Johannes Wostorgow

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Hl. Neomrt. Johannes (Wostorgow)
Hl. Mrt. Johannes (Wostorgow)
Hl. Gerechter Gabriel von Sluzk
Hl. Neomrt. Wladimir von Kiew
Hl. Patriarch Tichon

Gedenktag: Synaxis der Neomärtyrer und Bekenner Russlands, 23. August

Hieromärtyrer Erzpriester Johannes (Ioann) Wostorgow, (russ. Иоанн Иоаннович Восторгов) wurde am 20. Januar 1864 in der Kosakensiedlung Nowoalexandrowskaja im Gouvernement Stawropol in die Familie des Priesters Ioann hineingeboren. Sein Vater verstarb früh.

Nachdem Johannes 1887 das Geistliche Seminar zu Stawropol absolviert hatte, arbeitete er zwei Jahre lang als Lehrer. 1889 empfing er die Priesterweihe. Der erste Ort seines Dienstes war das Dorf Kirpilskoje am Fluss Kuban, dessen meiste Einwohner Altritualisten waren. Aus Privatmitteln errichtete Vadbter Johannes im Dorf eine Kirchengemeindeschule. Er versäumte keine Möglichkeit zum Predigen des Wortes Gottes und eröffnete eine Guttempler-Gesellschaft. Dank seiner unermüdlichen Tätigkeit vereinigten sich über einhundert Altritualisten im Dorf mit der Orthodoxen Kirche.

Im September 1890 wurde Vater Johannes zum Glaubenslehrer des Knabengymnasiums in Stawropol ordiniert. Er wurde ein wahrhaft christlicher Pädagoge, der den Knaben die Bewahrung der christlichen Grundlagen der Staatlichkeit und der Familie beibrachte. Bald wurde Vater Johannes in die Diözese Tifllis zum Posten eines Diözesanmissionärs des Georgischen Exarchats beordert. Viel Zeit widmete er dem Studieren der assyrischen Sprache (der Sprache der Nestorianer). Danach wurde er nach Persien geschickt, wo er die Vereinigung der Assyrer mit der Orthodoxen Kirche zu organisieren begann. Ergebnis war die Wiedervereinigung von drei Bischöfen mit der Orthodoxie.

Nachdem Vater Johannes mitten in den von den jüdischen Revolutionären provozierten Krawallen 1905 nach Russland zurückkehrte, wurde ihm klar, dass Revolution und Sturz der von Gott gegebenen Autokratie als Grundfeste der Orthodoxie für die Zionisten unumgänglich war, denen Russland den Weg zur Eroberung der Weltherrschaft und der Vorbereitung der Ankunft des Antichristus versperrte. Der Zionismus, bei dem jahrhundertlang bewährte Praktiken zum Einsatz kamen, drang in alle Schichten der Gesellschaft ein und verweste sie von innen und zielte auf den Fall und die Zerstörung aller für sie unbequemen Staaten und Regierungen – vor allem durch die Vernichtung des nationalen Selbstbewusstseins der Völker einerseits und die geheimen magischen satanistischen Opferungen der besten Vertreter dieses Volkes andererseits.

Vater Johannes erkannte, dass die Sache schon so weit gegangen war, dass ein Kampf auf Leben und Tod bevorstand. Er wählte den Weg des Kampfes und des Bekenntnisses. Gemeinsam mit patriotisch eingestellten Gleichgesinnten errichtete er den „Bund des russischen Volkes“, dem sich die besten Söhne des Vaterlandes anschlossen. Im Rahmen seiner organisatorischen Tätigkeiten unternahm er zahlreiche Reisen und gründete die Zeitungen „Kirchlichkeit“ («Церковность») und „Russisches Land“ («Русская земля») sowie die Zeitschrift „Treue“ («Верность»), in denen er Sinn und Bedeutung der aktuellen Geschehnisse kommentierte. Seine Werke trugen Früchte – die Revolution von 1905, hauptsächlich von dem pathologischen Russophoben Jakob Schiff finanziert (der 1917 auch die Oktoberumsturzes finanzierte, wurde durch die Konsolidierung des russischen Volkes niedergerungen.

Doch durch die Veröffentlichung des Manifestes „Über die Verbesserung der staatlichen Ordnung“ («Об усовершенствовании государственного порядка») am 17. Oktober 1905 kam es statt einer Verschärfung der Maßnahmen (wozu der Heilige Gerechte Vater Johannes von Kronstadt unablässig aufgerufen hatte) und der Einführung einer festen Rechtsordnung zu Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit sowie einer Volksvertretung in der staatlichen Regierung, also die Einführung der Staatlichen Duma, in die anstatt wahrhafter Volksvertreter mit List und Tücke meist diejenigen hinkamen, die, bewaffnet mit der Erfahrung der ersten Revolution, an der Zerstörung des Landes arbeiteten.

Im Weiteren bemühten sich Vertreter des russischen Parlaments, den Bund des russischen Volkes und die Regierung zu brechen, die alleine das Vaterland hätten retten können. Durch die Wühlarbeit der Provokateure zersplitterte der „Bund“ in einzelne Organisationen, was das heilige Werk der Rettung Russlands diskreditierte. Mehrere Bundesmitglieder wurden unter falschen Anklagen gerichtlich verfolgt.

Schließlich wurde den patriotischen Einrichtungen bis 1916 das Waffenbesitzrecht entzogen, und sie wurden aufgelöst. Im Jahre 1917 erwies sich das Volk ideologisch unvorbereitet und nicht organisiert.

Nichtsdestotrotz führte Vater Johannes seine fruchtvolle Tätigkeit weiter. Er verfügte über große Autorität, und sein Wort galt unter Patrioten. Im Jahre 1910 war er nach Harbin in China gereist und hatte dort die Bruderschaft der Auferstehung Christi eingerichtet, die sich der Grabpflege der in der Mandschurei gefallenen russischen Soldaten widmete.

Im Jahre 1911 organisierte er den Erwerb eines Landstücks in der italienischen Stadt Bari für russische Pilger, damit sie bei ihren Reisen zu den Reliquien des großen Hierarchen und Wundertäters Nikolaus von Myra ein Asyl hatten.

1913 wurde Vater Johannes nach seiner Rückkehr nach Moskau zu einem der Initiatoren der Gründung des Theologischen Instituts für Frauen. Im selben Jahr wurde er nach einem Beschluss des Heiligesten Synods als Synodaler Missionar und Prediger ordiniert. In dieser Position würdigte ihn der Herr bei der Sichtprüfung der unverweslichen Reliquien des Heiligen Hierarchen Sophronius von Irkutsk (Gedenktag: 30. März) anwesend zu sein.

Im Mai 1917 bekleidete er das Amt des Vorstehers der Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale ((Kathedrale Basilius des Seligen)) in Moskau, wo damals Teile der Heiligen Reliquien des von Juden ermordeten Heiligen Kindes Gabriel von Sluzk aufbewahrt wurden. Vor den Reliquien hielt Vater Johannes fast täglich eine Andacht, was u.a. als Begründung seiner Festnahme und Ermordung durch die Kommunisten diente.

Als die Kunde von der Ermordung des Protomärtyrers Metropoliten Wladimir nach Moskau kam, hielt Vater Johannes auf dem Landeskonzil, das damals stattfand, eine berührende Rede, zu der auch Seine Heiligkeit Patriarch Tichon kam, um ihm zu danken. Vater Johannes sagte damals: „Unser Volk hat Sünden begangen, und Sünden erfordern Erlösung und Buße. Die Erlösung von den Fehltritten des Volkes und deren Buße fordern immer Opfer, und als Opfer werden immer die Besten, nicht die Schlechtesten auserwählt. Darin liegt das Geheimnis des Märtyrertums des Starzen und Metropoliten Wladimir. Der reine und lautere, kirchlich eingestellte, wahrheitsliebende, demütige Metropolit Wladimir ist durch sein märtyrerhafte Glaubenstat in den Augen der Gläubigen sofort emporgewachsen, und sein Tod, der, so wie auch sein Leben, ohne Anmaßung und Grosssprecherei war, kann nicht spurlos an uns vorübergehen. Sein erlösendes Leiden sei uns Aufruf und Anregung zur Buße.“ Vater Johannes rief die orthodoxen Laien leidenschaftlich dazu auf, sich in „Gefolgen“ zu vereinigen, um in der all-kirchlichen Einheit die Kirche Christi durch Gemeindeversammlungen, religiöse Vereine und ähnliche Bruderschaften zu verteidigen. Die Hirten rief er auf, sich auf den heiligen Kampf in Form des Glaubensbekenntnisses vorzubereiten: „Es gibt einen Bereich des Glaubens und der Kirche, in dem wir Hirten zu Qual und Leiden bereit sein sollten, aus Sehnsucht nach Glaubensbekenntnis und Märtyrertum.“

Am 20. Mai (2. Juni) 1918 wurde Vater Johannes unter der Anklage der antisemitischen Propaganda verhaftet und kam ins Butyrskaja-Gefängnis in Moskau. Dort war eine der schwierigsten Aufgaben der Gefangenen die Bestattung der Erschossenen und die Aushebung tiefer Gruben für die Beerdigung der Opfer der nächsten Erschießung. Diese Arbeit wurde jeden Tag ausgeführt. Die Gefangenen wurden in einem Lastwagen unter Aufsicht bewaffneter Wärter zum Chodynskoje-Feld oder manchmal zum Wagankowoer Friedhof gebracht; dann maß der Aufseher eine breite, menschenhohe Grube ab, deren Länge von der Anzahl der geplanten Opfer abhing. Es wurden Gruben für 20 bis 30 Menschen oder auch mehr ausgehoben. Die Zwangsarbeiter konnten die Erschossenen nicht sehen, denn diese wurden von den Henkern mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt. Die Häftlinge mussten lediglich die Gruben mit Erde füllen und einen Wall um die Grube errichten, die die jüngsten Tscheka-Opfer verschluckt hatte.

Eines Tages kündigten die Begleitposten an, dass für den Morgen des nächsten Tages – dem 23. August 1918 – eine „wichtige Erschießung“ von Pfaffen und Ministern bevorstünde. Am nächsten Tag stellte sich heraus, um wen es sich handelte: Hieromärtyrer Bischof Ephraim (Kuznetsow) von Selengin, Erzpriester Johannes Wostorgow, den katholischen Priester Herr Lutostanski und dessen Bruder, die ehemaligen Innenminister Nikolaj Maklakow und Alexej Chwostow, den Vorsitzenden des Staatsrates Iwan Schtscheglowitow und Senator Stepan Belezkij…

Die Ausgewählten wurden entlang des Grabes mit dem Gesicht zu diesem aufgestellt. Auf Bitte von Vater Johannes erlaubten die Henker allen Verurteilten zu beten und sich voneinander zu verabschieden. Alle gingen auf die Knie, und es tönten flammende Gebet empor. Danach kamen alle zu Seiner Eminenz Ephraim und zu Vater Johannes, um von ihnen gesegnet zu werden. Dann verabschieden sich alle voneinander. Als erster kam Vater Johannes an die Grube, der zuvor einige Worte zu den Anderen sprach, in denen er sie alle einlud, im Glauben an die Barmherzigkeit Gottes und die baldige Wiedergeburt des Vaterlandes das letzte Erlösungsopfer darzubringen. „Ich bin bereit“, sagte er dem Konvoi. Alle stellten sich auf ihre Plätze. Ein Henker trat hinter Vater Johannes hin, nahm seinen linken Arm, drehte ihn um, setzte auf seinen Hinterkopf den Revolver, schoss und stieß Vater Johannes in die Grube hinunter. Die anderen Henker traten nun zu ihren Opfern. Belezkij riss sich los und lief zu einem etwa 20 bis 30 Schritte entfernten Gebüsch, aber getroffen von zwei Kugeln fiel er, und man zog ihn zu der Grube, schoss nochmals und warf ihn hinunter.

Während die Henker ihre Opfer mit Erde bedeckten, äußerten sie ihre tiefe Bewunderung über Vater Johannes Wostorgow und Nikolaj Maklakow, deren Mut sie anscheinend überraschte. Man erzählte, dass Iwan Schtscheglowitow sich schwer bewegt, aber auch keine Angst gezeigt hatte.

Erzpriester Johannes Wostorgow wurde auf dem Jubiläumsbischofskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche im August 2000 zum Chorus der Heiligen Neomärtyrer und Bekenner Russlands sowie zur all-kirchlichen Verehrung bestimmt.


Quelle: pravoslavie.ru [1]