Kilian

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Der Hl. Kilian von Würzburg
Schädelreliquien der Hll. Kilian, Kolonat und Totnan

Der heilige Kilian von Würzburg (* 640 in Irland; † 8. Juli 689 in Würzburg) war ein iro-schottischer Bischof. Zusammen mit seinen beiden Wegbegleitern Kolonat und Totnan gilt er als Frankenapostel. Sein Gedächtnis wird gefeiert am 8. Juli.

Herkunft

Der Hl. Kilian war von vornehmer Abkunft und machte in seiner Jugend schnelle Fortschritte im Erlernen der Wissenschaften. Seine Heimat war Irland oder Schottland, und er kam als geweihter Wanderbischof im 7. Jahrhundert nach Franken. Mit ihm zusammen reisten einige seiner Schüler, die Priester Lonatus (auch Colonatus oder Kolonat genannt), Gallo und Arnuvatis sowie der Diakon Totnan mit sieben weiteren namentlich Ungenannten.

In Würzburg regierte der ostfränkische Herzog Gosbert (Gozbertus), ein Sohn des älteren Hedan (Hetanus), eines Sohnes des Hruodo (Radulph), welchen König Dagobert zum Herzog von Thüringen ernannt haben soll. Wie sein ganzes Volk lebte er noch in der Finsternis des Heidentums und verehrte namentlich die Göttin Diana. Hier entschloss sich der Hl. Kilian mit der Verkündigung des Evangeliums zu beginnen, reiste aber zunächst nach Rom und erbat vom apostolischen Stuhl die Sendung und Vollmacht zur Verkündigung des Evangeliums, welche ihm Papst Konon, der ihn ehrenvoll aufnahm, auch gewährte. Dannach kehrten die frommen Männer nach Würzburg zurück und begannen dort das Wort Gottes zu verkünden.

Wirken

Die Heiden bewunderten nicht nur die neue Lehre, die der Hl. Kilian vortrug, sondern auch seine Beredsamkeit, denn er hatte sich in Kürze der fremden Sprache bemächtigt und wurde bei seinen Predigten durch die Gnade Gottes mit Wundern und Zeichen unterstützt. Als der Herzog Gosbert dieses erfuhr, ließ er den Hl. Kilian zu sich rufen und besprach sich mit ihm, der ihn nach kurzer Zeit dazu überredete, Christ zu werden und ihn samt des ihm untergebenen Volke taufte und mit dem Heiligen Myron salbte. Als er nun aber dem Herzog, welcher nach Volkssitte die Gattin seines verstorbenen Bruders zur Frau hatte, solches als dem Evangelium zuwider untersagte und dieser, wenn auch schweren Herzens, aus Liebe zu Gott sich entschlossen zeigte, seine Frau zu verlassen, entbrannte der Hass des Weibes namens Geilana gegen die frommen Prediger, so dass sie, wie einst Herodias gegen den Hl. Johannes den Täufer, Tag und Nacht auf deren Verderben sann. Als dann Herzog Gosbert eines Tages abwesend war, nutzte Geilana die Gelegenheit und ließ die frommen Diener Gottes zur Nachtzeit, während sie gerade einmütig ihre kirchlichen Gebete verrichteten, heimlich durch einen gedungenen Mörder enthaupten und an der nämlichen Stelle in aller Eile samt dem bischhöflichen Kreuz, dem Evangelienbuch und anderen kirchlichen Gerätschaften in ihren Kleidern beerdigen. Dies geschah um das Jahr 688. Trotz dieser Heimlichkeit bemerkte eine fromme Matrone namens Burgunda das Verbrechen und brachte es ans Tageslicht. Doch das Verbrechen wurde auch noch auf andere Weise offenbar. Als nämlich Herzog Gosbert aus dem Krieg zurückkehrte und nach den Dienern Gottes fragte, erwiderte zwar Geilana, dass sie über deren Aufenthalt nicht wisse, aber der Mörder selbst konnte nichts verheimlichen, da er, wie wahnsinnig, hin und her laufend, seine Schuld bekannte und am Ende unter dem Ausruf "Kilian, der Heilige Gottes, brennt mich mit dem heftigsten Feuer!" sich selbst zerfleischte.

Reliquien

Auch Geilana starb im Wahnsinn. Herzog Gosbert bewahrte zwar den christlichen Glauben bis an sein Ende, wurde aber unter dem Einfluss der heidnischen Sachsen von der eigenen Garde umgebracht. Sein Sohn Hedan wurde durch einen Volksaufstand aus dem Land vertrieben, wie auch die ganze herzögliche Familie. Erst Bonifatius betrieb erneut die Christianisierung des Landes. Am Grabe der hll. Märtyrer aber geschahen viele Wunder. Unter anderem weigerten sich die Pferde, in dem von Geilana über den Heiligen Reliquien errichteten Pferdestall Urin und Kot zu lassen. Unter Papst Zacharius wurden auf Anregung von Bischof Bonifatius von Mainz die Leiber der Hl. Märtyrer aufgehoben und verherrlicht durch Bischof Burchard, den ersten Bischof von Würzburg, zur Zeit der Regierung Pippins. Die Auffindung der Reliquen der Heiligen Märtyrer aber geschah wie folgt; als Gertrudis, die Tochter des Frankenkönigs Pippin und Schwester Karls des Großen, nach Karlburg kam, um dort ein Kloster zu gründen, hatte sie den Priester Atalongus bei sich, der die Knaben in Karlberg unterrichtete. Erstmals in dieser Gegend, wusste er nichts vom Hl. Kilian. Da nun einmal die Knaben schrien, der Hl. Kilian tue Wunder und müsse von der Stelle, wo er unwürdig begraben liege, fortgebracht werden, wurden sie von Atalongus zur Ruhe ermahnt, worauf dieser erblindete. Als er sich nun die Stätte hatte sagen lassen, wo der Heilige ruhte, erlangte er dort den Heiligen anrufend das Gesicht wieder. Hierauf berichtete er das Wunder Bischof Bonifatius. Dieser beschloss zusammen mit den anderen Bischöfen der Provinz, die Reliquien des Hl. Kilian und seiner Gefährten, welche in der Erde unter einem Pferdestall lagen, zu heben. Diese Erhebung fand am 14. Oktober des Jahres 742 oder 743 statt. Die Leiber fand man unverwest, wie aus Wachs, und die Bücher und Kleider waren ebenfalls noch vollständig erhalten. Um diese Zeit hatte Ymmina oder Irmina, die Enkelin von Herzog Gosbert und Tochter des Herzogs Hedan II., welche auf dem Schlossberg zu Würzburg in klösterlicher Zurückgezogenheit lebte, diese väterliche Burg gegen das stillere Karlburg getauscht, das Karlmann Bischof Burchard geschenkt hatte, der nun dorthin seinen bischöflichen Sitz verlegte. Dort befand sich eine Marienkirche, wohl die älteste in Franken, nach welcher der Berg später „Marienberg“ genannt wurde. In diese Kirche wurden die Reliquien zunächst übertragen. Karlburg befindet sich nicht weit in nordwestlicher Richtung von Würzburg gegenüber dem am rechten Mainufer gelegenen Städtchen Karlstadt. Karlburg war im letzten Jahrhundert ein Dorf rings um die Ruinen der gleichnamigen von Karlmann erbauten Burg. Wegen der Steilheit des Hanges und dem Mangel an Wasser bestimmte Bischof Burchard jedoch, seine Kathedrale an der Stelle zu erbauen, wo jetzt noch das Neumünster steht (in den alten Urkunden „Salvatorkirche“ genannt). Dorthin wurden die Reliquien am 14. Februar 752 übertragen - zuerst in ein hölzernes Kirchlein und dann in die neu erbaute größere Neumünsterkirche, wo sie sich heute noch in der Gruft befinden, während die Häupter im Hochaltar der später in der Nähe erbauten Kathedralkirche aufbewahrt werden. Die drei hll. Häupter wurden an den Hauptfesten in silbernen Statuen auf dem Choraltar der Kathedralkirche zur Verehrung ausgestellt, zugleich mit dem vom Blut der hll. Märtyrer bespritzen Evangelium, welches früher als Reliquie im Domschatz aufbewahrt wurde. Seit der Säkularisierung aber befindet es sich in der Universitätsbibliotek. Die hll. Häupter befinden sich jetzt auf dem Choraltar in einem eigenen Schrein, der an den Feiertagen geöffnet wird, so dass die hll. Häupter sichtbar sind. Am Feiertag des Hl. Kilian werden sie in einer Prozession nach Neumünster getragen. In der Gruft von Neumünster, wo die Reliquien der hll. Märtyrer seit ihrer Überführung verehrt werden, befindet sich eine Quelle, zu der die Gläubigen besonders an Festtagen kommen und trinken.

Textnachweis

Dieser Text stammt aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.130ff. Scan des Kapitels über den Hl. Kilian. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

Weblinks

Textnachweis

Dieser Text stammt aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.130ff. Scan des Kapitels über den Hl. Kilian. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.