Seraphim, hl. Metropolit, Neomrt.

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Metropolit Seraphim
Johannes von Kronstadt
Ehrwürdiger Seraphim von Sarow
Hl. Zar und Märtyrer Nikolaus II
Hl. Patriarch Tichon

Gedenktag: 28. November

Hieromärtyrer Seraphim wurde 1856 als Leonid Michajlowitsch Tschitschagow in einem der berühmtesten Adelsgeschlechter Russlands geboren. Nach der Ausbildung im kaiserlichen Pagenchor nahm er am Balkankrieg (1876-1877) teil, wurde unter dem Einfluss des Erlebten nachdenklich und stellte sich mit großer Klarheit die Frage nach dem Sinn des Lebens und der moralischen Seite des Leidens. Nach Petersburg zurückgekehrt, fand er auf dem ihm bestimmten Weg zum Herrn geistlichen Zuspruch beim heiligen gerechten Vater Johannes von Kronstadt, der für den künftigen Bischof zur unerschütterlichen Autorität wurde. 1879 heiratete er Natalia Dochturowa. In seiner Ehe herrschte der Geist orthodoxer Frömmigkeit; sie unterschied sich durch die Erhabenheit der gegenseitigen Beziehungen von gewöhnlichen Verbindungen der oberen Schichten.

Als Soldat bemühte sich Tschitschagow, die Ideale des Dienstes an Gott und den Menschen zu verwirklichen. So wurde er Ktitor (Stifter) einer der Militärkirchen und erarbeitete die Praxis medizinischer Behandlung mit Heilkräutern auf Feldzügen. Sein besonderes Interesse galt den theologischen Wissenschaften. Als er 1893 im Rang eines Obersten aus dem Heer ausschied, nahm er mit dem Segen des hl. Johannes von Kronstadt den priesterlichen Dienst auf.

Er diente in verschiedenen Kirchen Moskaus und setzte all seine Kraft für die rechte Erhaltung der Gotteshäuser ein. 1895 starb seine Frau. Über den Verlust des ihm so nahe stehenden Menschen trauernd, konzentrierte sich Vater Leonid auf das Gebet und fühlte sich zum monastischen Leben hingezogen, was auch in seinen schöpferischen Interessen zum Ausdruck kam - er begann mit der Abfassung der "Chronik des Seraphim-Diwejewo-Klosters". Es war der Beginn seiner Forschungen über den hl. Seraphim von Sarow.

Als er 1898 die Mönchsweihe empfing, erhielt er den Namen Seraphim und trat der heiligen Sergius-Dreiheitslavra bei. Bald darauf wurde er, bereits als Archimandrit, Vorsteher am Euthymius-Heilands-Kloster zu Susdal. Als Bischof setzte er seine Arbeiten über die Seraphimer Chronik fort. Der Beistand des ehrwürdigen Seraphim von Sarow half ihm, so dass er den Antrag zur Kanonisierung des Ehrwürdigen beim Heiligsten Synod unmittelbar an Zar Nikolaus II. stellte, dem obersten "Schirmherrn und Bewahrer der Dogmen des herrschenden Glaubens". Das von Archimandrit Seraphim vertretene Anliegen fand die Zustimmung des Herrschers, und durch einen Akt des Synods wurde der Sarower Starez Seraphim 1903 zur Schar der Heiligen der Russischen Orthodoxen Kirche hinzugefügt.

Archimandrit Seraphim wurde Zeuge verschiedener Festveranstaltungen zur Kanonisierung des Ehrwürdigen von Sarow und leistete selbst einen entscheidenden Beitrag zu dessen Verherrlichung, indem er einen einmalig schönen Akathistos verfasste, der die russische Tradition kirchlicher Hymnographie bereichert hat.

Die Bischofsweihe erhielt Archimandrit Seraphim im Jahr 1905. Er diente zunächst im Bistum Suchumi und wurde nacheinander an die Bistümer Orel, Kischinau und Twer versetzt, nun bereits im Amt eines Erzbischofs. Überall machte er sich einen Namen durch seine umsichtige Ordnung des Gemeindelebens. Auch während und nach der Russischen Revolution verrichtete seine Eminenz Seraphim seine kirchliche Arbeit. Als Vertreter des Bistums Twer nahm er am Landeskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche 1917/1918 teil, wo er die Sektion "Klöster und Mönchstum" zu leiten hatte. Ende 1917 wurde er von seinem Bischofsstuhl vertrieben und vom hochheiligen Patriarchen Tichon für den Warschauer Bischofsstuhl nominiert, den zu verwalten ihm wegen der Kriegsereignisse in Polen jedoch unmöglich war. Im Rang eines Metropoliten wurde er 1921 verhaftet und nach Archangelsk verbannt.

Nach einem Jahr konnte er zwar nach Moskau zurückkehren, doch bald darauf wurde er wegen Verherrlichung des ehrwürdigen Seraphim von Sarow erneut festgenommen. Abermals musste der Oberhirte Moskau verlassen. Weit entfernt verbrachte er die nächsten Jahre in einem Kloster bei Schuja. Hier lebte er ganz im Gebet, sann über das Schicksal Russlands und der Kirche nach und arbeitete am zweiten Teil seiner Chronik über das Seraphim-Diwejewo-Kloster. 1925 konnte er wieder in die kirchliche Verwaltung eintreten und erhielt den Bischofsstuhl von Leningrad. Hier herrschte große Verwirrung durch die Auseinandersetzungen wegen der kirchlichen Spaltung durch die Erneuerer, in die eine beachtliche Zahl von Leningrader orthodoxen Gemeinden verwickelt war.

In seinen Predigten rief der hl. Seraphim das Kirchenvolk zu einem bewusst orthodoxen Leben auf und versuchte seine Herde geistlich dadurch zu stärken, dass er die Gläubigen zu intensivem Gebet und häufiger Teilnahme an den heiligen Sakramenten Christi anhielt. Als im Alter von 77 Jahren der Dienst in den Bistümern seine Kräfte nahezu aufgezehrt hatte, wurde er in den Ruhestand versetzt. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in seinem Landhaus bei Moskau. In der dörflichen Stille, unter geistlichen Reflexionen über seine theologischen und asketischen Werke und mit Wachen und Gebet zog der Hierarch die Bilanz seines Lebens, die Begegnung mit Jesus Christus erwartend.

Schwere körperliche Gebrechen hatte er zu erdulden; doch blieb er beharrlich im Gebet für jene, die den Heiland vergessen hatten und Seine heilige Kirche verfolgten.

Im November 1937 wurde der 80jährige Starez, krank und hilflos, abermals festgenommen und auf einer Krankentrage ins Taganka-Gefängnis gebracht. Die ihm zur Last gelegten Beschuldigungen erkannte er nicht an, sondern hielt sich tapfer. Schließlich wurde er im Dorfe Butowo unweit von Moskau am 11. Dezember 1937 erschossen. So endete der bischöfliche Dienst des Metropoliten Seraphim, der am Ende seines Weges als Bekenner die Märtyrerkrone erwarb.

Quelle: Kirchenkalender