Trudpert, Heiliger

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Der Hl. Trudpert (* 2. Hälfte des 6. Jahrnunderts in Irland oder Schottland, † 607 (?) in St. Trudpert bei Freiburg in Baden-Württemberg) war Missionar und Klostergründer. Sein Gedächtnis wird gefeiert am 26. April.

Vita

Der Überlieferung nach war der Hl. Trudpert von hochadeliger Abkunft und stammte aus Irland. Sein Name bedeutet im Althochdeutschen "der glänzend Starke". Er bekam ihn 604 von Papst Gregor dem Großen (590 bis 604), als er sich als Wallfahrer zusammen mit seinen Geschwistern Rupert (Bischof) und Ehrentrudis (Äbtissin) in Rom aufhielt. Zusammen mit dem neuen Namen erhielt er von Papst Gregor den Auftrag, als Glaubensbote in Alemannien zu wirken. So kam er in das größtenteils schon christianisierte Alemannien und suchte hier nach einem geeigneten Ort, um die letzten Jahre seines Lebens in Abgeschiedenheit verbringen und sich unzersteut auf das ewige Leben vorbereiten zu können. Im südlichen Schwarzwald fand er den geeigneten Ort und wandte sich mit der Bitte um die Erlaubnis, dort wohnen zu dürfen, an den zuständigen Grafen Othpert, welcher der Überlieferung nach ein Ahnherr des Habsburgergeschlechts war. Othpert war von der Nützlichkeit von Trudperts Vorhaben überzeugt, gab ihm einige Jäger als Führer mit, und erlaubte ihm, sich einen geeigneten Platz auszusuchen. Nachdem sie das sogenannte Untertal bis zum Obertal durchwandert hatten, fand der Hl. Trudpert bei einem Wasserfall die geeignete Stelle: einen Platz, der mit kräftigen Kräutern bewachsen und von Felsen umringt war. Voll Dankbarkeit schickte er seine Führer zum Grafen zurück und begann sogleich, den Ort urbar zu machen. Aus Freude darüber, dass Trudpert einen passenden Ort gefunden hatte, versprach Othpert, ihm jede Hilfe zu gewähren, und schenkte ihm das Tal mit den benachbarten Bergen, Hügeln, Wäldern und Gewässern. Tagsüber war Trudpert tätig wie die Hl. Martha, nachts versenkte er sich in Kontemplation, wie die Hl. Maria zu Füßen des Herrn. Als Othpert den Fortschritt von Trudperts Tätigkeit in der Einöde sah, schickte er ihm zur Unterstützung sechs kräftige Knechte, denen eingeschärft wurde, dem heiligen Mann gegenüber Gehorsam zu üben und ihn nicht im Stich zu lassen. Mit ihrer Hilfe errichtete Trudpert ein kleines Bethaus, welches spätestens im Jahre 639 von Bischof Martianus von Konstanz zu Ehren des Hl. Apostels Peter geweiht wurde. Zwei Knechten aber wurden ihre Arbeit und die häufigen Zurechtweisungen des Heiligen wegen ihrer rohen Sitten bald unerträglich, und sie begannen, auf Mord zu sinnen. Im dritten Jahr seines Aufenthaltes im Breisgau erschlugen die beiden den Hl. Trudpert mit einer Axt, als dieser sich zu einem kurzen Schlummer auf einer Bank niedergelegt hatte. Herzog Othpert war sehr erbittert, als er davon erfuhr, aber die Vorahnung von der Verherrlichung des Heiligen vertrieb bald seine Bitterkeit über die Ermordung Trudperts. Als man den Leichnam nach mehreren Tagen auffand, zeigte er weder Spuren von Verwesung noch des Leidens. Der Gesichtsausdruck des Heiligen war sanft, als würde er schlummern, und seine Lippen waren wie zum Segen geöffnet. Hierauf lies Othpert den Heiligen, entsprechend seiner adeligen Herkunft, in einem steinernen Sarkophag in der von ihm errichteten Kapelle beisetzen, welche sogleich zu einem Wallfahrtsort wurde. Die Überlieferung vom Schicksal der beiden Mörder berichtet, dass diese gleich nach begangener Tat, von ihrem Gewissen gepeinigt, in entlegenere Teile Alemanniens zu entweichen suchten. Am darauffolgenden Tag aber, als sie sich bereits in Sicherheit glaubten, zur gleichen Stunde, in der sie den Mord verübt hatten, zerrissen plötzlich ihre Kleider, und in großen Schrecken versetzt eilten sie nun ziellos durch die entlegensten Täler und Schluchten, um sich schließlich, ganz unerwartet, im Tal des Heiligen wiederzufinden. Als sie aus diesem wieder zu entkommen versuchten, wurden sie drei Tage lang, immer wieder von unsichtbaren Stimmen erschreckt, in das Tal zurückgetrieben, so dass die beiden Mörder am dritten Tag, als eine Menge Menschen aus Anlass der Ermordung des Einsiedlers in das Tal kamen, durch die Göttliche Gerechtigkeit, in ihrer Verwirrtheit, allen von selbst offenbar wurden. Die Zelle des Hl. Trudpert entwickelte sich zum wichtigsten Wallfahrtsort im Schwarzwald, welcher noch vor den karolingischen Reformen auch für Württemberg von großer Bedeutung war. Viele Kranke erlangten hier durch die Fürbitte des Hl. Trudbert ihre Gesundheit wieder, und die Christianisierung wurde von hier aus auch in die entlegenen Teile des Landes getragen. Als 643 der Sarkophag geöffnet wurde, fand man den Leichnam des Hl. Trudpert noch so gut erhalten, als wäre er eben erst beigesetzt worden. Um 815 errichteten die Benedikiner unter dem Abt Erchenbald hier ein Kloster.[1]

Um 900 (nicht vor 884) erhielt das Kloster unter Abt Waldrich reiche Stiftungen von den Liutfriden, eines Zweiges des oberelsässischen Herzogsgeschlechtes der Etichonen. 901 erfolgte eine Erhebung der Reliquien des Trudpert. Am 21. Februar 902 wurde die neue Klosterkirche geweiht. 902 wurden auch Liutfrid[2][3] (879 Herr von Monza und Graf im Sundgau, 884 Laienabt von Münster-Granfelden) und seine Söhne Hunfried, Hugo und Liutfrid[4][5] bezeugt, die Wohltäter des Klosters.[6] Die alte Grablege der Liutfride im Kloster Moutier-Grandval (deutsch: Münster-Granfelden) 10 km südlich der jurassischen Kantonshauptstadt Delsberg war zu dem damaligen Zeitpunkt aufgrund der Expansionspolitik König Rudolfs I. von Hoch-Burgund (Königreich seit 888) zumindest gefährdet.[7]

Im Jahre 962 wurden die Reliquien des Hl. Trudpert durch Bischof Konrad von Konstanz wahrscheinlich nach Konstanz überführt, wo sie, falls sie vorher nicht woandershin verbracht wurden, während der Reformation zusammen mit den anderen Konstanzer Reliquien verbrannt und ihre Asche in den Rhein gestreut wurden

Textnachweis

Dieser Text stammt weitgehend aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.96ff. Scan des Kapitels über den Hl. Trudpert. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

Literatur

  • A. Baur: Der Todestag des hl. Trudpert. In: Freiburger Diözesan-Archiv (FDA), Band XI, 1877, Seite 247–252.
  • Friedrich von Weech (1837-1905): "Urkundenbuch des Benedictinerklosters St. Trudpert." In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 30 (1878), 76-128, 323-399. (Friedrich von Weech war seit 1868 Mitherausgeber der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, abgekürzt ZGO, seltener auch ZGORh)
  • Gustav Wilhelm Körber: Die Ausbreitung des Christenthums im südlichen Baden. Heidelberg: Winter, 1878
  • Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden. Beschreibende Statistik im Auftr. d. großherzogl. Min. d. Justiz, d. Kultus u. Unterrichts. In Verb. mit Dr. Jos. Durm, Geh. Hofrath Dr. E. Wagner (4. Abth. 1-6: Dr. A. von Oechelhaeuser; 4. Abth. 1. 2: Karl Schäfer) hrsg. v. Dr. Franz Xaver Kraus (1840-1901). Bd. 1-6. Freiburg (4, 2: Freiburg, Leipzig & Tübingen; 4, 3-6: Leipzig & Tübingen) : Mohr, 1887-1904. 6. Abth. 1.- Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen u. Waldkirch (Kreis Freiburg Land). In Verb. mit E. Wagner bearb. v. Franz Xaver Kraus. Aus dessen Nachlaß hrsg. v. Max Wingenroth. Mit 231 Textbildem, 39 Lichtdrucktaf. u. 1 Kt. 1904. VI, Seiten 434-447
  • Albert Krieger (1861-1927): Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. hg. von der Badischen Historischen Kommission, Bd. 2. Heidelberg (2. Aufl.) 1904, Sp. 779-789.
  • Willibald Strohmeyer (1877-1945): Der heilige Trudpert und die ersten Anfänge des Klosters St. Trudpert, in: Freiburger Diözesan-Archiv 53 (1925). (Willibald Strohmeyer war ab 1910 Pfarrer von St. Trudpert im Münstertal und wurde am 22. April 1945 erschossen, weswegen er als katholischer Märtyrer verehrt wird).
  • Willibald Strohmeyer: Die Stifter und Vögte des Klosters St. Trudpert. Die mittelalterlichen Urkundenfälschungen, in: Freiburger Diözesan-Archiv (1926).
  • Willibald Strohmeyer: Kongregation der Schwestern vom hl. Josef. Provinz - Mutterhaus Kloster St. Trudpert Münstertal (Baden). Rhenania - Verlag Düsseldorf, Th. P. Braun, 1931.
  • Willibald Strohmeyer: Die politischen Schicksale des Klosters und der Herrschaft St. Trudpert im Laufe der Jahrhunderte, in: Freiburger Diözesan-Archiv 60 (1932), S. 168-238.
  • Willibald Strohmeyer: Die Äbte des Klosters St.Trudpert, in: Freiburger Diözesan-Archiv 61 (1933), S. 53–117.
  • Willibald Strohmeyer: Die Äbte des Klosters St. Trudpert - Fortsetzung, in: Freiburger Diözesan-Archiv 63 (1935).
  • Theodor Mayer (1883-1972), Hg.: Beiträge zur Geschichte von St. Trudpert (Veröffentlichungen des Oberrheinischen Instituts für geschichtliche Landeskunde Freiburg im Breisgau 3). Freiburg i. Br. 1937. (Theodor Mayer war 1935 bis 1938 als Freiburger Professor für mittelalterliche Geschichte Leiter des Oberrheinischen Instituts für geschichtliche Landeskunde in Freiburg)
  • Werner Sebert: Die Benediktinerabtei St. Trudpert im Münstertal. Karlsruhe, Technische Hochschule, Dissertation, 1962.
  • Werner Sebert: Die Benediktinerabtei St. Trudpert im Münstertal - Ihre Bau- und Kunstgeschichte, in: Freiburger Diözesan Archiv-Band 82/83 (1962/1963), S. 7-126.
  • W. Müller: "St. Trudpert." In: Franz Quarthal (Hg.): Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg (=Germania Benedictina 5). St. Ottilien 1975, Seiten 606-614.
  • Willi Werth: Zum wahren Kern der Passio Trudberti im St. Galler Codex 577. In: Schau ins Land. Band 94/95, 1976/77, S. 145–165.
  • Andreas Merkt: "Trudpert." In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 12, Bautz, Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9, Sp. 632–634.
  • Theodor Kurrus: St. Tudpert/Münstertal, Pfarrkirche St. Peter und Paul und St. Trudpert, Märtyrer, Kleine Kunstführer, Nr. 1081, 14. Auflage 2003, Verlag Schnell und Steiner Regensburg, ISBN 3-7954-4807-7.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Willibald Strohmeyer: Die Äbte des Klosters St.Trudpert, in: Freiburger Diözesan-Archiv 61 (1933), S. 53–117.
  2. Belegt mit comes-Titel: D K III Nr. 108, F. von Weech: "Urkundenbuch des Benedictinerklosters St. Trudpert." In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 30 (1878), S. 76-128, 323-399, Nr. 8 (= Regesta Alsatiae 1 Nr. 662).
  3. Belegt ohne comes-Titel: Herrgott, Genealogiae gentis Habsburgicae II. 1 Nr. 222 (= Migne PL 179 S. 849 Nr. 17, Germania Pontificia II. 1 181 Nr. 1), F. von Weech: "Urkundenbuch des Benedictinerklosters St. Trudpert." In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 30 (1878), S. 76-128, 323-399, Nr. 7 und Nr. 23 (Regest).
  4. Vgl. Berengar - Ludwig der Blinde - Regesta Imperii RI I,3,2 n. 1151 vom 12. Februar 902 in Pavia: "Ludwig schenkt seinem Getreuen Richard, einem Vasallen des Bertald (Graf von Reggio nell'Emilia) (cuidam fideli nostro Richardo, vasso Bertaldi), auf Bitten der Grafen Liutfred und Ailulf eine zum Comitat von Reggio gehörende braida (braida una de massa hactenus pertinens de comitatu Regiense), eine Weide zwischen dem Fluß Crustula Vetus und dem vicus Rolesa sowie drei Stücke Land (petias tres de terra) in Reggio selbst, gleichfalls zum Comitat von Reggio gehörend, mit allem Zubehör zu freiem Eigen...Arnulfus not. ad vicem Liutoardi episcopi. - MF. SR. SI Fragm. - a. inc. 902, a. imp. in It. 1, Ind. 5. - "Omnium fidelium"...Or. Reggio nell'Emilia, Arch. Capitolare (A). - Faksimile: Arch. paleogr. ital. IX, Taf. 26 (mit Regest). - Faksimile des Siegels: Arch. paleogr. ital., Taf. 90, Nr. 10. - Drucke: Muratori, Antiq. Ital. II, Sp. 207-210 (mit Nachzeichnung des Siegelfragments); Tiraboschi, Mem. stor. Modenesi I, Cod. diplom., Nr. 61 S. 82-83; Schiaparelli, I Diplomi italiani di Lodovico III, Nr. 16 S. 47-49; Schiaparelli, Trascrizioni dei facsimili (dell'Arch. paleogr. ital.), Taf. 26, S. 103-105; Torelli, Le carte degli archivi reggiani, Nr. 34 S. 92-93. - Regg.: B 1468; Dümmler, Gesta, Nr. 16....Die beiden intervenierenden Grafen gehören zum provenzalischen Gefolge Ludwigs III; vgl. Hlawitschka, Franken, S. 80 u.ö.; s. auch Reg. 1151."
  5. Vgl. Berengar - Ludwig der Blinde - Regesta Imperii RI I,3,2 n. 1151 vom 21. April 902 in Vercelli: "Ludwig schenkt seinem Getreuen Idelgerius, einem Vasallen des Vicegrafen Gaddo (Gariard) (cuidam fideli nostro nomine Idelgerio vasso Gaddoni vicecomitis), auf Bitten des Markgrafen Adalbert filius quondam Anscherii (Anscar I. von Ivrea), der Grafen Leutfred (Liutfred) und Radulf sowie des Unald eine unbestellte (absa) Curticella, die zum Comitat von Vercelli gehört, in Cusiningo mit zusammen acht Mansen...Arnulfus not. ad vicem Liutuardi episcopi et archicanc. - ME SR. SI D. - a. inc. 902, a. imp. in It. 2, Ind. 5. - "Omnium fidelium"...Or. Vercelli, Arch. Capitolare, Diplomi, n. 4 (A). - Kopie: Ebd., Ms. 3,16. Jh., fol. 101. - Drucke: Hist. patriae Mon., Chart. I, Nr. 61 S. 103-104; Schiaparelli, I Diplomi italiani di Lodovico III, Nr. 18 S. 51-53. - Regg.: Dümmler, Gesta, Nr. 17; Carutti, Reg. comitum Sabaudiae, S. 1f. Nr. 1...Der zum provenzalischen Gefolge des Kaisers gehörende Graf Liutfred ist schon in D 16 (Reg. 1147) als Intervenient begegnet."
  6. Vgl. Franz Vollmer: „Die Etichonen. Ein Beitrag zur Frage der Kontinuität früher Adelsfamilien“, in: Studien zur Geschichte des großfränkischen und frühdeutschen Adels. (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte 4), hg. von Gerd Tellenbach, Freiburg 1957, S. 173: "Noch 902 ist dieser Liutfrid am Leben; er ist zusammen mit seinen drei Söhnen Liutfrid, Hugo und Hunfried als Restaurator und Schenker im rechtsrheinischen Kloster St. Trudpert tätig. Von seinem vom toten Bruder Hugo ererbten Besitz übergibt er dem Schwarzwaldkloster im elsässischen Oedenburg/Burgheim, Limersheim (Liminhusin) und Colmar sowie in den ortenauischen Orten Ichenheim, Wittelbach (bei Lahr) und Gamshurst Besitzrechte."
  7. Vgl. Michael Borgolte: Die Geschichte der Grafengewalt im Elsass von Dagobert I. bis Otto dem Großen. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 131, 1983.