonisch zum Rumänischen Orthodoxen Patriarchat Bukarest. Sie unterstehen der „Rumänischen Orthodoxen Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa“. Deren Sitz befindet sich seit 1999 in Nürnberg. Das Oberhaupt der Metropolie ist Metropolit Dr. Serafim Joanta, rumänischer Erzbischof von Berlin und Metropolit von Deutschland und Zentraleuropa. Er ist auch Mitglied der Hl. Synode der Rumänischen Orthodoxen Kirche mit Sitz in Bukarest. Somit bleibt die Metropolie eng mit der Mutterkirche verbunden. In Deutschland ist die Metropolie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Sie zählt in Deutschland nach eigenen Angaben ca. 300.000 Mitglieder, die in 32 Pfarreien organisiert sind.

Gemeinden

Die St. Nikolaus-Gemeinde in Offenbach

Die Nikolausgemeinde ist 1975 gegründet worden und als gemeinnütziger Verein eingetragen. Sie gehört zu einer der ersten vier rumänischen orthodoxen Gemeindegründungen im Nachkriegsdeutschland (neben Hamburg, München und Salzgitter). In den ersten Jahren wurde die Gemeinde von einem Stipendiaten aus Heidelberg geleitet. Die rumänische orthodoxe Kirchengemeinde St. Nikolaus gehört kanonisch zum Rumänischen Orthodoxen Patriarchat Bukarest. Sie untersteht der Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa. Deren Sitz befindet sich in Regensburg, wo auch das römisch-katholische Ostkirchliche Institut angesiedelt ist.

Die Pfarrer müssen über fünf Jahre als Gemeindepfarrer tätig gewesen sein, um anschließend über die Metropolie für den Auslandsdienst ausgewählt werden zu können. Organisatorisch und juristisch bildet jede Gemeinde eine selbständige Einheit. Mit Angelegenheiten, die Gemeinde betreffend, sind Gemeindeversammlung und Gemeindevorstand eigenständig betraut.

In der Gemeinde finden sich vor allem ausgewanderte Rumänen, teilweise mit deutscher Abstammung. Sie waren nach dem Zweiten Weltkrieg hierher gekommen. Auch Spätaussiedler (nach 1992) sind darunter. Der überwiegende Teil der Gemeindemitglieder besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Sonntags besuchen zwischen dreißig und sechzig Personen, von denen die überwiegende Mehrzahl ältere Menschen sind, den Gottesdienst. Die Gläubigen kommen mehrheitlich aus Frankfurt, Offenbach und der näheren Umgebung. Die Heilige Liturgie wird in der Französisch-Reformierten Kirche in Offenbach in rumänischer Sprache gefeiert.

Kontaktadresse
Rumänische Orthodoxe Pfarrei „Hl. Nikolaus“
Priester Stefan Anghel
Brunnenweg 102
63071 Offenbach
Tel. und Fax 069/87876326
E-Mail: ROK@AOL.com


Die Rumänisch-Orthodoxe Exilgemeinde „Mutter Gottes“ in Frankfurt

Die rumänische orthodoxe Exilgemeinde wurde im Februar 1979 gegründet. Mitglieder sind orthodoxe Rumänen aus Frankfurt am Main, Offenbach und Umgebung, die aus dem sozialistischen Rumänien flüchteten und in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben. Von Anfang an betrachteten die Mitglieder die Gemeinde als Exilgemeinde. Sie unterstellten sie der Jurisdiktion des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel und damit der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und dem Exarchat von Zentraleuropa mit Sitz in Bonn. Mit dieser Entscheidung wollten die Mitglieder der Gemeinde zweierlei vermeiden: Zum einen die Beziehung zum Patriarchat von Bukarest, welches unter dem Einfluss und der Kontrolle des sozialistischen Regimes stand; zum anderen jegliche Einmischung und Einflussnahme seitens des Regimes, das in Rumänien Kirchen abreißen ließ und die Tätigkeit der Kirchen stark einschränkte.

Die Gemeinde legt viel Wert auf ihr Selbstverständnis als Exilgemeinde. Auch nach dem Sturz Ceauşescus hat sich an dieser Haltung nichts geändert. Zum Gottesdienst kommen Rumänen aus dem größeren Umkreis Frankfurts sowie auch aus Offenbach zusammen. Die orthodoxen Rumänen finden hier einen Ort, an dem sie ihren religiösen Bedürfnissen nachkommen und ihre kirchlichen Traditionen pflegen können. Die Gemeinde trifft sich regelmäßig in der Evangelischen Matthäuskirche in der Friedrich-Ebert Anlage. Etwa 80 bis 100 Personen besuchen durchschnittlich die Gottesdienste. Pfarrer Dr. Viorel Mehedinţu und seine Gemeinde sind offen für ökumenische Kontakte mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Kontaktadresse
Rumänische Orthodoxe Exilgemeinde »Mutter Gottes« in Frankfurt am Main
Biserica Ortodoxă Romănă in exil „Maica Domnului“,
Matthäuskirche, Friedrich-Ebert Anlage 33
60327 Frankfurt am Main

Gottesdienst: Jeden 2. und 4. Sonntag im Monat um 11.30 Uhr

Pfarrer Dr. Viorel Mehedinţu
Helen-Keller-Weg 31
69151 Neckargemünd
Tel. 06223 – 72427


Bischöflicher Vikar für die Rumänischen Gemeinden unter dem Patriarchat von Konstantinopel:
Erzpriester Radu Constantinos Miron
Römerstr. 440c
50321 Brühl
Tel: 02232 - 22185
Fax: 02232 – 47686


Mönchsleben

Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche verfügt über 637 Klöster und Skyta mit mehr als 8.000 Mönchen und Nonnen.

Theologische Bildung und Religionsunterricht

Die Rumänische Orthodoxe Kirche hat 33 Priesterseminare mit Abiturabschluss sowie 11 theologische Fakultäten und 4 theologische Fachbereiche, die Teil der Staatsuniversitäten sind; insgesamt mehr als 9365 Studenten in verschiedenen Fachgebieten. Außerdem gibt über 10000 Religionslehrer an den staatlichen Schulen.

Seelsorge

Neben der ständigen Pfarrgemeindentätigkeit wird Seelsorge in fogenden Bereichen praktiziert: der Armee, der Gendarmerie und in Gefängnissen, wo insgesammt 143 Priester tätig sind, sowie in Krankenhäusern, Sozialzentren und Unterrichtseinheiten, wo 364 Priester arbeiten.

Sozial-caritative Arbeit

Unter der direkten Leitung der Rumänisch-Orthodoxen Kirche befinden sich folgende soziale Einrichtungen:

121 Kinderzentren;
35 Altenheimen;
106 Sozialkantinen und Bäckereien;
52 Diagnostik- und Behandlungszentren, Sozialsprechzimmer und Sozialapotheken;
23 Beratungs- und Hilfszentren für die sich in Not befindenden Familien.
2 Zentren für die Opfer des Schwarzhandels mit menschlichen Wesen.

Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche bietet ständige Sozialhilfe für 270.000 Menschen. Während der Naturkatastrophen entwickelt die Rumänisch-Orthodoxe Kirche humanitäre Hilfsaktionen auf Nationalebene zur unmittelbaren Hilfe der Betroffenen. Gleichfalls, entwickelt die Kirche in Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Nichtregierenden Organisationen nationale Programme, u.a. zur Bekämpfung der Armut, Bekämpfung der häuslichen Gewalt, Menschenhandels, Drogenkonsums und der HIV/AIDS-Ausbreitung. Daneben bemüht man sich um soziale Integration der Menschen.

Missionarische kirchliche Institutionen

  • Biblisches und missionarisches Institut der Rumänisch-Orthodoxen Kirche
  • Medieninstitutionen auf der Ebene des Patriarchats und der Eparchien

Auf Initiative Seiner Seligkeit Patriarch Daniel wurde am 27. Oktober 2007 das Pressezentrum BASILICA des Rumänischen Patriarchates eingerichtet. Hierzu gehören der Radiosender TRINITAS, das Fernsehen TRINITAS, die Periodica Lumina (das Licht, Zeitung), Lumina de duminică (das Sonntagslicht) und Vesitorul Ortodoxiei (Verkünder der Orthodoxie), die Nachrichtenagentur BASILICA und das Presse- und Kommunikationsbüro des Rumänischen Patriarchates.

Kirchliche und interreligiöse Beziehungen

Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche ist seit 1961 Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen und seit 1964 Mitglied der Konferenz der Europäischen Kirchen. Zusammen mit den anderen orthodoxen Schwesterkirchen nimmt sie an den internationalen theologischen Dialogen mit der römisch-katholischen Kirche, mit den evangelischen Kirchen der Reformation, mit der anglikanischen Kirche usw., teil. Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche hat eine Stellvertretung bei der Europäischen Union und bei anderen politischen europäischen Institutionen in Brüssel.

Museumskollektionen für Konservierung der alten Bücher und der religiösen Objekte

Im Rahmen der Rumänisch-Orthodoxen Kirche gibt es 275 Museen und Museumskollektionen, wie auch 42 Zonaldepots.


Weblinks

Einzelnachweise

<references />