Agathangel Preobraschenskij

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Agathangel Preobraschenskij
Agathangel Preobraschenskij
Patriarch Tichonj
Kyrill Smirnow
Sergius Stragorodski


Agathangel Preobraschenskij (russ. Агафангел Преображенский, 1854-1928), Metropolit von Jaroslawl, Heiliger Hierarch, Erleuchter, Bekenner

Gedenktage: 3. Oktober, 30. Oktober, Synaxis der Neo-Märtyrer und Bekenner Russlands, Synaxis der Heiligen von Woronesch, Synaxis der Heiligen von Estland

Alexander Lawrentjewitsch Preobraschenskij wurde am 27.September 1854 im Dorf Motschily des Amtsbezirks Kormowskoje des Landkreises Wenew des Gouvernements Tula in der Familie des Priesters Lawrentij hineingeboren. Die Eltern des zukünftigen Heiligen Hierarchen verkörperten in ihrem Leben die traditionellen Eigenschaften von Tausenden unbekannten Familien russischer Geistlicher, dank deren selbstaufopfernder Mühe die Frohe Botschaft Christi unaufhörlich in den grenzenlosen Weiten des russischen Landes erklang. Die asketische Erziehung von sechs Kindern durch ihre Einbeziehung in die einfache Bauernarbeit, gewissenhafter Pastorendienst im bescheidenen dörflichen Gotteshaus, demütige Hinnahme der eigenen Armut und tiefe liturgische Frömmigkeit – das war es, was den Alltag der Familie von Vater Lawrentij bestimmte.

An die religiösen Erlebnisse seine Kindheit erinnerte sich der Hierarch wie folgt: „Ich (…) liebte es, häufig und lange auf dem Friedhof zu bleiben, inmitten der Gräber und der Kreuze, diesen schweigenden, aber redlich bezeugenden Zeichen, dass alles Staub, alles Asche, alles Schatten ist; mit Tränen in den Augen bat ich Gott, dass ER, der Barmherzige, mich zur richtigen Zeit würdig machen möge, ein Diener des Altars zu werden und das unblutige, besänftigende Opfer darzubringen für diejenigen, die ihre irdische Wanderung beendet haben.“

1871 begann der junge Mann sein Studium am Geistlichen Seminar in Tula und erlebte dort seine ersten ernsthaften spirituellen Versuchungen. Die Besonderheiten der dortigen Ausbildung und Erziehung entsprachen nicht den Traditionen der kirchlichen Frömmigkeit, wie er sie in seiner Familie kennengelernt hatte. Alexander überlegte, ob er nicht lieber Arzt werden sollte, aber der ständige Austausch mit seinem Vater half ihm, diese Versuchungen zu überwinden. 1877 wurde er Student an der Moskauer Geistlichen Akademie. Dort gelang es ihm, der pastoralen Glaubenstaten teilhaftig zu werden, für die die St.-Sergius-Dreiheitslavra immer schon berühmt gewesen war.

1881 absolvierte Alexander Preobraschenskij erfolgreich die Moskauer Geistliche Akademie. Für seine Studie zum Thema „Das Hexaemeron des Exarchen von Bulgarien - Eine Untersuchung seiner Sprache und des Textes nach einer Kopie aus dem Jahre 1263“ ("Шестоднев экзарха Болгарского. Опыт исследования языка и текста по списку 1263 года") wurde ihm der Grad eines Doktors der Theologie verliehen. 1881 wurde Alexander Lateinlehrer in der Geistlichen Schule zu Rannenburg in der Diözese Rjasan und am 7. Dezember 1882 Assistent des Inspektors der Geistlichen Schule zu Skopino in derselben Diözese.

In selben Jahr 1882 heiratete er Anna Wosnesenskaja, die Tochter eines Erzpriesters. Doch nach weniger als einem Jahr glücklichen Familienlebens verlor Alexander fast gleichzeitig sowohl seine Gattin als auch sein neugeborenes Kind. „Der von mir gewählte Lebensweg war nicht mein Schicksal… ich beeilte mich, die Welt zu verlassen, mein Kreuz zu nehmen und mich dem Chor der Mönche anzuschließen“, erinnerte er sich an die Lehre, die er aus diesen furchtbaren Prüfungen gezogen hatte. Am 7. März 1885 empfing Alexander die Mönchsweihe auf den Namen Agathangel (Agafangel) (zu Ehren eines Märtyrers aus dem 4. Jahrhundert und Schüler des Hieromärtyrers Clemens von Ankyra), und dann auch die Würde des Mönchspriesters.

1886 wurde Vater Agathangel zum Hegumen erhoben und zum Inspektor des Geistlichen Seminars in Tomsk (Sibirien) ordiniert. 20 Jahre später sollte er als angesehener Erzpastor nach Zentralrussland zurückkehren.

1888 wurde Vater Agathangel Rektor des Geistlichen Seminars in Irkutsk und zum Archimandriten erhoben. Am 10. September 1889 wurde er im Christi-Himmelfahrt-Kloster in Irkutsk zum Bischof von Kirensk und Vikar der Diözese Irkutsk geweiht. Von 1893 bis 1897 verwaltete er die Diözese von Tobolsk und Sibirien. 1897 wurde er Bischof von Riga und Mitau. Seit 1910 bekleidete er das Bischofsamt von Wilna und Litauen. 1904 wurde er zum Erzbischof erhoben.

Bei der Verbesserung der Arbeit der geistlichen Lehranstalten in seinen Diözesen wollte er alle Reformen einem Ziel unterordnen: die jungen Menschen sollten beginnen, vor allem das Gebet zu lieben. Die kirchliche Erleuchtung und das eucharistische Leben waren die wichtigsten Seiten seines Wirkens. Er tat vieles zur Verbesserung des Lebens einfacher dörflicher Priester, da er aus eigener Lebenserfahrung von ihren Schwierigkeiten wusste. So organisierte er Hilfskassen, eröffnete Waisenheime für Kleinkinder aus den Familien der Geistlichen und intensivierte die Aktivität der diözesaneigenen Kerzenfabrik.

Für das bevorstehende Lokalkonzil 1905 erstellte Agathangel im Auftrag des Heiligsten Synods ein Gutachten über die aktuellen Probleme des gottesdienstlichen Lebens der Russischen Orthodoxen Kirche und deren Lösung, wobei es um die Notwendigkeit ging, die grammatischen und stilistischen Fehler zu berichtigen, die sich seit dem 17. Jahrhundert in die gottesdienstlichen Bücher eingeschlichen hatten, und den Gemeindegottesdienst entsprechend den alten Satzungen zu regeln. Er arbeitete auch an einer Reform des Gemeindelebens, wobei er das Katholizitäts-Prinzip entwickelte. Er beschäftigte sich viel mit der Wohlfahrt: aus seinen Mitteln wurde eine Kantine für arme Kinder unterhalten, und er hatte auch viele ständige Pensionisten. „Ein glückliches Gleichgewicht des Geistes, Sanftheit und Aufmerksamkeit im Austausch, Ausgeglichenheit und Disziplin des Charakters, großer Respekt gegenüber der Meinung des Anderen – das sind die persönlichen Eigenschaften Seiner Eminenz, die in Allen, die mit ihm zu tun hatten, unwillkürlich Liebe erweckten“ - so sprachen die Zeitgenossen über ihn.

1912 wurde er für sein unveränderliches Wohlwollen gegenüber Geistlichen und Laien mit dem Diamantenkreuz auf dem Klobuk (orthodoxe Bischofsmütze) ausgezeichnet.

1913 wurde er auf das Bischofsamt von Jaroslawl und Rostow ordiniert. Bald darauf wurde er zum Metropoliten erhoben. Der im Sommer 1914 ausgebrochene Krieg gestattete es ihm nicht, sich einer friedlichen erzpastoralen Tätigkeit hinzugeben. Er organisierte Spitäler und entsandte Priester zur Einsatzarmee. In den Jahren 1917 und 1918 war er Mitglied der Vorkonziliaren Versammlung und dann Mitglied des Landeskonzils. Seit 1918 war er Mitglied der Obersten Kirchenverwaltung und des Geweihten Synods beim Patriarchen Tichon.

Am 12. Mai 1922 wies Patriarch Tichon, der von den Bolschewiki ins Gefängnis geworfen worden war, entschlossen die Anforderung einer Gruppe von Erneuerer (Obnowlenzy) zurück, die verlangten, ihnen die Befugnisse der Obersten Kirchenleitung zu übergeben, und übergab dem Metropoliten Agathangel per Urkunde das Vertretungsrecht: „Angesichts der großen Schwierigkeiten der Kirchenleitung, die durch meine Verklagung beim Zivilgericht entstanden ist, halte ich es für das Wohl der Kirche nützlich, Seine Eminenz bis zu Einberufung des Konzils zum Oberhaupt der Kirchenleitung einzusetzen“.

Am 3. Juni 1922 erschien das sogenannte „Dreier-Memorandum“ (russ. "Меморандум трех"), unterzeichnet von Metropolit Sergius (Stragorodski) und den Erzbischöfen Ewdokim (Meschtscherskij) und Seraphim (Meschtscherjakow), in dem betrügerisch verkündigt wurde, dass die die Oberste Kirchenleitung der Erneuerer „die einzige kanonisch legitime Kirchenmacht“ sei. Alle Hirten wurden aufgerufen, deren Verordnungen für „legitim und verbindlich“ zu halten.

In diesem äußerst schwierigen und gefährlichen Moment veröffentlichte Metropolit Agathangel am 5. Juni 1922 ein Sendschreiben über seinen Antritt auf dem Posten des vorübergehenden Leiters der Russischen Orthodoxen Kirche, in dem er die Gläubigen dazu aufrief, die Grundlagen und Grundfesten der Kirche in Reinheit aufrechtzuerhalten und sich vor denjenigen zu hüten, die versuchten, die Kirchenmacht gesetzwidrig zu usurpieren. Wegen seines Widerstands gegen die Erneuerer in ihrem Versuch, die Kirchenmacht zu ergreifen, wurde der Hierarch unverzüglich verhaftet. Ende 1922 wurde er, ein kranker Starez, nach langer Haft in mehreren Gefängnissen, in einem gewöhnlichen Arresttransport zusammen mit Kriminellen ins dreijährige Exil im Dorf Kolpaschow der Region Narym (Gouvernement Tomsk) geschickt.

In seinem Testament nannte Patriarch Tichon den Metropoliten Agathangel als zweiten Kandidaten auf den Posten des Statthalters des Patriarchenthrons. Als das Exil Seiner Eminenz zu Ende war, wurden zwei anderen Statthalter des Patriarchenthrons – die Hieromärtyrer Metropolit Peter (Poljanski) und Metropolit Kyrill (Smirnow) - verhaftet. Die Organe der Politischen Hauptverwaltung (GPU) versuchten, eine gefolgsame Gruppe von Bischöfen mit Erzbischof Grigori (Jatskowskij) als Oberhaupt an die Spitze der Kirche zu setzen. Doch wurde diese Gruppe durch Metropolit Sergius (Stragorodski), der bis dahin wegen seiner Zugehörigkeit zu den Erneuerern Buße hatte tun müssen und nun wieder in den Schoß der Orthodoxen Kirche aufgenommen und von Metropolit Peter zu seinem Stellvertreter für die Zeit des Exils aller drei Patriarchenstatthalter ordiniert wurde, verboten.

Jewgenij Tutschkow, Leiter einer speziellen Geheimabteilung der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung (OGPU), versuchte, auf den Metropoliten Agathangel, dessen Exil 1925 zu Ende ging, Druck auszuüben. Im April 1926 traf er sich mit Seiner Eminenz in einem Gefängnis in Perm. Er bat den Heiligen Hierarchen, die oberste Kirchenleitung zu übernehmen. Ziel dieses Angebots des Agenten war es, durch diverse Intrigen und Desinformationen die angesehensten Hierarchen auseinanderzureißen und in der Kirche zahlreiche Schismata zu provozieren und ihr somit die Legitimität zu nehmen.

Gewiss standen Seiner Eminenz im Exil nicht alle Texte der Verordnung des Metropoliten Peter (Poljanski) zur Verfügung, aber da er das betrügerische Verhalten des Metropoliten Sergius im Jahre 1922 noch in Erinnerung hatte, veröffentlichte er im April 1926 ein Sendschreiben, in dem er die eigene Übernahme des Amtes als Patriarchenstatthalter ankündigte. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil erhielt er die Verordnung des Metropoliten Peter (Poljanski), das Amt als Patriarchenstatthalter zu übernehmen; doch weigerte sich Metropolit Sergius, der zuvor einverstanden gewesen war, das Amt freizumachen und dem legitimen Inhaber zu übergeben (anscheinend unter dem Druck der GPU). Die weiteren Verhandlungen, Telegramme und Briefe des Metropoliten Sergius, die reich an kanonischer Kasuistik waren, konnten den weisen und entschiedenen, aber aufrichtigen und arglosen Agathangel darin, dass der Stellvertreter des Metropoliten Peter nicht der Richtige sei, um das Episkopat zu vereinigen und gegen den Druck der gottlosen Macht zu verteidigen. Er erkannte, dass Metropolit Sergius den Kampf aufnehmen würde, und schickte im Mai 1926 ein Telegramm: „Verwalten Sie die Kirche weiter. Ich werde mich aller Auftritte enthalten und eine entsprechende Verordnung über das liturgische Gedenken des Metropoliten Peter [als leitendem Bischof] verfassen, da ich vorhabe, um des Kirchenfriedens willen, auf das Amt des Statthalters zu verzichten.“

Nach einigen Tagen kam aber von Metropolit Peter, der sich im Exil befand, ein Brief, in dem er die Übernahme des Statthalteramtes durch den Metropoliten Agathangel begrüßte. Der Hierarch rief Metropolit Sergius dazu auf, wieder nach Moskau zurückzukehren, um von ihm, in der Vollversammlung der Bischöfe, die oberste Macht zu übernehmen. Doch weigerte dieser sich zu kommen und begann einen Briefwechsel, in dem er verkündete, dass die Schreiben des Metropoliten Peter aus dem Gefängnis „die Anordnungen oder eher Ratschläge einer verantwortungslosen Person“ seien.

Dann teilte Metropolit Agathangel dem Metropoliten Peter mit, dass er die Pflichten des Statthalters „wegen seines hohen Alters und seiner angegriffenen Gesundheit“ nicht auf sich nehmen könne. Der Hierarch, der keine Machtgelüste verspürte, riet dem Metropoliten, das Stellvertreteramt dem Metropoliten Kyrill (Smirnow) oder dem Metropoliten Arsenij (Stadnitskij) übergeben, da er nicht wollte, dass die oberste Kirchenverwaltung in den Händen des Metropoliten Sergius bleibt.

Seine Eminenz hielt die Politik des Metropoliten Sergius für die kirchliche Sittlichkeit, für schädlich – insbesondere nach seiner Veröffentlichung der „Loyalitätserklärung der Kirche gegenüber der sowjetischen Staatsmacht“ aus dem Jahre 1927. Deswegen trat er– am 24.Januar 1928 in einem Appell auf, in dem er, mit einigen Erzbischöfen (sog. „Jaroslawler Opposition“) dem Metropolit Sergius die administrative Unterordnung verweigerte und einen Übergang zur Selbstverwaltung, die in der Verordnung seiner Heiligkeit des Patriarchen Tichon vom 20. November 1920 vorgesehen worden war, ankündigte. Doch bat Metropolit Sergius in einem Antwortbrief Seine Eminenz, die Gemeinschaft (Communio) mit ihm aufrechtzuerhalten und drohte im Gegenfall mit dem kanonischen Bann.

Bald erlitt er mehrere heftige Herzanfälle, wobei er immer zunächst die Heiligen Sakramente und erst danach medizinische Hilfe annahm. Am 10. Mai 1928 spürte er den Tod nahen und rief seine Vikare, Bischof Warlaam (Rjaschenzew) und Bischof Jewgenij (Kobranow), um einen neuen Appell an den Metropoliten abzufassen, dass die Communio mit dem Stellvertreter des Patrirarchenstatthalters nicht gebrochen werde, damit es zu keinem Schisma komme, und alle Bischöfe, Kleriker und Laien an den Metropoliten Sergius weiterzuleiten, um des Kirchenfriedens willen.

Allerdings wurde der Vorbehalt hinzugefügt, dass die drei Hierarchen „Verordnungen des Stellvertreters, die unser religiöses Gewissen und das des Volkes verwirren und unserer Überzeugung nach die Canones verletzen, nicht erfüllen könnten“. Selbst wenn Agathangel die Politik des Metropoliten Sergius nicht übernahm, bemühte er bis zum Ende seines Lebens um die Einheit der Kirche. Die kindliche Aufrichtigkeit und seelische Reinheit des geistlichen Vorkämpfers ließen ihn für berechnende Diplomatie und den politischen Kampf ungeeignet erscheinen, welche aber notwendig waren, um die administrative Macht in den Händen zu behalten.

All diese Sorgen um die Kirche Christi ruinierten seine Gesundheit. Die Herzanfälle kamen immer häufiger, und Mitte September legte er sich zum Sterben nieder. Vor seinem Dahinscheiden empfing er wiederholt die Heiligen Sakramente. Am 16. Oktober 1928 ging Metropolit Agathangel heim. Zwölf Schläge der dreißig Jaroslawler Gotteshäuser verkündigten das Dahinscheiden des Heiligen Hierarchen. Seiner Eminenz wurde sieben Tage später in einer Krypta unter dem Gotteshaus auf dem St.-Leontius-Friedhof in Jaroslawl bestattet. Sein Gesicht war noch genauso wie am Tag seines Dahinscheidens – hell und friedlich, und aus dem Sarg strömte Wohlgeruch.

Im August 2000 wurde Seine Eminenz Agathangel auf dem Jubiläumsbischofskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche mit vielen anderen Neo-Märtyrern und Bekennern Russlands heiliggesprochen und zur allkirchlichen Verehrung empfohlen.