Kaiserliche Orthodoxe Gesellschaft von Palästina

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Die Sergij-Mission von Jerusalem
Sergei Alexandrowitsch Romanow und seine Frau, die Hl. Elisabeth von Alapajewsk

Die Kaiserliche Orthodoxe Gesellschaft von Palästina (russ. Императорское Православное Палестинское общество, kurz IPPO) wurde am 8. Mai 1882 von Vassili Khitrovo mit Erlaubnis des Zaren Alexander III. gegründet.

Reformiert und bestätigt wurde sie in den Jahren 1919, 1922, 1925, 1930, 1952, 1986, 1989, 1992, 2002 und 2003. Im Jahr 1918 wurde die renommierte Russische Palästina-Gesellschaft der Akademie der Wissenschaften der Russischen Sozialistischen Sowjet-Republik angegliedert.

Ihr Tätigkeitsbereich erstreckt sich heute sowohl auf die Russische Föderation als auch auf das Ausland. Im September 2008 hat die Regierung Israels beschlossen, Russland das Herbergsgebäude in Jerusalem wiederzuerstatten, in dem einst das russisch-orthodoxe Sergij-Gästehaus (bzw. die Sergij-Mission von Jerusalem) gewesen war und später das israelische Landwirtschaftsministerium beherbergte. Es hatte bis zur Oktoberrevolution der IPPO gehört. Zu ihren wichtigsten Unterstützern zählte der russische Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow, der erste Vorsitzende der IPPO. Der Beschluss trat im Februar 2009 in Kraft.

Tätigkeit der IPPO

Hauptziel der IPPO ist die Bewahrung und Förderung der historischen, spirituellen und kulturellen Bande zwischen den Völkern und Organisationen an den jeweiligen Standorten. Zudem unterstützt sie die Orthodoxe Kirche bei der Missions- und Wohltätigkeit im Nahen Osten und dem Mittelmeerraum. Auch ihrer ursprünglichen Aufgabe, für die sie gegründet worden war, kommt sie wieder nach: den orthodoxen Wallfahrern ihr Wandeln im Heiligen Land an den biblischen Orten und auf den Spuren der Apostel zu erleichtern.

Schließlich entfaltet sie auch wissenschaftliche Aktivitäten, sowohl bei historischen und archäologischen Forschungen als auch bei medizinischen, ethnographischen und sozialen Projekten im Nahen Osten.

Die Herberge “Hl. Alexander”

Die Gesellschaft hatte ihren Sitz unweit vom Heiligen Grabmal in der Altstadt von Jerusalem in der Herberge “Hl. Alexander”, erbaut 1887, welche die Hl.-Alexander-Newski-Kirche, die Türschwellen des Gerichtsaals, in dem Jesus der Prozess gemacht wurde, eine Pilgerherberge und die Büros der Archäologischen Gesellschaft enthält. Seit 1882 finden dort archäologische Ausgrabungen statt. Die Archäologische Gesellschaft hat allerdings die Verbindung zur Russischen Orthodoxen Kirche im Jahr 1986 gelöst und eine neue Gesellschaft gegründet, die weder von der Russischen Orthodoxen Kirche noch von der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland und auch nicht von der IPPO kirchenrechtlich und juristisch anerkannt wird, weshalb letztere nunmehr in der Sergij-Mission von Jerusalem beheimatet ist. Erziehungsauftrag der IPPO.

Eines der Ziele der IPPO bestand auch darin, Kinder vor Ort zu unterrichten. Sie betrieb mehr als Hundert Schulen sowie zwei Institute zur Lehrerausbildung im Heiligen Land. Die Schüler stammten meist, wenn auch nicht ausschließlich, aus orthodoxen Familien, die Mehrheit war arabischer, manche aber auch armenischer und griechischer Herkunft. Sie stammten hauptsächlich aus armen Familien, weil der Unterricht dort kostenlos war. Die erste Schule wurde am 6. Dezember 1882 im Dorf Moudjedil eröffnet, und bereits einige Monate später gab es schon drei Dorfschulen in Galiläa. Natürlich konkurrierten die katholischen Schulen, die zahlreicher und traditionsreicher waren, und die protestantischen Schulen, die mehr Finanzmittel hatten, mit den Schulen der IPPO. Außerdem begegnete das orthodoxen Patriarchat von Jerusalem der IPPO oft mit Misstrauen und manchmal sogar feindselig. Eine Reihe von Schulen wurde ab 1895 in Syrien eröffnet, auf dem Territorium des Patriarchats von Antiochien. Die Lehrer und Lehrerinnen dieser Schulen waren Laien, und am Anfang wurden sie teilweise in Russland ausgebildet. Dann öffnete die IPPO eine Ausbildungsstätte für Lehrerinnen in Beit Jala und eine andere für Lehrer in Nazareth. Die Grundschulen der IPPO gab Unterricht in Katechismus, arabischer Sprache, Arithmetik, Erdkunde und Geschichte und enthielt auch eine handwerkliche Ausbildung. Dazu wurde in bestimmten Schulen Russisch unterrichtet, und die besten Schüler wurden mit einem Stipendium nach Russland geschickt. Die Gesellschaft druckte ihre Lehr- und Schulbücher in arabischer Sprache selbst. Das Budget für die Unterhaltung der Schulen stieg stetig bis zu 240.000 Rubel im Jahr, was die IPPO stark belastete; so wandte sie sich 1904 an den russischen Staat. Aber erst 1912 bestätigte Nikolaj II. ein von der Staatsduma erlassenes Gesetz, nach dem die Schulen in Syrien mit einem jährlichen Betrag in Höhe von 150.000 Rubel unterstützt wurden.

Im Jahr 1911 besuchten 11.112 Schüler (5.426 Jungen und 5.586 Mädchen) die Schulen der IPPO, davon 1.493 in Palästina, 1.231 im Libanon und 8.388 in Syrien. Aus ihren Reihen gingen zahlreiche arabische Intellektueller des Nahen Ostens hervor.

Die Schulen erlangten erst 1902 einen gesetzlichen Status im Osmanischen Reich, durch eine Sondergenehmigung von Abdul-Hamid II. Zu Anfang des Ersten Weltkrieges mussten sie fast alle schließen, da das Osmanische Reich mit Deutschland, dem Kriegsgegner des Russischen Reiches, verbündet war. Die osmanischen Truppen bemächtigten sich dabei im Dezember 1914 auch der Vermögenswerte der IPPO.